Kategorie: Blog

Alles raushauen

Liebe Leser*innen von 120minuten,

heute lest ihr von uns einen Text, der vielleicht eher an einen Brief erinnert, aber wir möchten euch gerne direkt ansprechen mit dem, was uns gerade bewegt.

Das Jahr 2019 war – mal wieder – ein buntes, vielfältiges und spannendes für das Team von 120minuten. Auf unserer Plattform hat sich das unter anderem in der Reihe rund um den Sportjournalismus niedergeschlagen, wir konnten euch eine starke Kolumne von Ronny Blaschke präsentieren, haben wieder tolle neue Autor*innen mit interessanten Themen dazugewonnen und stecken gerade noch mitten in der Veröffentlichung der 60 wichtigsten Momente der deutschen Fußballgeschichte. Wir haben einen Schwerpunkt auf Frauen im Fußball gelegt und uns intensiv der WM in Frankreich gewidmet. Dazu kamen unsere Podcasts, sowohl zu den bei uns erschienenen Texten als auch zu den Schwerpunktthemen des ballesterer Fußballmagazins.

Wir sind zu Beginn des Jahres gewachsen – seither gehört Mara Pfeiffer zur Redaktion – und später wieder geschrumpft, als Lennart Birth uns verlassen hat. Hinter den Kulissen verstärkt uns seit kurzem Maria Hendrischke bei der Textarbeit. Im neuen Jahr steht eine weitere Veränderung in der Redaktion an. Wir haben alle aus Überzeugung viel Zeit, Liebe und Kraft in das Projekt gesteckt, im wunderbaren Austausch mit euch.

Das ist die eine, tolle Seite, die uns das Gefühl gibt, dass es richtig und wertvoll ist, was wir hier machen. Die andere ist, dass wir uns ehrlich eingestehen müssen: 120minuten ist zuletzt nicht weiter gewachsen – und die Kurve des Wachstums war ohnehin immer überschaubar. Das muss nicht schlecht sein, aber ein bisschen wurmt es uns schon. Unsere Redaktion ist sehr klein für den hohen Aufwand, den wir betreiben, in manchen Phasen des zu Ende gehenden Jahres war das zeitlich alles kaum zu wuppen und wir stehen deswegen vor der Frage, wie es weitergehen kann mit unserem Projekt.

Das soll jetzt aber keinesfalls dramatisch klingen, denn wir haben uns schon eine Strategie überlegt, wie wir das Thema anpacken werden. Part 1: Der Dezember steht unter dem Motto „Alles raushauen“. Das bedeutet, wir beschenken euch bis Silvester jede Woche mit einem neuen Longread, unter anderem Teil 5 und 6 der wichtigen Fußballmomente, aber auch noch zwei Überraschungen von Autoren, die bislang nicht für uns tätig waren. Part 2: Im Januar treffen wir, die Redaktion, uns ein Wochenende lang zur Klausurtagung in Wiesbaden.

Dort wollen wir besprechen, wie wir 120minuten für die Zukunft ausrichten können. Wenn ihr es euch grundsätzlich vorstellen könnt, die Redaktion zu verstärken, im Hintergrund an Texten mitzuarbeiten oder regelmäßiger für uns zu schreiben, seid ihr herzlich eingeladen, im Januar zu uns zu stoßen, um gemeinsam zu brainstormen, wie es weitergeht. Part 3: Im ersten Quartal 2020 wird unsere nach außen sichtbare Arbeit ruhen und wir veröffentlichen keine neuen Texte oder Podcast-Folgen. Wir brauchen unsere Konzentration in dieser Zeit für die Arbeit hinter den Kulissen, damit es ab dem zweiten Quartal hoffentlich mit neuer Kraft für uns – und natürlich für euch, unsere Leser*innen – weitergehen kann.

