Fußball und Fernsehen: Das Geld hat den Sportjournalismus versaut

Jährlich überweisen Fernsehsender und andere Bewegtbild-Plattformen einen Milliardenbetrag für die Übertragung von Fußballspielen. Herauskommen sollen Produkte, die unterhalten und den Nutzern gefallen. Schließlich finanzieren die Konsumenten die Sendungen zu einem Großteil über ihre Beiträge. Doch wie vertragen sich Unterhaltung und kritischer Journalismus? Wie viel dürfen die Reporter tatsächlich fragen, wenn ihre Arbeitgeber den “Fußballzirkus” in seiner heutigen Form überhaupt erst ermöglichen? Und wie viel Distanz ist überhaupt möglich als Teil des Systems? Der Artikel geht der Frage nach, ob Fußballübertragungen und die Berichterstattung drumherum wirklich kritisch sein können. Und auch, ob sie es überhaupt sein müssen.

Von Jérôme Grad (@Mr_Degree)

Fieldreporter sind hautnah dabei und sorgen für erste Stimmen unmittelbar nach dem Spiel.

Fieldreporter direkt nach dem Spiel auf dem Feld / (CC BY 2.0) Victor Araiza

1.159.000.000 Euro, also 1,159 Milliarden Euro. Damit ließen sich fünf Produktionen des bislang teuersten Films der Geschichte, “Avatar”, realisieren. Oder die Autobahnstrecke von Dortmund nach Hamburg mit einer Stafette aus 500-Euroscheinen pflastern. Oder 27.720 Studierenden ein Jahr lang die Gebühren an der Harvard-Universität bezahlen. 1,159 Milliarden Euro – das ist auch mehr als das jeweilige Bruttoinlandsprodukt 2017 der 17 wirtschaftsschwächsten Staaten der Welt. Für diese Summe lässt sich aber auch deutscher Profifußball im deutschen Fernsehen zeigen. Denn das ist der Betrag, den SKY, Eurosport, ARD, ZDF und DAZN für die Bewegtbildrechte seit der Saison 2017/18 und noch bis 2020/21 bezahlen. Pro Saison.

Unabhängig von diesem zugegebenermaßen etwas polemischen Vergleich: Fußball im Fernsehen zu zeigen ist doch ein feiner Zug von SKY, Eurosport, ARD, ZDF und DAZN, oder? Fußball für alle ist doch eine tief demokratische Sache, nicht wahr? Bereits Mitte des vergangenen Jahrhunderts boten zunächst nur die Öffentlich-Rechtlichen Fußball im Fernsehen eine Plattform und ermöglichten den Fans einen ortsunabhängigen Zugang zum Sport. Doch wie verhält es sich, wenn nicht mehr nur 650.000 Deutsche Mark pro Spielzeit, wie 1965 von der ARD, für die Fußballrechte bezahlt werden, sondern 2,266 Milliarden Mark, also das knapp 3500fache?

“Wer nur Minderheiten bedient, kann nicht überleben”

Natürlich bedürfte es für eine umfassende Argumentation der Berücksichtigung der Inflation in Deutschland seit 1965, der weltweiten Vermarktungsmöglichkeiten des Fußballs heutzutage und auch der Summen, die mittlerweile in der Fußballbranche im Umlauf sind. Doch genau diese Aspekte beeinflussen auch die Arbeit derjenigen, die eigentlich kritisch auf solche Entwicklungen schauen sollten – die Sportjournalisten.

Um das gleich vorneweg zu sagen: Es ist legitim, dass Medienunternehmen bei Überlegungen der Aufbereitung eines Fußballspiels im Fernsehen den Aspekt der Refinanzierung eine nicht unwesentliche Rolle zukommen lassen und den Kunden in den Vordergrund stellen. Denn mit seinen monatlich regelmäßigen Zahlungen in Form eines Abonnements sorgt er, zusammen mit den Werbepartnern, für die Sicherung der TV-Rechte der Medienunternehmen. Den Kunden zufrieden zu stellen, damit er weiter für das Angebot zahlt, muss also das Ziel der Unternehmen sein. “Wer nur Minderheiten bedient, kann nicht überleben”, proklamierte einst der langjährige BR-Sportchef Werner Rabe mit Blick auf die Programmgestaltung.

Doch was bedeutet “den Kunden zufrieden stellen”? Kann kritischer Journalismus (ko)existieren, wenn Zufriedenheit erst durch die Vermittlung von Freude und Emotionen erzeugt wird? Wo ist dann noch Platz für einen Journalismus, der in erster Linie seriös, verlässlich und objektiv über das berichtet, dabei auch Hintergründe aufdeckt und hier und da zum Nachdenken anregt?

Infotainment für mehr Attraktivität

Natürlich kann kritischer Journalismus, wie man ihn aus anderen Medien, z.B. dem Printbereich, kennt, zum Unterhalten des Zuschauers vor dem Fernseher nicht taugen. Der Fernsehzuschauer schaltet die Glotze mit einer ganz anderen Intention an, als der Leser die Zeitung liest. Umgekehrt bedeutet das aber nicht, dass sich Journalismus und Unterhaltung ausschließen müssen. Für eine Sendung kann journalistisch sauber recherchiert und können Hintergründe beleuchtet worden sein. Anschließend wird der Zuschauer mit einem Informations-Mehrwert entlassen und sich dadurch unterhalten fühlen. Diverse Sendungen im Kulturbereich sind ein gutes Beispiel dafür.

