Propaganda in kurzen Hosen

Die WM 1978 in Argentinien fand in einer Militärdiktatur statt, die 30.000 Leben kostete. Die Gleichgültigkeit von Verbänden wie dem DFB stärkte das Selbstbewusstsein des Folterregimes, doch die internationale Aufmerksamkeit ermöglichte Menschenrechtlern auch neue Partner und Spenden. Inzwischen hat Argentinien die wohl lebendigste Zivilgesellschaft Lateinamerikas, doch die Weltmeister spielen beim Gedenken kaum eine Rolle. Teil 3 der Themenreihe „Fußball und Menschenrechte“.

Autor: Ronny Blaschke, ronnyblaschke.de

Am Zaun entlang dauert es fast eine Stunde, um das Gelände zu umrunden. An einer viel befahrenen Ausfallstraße im Norden von Buenos Aires hatte die Esma ihren Platz, die Mechanikerschule der Marine. Ein 17 Hektar großes Gelände mit 34 Gebäuden, mit Wohnhäusern, Casino und Werkstätten, Sportplatz und Kapelle. Während der Militärdiktatur war hier auch das größte geheime Folterzentrum untergebracht. Häftlinge wurden betäubt und später aus Flugzeugen lebendig über dem Río de la Plata abgeworfen. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen fielen der Diktatur zwischen 1976 und 1983 rund 30.000 Menschen zum Opfer, die meisten gelten als „Desaparecidos“, Verschwundene.

Die Politikwissenschaftlerin Luciana Bertoia kann zu jeder Stelle des Geländes eine traurige Geschichte erzählen. Seit 2005 beherbergt das Areal ein Kulturzentrum mit Museen, Gedenkstätten und neun Menschenrechtsbüros. „Die Aussagen von 950 Zeitzeugen helfen uns, um die Vergangenheit besser zu verstehen“, erzählt Bertoia mit leiser Stimme. Sie arbeitet für die NGO „Memoria Abierta“, die offene Erinnerung. Insgesamt wurden in der Esma 5.000 Menschen gefangen gehalten. Vielen  Frauen wurden Säuglinge geraubt, die dann bei Militärfamilien aufwuchsen. Erst vor wenigen Jahren hat eine der Aktivistinnen ihren Enkelsohn kennengelernt, er war während der WM 1978 in der Esma geboren worden.

Im Obergeschoss des Gebäudes mit der Nummer 17 führt Luciana Bertoia durch eine Ausstellung über den Sport in der Militärdiktatur. Zwischen weißen, rissigen Wänden sind schwarze, klobige Stelen aufgebaut, dazwischen kleine Bildschirme, Zeitleisten und Jubelfotos des Fußballs, auch Kurzbiografien von „verschwundenen“ Sportlern. Eine Karikatur zeigt elf muskelbepackte Spieler, die Soldatenhelme und Gasmasken tragen. Eine andere porträtiert Fußballfunktionäre in dunklen Anzügen, die sich mit beiden Händen ihre Augen verdecken.

Aus den Lautsprechern tönt die WM-Eröffnungsrede von Jorge Rafael Videla, damals General und Vorsitzender der Militärjunta. Salbungsvolle Worte, begleitet von Applaus und Friedenstauben. Luciana Bertoia und ihre Kolleg*innen haben Forschungen im Fußball angestoßen. Sie sagt, dass Sport in der Erinnerungskultur keine große Rolle spiele. Das möchte „Memoria Abierta“ mit Dokumenten und Erzählungen ändern.

“Der Fußball kann bei jungen Menschen eine emotionale Bindung zum Thema herstellen.”

Luciana Bertoia

Luciana Bertoia, Quelle: Ronny Blaschke

Die Fifa schaute über Staatsstreiche hinweg

Als Argentinien am 25. Juni 1978 Weltmeister wurde, glaubte das Regime fest an seine Macht. Das Monumental Stadion, in dem das Finale stattfand, lag wenige hundert Meter von der Esma entfernt. Hinweise auf das Folterzentrum waren beseitigt worden. Zehntausende Menschen feierten ausgelassen auf den Straßen. „Ein Wachmann fuhr mit Häftlingen durch die Straßen, er wollte sie demütigen“, berichtet Luciana Bertoia. „Niemand traute sich, um Hilfe zu rufen. Vermutlich hätte ihnen ohnehin niemand geglaubt.“ Die Aktivist*innen möchten solche Geschichten nun jungen Menschen erzählen, die in demokratischen Verhältnissen aufgewachsen sind, sie wollen auf Schulen und Vereine zugehen. „Sie sollen wissen: der Preis für den WM-Triumph war hoch.“

