Eintracht Braunschweig: Erlöse mich von der Hoffnung

Anna L. ist Fan eines Vereins, der es ihr seit einiger Zeit nicht mehr einfach macht. Nach dem Abstieg von Eintracht Braunschweig in die 3. Liga schwebt sie an Spieltagen regelmäßig zwischen Hoffnung und Frustration. Zu oft wurde sie enttäuscht. Vor jedem neuen Spiel keimt Hoffnung auf: Kann heute endlich alles anders werden? Ein Longread über die Gefühlswelt eines Braunschweig-Fans, deren Verein nach Jahren des Erfolgs im tristen Alltag einer drittklassigen Eintönigkeit angekommen zu sein scheint.

Von Anna L. (Dezember 2018)

Ganz unten? Optimistisch bleiben!

Es ist der erste Spieltag der Saison, an dem ich eine Mütze aufsetzen werde: Es ist inzwischen kühl geworden und bei Abpfiff wird es fast dunkel sein. 14. Spieltag, mehr als die Hälfte der Hinrunde ist schon gespielt, die Braunschweiger Eintracht ziert den letzten Platz der Tabelle. Der Sommer 2018 war so traurig, wie er heiß gewesen ist: Es galt, einen knappen Abstieg aus der 2. Bundesliga zu verarbeiten. Das gelang zumindest so gut, dass ich optimistisch war, dass nach Monaten des punktearmen Frusts endlich wieder Siegesbiere getrunken werden könnten. Ein gutes Vierteljahr später können die Frustgetränke nicht stark genug sein, denn im Tabellenkeller spendet bis auf Hochprozentiges nichts anderes Wärme.

Nichtsdestotrotz: Ich setze meine blau-gelbe Mütze auf, die ich so oft getragen habe, dass die Farben bereits deutlich an Strahlkraft verloren haben. Ein kleiner Button, der über dem linken Auge sitzen soll. Ich schiebe den Stoff ein wenig nach hinten, kneife die Lippen zusammen und nicke meinem Spiegelbild zu: Auf geht’s!

Mehr Licht als Schatten: Entgegen des Eindrucks auf dem Foto dominiert beim BTSV momentan sportliche Düsternis.

Ich brauche lange zum Stadion: Etwas mehr als eine Stunde bin ich unterwegs, die ich dazu nutze, einige Artikel über den heutigen Gegner zu lesen und mir dessen Kader noch einmal genauer anzuschauen, bis schließlich die Aufstellung kommt. Ich tippe auf die Push-Up-Mitteilung der Vereinsapp und jubiliere, als ich sehe, dass der langverletzte Hoffnungsträger endlich wieder im Kader steht. Das treibt Herzschlag und Stimmung enorm nach oben. Ich bin plötzlich überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen werden. Sechs Pflichtspielsiege stehen bisher in diesem Kalenderjahr zu Buche, zwei davon in der laufenden Saison: Einen in der Liga und einen im Landespokal. Vielleicht lag es einfach daran, dass der Junge mit der Nummer 15 verletzt gewesen ist. Nun, da er wieder fit ist, wird bestimmt alles gut.

Ich steige aus dem Zug in die Straßenbahn um und freue mich über jeden, der sich mit mir in Richtung Stadion bewegt. Ich höre bei Gesprächen mit, die sich um den neuen Trainer drehen und irgendwann bei den Verfehlungen der Vergangenheit angelangen. Ich werde Zeugin von einer Ursachenforschung, bei der nicht eine Sekunde über die Namen von Zu- und Abgängen nachgedacht werden muss. Jedem der gesagten Sätze ist anzuhören, dass er exakt so schon etliche Male ausgesprochen worden ist, inklusive des ratlosen Seufzers, der die geübte Analyse abschließt: Ich weiß es doch auch nicht.

Im Januar fuhr ich die gleiche Strecke, um mir das Heimspiel gegen Heidenheim anzuschauen, das wir 0:2 verloren haben. Damals beschäftigte ich mich mit munteren Rechnungen, die meine Eintracht auf den Weg in die Bundesliga führen würden. Mit 22 Punkten lagen wir im Winter sechs Punkte hinter dem vierten Platz, 11 hinter dem dritten. Freilich eine optimistische Perspektive. Doch die sportlich schwachen Auftritte aller Mannschaften in der Zweitligasaison 2017/2018 gaben ausreichend Grund für verträumte Gedankenspiele, die die Mannschaft endlich wieder Fußball spielen und das Tor treffen sahen. Zwei Wochen danach verloren wir auch das nächste Heimspiel gegen den Tabellenletzten aus Kaiserslautern. An diesem Punkt wurde mir klar, dass das schlimmste, was im Sommer passieren konnte, nicht die verpasste Chance zum Aufstieg sein würde.