Anders verhält es sich bei Fußballübertragungen und Live-Berichterstattungen, die mittlerweile zu großen Teilen im Privat- und Bezahlsendern gezeigt werden. Hier wird der kritische, hintergründige Sportjournalismus zugunsten der Attraktivität der Unterhaltung geopfert. Medienpädagoge Uli Gleich nannte das vor einigen Jahren bereits Infotainment. Die Informationen sollen leicht verdaulich präsentiert werden. Komplexe Zusammenhänge einfach darstellen – das ist doch ein Grundsatz von Journalismus, oder?

Halbzeitanalysen bei Sportübertragungen im Fernsehen

(CC BY 2.0) Ken Lund

Das Geld hat den Sportjournalismus versaut

In diesem Fall ist ein anderer Punkt wesentlich. Mit dem immer größer werdenden Pool an Mitspielern im Fußballbusiness, mit immer mehr Geld im Sport, hier sei vor allem an die Berichterstattung in den privaten Sendern gedacht, verschob sich die Achse von reiner Berichterstattung immer weiter Richtung Infotainment. Eine Entwicklung, die Gerhard Meier-Röhn, Dozent für Medien und Gesellschaft an verschiedenen Hochschulen, aufgreift: Damit sich die hohen Investitionen im Fußball lohnen, sei der Sport immer mehr zu einer Ware verkommen und deshalb im Fernsehen immer mehr inszeniert worden. “Geld hat den Sportjournalismus versaut”, so das Fazit des früheren DFB-Mediendirektors und langjährigen SWR-Sportchefs auf den Lokalrundfunktagen 2018 in Nürnberg

Die redaktionelle Freiheit, worüber man als Journalist sprechen kann, wird eingeschränkt. Nicht nur den Zuschauer gilt es zufrieden zu stellen, sondern auch die Interessen des Arbeitgebers, der viel Geld in die TV-Rechte investiert hat, sowie der (Werbe-)Partner und Sponsoren. Doch können Journalisten in einem Spannungsfeld überhaupt kritisch und unabhängig arbeiten, wenn ihre Arbeitgeber selbst Teil dieser immens gewordenen Fußball-Industrie sind?

Ein kritischer Beobachter wird nun anmerken, dass Werbeanzeigen schon seit langer Zeit in Zeitungen Einzug gehalten haben und ohne Sport die eine oder andere Zeitung kaum mehr überlebensfähig wäre. Dass die Print-Journalisten vom Erwerb der TV-Rechte für ihre Arbeit ebenfalls profitieren, steht außer Frage. Doch eine so enge Verzahnung wie bei den Bewegtbild-Anbietern mit den gezahlten Beiträgen für die Übertragungsrechte besteht nicht.

Wie viel Unterhaltung darf es denn sein?

Doch zurück zum Fernsehen, das in seinen Grundzügen mehr auf Unterhaltung ausgelegt ist als die Printmedien. Das Konzept von Fußball im Fernsehen soll dem Zuschauer vor der Mattscheibe oder dem Tablet den Fußball direkt ins Wohnzimmer bringen.

“Der Sport ist – aus der Sicht der Fans – zuallererst eine Unterhaltungsmaschine“, wie es Prof. Dr. Johannes Heil in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung formulierte. Diese Maschine beginnt bei der Übertragung selbst, durch die Fans nicht mehr ins Stadion müssen, um ihre Mannschaft live zu sehen. Und sie endet bei Interviews und Talks am Spielfeldrand, die in erster Linie eine explizite Stadion–Wohnzimmer-Nähe hervorrufen sollen. Ganz nach dem früheren Motto des Deutschen Sportfernsehen: “Mittendrin statt nur dabei”. An dieser Stelle kann kein kritischer Journalismus entstehen.

Und natürlich sind Bezahl-Sender (mehr als die Öffentlich-Rechtlichen) daran interessiert, ihr Produkt zu glorifizieren. Denn: Je mehr Menschen Fußball mögen, desto größer der potentielle Kundenkreis. Umgekehrt formuliert: Würde ein Bezahlsender, der auf Kundenabonnements und Einschaltquoten angewiesen ist, in wesentlich höherem Maße über Themen wie Doping und Korruption berichten, würde sich das unterhaltende Freude-Erlebnis beim Zuschauer wohl kaum einstellen. Es bestünde eine Gefahr der Anti-Popularisierung des Fußballs, die mit einer Schrumpfung des potenziellen Kundenkreises einhergehen würde.

Der Einfluss der Medien auf den Fußball

Betrachten wir ein einzelnes Fußballspiel, nehmen alle beteiligten Sender durch die Summen, die sie in das Fußballgeschäft pumpen, indirekt und mittelbar Einfluss auf die Qualität im deutschen Fußball. Die einfache Rechnung: Je mehr Millionen die DFL erhält, desto mehr kann sie davon an die Vereine weiterverteilen, die damit auf dem Transfermarkt bessere Argumente bei einer Verpflichtung eines Spielers haben. Im Übrigen auch eine Forderung von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, der die Vereinsvertreter nach dem letzten Fernsehvertrag in die Pflicht nahm. Diese (theoretische) Macht der Sender gegenüber dem Fußball ist auch Thema beim Interview mit Kommentator Uli Hebel.