Es gibt nur wenige Sportereignisse, die so intensive politische Debatten ausgelöst haben wie die Weltmeisterschaft 1978. Das Turnier war bereits zwölf Jahre zuvor nach Argentinien vergeben worden, am 6. Juli 1966. Nahezu alle politischen Parteien freuten sich darüber, auch linke und rechte Extremisten, eine Seltenheit in Argentinien. Zwei Wochen nach der Vergabe wurde der demokratisch gewählte Präsident Arturo Illia von bewaffneten Polizisten zum Rücktritt gezwungen. Fast jede demokratische Regierung Argentiniens musste im 20. Jahrhundert gewaltsam einem Militärregime weichen. Die Fifa schaute über diese brüchigen Verhältnisse hinweg, auch nach dem Putsch gegen Präsidentin Isabel Perón am 24. März 1976, zwei Jahre vor der WM. Die Junta löste das Parlament auf, verbot Parteien und Gewerkschaften, setzte die Obersten Richter ab. Kurz darauf trat das WM-Organisationskomitee zurück, wenige Monate später wurde der neue Chef von Linksextremisten erschossen.

„Es war eine Zeit der Angst“, erinnert Ezequiel Fernández Moores. „Wir wuchsen mit dem Gedanken auf, dass die Verhältnisse schnell kippen können.“ Er zählt zu den renommiertesten Sportreportern Argentiniens, schreibt für die Tageszeitung La Nación, auch für internationale Blätter wie die New York Times oder El País. 1978 war Moores ein junger Reporter von Anfang zwanzig. In seiner Familie wurde wenig über Politik gesprochen, die heimischen Medien unterlagen der Zensur, viele Journalisten standen der Junta nahe. Er lernte während der WM Reporter aus Europa kennen, die ungeschönte Informationen hatten, auch über Menschenrechtsverletzungen. „Von ihnen habe ich erfahren, was in meinem Land wirklich vor sich ging.“

Ezequiel Fernández Moores schildert seine Erinnerungen in einem Gebäude einer Nachrichtenagentur im Zentrum von Buenos Aires. Die meisten Schreibtische stehen leer, die Wirtschaftskrise hat die Redaktionen geschwächt. Er sitzt in T-Shirt und kurzer Hose vor einem Stapel mit Zeitungen, Akten und Notizen. Als einer von wenigen Journalisten in Argentinien berichtet er seit Jahrzehnten über politische Hintergründe im Sport. Über die WM 1978 hat er ein Buch geschrieben und mehrere Fernsehdokumentationen gedreht, und immer wieder: Recherchen, Artikel, Zeitzeugengespräche.

Ezequiel Fernández Moores, Quelle: Ronny Blaschke

63 Menschen wurden während der WM entführt

Vor einigen Jahren fragte Moores nach dem wichtigsten Sportereignis in der Geschichte Argentiniens. Die meisten seiner Interviewpartner nannten die WM 1978. Sie fanden, dass die große Fußballnation Argentinien den ersten Titel endlich verdient gehabt habe. Erst danach nannten sie den Triumph von 1986 mit Diego Maradona. Es scheint, als würde `78 noch immer ein Eigenleben führen.

„Wir dürfen das Turnier nicht auf das Sportliche reduzieren. Die politischen Vorbereitungen begannen wesentlich früher.“

Ezequiel Fernandez Moores

Das Militär hatte schon vor dem Putsch 1976 einen Schattenstaat aufgebaut. Ihre 340 geheimen Folterzentren trugen verschleiernde Namen wie „Athletischer Klub“, „Olymp“ oder „Vesuv“. 1976 wurden laut Dokumenten und Zeugenbefragungen 3525 Menschen verschleppt, 1977 waren es 2746. Im Jahr der WM hatte die Junta die meisten Kritiker bereits aus dem Weg geräumt, 797 Menschen wurden noch inhaftiert, 63 während des Turniers. Wegen, so die Begründung, „Terrorismus, Korruption und Kriminalität“.

Heute sind diese Schicksale gut dokumentiert, in den Buchhandlungen von Buenos Aires füllt die Literatur über die Diktatur meterlange Regale. „Doch bis 1978 hat sich Europa nicht für Argentinien interessiert“, sagt der Autor Matías Bauso. „Als Problemland Südamerikas galt Chile unter Pinochet“. Bauso hat in den vergangenen fünf Jahren zu den politischen Umständen der WM recherchiert, sein 1.000 Seiten starkes Buch ist gerade in Argentinien erschienen.