Wir hoffen, ihr habt Lust, diesen Weg mit uns gemeinsam zu gehen und freuen uns, wenn ihr uns Feedback, Ideen und Anregungen zukommen lasst oder uns im Januar verstärkt. Es grüßt euch von Herzen, mit guten Wünschen für die Weihnachtszeit und den Rutsch ins neue Jahr,

die 120minuten Redaktion

 

Beitragsbild: “news” von David Michalczuk via Flickr | Lizenz: CC BY 2.0

ballesterer in 120minuten, Folge 11: Fußball for future

 

In Ausgabe 11 unserer gemeinsamen Podcast-Reihe mit dem ballesterer Fußballmagazin spricht Alex Schnarr aus der Redaktion mit ballesterer-Redakteur Moritz Ablinger und der stellvertretenden Chefredakteurin Nicole Selmer über die Frage, was der (Profi-)Fußball mit dem Klimawandel zu tun hat. Das Thema bildet auch den Schwerpunkt von ballesterer-Ausgabe 147, die ihr in Deutschland im gut sortierten Bahnhofsbuchhandel findet oder direkt hier bestellen könnt.

Ihr erfahrt in Folge 11, welchen Zugang zum Thema die ballesterer-Crew gewählt hat, was bei den Recherchen überraschte und wie sich mit der Arbeit am Heftschwerpunkt auch der Blick auf den eigenen Fußballkonsum veränderte. Außerdem spricht die Runde über die Rolle der Verbände bei der Frage, wie die Themen “Klimaschutz und Klimawandel” im Fußballkosmos stärker ins Bewusstsein rücken können, über die Gestaltungsmacht der Fans und darüber, wie viel Symbolik eigentlich in der Stadionbratwurst liegt.

Wie immer freuen wir uns auf Euer Feedback zur aktuellen Episode und natürlich auch über eine angeregte Diskussion zum Thema auf Facebook, Twitter oder bei uns im Blog. Folgt unbedingt auch dem ballesterer Fußballmagazin auf Twitter oder schaut auf der Facebook-Seite der Kolleg*innen vorbei.

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Ins Heft geschaut: ballesterer 147

„Fußball for future“ – ballesterer, Ausgabe 147

Der Klimawandel hat nun auch den ballesterer erreicht. Auf 18 Seiten widmet sich die 147. Ausgabe des österreichischen Fußballmagazins der Frage, wie sehr der Profifußball die Umwelt belastet. Eine sehr spannende Titelgeschichte. Daneben sind der große FC Barcelona und die ehemals große SG Wattenscheid 09 Thema, genauso wie das lesenswerte Gespräch mit Kölns Louis Schaub.

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Buchbesprechung: 90 Minuten 1.FC Magdeburg

Wie soll, wie kann man die Geschichte des Herzensvereins in 90 Minuten oder 90 Momenten auch nur annähernd beschreiben, ohne dabei etwas zu vergessen? Oder anders gefragt, ist es denn überhaupt möglich, eine Vereinsgeschichte auf 90 Momente zu reduzieren? Reduktion bedeutet, etwas kompliziertes zu vereinfachen, um zum Kern durchzudringen. In Bezug auf dieses Buch besteht das Resultat darin, dass der 1. FC Magdeburg auf etwas mehr als 90 Momente reduziert wird, auf Leid und Freude, Euphorie und Schmerz. Hierbei werden Details ausgeblendet und im Mittelpunkt stehen die Spiele und die Momente.

Die Auswahl an Spielen des 1. FC Magdeburg ist sicher keine einfache gewesen, was noch einmal den Aufwand hinter diesem Buch unterstreicht. Wir erfahren, wie dicht Freud und Leid beieinander liegen. Nur ein Beispiel: 2001 steigt der Club in die Regionalliga, der damals dritthöchsten deutschen Spielklasse auf, um kurz darauf nur durch eine einmalige Spendenaktion der Fans und dank der Bürgschaft zweier Banken in der neuen Spielklasse überhaupt an den Start gehen zu können. Ein Jahr später folgt dann der Kollaps und die daraus resultierende Insolvenz.