Heute stehe ich wieder in der Bahn, mit den anderen Fahrgästen in der nimmermüden Hoffnung verbunden, dass wir endlich mal wieder gewinnen. Woche um Woche der Gedanke an die Möglichkeit, den Rest des Wochenendes zufrieden lächelnd auf der Couch zu liegen, der übrigen Liga zuzugucken und in der Halbzeitpause schon mal zu checken, ob es irgendwo die Zusammenfassung vom eigenen Heimsieg zu sehen gibt. Diese Wochenenden haben sich in letzten Monaten rar gemacht: Angesoffene Pizzapartys vor der Sportschau dienen lediglich als schattenhafte Trugbilder ferner Tage, die die schwindende Erinnerung daran wach halten, dass Fußball ein Hobby ist, das Freude bereiten sollte.

Auf Hoffnung…

Ich bin spät dran und werde deshalb allmählich nervös. Ich beeile mich, aus der Bahn zu kommen, nehme noch einen letzten Schluck Bier und stelle die halbvolle Flasche an den Gehwegrand. Die letzten Meter bis zum Einlass dann im Laufschritt. Das Gute an der späten Ankunft: Der Einlass dauert nicht lange, ich kann einfach durchgehen. Vor den Kontrollen nehme ich meine Mütze ab, wofür ich von der Ordnerin freundlich gelobt werde. Sie streicht mir lustlos über die Klamotten und wünscht mir „Viel Spaß!“

Ich werde nicht müde, mich über diesen Wunsch zu wundern. Hat die gute Frau mal einen Blick auf die Tabelle geworfen? Wir befinden uns wahrlich nicht in der Situation, in der es um Spaß geht: Es geht um drei Punkte. Heimsieg. Bock umstoßen. Was auch immer. Aber es geht mit Sicherheit nicht um Spaß, denn der kehrt erst mit einer Führung ab 4 Toren Differenz oder nach dem Spiel ein. In gleichem Maße irritiert mich der zweite populäre Wunsch: „Gutes Spiel!“. Es ist mir nahezu völlig egal, wie die elf Leute auf dem Platz heute mindestens ein Tor mehr als der Gegner schießen. Sie sollten dabei niemanden schwer verletzen, ich kann aber keinen Hehl daraus machen, dass mich heute ein unberechtigter Elfmeter in der 93. Minuten in keiner Weise stören würde.

Ich gehe zügig den vertrauten Weg zum Block, lehne zwei Werbegeschenke und die Stadionzeitschrift ab, ignoriere einen Bekannten und krame nochmal nach meiner Karte, um sie dem Ordner zu zeigen. Zerknüllte Reste einer kleinen Choreographie liegen auf den grauen Treppenstufen. Ich nehme zwei auf einmal und bleibe auf dem kleinen Vorsprung stehen, unter dem sich der untere Teil meines Blocks, der Zaun, die Tartanbahn und dann das Spielfeld erstrecken. Ich liebe diesen Moment: Endlich da. Mein Blick schweift in choreographierter Abfolge über die Nordkurve, die Anzeigentafel mit dem flirrenden 0:0, dann folgt der Gästeblock, bevor ich die Gegengrade überfliege und beim wankenden Ultrablock angelange, der über Liebe und ewige Treue singt und dabei noch nicht ahnt, wie sehr er in diesen großen Gefühlen im Laufe der nächsten 90 Minuten geprüft werden würde.

16.000 Menschen sind im Stadion, nur gute 5.000 Leute weniger als noch vor einem Jahr, dabei hat sich sowohl die Performance der Mannschaft als auch das tabellarische Umfeld seitdem drastisch verändert. Die gut gefüllte Kurve zeigt sich kämpferisch: Irgendwann wird es wieder besser werden und vielleicht ja schon heute. Ich setze mich viel mit meiner Eintracht auseinander, informiere mich über Transfers und Gerüchte, halte mich auf dem Laufenden, was die Themen der Fanszene anbelangt. Trotzdem brauche ich eine Weile, um auf die richtigen Namen unserer Spieler auf dem Platz zu kommen. Im Sommer fand ein großer Umbruch statt: 22 Neuzugänge, der Kader ist ausgetauscht worden. Nicht mehr Teil des Teams sind Spieler wie Mirko Boland, der nach Australien zu Adelaide United gegangen ist oder Linksverteidiger Ken Reichel, der nun beim FC Union Berlin unter Vertrag steht. Deren sportliche Qualitäten fehlen auf der einen Seite, besonders aber das Gefühl, dass dort auf dem Platz wenigstens ein paar Spieler stehen, die den Löwen tatsächlich im Herzen tragen. Nach dem großen Einschnitt und dem katastrophalen Start sehnen sich die Fans nach einer Identifikationsfigur, der sie glauben können, dass ihr ein weiterer Abstieg nicht egal wäre.