Matías Bauso, Quelle: Ronny Blaschke

Vor allem in Frankreich, Schweden und in den Niederlanden wurde gegen die Weltmeisterschaft protestiert. Bei Auswärtsspielen wurde das argentinische Team mit kritischen Transparenten empfangen. Amnesty International verfasste eine Broschüre: „Fußball ja – Folter nein“. Der Schriftsteller Walter Jens empfahl „keine Anbiederei beim Regime“. Auch von Boykott wurde hier und da gesprochen. Doch dieses Druckmittel kam erst zwei Jahre später auf die Agenda: 42 Nationen blieben den Olympischen Sommerspielen 1980 Moskau fern, aus Protest gegen den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan.

Für den DFB-Präsidenten bot der Putsch „nur Vorteile“

Für die WDR-Dokumentation „WM-Sieg unter Folter“ aus dem Jahr 2014 bündelte das Rechercheteam Sandra Schmidt, Jochen Leufgens und Robert Kempe Zitate von deutschen Nationalspielern zur Politik in Argentinien. Rüdiger Abramczik sagte: „Wenn ich spielen sollte, habe ich mit mir selber Probleme. Und dann kann ich mich um diese Angelegenheiten nicht kümmern.“ Ronnie Worm: „Das ist eine Sache der Regierung. Die müssen da handeln und entscheiden. Da haben wir überhaupt nichts mit zu tun.“ Klaus Fischer: „Die politischen Zustände in Argentinien interessieren mich überhaupt nicht. Das Militär stört mich weniger.“ Quasi als Begleitmusik dazu sang Udo Jürgens: „Buenos Dias Argentina. Komm’, wir reichen uns die Hand. So heißt meine Melodie, und sie soll uns zwei verbinden mit dem Band der Harmonie.“ Das Lied stand in der deutschen Hitliste vier Wochen auf Platz eins.

Diese Aussagen wirken noch befremdlicher, wenn man sie vor dem Hintergrund der damaligen politischen Beziehungen betrachtet. Argentinien war in den 1970er Jahren ein geachteter Partner der Bundesrepublik, viele deutsche Firmen waren mit Niederlassungen in Buenos Aires vertreten. Auch deutsche Diplomaten betrachteten den Putsch 1976 als möglichen Weg aus dem Chaos. Am 5. Juni 1977 sollte ein Freundschaftsspiel des deutschen Nationalteams gegen Argentinien diese Beziehungen in Buenos Aires unterstreichen. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Spitzen aus der deutschen Botschaft und dem DFB bereits, dass die deutsche Staatsbürgerin Elisabeth Käsemann am 24. Mai 1977 von Militärs getötet worden war. Das Spiel ging nach einem Schweigeabkommen über die Bühne. Eine Dokumentation des Filmemachers Eric Friedler von 2014 zeichnet nach, dass Käsemann durch höheren diplomatischen Einsatz auch hätte gerettet werden können.

Als Symbolfigur der alten Seilschaften wirkte Hermann Neuberger, zwischen 1975 und 1992 Präsident des DFB. Der Fernsehkommentator Erich Laaser, seit 1999 Präsident des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, zitierte Neuberger in seiner Diplomarbeit von 1978/79 so:

„Ganz gleich, wie man ihn (den Putsch) bewertet, für uns hat er nur Vorteile gebracht. Wir jedenfalls haben dadurch Partner mit Durchsetzungsvermögen bekommen, die auch über die notwendigen Mittel verfügen.“

Hermann Neuberger, damaliger DFB-Präsident

Neuberger hatte aus Argentinien auch Unterstützung für die Vergabe der WM 1974 nach Deutschland erhalten.

Während der WM 1978 diente dem deutschen Team als Quartier ein abgeschotteter Komplex der argentinischen Luftwaffe in Ascochinga. Zu Besuch war hier kurzzeitig auch Hans-Ulrich Rudel. Der hoch dekorierte Wehrmachtsoffizier hatte sich 1948 nach Argentinien abgesetzt, wo die NSDAP in den 1930er Jahren ihre größte Auslandsorganisation gehabt hatte. Rudel baute nun eine Hilfsorganisation für NS-Angehörige auf.

Es gab jedoch auch vereinzelte kritische Töne, zum Beispiel von Paul Breitner, doch alles in allem wertete die Gleichgültigkeit der deutschen Delegation die Militärjunta auf. Sie drohte einem kritischen ARD-Reporter sogar mit der Ausweisung. In Argentinien selbst gab es während der WM keine nennenswerten Proteste. Mit wenigen Ausnahmen.