Ein grober Schnitzer unterläuft dem Autoren doch. Der FC Bayern München kam 1974 nach Magdeburg um gegen den Club im Pokal der Landesmeister anzutreten, nicht im UEFA-Pokal. So ein Fauxpas wäre nicht weiter schlimm, würden sich nicht Geschichten um dieses Spiel aus den 1970ern ranken. Die Bayern hatten beispielsweise Angst vor Manipulation ihrer Mahlzeiten und hatten deswegen ihre eigene Verpflegung mitgebracht. Mehr noch, auch der Infrastruktur im Magdeburger Interhotel traute man nicht und zwang die Mannschaft, im Bus zu essen. Die Stasi ließ nichts unversucht, dem Klassenfeind eins auszuwischen und so wurde die Kabine der Bayern verwanzt und die Bänder wurden Heinz Krügel angeboten, welcher dankend ablehnte. Magdeburg schied aus. Die Revanche folgte allerdings fast 30 Jahre später als der Club die Bayern aus dem DFB-Pokal schoss. Dies sind nur zwei Momente, die im Buch festgehalten werden. Über den einen (1974) schüttelt man heute den Kopf, an den anderen (2000) erinnert man sich als Zeitzeuge gern zurück. Überhaupt ist die Mischung aus selbst Erlebtem und Historischem die Stärke dieses Bandes. Selbst die A-Jugend wird erwähnt nachdem sie 1999 den DFB-Pokal ihrer Altersklasse gewinnen konnte. Die zweite Mannschaft hat ebenfalls ihren Platz im Buch, legte sie doch den Grundstein für solche Abende, an die sich jeder erinnert: gegen Köln, Bayern und Karlsruhe 2000/01.

Hinzu kommen Fotos zu jeder einzelnen Spielminute, die das Spiel illustrieren und Erinnerungen hervorrufen. Alles in allem entsteht aus diesen ausgewählten Momenten ein facettenreiches Bild vom Club, welches die Geschichte der letzten 54 Jahre wunderbar darstellt. Dieses Buch reiht sich nahtlos ein in den wachsenden Literaturkanon zum 1. FC Magdeburg, dem einzigen Europapokalsieger der ehemaligen DDR und gehört in jede gut sortierte Bibliothek.

Infos zum Buch und Transparenzhinweise
Das Buch “90 Minuten 1. FC Magdeburg” ist im Verlag Die Werkstatt erschienen und zudem bei jedem gut sortierten Buchhändler erhältlich.

Der Autor des Buches, Alexander Schnarr ist Redaktionsmitglied von 120minuten. Der Verlag hat uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt.

ballesterer in 120minuten, Folge 10: Fußballstadt Berlin

 

In Ausgabe 10 unserer gemeinsamen Podcast-Reihe mit dem ballesterer Fußballmagazin spricht Alex Schnarr aus der Redaktion mit dem freien Journalisten und Buchautor Jan Mohnhaupt und mit Nadine Hornung vom “Textilvergehen”-Podcast über den Fußball in Berlin. Jan gestaltete den gleichnamigen Schwerpunkt für ballesterer-Ausgabe 146, während Nadine mit ihrem Herzensverein Union Berlin in der Saison 2019/2020 erstmals in der Bundesliga unterwegs ist. Mehr zum Fußball in Berlin findet Ihr im aktuellen “ballesterer”, der in Deutschland im Bahnhofsbuchhandel verfügbar ist. Wer sich den Weg zum Zeitungskiosk des Vertrauens sparen möchte, kann sich die aktuelle Ausgabe auch hier bestellen.

In Podcast-Folge 10 geht es zunächst um die Frage, was genau eigentlich eine Fußballstadt kennzeichnet und welche der entsprechenden Attribute eigentlich auf Berlin zutreffen. Jan berichtet dann von seiner Herangehensweise an die ballesterer-Texte, bevor sich die Runde schließlich in den Berliner Fußball vertieft. Zunächst stehen die beiden Erstligisten Hertha und Union im Fokus, im weiteren Verlauf geht es aber auch um weitere Klubs, denen man während eines Berlin-Aufenthaltes durchaus mal einen Besuch abstatten kann und um die eine oder andere Persönlichkeit, die den Berliner Fußball besonders geprägt hat. Abschließend wagen die Diskutant*innen wieder einen Blick in die Zukunft und überlegen, inwiefern Berlin in fünf Jahren der “Fußballstadt” nähergekommen sein könnte.