Dass mehr Geld aber nicht unmittelbar zu mehr Erfolg führen muss, zeigt der Blick nach England. Dort wird von 2016 bis 2019 für die TV-Rechte knapp 2,3 Milliarden Euro pro Spielzeit bezahlt, also knapp das Doppelte im Verhältnis zu Deutschland. Seit Ankündigung des neuen Vertrags im Februar 2015 schafften es 2015/16 Manchester City als einziger englischer Viertelfinalist ins Halbfinale der Champions League. 2016/17 war Leicester sogar der einzig verbliebene englische Verein im Viertelfinale. 2017/18 waren es mit Manchester City und Liverpool immerhin zwei Klubs unter den letzten Acht. Macht summa sumarum vier aus 24 in den vergangenen drei Jahren. Auch wenn drei Teilnahmen allein auf den FC Bayern München entfallen – aus Deutschland kamen in diesem Zeitraum fünf Viertelfinalisten.

Journalistischer Mehrwert – Fehlanzeige

Soweit die Sender und Plattformen. Kommen wir zum Journalisten als Einzelperson. Bei der Live-Übertragung wird der Kommentator zur Erzählfigur. Seine Aufgabe ist es, den Zuschauer während des Spiels vor dem Bildschirm mit Informationen zu versorgen, Zusammenhänge zu erläutern und das, was auf dem Spielfeld passiert, zu kommentieren. Dazu kommt je nach Format und Sender noch ein Experte dazu, der erklärt, warum etwas auf dem Feld passiert. Eine übersichtliche Auflistung der verschiedenen Protagonisten liefert Luca Schepers in “Der Fußball und das Fernsehen – Inszenierung des Fußballs im Fernsehen”.

Zusammen sollen sie einen unterhaltenden Mehrwert schaffen, der sich allerdings nicht nur auf die Glorifizierung des Sports beschränken sollte, wie Uli Hebel betont: “Ich glaube nicht, dass die Zuschauer während der 90 Minuten Fußball nur die heile Welt hören wollen.” Stattdessen sei es laut Hebel die Aufgabe des Journalisten in der Rolle des Kommentators zu sagen, “warum es [das Spiel] nicht gut war. Ich kann nicht sagen, Spieler X ist ein schlechter Spieler. Erstens ist er Berufsfußballer und kann nicht per se schlecht sein. Und Zweitens wäre das nicht fair.”

Der Moderator wiederum hat während der zahlreichen Talks vor und nach dem Spiel auch die Aufgabe der Einordnung von Aussagen. Das wäre der journalistische Mehrwert in einem unterhaltenden Bereich wie dem Fernsehen. Doch eine Auseinandersetzung mit den Hau-drauf-Sprüche der Experten für die nächste Schlagzeile und zur Unterhaltung, Instagram-Posts als Rechtfertigung für die schlechte Leistung – sie findet nur selten statt.

Und noch ein Aufreger: Statt in der Halbzeit einer Live-Übertragung entscheidende Szenen zu analysieren, wird bei Bezahlsendern Werbung für einen Spielfilm gemacht. Das mag unter dem Aspekt der Selbst-PR und Ankündigung legitim sein, hat aber eben nichts mit Fußball und Journalismus zu tun.

Kumpanei im Sportjournalismus – ein Teufelskreislauf?

Schlimmer noch als die offensichtliche Vermengung von Werbung und redaktionellem Inhalt der Sender ist die Kumpanei, der sich Sportjournalisten teilweise auch zu Recht ausgesetzt fühlen. Die mangelnde Distanz ist ein oft in Diskussionen über und unter Sportjournalisten hervorgebrachter Aspekt und war auch Thema des Vortrags von Meier-Röhn auf den Lokalrundfunktagen.

Ein erheblicher Teil der journalistischen Arbeit macht selbstredend die persönliche Pflege von Kontakten aus. Ein Journalist, der an keinerlei Interna gelangt, keine Hintergründe kennt oder inoffiziellen Gespräche führt, kann kein Verständnis entwickeln und wird keine Exklusivgeschichten zu berichten haben. Das gilt für Print wie Fernsehen gleichermaßen. Im Sport wie in der Politik. Nähe ist im Journalismus nun mal gängig.

Die Kehrseite: Durch zu viel Nähe zu Spielern machen sich Journalisten angreifbar. Einem nahestehenden Sportler stellen nur die wenigsten Journalisten unangenehme Fragen. Gerade der Fieldreporter muss sich mit seinem Interviewpartner gut stellen, kann öffentlich nicht immer die Fragen stellen, die ihm mitunter auf den Lippen liegen. So entsteht das, was Axel Balkausky einst “Erfüllungsjournalismus” nannte – Fragen um der Fragen Willen. Nur so geht er sicher, dass er bei der nächsten Interview-Anfrage nicht ignoriert wird.