Siebzig Prozent der Argentinier feierten auf den Straßen

Die Plaza de Mayo, der zentrale Platz in Buenos Aires, wird von der Casa Rosada gesäumt, dem rosafarbenen Präsidentenpalast. Zwischen Geschäftsleuten unter Zeitdruck und Touristen mit Kameras bauen Aktivist*innen eine kleine Bühne auf, davor zwei Lautsprecher und Klapptische mit Broschüren. Langsam füllt sich der Platz mit Menschen aller Altersgruppen. Sie tragen Transparente mit Friedensbotschaften, verteilen Flugzettel und Broschüren. Und sie jubeln, als von der Westseite ein Kleinbus auf den Platz einbiegt, darin sitzen Frauen mit weißen Kopftüchern, sie sind zwischen achtzig und neunzig Jahre alt.

Noch immer treffen sich an jedem Donnerstagnachmittag die Madres de Plaza de Mayo, eine der bekanntesten Menschenrechtsorganisationen Lateinamerikas. Der Applaus und die Sprechchöre ihrer Anhänger übertönen den Lärm der knatternden Busse. Im April 1977 hatten die Mütter erstmals öffentlich Aufklärung über den Verbleib ihrer Kinder gefordert, viele von ihnen hatten keine politische Vorbildung. Da Proteste im Stehen verboten waren, drehten sie einige Runden auf dem Platz. So auch am 1. Juni 1978, als Weltmeister Deutschland gegen Polen in Buenos Aires die WM eröffnete.

Die Madres de Plaza de Mayo 1982 und 2018, Quelle: gemeinfrei/Ronny Blaschke

Der Autor Matías Bauso hat jenen Tag in seinem Buch rekonstruiert: Die Stadt war wie leer gefegt, alle saßen vor dem Fernseher. Doch auf der Plaza de Mayo trafen sich 20 Frauen mit den Fotos ihrer verschleppten Söhne. Mit dabei war ein holländisches Kamerateam, das einen kritischen Fernsehbericht drehte. Das sprach sich schnell herum, und so schickten eine Woche später alle großen europäischen Fernsehsender Kamerateams auf die Plaza de Mayo. „Aber dieses Mal kamen keine Frauen auf den Platz“, schildert Bauso. „Sie wurden von der Polizei vorher aufgehalten.“

Die WM 1978 hat Mythen hervorgebracht. So sollen auch europäische Spieler aus Solidarität auf der Plaza de Mayo gewesen sein, doch dafür hat Bauso keine Belege gefunden. Besonders umstritten ist das entscheidende Zwischenrundenspiel Argentiniens gegen Peru. Die Partie wurde überraschend auf den Abend verlegt. So wusste der Gastgeber, dass für den Finaleinzug ein Sieg mit vier Toren Unterschied nötig war, sonst hätte der große Rivale Brasilien das Endspiel erreicht. Argentinien schlug Peru 6:0.

Nach dem Einzug ins Finale feierten laut Bauso schätzungsweise siebzig Prozent der argentinischen Bevölkerung auf den Straßen, auch im Süden des Landes, wo die Temperaturen im Wintermonat Juni auf sechs Grad gefallen waren. „So etwas hatte es noch nicht gegeben“, sagt Bauso. „Als einige Mitglieder der Junta diese hemmungslosen Menschenmaßen sahen, wuchs ihre Sorge vor dem Machtverlust, aber das stellte sich bald als unbegründet heraus.“

Neue Kommentare und Dokumente rücken die WM in ein anderes Licht

General Jorge Videla hatte bis 1978 nie Interesse an Fußball gezeigt. Für die WM wurde in Argentinien das Farbfernsehen eingeführt. Videla verfolgte alle Spiele Argentiniens auf der Ehrentribüne. Ob Militär oder Bevölkerung, ob Folterer oder Gefolterte – sie jubelten über das 3:1 nach Verlängerung im Finale gegen die Niederlande, so steht es in Chroniken. Neben den Generälen Videla, Emilio Massera und Orlando Agosti stieg auch Fifa-Präsident João Havelange auf die Tartanbahn hinab. Videla überreichte den Pokal an Kapitän Daniel Passarella, verbunden mit den Worten: „Ihr habt uns leiden lassen, Kapitan. Aber jetzt sind wir Champions.”

Selbst viele der 500.000 argentinischen Exilanten in Paris, London oder Mexiko hielten sich nun mit Kritik zurück. Historiker mutmaßen, dass Videla eine freie Präsidentschaftswahl am Tag nach dem Endspiel hätte gewinnen können. Was zu einer wichtigen Frage führt, die bis in die Gegenwart reicht: Haben Sportereignisse langfristig den Propagandaeffekt, den sich Autokraten und Diktatoren erhoffen?