…folgt Ernüchterung

Das Spiel, das nun folgt, enttäuscht jede Hoffnung, die vor Anpfiff zarte Keime trieb: Die ersten zwanzig Minuten sind akzeptabel. Doch da die Ansprüche an spielerische Qualität synchron mit der Tabellenplatzierung gesunken sind, wird das Gestrampel auf dem Rasen als „eigentlich überlegen“ beschrieben. Diese Überlegenheit fußt bei Lichte betrachtet jedoch einzig und allein auf der Unfähigkeit eines schlechten Gegners, in Tornähe zum Abschluss zu kommen. Kaum befähigt unser Team ihn dazu, ändert sich der Spielstand: Wir liegen nach 34 Minuten 0:1 hinten, nach 42 steht es 0:2.

In der Halbzeitpause wieder hilflose Analyseversuche. Mir wird beruhigend auf die Schulter geklopft, nachdem ich nicht anders konnte als ausfällig zu werden, als meine Blocknachbarin behauptete, Schuld seien einzig und allein die nicht getätigten Investitionen von vor fünf Jahren. Einer schräg vor mir raucht seit 50 Minuten durchgehend Zigarillos und langsam ist mir latent schlecht. Die Stimmung ist angespannt, irgendjemand wiederholt seinen Ergebnistipp: „Mein 3:2 ist noch total drin.“ Ein anderer wälzt sich im Konjunktiv: „Wenn wir da das 1:0 gemacht hätten, dann würden wir 3:0 gewinnen.“

2013 ist Eintracht Braunschweig nach 28 Jahren Abwesenheit in die Bundesliga aufgestiegen. Dieser größte Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte hat in einigen Köpfen den Gedanken festgesetzt, der Verein gehöre genau dorthin. Ein Anspruch, der zulasten der Stimmung nach dem Abstieg ging: Dauerhaft würde man sich mit der 2. Bundesliga nicht mehr zufrieden geben. Der prompte Wiederabstieg wurde erfolgreich verarbeitet: Im Mai 2017 traten wir in der Relegation gegen den ungeliebten Nachbarn aus Wolfsburg an. Dann der Zusammenbruch: Nur 12 Monate danach stand der Abstieg in die 3. Liga fest.

Die zweite Halbzeit beginnt mit dem pragmatischen Trost, dass es schlimmer eigentlich nicht werden könne. Ein Gedanke, der sich nach einem kläglich in die Hände des Torwarts gestupsten Elfmeter und einem Platzverweis als putziger Irrtum erweist. Nach 89 Spielminuten liegen wir immer noch 0:2 zurück, in der zweiten Hälfte des Spiels kam keines der beiden Teams zu nennenswerten Torabschlüssen. Die Nummer 15 gibt sich Mühe, wirkt inmitten des Platzes aber eher wie der letzte traurig zuckende Muskel irgendeines toten Körpers. Nicht drei Punkte, nur ein neues Level der desillusionierten Tristesse, wurde freigespielt. „Die Nachspielzeit beträgt drei Minuten.“, hallt es durch die Kurve, in der nicht mehr gesungen wird. Ein rauschendes Grummeln zieht sich durch die Reihen, die Sitztribünen leeren sich schon seit einer Viertelstunde.

Drei Minuten wie quälende Daumenschrauben. Die völlig übertrieben gezückte rote Karte nehme ich dem Schiedsrichter weniger übel: Beende diese Folter doch endlich. Pfeif in deine Pfeife und lass mich bitte bald vergessen, dass irgendetwas in mir bis eben noch dachte, dass wir uns wenigstens einen Punkt ergaunern würden, würden wir nur endlich den Anschlusstreffer schaffen. Erlöse mich von der Hoffnung. Mit dem Schlusspfiff ertönt der fröhliche Jingle des Trikotsponsors. Nie fühlte ich mich weiter davon entfernt, ein Auto kaufen zu wollen. Es folgt die Playlist für Heimpleiten mit nicht zu fröhlichen Popsongs. Ich frage mich, weshalb die Stadionregie nicht endlich einfach darauf verzichtet, diese furchtbare Tabelle auf der Anzeigentafel einzublenden. Als der Stadionsprecher noch einen „Schönen Tag.“ wünscht, schlägt jemand auf das Plexiglas am oberen Ende des Blocks und belegt den Mann mit dem Micro mit völlig angemessenen Flüchen.