Fieldreporter sorgen bei sportlichen Live-Berichterstattungen für das Hautnah-Erlebnis

Fieldreporter im Einsatz / (CC BY 2.0) Gareth Williams

Glaubwürdigkeit vs. Nähe zum Sportler

Das mag bei SKY, die sich durch den TV-Vertrag auch das Recht auf Interviews einkaufen, ein geringeres Problem sein als bei regionalen Fernsehsendern. Aber oftmals suchen Fieldreporter deshalb die Nähe der Sportler, die sie mit dem Duzen vor laufenden Kameras unterstreichen wollen. Doch dadurch wird der Vorwurf der mangelnden Distanz der Sportjournalisten zu ihrem Themenfeld eher gefördert und der Respekt vor ihrer unabhängigen Arbeit bei den Vereinsverantwortlichen nicht unbedingt größer.

In den Augen einiger Vereinsvertreter profitieren Journalisten ohnehin von einem erfolgreichen Fußball und sollen daher im Hurra-Stil Bericht erstatten. Kritische Themen und Entwicklungen sind seitens der Vereine und Verbände unerwünscht. Da wird auch mal mit Interview-Verbot oder Akkreditierungsentzug gedroht. Mario Rieker, Leitender Redakteur Bundesliga bei DAZN, kann die Überlegungen der Vereine bei überzogenen Berichterstattungen teilweise nachvollziehen und plädiert deshalb für einen guten Umgangston untereinander: “Wenn du nicht nur auf die Schlagzeile aus bist, sondern kritisch fair, merken es die Vereine und werden dir weitere Interviews erlauben.”

Wie sehr der einzelne für Interviews und Exklusiv-Informationen die Nähe der Sportler sucht, darf jeder Journalist mit Blick auf seine Glaubwürdigkeit selbst entscheiden.

Der Sportjournalist als Fan

Apropos Glaubwürdigkeit: Diese leide, wenn man Fan wäre, lautet ein weiterer Vorwurf. Stichwort Heldenverehrung. Aber macht ein gewisses Fan-Sein für Journalisten nicht sogar Sinn? Ist gute Berichterstattung nicht erst durch Nähe im Sport möglich?  Ein Kommentator, der bereits selbst im Verein gespielt hat und sich für diesen Sport begeistert, wird mehr Empathie und mehr Leidenschaft vermitteln können, als jemand, der noch nie gegen einen Fußball getreten hat. Und Fan eines bestimmten Vereins zu sein, kann förderlich sein: “Im Zweifel ist man als Fan sogar kritischer, als der neutrale Beobachter”, so Rieker, der gleich eine Handlungsanweisung gibt, wie man zu viel Nähe ausschließt: “Wenn ich das Gefühl habe, in meiner Arbeit zu subjektiv zu sein, prüfe ich die Dinge zwei bis dreimal. So wirke ich dem Vorwurf entgegen, nicht journalistisch gearbeitet zu haben.”

Überhaupt: Haben Wirtschaftsjournalisten nicht ein gesteigertes Interesse an Finanzfragen? Werden von Politik-Journalisten nicht Artikel nach Sympathien zu handelnden Personen geschrieben und veröffentlicht? Ist es also schlimm, wenn Journalisten gleichzeitig auch Fan sind? Nein, solange sie sich dessen bewusst sind. Und genauso verhält es sich mit dem Fußball im Fernsehen und den TV-Sendern. Richtig ist, dass ein im Fußballfernsehen arbeitender Journalist selten ohne Zwänge arbeitet, weil er selbst Teil des Systems ist.

Wozu noch Journalisten?

Aber dieses Phänomen existiert nicht nur im Sport, sondern überall dort, wo Geld in großem Maße in Projekte fließt, beispielsweise in der Filmindustrie. Man muss sich also von dem Gedanken verabschieden, dass ein Bereich, der so stark mit der Unterhaltungsindustrie verbandelt ist, noch eigenständig arbeiten und kritischer Geist sein kann.

Und dennoch braucht es Journalisten, die dieser zunehmenden Kommerzialisierung im Sport entgegenwirken – gerade in Zeiten von aufkommenden Netflix-Produktionen zu Juventus Turin oder der Amazon-Reihe zu Manchester City, die gute Beispiele für eine immer größere Unterhaltung und Vermarktung und den zurückgedrängten Journalismus sind. Diese Produktionen suggerieren den Fans den Blick hinter die Kulissen.

Solange der Fan das Bedürfnis nach dem Verein hat, wird er Bedürfnis nach Journalismus haben

Doch das Material wird vom Verein vor der Veröffentlichung auf Feelgood-Faktoren überprüft. DAZN-Redakteur Rieker macht sich dennoch wenig Sorgen um den kritischen Sportjournalismus: “Wenn etwas am Lieblingsverein kritisiert wird, wird sich der Fan vielleicht aufregen, aber er wird die Inhalte konsumieren. Und solange der Fan dieses Bedürfnis hat, wird er auch ein Bedürfnis nach Journalismus haben.”

Die Chance für Journalismus liegt also im Gegengewicht zur Vermarktung des Fußballs durch kritischen Journalismus. Kritischer Journalismus heißt jedoch nicht, immer Dinge schlecht zu machen und/oder nach der skandalträchtigsten und quotenbringendsten Schlagzeile zu lechzen. Sondern es soll heißen einzuordnen, Hintergründe zu liefern, Argumente zu analysieren und auszutauschen, mehrere Positionen zu präsentieren. Kritischer Journalismus sollte, kulturell und (teilweise) unabhängig von der Annahme betrieben werden, wie viele Leute sich dafür interessieren.