Am 7. September 1979 gewann Argentinien mit Diego Maradona die Junioren-WM in Japan. Zur gleichen Zeit traf eine internationale Kommission in Buenos Aires Opfer der Diktatur. Ein bekannter Sportjournalist rief im Radio feiernde Fußballfans dazu auf, die „Verschwundenen“ anzuprangern. Matías Bauso fand allerdings nur wenige Belege dafür, dass der Fußball den Nationalismus stärkte: „Die Propaganda hat innenpolitisch nicht lange funktioniert. Die WM war für viele ein schönes Fest, aber nicht mehr. Und außenpolitisch haben die Täuschungsversuche der Junta nichts gebracht. Die Madres de Plaza de Maya waren plötzlich in ganz Europa auf den Titelseiten.“ Sie erhielten viele Spenden, gründeten eine eigene Zeitung, bauten eine Akademie auf.

Die WM dauerte 24 Tage, doch bis heute scheint sie nicht wirklich beendet zu sein. Neue Kommentare, Fotos, Dokumente rücken einige Spiele und Gesten in ein anderes Licht. Ein Beispiel ist das entscheidende Zwischenrundenspiel: Wurden die Peruaner in der Kabine von General Videla beeinflusst? Vielleicht sogar von dessen Ehrengast Henry Kissinger, dem ehemaligen US-Außenminister? Ließ Argentinien für einen hohen Sieg peruanische Oppositionelle beseitigen? Es gibt Anhaltspunkte, aber keine stichhaltigen Beweise.

Der Journalist Ezequiel Fernández Moores hat lange Interviews mit den argentinischen Weltmeistern geführt, er sagt über Trainer César Luis Menotti: „Ich habe seine Haltung lange kritisch gesehen und mich gefragt: Hätte er die Junta vielleicht deutlicher kritisieren müssen? Aber mit der Zeit bin ich verständnisvoller geworden. In den vergangenen Jahren wirkt seine Haltung auf mich etwas negativer. Auch die meisten Spieler möchten nicht mehr über die Diktatur sprechen. Sie sagen, sie mussten ihren Job erfüllen – und sie wussten nichts von den Folterzentren.“

Der Stürmer Caszely forderte in Chile den Diktator heraus

César Luis Menotti war 1978 Anhänger der kommunistischen Partei, ein Querkopf von nicht einmal vierzig Jahren. Er unterschrieb Appelle in Zeitungen, die nach dem Schicksal der Verschwundenen fragten. Er betonte bei der WM: Wir spielen für die Menschen. Er sagte nie: Wir spielen für das Militär. Nach dem Finale verweigerte Menotti angeblich den Handschlag mit Diktator Videla. Andere Beobachter sagen, das Gedränge auf dem Rasen habe das unmöglich gemacht. Endspielgegner Holland blieb dem feierlichen Bankett fern, angeblich aus Protest. Oder doch, weil der Bus im Verkehrschaos stecken blieb?

Andere Berichte tragen zur Verklärung bei, etwa ein Artikel in einer britischen Zeitung von 2016, der schwarze Farbe auf den Torpfosten beschrieb, angeblich ein Protest gegen die Junta. Doch das, sagen Experten, sei Unsinn. Deutungen sind vielschichtig, manchmal gegensätzlich, sagt Thomas Fischer, Professor für die Geschichte Lateinamerikas an der Katholischen Universität Eichstätt. Und lenkt den Blick auf das Äußere: Die Militärs um Videla trugen akkuraten Seitenscheitel oder Bürstenschnitt, selbst die Taxifahrer sollten sich ihre Haare kurz schneiden lassen – die meisten Spieler Argentiniens hatten lange Haare, einige trugen  Bart. „Auf der symbolischen Ebene können wir das als Abgrenzung interpretieren“, sagt Thomas Fischer. „Und wenn die Bevölkerung am Schluss jubelte, dann heißt das noch nicht, dass sie auch sagte: wir unterstützen das Regime.“

Thomas Fischer ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Lateinamerikaforschung, die im Juni eine Fußball-Konferenz in Berlin durchführt, und auch die Lehren aus der Geschichte diskutiert: Wirtschaftskrisen und soziale Spannungen hatten ab den 1960er Jahren den Aufstieg einiger Militärregime in Lateinamerika begünstigt, unter anderem in Bolivien, in Peru, Ecuador oder Uruguay, auch in Abgrenzung zur kommunistischen Revolution auf Kuba. Wie sehr haben Persönlichkeiten dagegen aufbegehrt? In Chile forderte der Stürmer Carlos Caszely den Rückzug des Diktators Augusto Pinochet. Seine Mutter war von Schergen gefoltert worden. In der Militärdiktatur Brasiliens rief die Spielerikone Sócrates die Fans zum Engagement für Demokratie auf. „Es ist nicht so, dass Mannschaften geschlossen aufbegehrt hätten“, sagt Thomas Fischer. „Das war für die meisten viel zu gefährlich.“