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Ins Heft geschaut: ballesterer 146

Fußball in Berlin

Fußball in Berlin – Der Schwerpunkt der Ausgabe 146 des ballesterer Fußballmagazins. Pünktlich zum 30. Jahrestag des Mauerfalls blickt alle Welt wieder nach Berlin, so wie es einst Willy Brandt gefordert hat. Die Kolleg*innen vom ballesterer schauen sich dabei den Fußball vor und nach dem Mauerfall an und liefern eine Bestandsaufnahme 30 Jahre danach.

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Rezension: Reds

Die Geschichte des FC Liverpool

Der FC Liverpool scheint die Mannschaft der Stunde in England zu sein. In der vergangenen Saison wurden die „Reds“ hinter Manchester City mit 97 Punkten in der Premier League die beste zweitplatzierte Mannschaft in der Geschichte des englischen Fußballs. Nur wenig später gewann die Mannschaft von Jürgen Klopp zum sechsten Mal die Champions League. Mit 24 Punkten aus acht Spielen ist man zudem ungeschlagen Tabellenführer. Einzig der Auftakt im Europapokal 19/20 wurde mit einer 2-0 Niederlage in Neapel vergeigt; man kann nicht alles haben. Weiterlesen

ballesterer in 120minuten, Folge 9: Stadionverbote

 

In Ausgabe 9 unserer gemeinsamen Podcast-Reihe mit dem ballesterer Fußballmagazin spricht Alex Schnarr aus der Redaktion mit ballesterer-Redakteur Thomas Unger und mit Oliver Wiebe von der Fanhilfe Magdeburg über das Thema “Stadionverbote”, das auch den Schwerpunkt von ballesterer-Ausgabe 145 bildet. Im deutschen Bahnhofsbuchhandel sollte das neueste Heft bereits verfügbar sein; wer sich den Weg zum Zeitungskiosk des Vertrauens sparen möchte, kann sich die aktuelle Ausgabe auch hier bestellen.

Ihr erfahrt in dieser Podcast-Folge zunächst, warum sich Thomas im Leitartikel für die Form eines fiktiven Tagebuchs eines Stadionverbotlers entschieden hat und warum Vertreter*innen des Stadionverbotskomitees von ÖFB und Bundesliga die Beteiligung an einem Streitgespräch für den aktuellen ballesterer abgelehnt haben. Im weiteren Verlauf geht es um Anlässe, Ablauf und Rechtsgrundlagen für Stadionverbote in Deutschland und Österreich, bevor sich die Diskussionsrunde mit Konsequenzen dieser Maßnahme für die Betroffenen beschäftigt. Weiterhin geht es um die Frage, wie Stadionverbote eigentlich konkret durchgesetzt werden, was im Falle einer Nichtbeachtung passiert und ob es nicht auch Alternativen zu dieser Form der Strafe oder – je nach Blickwinkel – der Prävention geben kann. Das Gespräch schließt mit einem Blick in die Zukunft und Überlegungen, wie wir wohl in fünf Jahren über die Thematik sprechen werden. 

Wie immer freuen wir uns auf Euer Feedback zur aktuellen Episode und natürlich auch über eine angeregte Diskussion zum Thema auf Facebook, Twitter oder bei uns im Blog. Folgt unbedingt auch dem ballesterer Fußballmagazin auf Twitter oder schaut auf der Facebook-Seite der Kolleg*innen vorbei.