“Das [„Footballleaks“] ist der kulturrelevante Teil, den Sport eben auch hat. Und Kultur bedeutet immer auch Überforderung. Auch Überforderung kann unterhalten. Das darf jeder für sich entscheiden. Und gerne auch täglich neu.”  – Uli Hebel, Kommentator und Dozent an der Macromedia Hochschule München

Öffentlich-Rechtliche Sender frei vom Quotendruck?

Und genau ein solcher Journalimus – quotenunabhängig und mit kulturellem Beitrag – ist der Bildungsauftrag der Öffentllich-Rechtlichen. Denn ohne in die Details des komplizierten Verteilungsschlüssels für die GEZ einzutauchen, lässt sich festhalten, dass die Öffentlich-Rechtlichen über ein gesichertes finanzielles Einkommen und damit Planungssicherheit verfügen, die andere TV-Anstalten nicht haben. “Man kann den privaten Sendern nicht vorwerfen, dass sie unterhalten wollen, da sie es wegen der Refinanzierung auch müssen”, konstatiert der Blogger und Journalist Klaas Reese. Gleichwohl würde er sich mehr journalistische Inhalte wünschen. Uli Hebel geht sogar noch ein Stück weiter: “Meiner Meinung nach sollte man im Journalismus nicht nur mit Quote argumentieren, auch nicht als privater Sender. Die Öffentlich-Rechtlichen aber dürfen es noch nicht einmal.”

Doch statt als Gegenpol aufzutreten, hecheln die Öffentlich-Rechtlichen in ihrem Programm den privaten Sendern teilweise hinterher. Zumindest kann man diesen Eindruck gewinnen. Der Fokus auf Infotainment begann mit dem Aus der Sat1 Sportsendung “ran” und dem Wechsel von Reinhold Beckmann und Matthias Opdenhövel zur Sportschau, mit der eine neue redaktionelle Ausrichtung einherging. Zudem haben sich die Öffentlich-Rechtlichen vom Fußball abhängig gemacht. Sie, die ihn einst erst groß gemacht haben, unterwerfen sich dem Fußball, um Quote zu generieren. “Wenn neben Fußball andere Sportarten in höherem Maße im Fernsehen gezeigt würden, müsste man auch nicht jede Schlagzeile mitnehmen”, ist sich Reese sicher, dass bei einem ausgewogeneren Programm weniger Fokus auf das Drumherum beim Fußball, sondern mehr auf den Sport selbst gelegt werden könnte.

Mehr Diskussionsrunden zu Doping

Klar sind bei der Berichterstattung der ARD und des ZDF deutliche Unterschiede zu den anderen Medien erkennbar, auch bedingt durch den ihnen aufgetragenen Bildungsauftrag. Natürlich gibt es profilierte Sportjournalisten, Dunja Hayali im Sportstudio beispielsweise. Natürlich werden Themen wie Doping angesprochen. Auch unterhält die ARD mit Hajo Seppelt und seinem Team eine investigative Doping-Redaktion, wahrscheinlich eine der größten weltweit.

Allein die Frage muss erlaubt sein, warum solche Themen nur gestreift werden oder außerhalb der Primetime laufen. Selten noch wurde bei Live-Übertragungen vor einem Spiel Doping mit Hajo Seppelt besprochen, wurde statt über den Wechsel von Spieler X über Doping hintergründig mit Experteneinschätzung berichtet. Sinnvoll im unterhaltenden Mehrwert wäre hier doch die Frage, woher Doping kommt oder wie staatliche Strukturen Prozesse decken. Das kann natürlich nicht während einer Halbzeitpause passieren, aber ein Einspieler mit Hinweis auf die Sendung in der Mediathek sollte machbar sein.

Ideale Welt trifft harte Realität

In einer aus Autorensicht idealen Welt wären die Themen und Sendeplätze losgelöst(er) von der Quote. In dieser idealen Welt wäre die ARD in den 1990er nicht mit dem Sponsoring des Radteams Deutsche Telekom bereits eine sehr verfängliche Partnerschaft eingegangen, bei der sie laut Meier-Röhn als Gegenleistung Exklusiv-Interviews bekam. In einer idealen Welt würden die Öffentlich-Rechtlichen nicht mit den privaten Sendern um die Live-Übertragung und Berichterstattung des Fußballs wettbieten und sich somit in Erklärungsnot bringen, wenn sie mehr Infotainment und Schlagzeilen produzieren wollen statt ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden.

In einer idealen Welt stellen Journalisten nicht nur nette Fragen aus Angst vor dem Bedeutungsverlust ihrer Zunft. In einer idealen Welt haben Vereine etwas übrig für fair-kritische Journalisten. In einer idealen Welt werden gute, journalistische Arbeiten von Kommentatoren und Moderatoren nicht nur maximal nebenläufig erwähnt, sondern zitiert und so in die breite Öffentlichkeit gebracht.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass hintergründige Themen wie Doping die große Mehrheit der Bevölkerung nicht interessiert, zumindest nicht unmittelbar vor einem Fußballspiel, dann nämlich, wenn man zum Feierabend unterhalten werden möchte. Quote ist zwar nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts. Jacques Reynaud, Executive Vice President Sports & Advertising bei SKY, unterstützt diese These im Gespräch mit Günter Klein auf merkur.de: “Wo weniger Zuschauer erreicht werden, kann man eher experimentieren. Wir wollen einem Millionenpublikum das beste Fernsehergebnis bieten.”