Das Militärregime in Argentinien konnte nach dem verlorenen Krieg um die Falklandinseln 1982 gegen Großbritannien seine Macht nicht mehr halten. Der 1983 frei gewählte Präsident Raúl Alfonsín ging die juristische Aufarbeitung an. Doch schon 1986 verabschiedete das Parlament das „Schlussstrichgesetz“, das weitere Anklagen ausschloss. Alfonsíns Nachfolger, Carlos Menem, begnadigte sogar verurteilte Juntamitglieder. Er paktierte mit dem erstarkenden Militär, aus Sorge vor einem sechsten Putsch seit 1930. In den 1980er Jahren wurde öffentlich wenig über die WM 1978 gesprochen. Und wenn, dann wurde die Taktik von Menotti mit der seines Nachfolger Carlos Bilardo verglichen. Die Generation der Weltmeister 1986 um Diego Maradona galt als Ablenkung von der Wirtschaftskrise. Manche nannten es: Betäubung.

Nur wenige Weltmeister beteiligen sich am Gedenken

Mit dreißig Jahren Distanz schaut Daniel Eduardo Rafecas mit Unbehagen auf die späten 1980er Jahre. „In den Jahren der Straflosigkeit konnten Mitglieder der Junta ihre Karrieren fortsetzen: als Polizisten, Lehrer oder Juristen“, sagt der Bundesstrafrichter in Buenos Aires. Sein Gerichtsbüro in der Nähe des Hauptbahnhofes ist mit Büchern voll gestellt, auf seinem Schreibtisch stapeln sich Akten.

„Wir mussten erst eine Generation warten, um ehrlich in die Vergangenheit blicken zu können.“

Daniel Rafecas

Unter dem linken Präsidenten Néstor Kirchner wurde ab 2003 die Strafverfolgung wieder vorangetrieben und Begnadigungen aufgehoben. Juristische Impulse kamen auch aus dem Ausland, durch Tribunale zu Jugoslawien und Ruanda. Als junger Richter übernahm Daniel Rafecas 2004 in Argentinien die Koordination von rund 120 Strafprozessen. Anfangs wurde er auch bedroht, einmal öffnete er zu Hause ein Paket mit einer Bombenattrappe. Doch die Arbeit seines zwölfköpfigen Teams zeigte Wirkung. „Justiz und Menschenrechtler haben sehr gut zusammengearbeitet, zum Beispiel bei der Beschaffung von Dokumenten. Zum ersten Mal überhaupt in der langen Geschichte Argentiniens hat sich die Gesellschaft so kritisch und geduldig einem ihrer dunkelsten Kapitel gestellt.“ Daniel Rafecas lehrt als Gastprofessor an drei Universitäten, er hält weltweit Reden über Aufarbeitung. „Die vergangenen Jahre haben unsere Wahrnehmung der Justiz geschärft, aber auch des menschlichen Verhaltens im Allgemeinen.“

Daniel Rafecas, Quelle: Ronny Blaschke

Die Erinnerungsarbeit unterliegt Schwankungen und ist an politische Entwicklungen gekoppelt. Mittlerweile hat Argentinien die wohl lebendigste Zivilgesellschaft Lateinamerikas. Wenn Politiker einen Strafnachlass für Juntamitglieder fordern, dann können NGOs schnell zehntausende Demonstranten mobilisieren. Und welche Rolle spielt der Fußball beim Gedenken? Die Argentinos Juniors zum Beispiel, der Jugendverein Maradonas, widmete seinen ermordeten Fans eine Wandmalerei im Stadion. 2009 zogen Fans von River Plate mit Transparenten von ihrem Stadion zur Esma. In der Kirchner-Ära trieb der ehemalige Spieler Claudio Morresi als Sportminister Projekte voran, sein Bruder wurde nach dem Putsch im Alter von 17 Jahren ermordet. Und in Ciudadela Norte, einem kleinen Verein im Westen von Buenos Aires, organisierte Claudio Tamburrini ein Spiel „Für das Leben“. Der einstige Torwart war 1977 entführt und vier Monate lang unter Folter festgehalten worden. Ihm gelang die Flucht durch ein Fenster.