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Buchbesprechung: Miro

Das Gefühl, im Himmel zu stehen

von Luca Schepers (Pretty Little Movies)

Das Verhältnis eines Fußballfans zu seinem Verein und seinen Lieblingsspielern ist ein sehr diffuses und im Grunde genommen auch kaum zu erklärendes. Das macht das angemessene Schreiben über Fußball auch so schwierig, da man sich als Fan immer in einem Zwiespalt zwischen Analyse und Emotion befindet. Ronald Reng gelingt es in seinem neuen Buch „Miro“, in welchem er die Geschichte der eigentümlichen Karriere des Miroslav Klose erzählt, ein weiteres Mal, eine sprachliche Verbindung dieser beiden Pole des Fan-Daseins zu finden. Dabei begreift er das Phänomen „Miro“ als eine Mischung aus tatsächlicher fußballerischer Qualität und dem Gefühl, einen besonderen Menschen vor sich zu haben. Das wohl offensichtlichste Symbol ist der Salto, den Klose nach besonderen Toren zu vollführen pflegte und der in seiner formvollendeten und beruhigenden Schönheit bei gleichzeitiger technischen Perfektion die Stimmung, welche diese Biographie durchzieht, sehr gut abbildet.

Reng erzählt Kloses Geschichte chronologisch, von der Kindheit über den ewigen Traum, einmal auf dem Betzenberg zu spielen, bis hin zum WM-Finale 2014 und seiner heutigen Tätigkeit als Jugend-Trainer. Seine Erzählung ist klar strukturiert und sehr detailreich. Immer wieder kommen alte Weggefährten und vor allem Klose selbst zu Wort. Die vielen kleinen Geschichten, unter anderem der sehr genau beschriebene Wechsel zu Bayern München im Jahr 2007 oder auch die lang anhaltende Freundschaft mit Luca Toni, mit dem man nach der Lektüre des Buches gerne mal essen gehen würde, sind amüsant, interessant und schön erzählt.
Allerdings wird hier, ebenso wie im ebenfalls sehr tollen „Spieltage: Die andere Geschichte der Bundesliga“ (2013), nicht nur die Geschichte eines Menschen erzählt, sondern es ist vor allem eine Erzählung eines großen Umbruchs in der Fußballgeschichte, an dessen Wendepunkt Klose mit 20 Jahren aus der Bezirksliga in die Bundesliga kam. War dies Anfang der 2000er noch möglich, so ist dies heute vollkommen undenkbar. Dabei wirken sowohl Klose als auch Reng nicht wehmütig, wenngleich sie ihre Begeisterung für Olaf Marschall nicht verleugnen können, sondern eher fasziniert von dem Wandel, den der Fußball in den letzten zwei Jahrzehnten durchlaufen hat.

Das Großartige an diesem Buch ist, dass es gelingt, vom Kleinen auf das Große zu schließen, ohne das Kleine als reinen Funktionsträger zu betrachten. Man merkt Reng die Sympathie für seine Protagonisten an, dem man sich nach der Lektüre des Buches auch nur schwer entziehen kann. Miroslav Klose schaut so reflektiert und ruhig auf seiner Karriere zurück und erscheint als ein sehr höflicher und freundlicher Mensch. Dass es gelingt, seine Geschichte so analytisch klar und gleichzeitig von einer ganz eigenen Form der Poesie geprägt, zu erzählen, ist sowohl sprachlich als auch literarisch bemerkenswert.

„Miro“ ist daher in vielerlei Hinsicht ein sehr bemerkenswertes Buch und sollte nicht unter dem Label eines „guten Fußballbuches“ abgetan werden. Viel mehr findet sich hier, wie auch im restlichen Schaffen von Reng, ein sehr vielseitiges Werk, welches von einem tiefen Verständnis für Geschichte und deren Vermittlung geprägt ist. Und am Ende ist es auch die Geschichte eines Jungen, mit dem man selbst auf der Straße gespielt haben könnte. Die Zeit dieser Geschichten dürfte im Fußball wohl größtenteils vorbei sein. Aber das Gefühl, das einen beim Lesen dieser Biographie überkommt und das nicht nur aus Wehmut besteht, zeigt doch, dass Ronald Reng sich hier dem Kern dieses schönen Spiels angenähert hat.

Infos zum Buch
Ronald Reng: Miro. 448 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, ISBN: 978-3-492-05953-4, Preis: 22,00 Euro

Das Buch ist bei Piper erschienen und über den Online-Versand zu beziehen.

Uns wurde freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.