Der Blick in die Zukunft

Im Prinzip greift hier das antike Brot-und-Spiele-Konzept. Und dazu gehört für die Mehrheit offensichtlich der unterhaltende Aspekt im Fernsehen. Die von Uli Hebel postulierte Überforderung bleibt bei den Unterhaltungsformaten teilweise auf der Strecke. Für Fans, die nicht nur abgedroschene Phrasen hören, sondern z.B. Taktikfragen beantwortet haben wollen, eine ziemlich niederschmetternde Erkenntnis.

Exemplarisch für den unterhaltenden Aspekt sei die Frage erlaubt, warum der Frauenanteil bei Moderatorinnen (vor der Kamera) deutlich höher im Verhältnis zu Kommentatorinnen (hinter der Kamera) ist. Denn wenn Frauen als Moderatorinnen journalistisch arbeiten können, warum dann auch nicht als Kommentatorin?

Ob und inwieweit der Journalismus die Unterhaltung wieder zurückdrängen kann, bleibt abzuwarten. Mit DAZN und Eurosport sind neben dem Platzhirsch SKY zwei weitere Bezahlsender auf dem Markt getreten, die nachhaltig über Konsumentenverhalten auch das Angebot bei SKY verändern könnten. Auch wenn klar ist, dass SKY eine Mehrzahl seiner Kunden behalten wird, solange sie den Großteil der Lizenzen für die Live-Übertragungen der Fußballspiele besitzt.

Blick in die Zukunft des Sportjournalismus im Fernsehen

(CC BY 2.0) Jon Candy

Ob bei der nächsten Rechte-Vergabe der deutsche Markt im Zuge der internationalen Vermarktung der DFL überhaupt noch eine Rolle spielen wird, steht höchstens in den Notizbüchern von Christian Seifert und Co. Ob dort auch die zukünftige Rolle des Journalismus‘ im Fernsehen als Teil des Systems steht, ist nicht übermittelt. Daher soll der Text mit einem Blick in die Glaskugel abschließen:

Eine Zukunftsvision: Über die Verbandelung Medien – Sport – Wirtschaft wird regelmäßig diskutiert. Vereine begreifen Journalisten als Mitspieler auf Augenhöhe, die nicht stören, sondern mit ihrer Berichterstattung zu einem gelungenen gesamtheitlichen Bild beitragen. So verhindern die Vereinsverantwortlichen die Abkehr der Fans aufgrund der immergleichen Inhalte und dem Platzen der Fußballblase. Die Debatte darüber, wie man Teil des Systems sein kann und dennoch kritisch berichtet, wird wesentlich mehr in der Vordergrund gerückt.

Die Journalisten (der Öffentlich-Rechtlichen) hingegen begeben sich im Wettkampf um die beste Quote nicht mehr auf die Suche nach den skandalträchtigsten Zitaten. Der Bezahlsender wird zwar nicht zur Enthüllungsmaschinerie investigativen Journalismus‘, kooperiert aber mit den Öffentlich-Rechtlichen. Die Rollen sind dabei klar verteilt. Der Bezahlsender liefert den Live-Content, die Öffentlich-Rechtlichen Hintergründe. Nutznießer ist der Kunde, der sich sein Angebot zurechtlegen kann und dafür nur einen Flatrate-Preis zahlt.

Zweite Zukunftsvision: Es findet eine komplette Individualisierung des Sportangebots statt. Zukünftig bezahlt der Kunde lediglich für das, was er schauen möchte. Ein Live-Spiel – 5 Euro. Eine Halbzeit – 3 Euro. Eine Doku über Doping – 3 Euro. Einen Monat nur diesen Verein oder jene Liga – 10 Euro. Alle Spiele und Trainingseinheiten eines einzelnen Spielers – 15 Euro. Ein Vorbericht – 0,50 Euro. Blick in die Kabine: 2 Euro. Bewegtbild-Rechte werden auch nicht mehr ligaweit, sondern vom Verein vermarktet. Bei Sky bereits jetzt Realität: Das Sky Ticket für einen bestimmten Tag oder eine bestimmte Woche

Dritte Zukunftsvision: Die Doku von Manchester City auf Amazon ist erst der Anfang einer Reihe solcher Original Content Produktionen. Der Fan darf hinter die Kulissen blicken, wie es Journalisten nicht mehr dürfen. Die Vereine jubilieren über neue Verbreitungskanäle, die Fernsehgelder steigen weiter, 2030 sichert sich Amazon die Komplett-Rechte an der Bundesliga und schluckt damit die anderen Bezahlsender endgültig. Die Öffentlich-Rechtlichen haben sich da schon seit Jahren nur noch auf den Amateurfußball konzentriert.

Vierte Zukunftsvision: Die Medien besinnen sich darauf, dass sie den Fußball groß gemacht haben und rebellieren gegen die Verbände. Die Öffentlich-Rechtlichen zeigen explizit nur noch andere Sportarten, der Fußball versinkt im medialen Niemandsland – oder für Unsummen auf den Club-TVs . Stattdessen machen 2030, nach einer Hochphase des American Football, nun vor allem Trend- und Outdoorsportarten den meisten Anteil im Fernsehen aus.