Doch nur wenige Weltmeister von 1978 haben sich an Gedenkaktionen beteiligt: Osvaldo Ardiles oder Leopoldo Luque trafen sich Anfang des Jahrtausends mit Müttern der Plaza de Mayo. Ricardo Villa erzählte ausführlich, wie er den Parolen der Junta zunächst Glauben schenkte, auch der Dämonisierung des „kommunistischen Auslands“. Dass er und seine Kollegen während der WM von bewaffneten Sicherheitskräften umgeben waren, schien die Bedeutung des Ereignisses angemessen zu sein. Erst nach seinem Wechsel zu den Tottenham Hotspurs erhielt er vollständige Informationen, später engagierte er sich für Amnesty International.

Derweil wollen sich Führungsspieler wie der damalige Kapitän Daniel Passarella oder Torschützenkönig Mario Kempes nicht ausführlich zu Politik äußern. Der Autor Matías Bauso sagt: „Der Fußball dominiert unsere Alltagskultur, aber als Medium der Jugendbildung wird er nicht genutzt, das ist in Deutschland oder Großbritannien anders.“ Die Fifa und der Argentinische Fußballverband Afa haben sich nie ernsthaft mit der WM 1978 beschäftigt, ihre Führungen arbeiteten mit der Junta zusammen. Auch die großen Vereine thematisieren ihre Verstrickung noch nicht. „Es wäre gut, wenn die Weltmeister mal in der Esma der Folteropfer gedenken würden“, sagt Bauso. „Aber das halte ich für ausgeschlossen.“

Argentinien möchte die WM 2030 austragen

An der Avenida La Plata geht das pulsierende Buenos Aires im Süden allmählich in ruhigere Wohnsiedlungen über. In einem schmalen Reihenhaus hat der Club Atlético San Lorenzo de Almagro eines seiner Vereinsheime, mit Kneipe, Ticketschalter und Fitnessstudio, fast alles in den Farben Rot und Blau. Ein Vater schaut sich mit seinen Kindern alte Fotos und Trophäen an, zwei ältere Herren diskutieren leidenschaftlich über den vergangenen Spieltag. Auch die Fans Carlos Balboa und Eduardo Otero fühlen sich wohl hier, doch schon in direkter Nachbarschaft sinkt ihre Stimmung.

Über drei Straßenblöcke erstreckt sich einer der größten Supermärkte der Stadt. Auf dieser Fläche stand bis 1982 das „Gasómetro“, das Stadion von San Lorenzo. Schauplatz von Meisterschaften, Länderspielen und von Konzerten mit dem Gitarristen Carlos Santana oder der Tangokomponist Osvaldo Pugliese. Der Grafiker Carlos Balboa hat das „Gasómetro“ nicht erlebt, er ist 38 Jahre alt, und doch ist es für ihn ein Sehnsuchstsort. „San Lorenzo wurde auf schlimme Art von der Diktatur getroffen“, sagt er. „Uns wurde das Stadion geraubt.“ Als Entschädigung erhielt der Verein umgerechnet eine Million Dollar. Angeblich sollten an diesem Ort Sozialwohnungen und Straßen entstehen. Stattdessen wurde das Grundstück für den neunfachen Preis an eine französische Supermarktkette verkauft. 14 Jahre musste San Lorenzo in fremden Stadien spielen und Miete zahlen.

„Wir haben unsere Identität verloren.“

Carlos Balboa, Fan von San Lorenzo

Eduardo Otero und Carlos Balboa – Fans von San Lorenzo, Quelle: Ronny Blaschke

Der 1908 gegründete Verein San Lorenzo gewann zwölf Mal die Meisterschaft. Er galt lange politisch als links, in seinem Heimatviertel Boedo lebten Arbeiter, Künstler, freisinnige Geister. Das reichte, um bei der Junta Misstrauen zu erzeugen. Die Generäle verhinderten, dass im „Gasómetro“ 1978 WM-Spiele stattfinden. Nach dem Abriss verlor San Lorenzo 15.000 Mitglieder. Doch auch nach dem Abstieg in die zweite Liga hatte der Verein zeitweise den höchsten Zuschauerschnitt Argentiniens, zu einigen Heimspielen kamen 80.000 Menschen. „Damals haben sich viele Fans anderer Klubs über uns lustig gemacht. Aber sie konnten noch nicht wissen, warum uns das Stadion enteignet wurde“, sagt Carlos Balboa. „Während der Diktatur hatten die Menschen Angst, ihre Meinung zu sagen. Auch San Lorenzo war kein Verein, der gegen die Junta rebellierte. Aber er brachte Menschen zusammen. Und es gab es hin und wieder Sprechchöre für die Mütter der Plaza de Mayo.“