Emotionen kochen über, Resignation macht sich breit

Jene, die vorhin noch darüber gesungen haben, dass sie dem Verein bis in den Tod hinein die Treue halten würden, klettern nun über die Balustraden in den Innenraum, wo es gleich darauf zu handfesten Auseinandersetzungen mit einigen Ordern kommt. Daraufhin entsteht ein kleiner Tumult im Block, die Tür zur Tartanbahn geht auf und zahlreiche vermummte Personen laufen auf fliehende Ordnergruppen zu. Die Polizei beendet das Gerangel zügig und baut sich in einer Reihe vor dem unruhigen Bereich der Kurve auf.

Keiner von uns versteht, was im Jahr 2018 mit unserem Verein passiert ist. Die einen suchen die Schuld darin, dass der Kader zu schlecht gewesen sein soll, blenden dabei aber aus, dass das Team, das abgestiegen ist, in großen Teilen aus denselben Spielern bestand, in der vorhergehenden Saison beinah in die Bundesliga aufgestiegen wären. Ein anderer Ansatz möchte Vereinslegende Torsten Lieberknecht als Hauptverantwortlichen für den Abstieg. Nach dieser Erfahrung ist die beinah statische Konstanz der letzten Jahren, die lange als Braunschweiger Besonderheit und Erfolgsfaktor galt, wahrscheinlich ein wesentlicher Faktor des Crashs gewesen: Im Nachhinein scheint offensichtlich, dass die immer gleichen Säulen einer Mannschaft irgendwann alt und morsch werden und einer Renovierung bedürfen.

2018 war eine Katastrophe für den Braunschweiger Turn- und Sportverein: Die Profis stiegen sportlich ab, dadurch stand für die zweite Mannschaft der Zwangsabstieg aus der Regionalliga fest. Die A-Junioren, die 2017 den DFB-Pokal gewannen, und die B-Junioren stiegen beide sportlich ab. Das sterneprämierte, teure Nachwuchsleistungszentrum war ebenso gescheitert wie die Lizenzspielerabteilung.

Nach dem Abstieg hat die Vereinsführung dann Henrik Pedersen mit dem Neuaufbau der Profis beauftragt. Für uns spielen unter anderem Onur Bulut, der für den SC Freiburg bereits zahlreiche Spiele in der Bundesliga absolviert hat. Gustav Valsvik hat als Innenverteidiger für die norwegische A-Nationalmannschaft gespielt. Christoffer Nyman, der lang verletzte Mann mit der Nummer 15, wäre im Sommer mit Schweden zur WM gefahren – wenn er nicht verletzt gewesen wäre. Heißt: An sportlich-individueller Qualität mangelt es nicht. Theoretisch. Denn praktisch funktioniert es einfach nicht.
Inzwischen trainiert André Schubert die 1. Herrenmannschaft. Und die Aufgabe wird von Woche zu Woche schwieriger, denn die Situation, in der die Braunschweiger Eintracht steckt, zeigt einmal mehr, was für eine relevante Rolle die Psyche spielt. Und in den Köpfen unserer Mannschaft geistert ein gefährlicher Cocktail aus Selbstüberschätzung und Angst herum. Eine paradoxe Mischung, in der ich einen entscheidenden Punkt für das immer noch anhaltende Tief sehe. Ein Drittligatank, der die Lust und den Mut hat, sich aus dieser Misere herauszuarbeiten, von dem hoffe ich, dass die Verantwortlichen ihn im Winter finden und nach Braunschweig lotsen.

„Bock hab ich keinen. Aber wenn ich kann, komme ich natürlich her.“

Das Spiel gegen Uerdingen haben wir heute verloren. Da, wo sich nun Polizisten zu einer dunklen Reihe formieren, stand vor Jahren eine verschwitzte Drittligamannschaft, die darauf wartete, dass eine scheppernde Melodie eingespielt würde. Die Kurve forderte: „Wir wollen euch tanzen sehen!“ und feierte das Team für die immer gleiche Abfolge einer kleinen Choreographie Seitschritten und Klatschen, die sie zu eben jenem scheppernden Lied nach jedem Heimsieg zeigte. Diese Erinnerungen an bessere Zeiten sind wie schmerzhafte Flashbacks. Sie beinhalten nicht mehr diese tröstende Nostalgie wie nach einfachen Niederlagen, die es in durchschnittlichen Saison ganz einfach hinzunehmen gilt. Vielmehr wirken sie wie ein zynisches Gegenbild zu diesem traurigen Platz am Amateursportrand. Ein wahnsinniges Spektrum an Gefühlen, das sich über die Betonstufen des Blocks hinweg erstreckt.