Interview mit Uli Hebel

“Der Ball ist die Botschaft”

Uli, es werden immer größere Summen für die TV-Rechte zur Fußball-Übertragung bezahlt. Die Beträge müssen irgendwie refinanziert werden. Muss ein Sportjournalist im Fernsehen auch ein guter Verkäufer sein?

Hebel: Klar, zur Rolle des Journalisten ist gewissermaßen die des Verkäufers dazu gekommen. Die Grenzen zwischen redaktionellen und werblichen Inhalten verschwimmen immer mehr. Diese sind aber zu trennen. Ich verkaufe aber, wenn du so willst, dem Zuschauer seinen Sport und dann und wann Programm des Senders. Ich bin Journalist und kein Testimonial oder Verkäufer. Plakativ gesprochen mindestens zu 95 Prozent. Das ist mein Anspruch.

Für eine gewisse Unterhaltung musst du auch noch sorgen, schließlich will der Kunde animiert werden…

Hebel: Das Wort Unterhalter wird oft mit dem Klassenclown gleichgesetzt. Unterhaltung kann auch aus einer dreistündigen Sendung bestehen, aus der du idealerweise mit mehr Wissen herausgehst. Mich unterhält Football Leaks mehr als ein langweiliges Fußballspiel, auch wenn es in dem Buch um das „Schlechte“ im Fußball geht. Das ist der kulturrelevante Teil, den Sport eben auch hat. Und Kultur bedeutet immer auch Überforderung. Auch Überforderung kann unterhalten. Das darf jeder für sich entscheiden. Und gerne auch täglich neu.

Der Vorwurf, Sportjournalisten seien mehr Unterhalter und keine richtigen Journalisten ist also falsch?

Hebel: Natürlich operieren wir nicht am offenen Herzen, wir beeinflussen auch nicht in dem Maße Menschenleben wie in der Politik oder Wirtschaft. Aber ich lasse es nicht zu, dass Sportjournalisten sagen, wir sind NUR Sportjournalisten. Wir machen einen großen Teil des gesellschaftlichen Lebens aus. Und egal über welches Thema du Journalismus betreibst: Du hast kritisch zu sein!

Kritisch sein, beißt sich das nicht mit den Interessen des Senders, der ein Produkt verkaufen will?

Hebel: Ich glaube einfach nicht, dass die Zuschauer während der 90 Minuten Fußball nur die heile Welt hören wollen. Es gehört zur Fußballberichterstattung dazu, alles anzusprechen. Das müssen wir den Zuschauern zutrauen und vor allem zumuten. Geht es dann um zu komplexe politische Themen, dann sage ich in der Sendung auch mal, das sollen andere machen. Ich spreche aber Dinge klar an, kann oder mag sie aber nicht einordnen und überlasse das Feld dann lieber einem Experten. Aussagen gegen Rassismus beispielswese wirst du von mir aber immer wieder mal hören.

Also noch nie Probleme mit dem Chef bekommen, weil du bei einem Spiel zu kritisch berichtet hast?

Hebel: Natürlich haben die Verantwortliche Angst, dass das Produkt kaputt gemacht wird. Aber DAZN traut uns die Abwägung zu. Ich würde mir das im Übrigen aber auch nicht verbieten lassen, etwas Kritisch anzumerken; dafür werde ich ja bezahlt. Meine Meinung wiederzugeben. Das Wichtigste ist: Du musst bei dir bleiben. Wenn du nicht versuchst, sozial erwünscht zu sein, dann wird es der Zuschauer verstehen.

Kannst du das an einem Beispiel fest machen?

Hebel: Angenommen die ersten 45 Minuten einer Partie waren totaler Dreck und du sagst das auch so: Dann wertest du dein Produkt natürlich ab und hast deinen Beruf nicht verstanden. Die Aufgabe des Journalisten ist es, zu sagen warum es nicht gut war. Ich kann nicht sagen, Spieler X ist ein schlechter Spieler. Erstens ist er Berufsfußballer und kann nicht per se schlecht sein. Und Zweitens wäre das nicht fair. Ich darf und soll kritisch sein, muss dabei aber respektvoll bleiben. Diesen Grundsatz sollten wir bedienen…

Häufig hört man, den Sportjournalisten fehle es an Distanz. Sie würden sich zu sehr mit Athleten rühmen wollen, eine Kumpelei stattfinden und kritische Fragen auf Sendung nicht stellen. Kann man diese Spirale überhaupt durchbrechen?

Hebel: Natürlich besteht die Gefahr, zukünftig keine Interviews mehr zu bekommen, wenn du kritisch über jemanden sprichst. Das muss sich das Fußballbusiness im Besonderen auch anschreiben lassen. Die Verantwortlichen denken, sie sind mit ihren Formaten nicht abhängig von Medien. Sie irren.

Inwiefern?

Hebel: Medien und Massensport leben von der Wechselwirkung. Die Medien sollten rigoroser sein und den Vereinen klarmachen: Ihr könnt eure Vereins-Formate behalten. Aber wenn ihr Geld von uns kassiert, müsst ihr uns Spieler für ein Interview anbieten und nicht alles exklusiv ausstrahlen. Wenn wir nicht mehr berichten würden, verlieren die Zuschauer den Zugriff und die Verbindung zwischen dem Fan und dem Sportler wird beschnitten. Das ist dann plötzlich ein zentrales Druckmittel, da ein Großteil der Vereinseinnahmen über die Fernsehgelder generiert wird.