Die Fans von San Lorenzo, dem Lieblingsklub von Papst Franziskus, sammelten Geld für das „Neue Gasómetro“. Es wurde 1993 eröffnet, in der Nähe eines Viertels mit hoher Kriminalität. Ein Jahrzehnt später, in der Aufbruchszeit unter Präsident Kirchner, schlossen sich immer mehr Anhänger für soziales Engagement zusammen. Sie verteilten Flyer, starteten Internetkampagnen, träumten von einer Rückkehr auf das alte Grundstück. 2011 diskutierte das Stadtparlament, wie man San Lorenzo für die Enteignung entschädigen könne. Während jeder Debatte demonstrierten Fans vor dem Gebäude. Am Anfang war es eine kleine Gruppe, aber sie wurde größer. 2012 kamen 100.000 Menschen auf die Plaza de Mayo. „Nicht alle waren Fans von San Lorenzo, aber sie zeigten Solidarität“, sagt der Anwalt Eduardo Otero. „Sonst können nur Gewerkschaften so viele Menschen mobilisieren.“

Hinter dem riesigen Supermarkt beherbergt San Lorenzo ein Sportzentrum mit Volleyballhalle, Judomatten und Physiotherapie. Jugendliche in rotblauen Trainingsanzügen gehen ein und aus. Für sie ist die Epoche der Staatsstreiche und Folterzentren weit weg. Aber die Entwicklung in Argentinien ist nicht linear. Unter dem seit 2015 amtierenden konservativen Präsidenten Mauricio Macri haben sich reaktionäre Politiker und Literaten wieder vorgewagt und die Zahl der „Verschwundenen“ in Zweifel gezogen. Der millionenschwere Unternehmer Macri, einst Präsident des Fußballklubs Boca Juniors, hat die lange isolierte Wirtschaft für internationale Investitionen geöffnet, doch Kontakte zu Menschenrechtler*innen hat er kaum. Argentinien möchte die WM 2030 ausrichten, gemeinsam mit Paraguay und Uruguay. Es wäre eine Chance, sich auch im Fußball kritisch der Geschichte zu stellen. Es hängt auch von der künftigen Generation in Politik und Zivilgesellschaft ab, wie man die WM 1978 bewertet.

 


Autor und Themenreihe

Ronny Blaschke beschäftigt sich als Journalist mit den gesellschaftlichen Hintergründen des Sports, u. a. für die Süddeutsche Zeitung, den Deutschlandfunk und die Deutsche Welle. Mit seinen Büchern stieß er wichtige Debatten an, zuletzt mit „Gesellschaftsspielchen“ zur sozialen Verantwortung des Fußballs. Blaschke stellt die Recherchen für diese Themenreihe in einer Vortragsreihe zur Diskussion.

Die kommenden Termine sind hier zu finden.


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Die Veröffentlichung dieses Beitrags wurde auch durch die Unterstützung des 120minuten-Lesekreises möglich. Stellvertretend für alle bedanken wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bei Max, unserem neuesten Lesekreis-Mitglied. Du möchtest 120minuten ebenfalls aktiv unterstützen? Dann bitte hier entlang!

Bildnachweis: Illustrationen: Christoph Löffler; Fotos: Ronny Blaschke

Kategorie q 120minuten

Endreas Müller heißt in Wirklichkeit ganz anders und beschäftigt sich schon länger mit Fußball im Allgemeinen und dem Bloggen im Besonderen. Vor einiger Zeit stellte er sich gemeinsam mit Christoph Wagner die Frage, warum es eigentlich in der deutschen Blogosphäre noch keine Plattform für lange Fußballtexte gibt – die Idee von ‚120minuten’ war geboren.

6 Kommentare

  1. Argentinien ist ein insolventes schuldnerland das gezwungen ist sein volk mit pestiziden/glyphosat – durch den exorbitanten sojaanbau – zu vergiften

    • Christoph Wagner

      Warum ist Argentinien dazu gezwungen, Glyphosat einzusetzen? Können Sie das belegen?

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  4. Achim Klarnamann

    Hallo,
    die m.M. nach wichtigste Unterschlagung beim Thema Diktatur in Argentinien seit den 80ern bis heute — v.a. auch festgetrampelt durch die linken öffentl.-rechtl. Massenmedien, daß diese Diktatur auch eine ist/ mit von Moskaus Gnaden.

    So wie die chilenische eine war durch Moskaus Mithilfe, indem man die revolutionäre Bewegung hauptsächlich durch die moskauhörige KP ins offene Messer des überhaupt nicht überraschend kommenden Militärputsches laufen ließ!

    Lest DAS SCHWARZBUCH DES KGB 2, – allerdings wußte ich diesen, nicht in santikapitalistische Klischee passenden Sachverhalt auch schon ohne diese Dokumente des Ex-Chef des Moskauer KGB-Archivs Mitrochin.

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