Derjenige, der mir in den letzten 20 Spielminuten derart ins Ohr gebrüllt hat, dass ein leiser Fiepton immer noch nachklingt, nimmt einen tiefen Atemzug und ist endlich still. Ich bin traurig und ziehe mir die Mütze vom Kopf, deren blasse Farben mich an bessere Zeiten und das Gefühl von vor drei Stunden erinnern. Enttäuschung: 2. Hoffnung: 0.  „Bock hab ich keinen. Aber wenn ich kann, komme ich natürlich her.“, sagt der Mann dann, ganz leise.


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2 Kommentare

  1. Als Anhänger von Preußen Münster beobachte ich die 3. Liga schon länger – und hatte Braunschweig vor der Saison als Abstiegskandidat gesetzt.

    Was ist euch passiert? Ich glaube, die typische Arroganz des Zweitligaabsteigers. Die Mannschaft wurde runderneuert, jedoch ohne Blick auf die 3. Liga. Die meisten Zugänge haben dort nie gespielt. Das kann man so machen, dann braucht man aber zumindest einen Trainer mit Gefühl für die Liga. Denn wir sehen im aktuellen Fußball, dass eine defensiv und taktisch gut stehende Mannschaft jedes Top-Team über weite Strecken zumindest in Richtung eines dreckigen 0:0 zwingen kann. Dann läuft es in den letzten 15 Minuten auf ein Abnutzungsspiel raus.

    Für den Fußball der 3. Liga braucht man einen gehörigen Kampfschweinfaktor. Von dem war beim Braunschweiger Auftritt in Münster nichts zu sehen. Wenn dann noch die Psyche dazukommt, funktioniert nichts mehr. Ehrlich gesagt: Braunschweig war beim Spiel in Münster das schwächste Drittligateam, das ich in den Jahren seit dem Aufstieg gesehen habe. Es gab immer wieder schwache Teams, aber die haben gekratzt, gebissen und gemauert. Braunschweig wollte mitspielen – das kann nicht funktionieren. “So eine Mannschaft hat Braunschweig nicht verdient”, dachte ich.

    Hinzu kommt vielleicht auch die wirtschaftliche Situation – und die bekommt eine Mannschaft natürlich auch mit. Wenn ich lese, dass (habe ich es richtig mitbekommen) auf der Geschäftsstelle keine Mitarbeiter entlassen wurden, dann ist das zwar ethisch-moralisch begrüßenswert – aber glattes Harakiri. Deshalb befürchte ich, dass euer Leiden noch nicht beendet ist, ja, das es noch schlimmer kommen könnte. Und das tut mir als Fußball-Nostalgiker im Herzen weh. Ich fürchte aber, Präsidium und Geschäftsführer tragen die Hauptschuld.

    • Jan Eppers

      Schuld an der aktuellen Misere ist die Fußballromantik und -nostalgik selbst. Hätte man die wirtschaftliche und sportliche Führungsmannschaft einer 10-jährigen, sehr erfolgreichen Ära wegen eines gaaanz eventuell drohenden Abstiegs (wenn man keins der letzten 7 Spiele gewinnt) entlassen sollen?
      Wir Braunschweiger sind Romantiker in Fußballdingen; die Gründe dafür liegen natürlich in der relativ erfolgreicheren Vergangenheit. Einschließlich mir waren nur die wenigsten Fans dazu bereit, diesen Weg der Kontinuität, der Identifikation aller sichtbaren Eintracht-Mitarbeiter mit der Stadt zu verlassen.
      Wir haben die Romantik nicht gegen das Schicksal abgesichert und das wollten wir auch nicht. Selber schuld!
      (Thomas, in dieser Saison ist die Misere noch allein sportlich; wirtschaftlich hat die Lizenzabteilung das Jahr mit einem Gewinn nach Steuern von 2,7 Mio Euro abgeschlossen. Ich gebe Dir aber recht, noch ein Jahr sollte die Geschäftsstellenromantik nicht weitergehen.
      Anfang der 2000er habe ich in Münster mal ein ganz gruseliges 1:4 oder 1:5 der Eintracht gesehen – es gab schon früher bittere Jahre.)

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