Es gibt aber noch die Eintrittskarten, Merch-Artikel…

Hebel: Klar, aber wenn du nicht mehr gesendet wirst, findest du irgendwann nicht mehr statt. Das passiert nicht sofort, sondern erst über ein paar Jahre hinweg. Wenn du als Bayern München nicht mehr übertragen werden würdest, hättest du nur noch die Zuschauer in der Arena. Aber nicht die Abermillionen vor den Bildschirmen. Das sind ja die potenziellen Kunden für Vereinskanäle oder Fanartikel.

Im Konjunktiv weitergedacht: Als Bayern München würde ich entgegnen, dass du als Sender mit mir die höchsten Einschaltquoten in Deutschland generierst…

Hebel: Klar. Es wird immer jemanden geben, der sich die Rechte sichert, wenn du dieses Argument in die Realität umsetzen würdest. Ich diskutiere das Ideal. Und Ideal ist immer auch Utopie. Du kannst als Sender-Verantwortlicher dieses Argument in Verhandlungen nicht bringen, aber durchaus die Relevanz der Sender klar machen. Wir Medien sorgen für eine objektive Berichterstattung, daran sollte den Vereinsverantwortlichen auch gelegen sein. Wir schwimmen zwar nicht im selben Boot, aber auf selber See.

Stichwort Objektivität: Oftmals werden offensichtlich werbliche Inhalte von Journalisten im Fernsehen vorgetragen. Da wird ein Stadionname oder eine Marke genannt…

Hebel: Als Journalist lebe ich von meinem Wort, von meiner Glaubwürdigkeit. Ist es kein redaktioneller Beitrag, hat es mit Journalismus nichts zu tun. Ich stehe für best-mögliche Unabhängigkeit. Vereinen oder Waren gegenüber. Wenn ich Werbung mache, dann nimmt mich irgendwann keiner mehr ernst. Und die Verschmelzung von redaktionellen Inhalten und Werbung ist das größte Verbrechen der Medienlandschaft oder größer: die Meinungsfreiheit.

Wie sieht denn für dich perfekter Sportjournalismus aus?

Hebel: Fair, kritisch, auch positiv kritisch, reflektiert, sauber recherchiert, dann und wann meinungsstark und polarisierend. Aber ohne das hysterische, sozial erwünschte, von Klicks getriebene. Es gibt viele, die sich im Sportjournalismus selbst profitieren wollen, und das auf dem Rücken des Sportjournalismus‘ austragen. Das ist nicht der Sinn des Berufs. Der Ball ist die Botschaft.

In unserer Reihe zum Sportjournalismus sind außerdem erschienen:

11 Kommentare

  1. Sehr interessante Einblicke und Ansichten, danke für das kritische Reflektieren! Bezüglich der Zukunftsvisionen denke ich, dass es eine Mischung aus #2 und einem Abflauen des Fußball-Hypes wird. Die künstliche geschaffene Aufmerksamkeitsblase wird früher oder später platzen! Nur wann ist die Frage.. und ich denke eher, dass es ein schleichender Prozess wird

  2. Vielen Dank für dein Feedback. Ein solches Zukunftsszenario ist wohl nicht unrealistisch. Mal abwarten… 😉

  3. Pingback: Reichweitenverlust, Geld verdirbt den Sportjournalismus, Gefakte Werbung - Legaltime

  4. „Natürlich kann kritischer Journalismus, wie man ihn aus anderen Medien, z.B. dem Printbereich, kennt, zum Unterhalten des Zuschauers vor dem Fernseher nicht taugen“ , ziemlich steile These wenn man bedenkt wieviele Printmedien offizielle Partner von Bundesligisten sind….Das Problem der mangelnden Distanz ist doch da genauso gegeben.

    • Vielen Dank für deinen Kommentar. Mit der mangelnden Distanz bei Printmedien hast du durchaus Recht. In diesem Artikel sollte aber explizit der Fernsehjournalismus unter die Lupe genommen werden. Daher die explizite Diskussion Unterhaltung vs. kritischer Journalismus.

  5. Pingback: Gelassenheit, die sibirische Kälte und Lee Marvin - die Links der Woche vom 18.1. bis 24.1. | Männer unter sich

  6. Leute, das ist ganz einfach. Ich habe vor einem Sky Sport gekündigt, kaufe kein Sportzeitungen mehr. Ich sehe nicht ein, dass ich diese Milliadäre unterstütze.
    Ich gehe zu Spielen der Amateure und unterstütze diese.
    Man gewöhnt sich daran!

    • @ Bernd
      Deine Einstellung finde ich sehr gut. Die Gagen der Fußballspieler sind übertrieben.

  7. Welche Industrie hier auch ordentlich mitverdient sind die ganzen “Wettbüros” die auch Online sehr present sind. Diese Branche nimmt leider auch immer wieder negativ Einfluss, nicht nur auf den Fussball.

  8. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 5 in 2019 - Ein Ostwestfale im Rheinland

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