Kategorie: Blog

Buchbesprechung: Der Osten ist eine Kugel. Fußball in Kultur und Geschichte des östlichen Europa

Dieser Sammelband widmet sich dem Fußball im östlichen Europa aus wissenschaftlicher Perspektive. Bevor das jedoch eventuell zu schwer wird, haben die Herausgeber den Band mit Fotostrecken, Gedichten und Kurzgeschichten aufgelockert. Dies folgt dem Gedanken, dass Fußball für den tschechischen Autoren Bohumil Hrabal für “die Prosa das wichtigste Spiel ist” und Jewgeni Jewtuschenko ausführt, dass ihn der sowjetische Fußball “die Poesie gelehrt hat”. (S. 20) Beim Wort “Osten” im Titel stellt sich aber auch die Frage, wo dieser beginnt: hinter der Elbe, wie von Konrad Adenauer einst postuliert? Hinter Berlin oder doch erst hinter der Oder? Das Inhaltsverzeichnis gibt Aufschluss: selbst die Schweiz zählt zum Osten dazu, denn der Fußball, der in Österreich und Ungarn in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gespielt wurde, hatte großen Einfluss auf die Entwicklung des eidgenössischen Fußballs. Auch die ehemalige DDR ist Bestandteil eines Kapitels. Das sind jedoch die Ausnahmen, liegt der Fokus dieses fast 500 Seiten starken Werkes auf Polen, den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, Ex-Jugoslawien, der Ex-ČSSR, Ungarn und Rumänien.

Der Ursprung des Buches reicht bis ins Jahr 2010 zurück als sich das GWZO[1] in Leipzig auf der Jahrestagung mit dem Thema Fußball auseinandersetzte. Aus damals acht Mitstreiterinnen und Mitstreitern ist ein Team aus mehr als 30 Mitgliedern geworden, die an diesem Band mitgewirkt haben. Dies unterstreicht einmal mehr, dass der Fußball in Osteuropa eine ebenso große Rolle spielt wie in anderen Teilen des Kontinents, jedoch bisher eher stiefmütterlich, wenn überhaupt, behandelt worden ist.
Die Gedichte und Kurzgeschichten sind ausschließlich von osteuropäischen Autoren verfasst und werden hier zum ersten Mal in deutscher Sprache abgedruckt. Dazu gibt es biographische und bibliographische Informationen zum Autor. Auch bemerkenswert ist der hohe Anteil an Autorinnen: insgesamt acht Frauen haben an dem Buch mitgewirkt. Ein Punkt sei angemerkt als klitzekleine Kritik: Natürlich dürfen in so einem Werk auch die großen Spieler nicht fehlen und so wundert es wenig, dass Ferenc Puskas und Lew Jaschin mit einem Kapitel gewürdigt werden. Im Kreise dieser Großen fehlt dann aber mindestens ein Panenka oder auch Sindelar. Mit Ernst Willimowski wird in einem Abschnitt ein Grenzgänger beschrieben; Grenzgänger weil er sowohl für die polnische Nationalelf als auch die deutsche auflief.

Fazit: Fußball ist in Osteuropa genauso wichtig wie im Rest der Welt und dient ebenso als Vehikel für nationale Identität wie anderswo und ist deshalb keinen Deut schlechter oder niedriger einzustufen. Dieses Werk zeigt deutlich, welche Spuren der Fußball in den Staaten im Osten Europas hinterlassen hat und wie lebendig Geschichte nochimmer ist.

Anmerkungen

[1]Das Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas widmet sich der Erforschung des Raumes zwischen Ostsee, Schwarzem Meer und Adria, vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

Infos zum Buch
Christian Lübke, Dirk Suckow, Stephan Krause (Hrsg.) Der Osten ist eine Kugel. Fußball in Kultur und Geschichte des östlichen Europa. 492 Seiten, Hardcover, durchgehend farbig, ISBN: 978-3-7307-0388-5, Preis 29,90 Euro

Das Buch ist im Werkstatt-Verlag erschienen und über den Online-Versand zu beziehen.

Uns wurde freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Episode 16: “Ultras und Medien: Die ewige Ambivalenz”

 

In Ausgabe 16 des 120minuten-Podcasts sprach Alex Schnarr aus der Redaktion mit Lennart Birth, Hendrik Buchheister und Oliver Wiebe über das Verhältnis zwischen Ultras und Medien. Grundlage war Lennarts Longread zum Thema, der im Juli 2018 auf 120minuten.net erschienen ist. Die Gesprächsrunde diskutierte über die Relevanz von Fan-Themen in der täglichen Sportberichterstattung, positive Beispiele für die erfolgreiche Platzierung von Fan-Belangen in den Medien und verschiedene Spannungsfelder, die sich aus der Eigenlogik der aktiven Fanszenen auf der einen und des Sportjournalismus auf der anderen Seite ergeben. Abschließend wird die Frage aufgeworfen, inwiefern es beim Verhältnis zwischen aktiven Fans und Medienschaffenden wohl bei einer “ewigen Ambivalenz” bleiben wird.

Hendrik Buchheisters Buch “Choreo” ist bei Delius Klasing erschienen und kann zum Beispiel direkt über den Verlag bestellt werden.

Wie immer freuen wir uns auf Euer Feedback zur aktuellen Folge und natürlich auch über eine angeregte Diskussion zum Thema auf Facebook, Twitter oder hier im Blog.

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Veranstaltungshinweis: “Journalismus? Nicht umsonst!”

Ihr erinnert Euch vielleicht: Im vergangenen September landeten wir unseren Auswärtssieg in Dortmund, konnten eine Jury vom Konzept hinter 120minuten überzeugen und eins von drei Grow-Stipendien gewinnen. Die Förderung von Gründer*innen im gemeinnützigen Journalismus durch das Netzwerk Recherche und die Schöpflin Stiftung geht nun in die dritte Runde. Die in diesem Jahr auf je 3.000 Euro aufgestockten Grow-Stipendien unterstützen journalistische Start-ups, die einen klaren Recherche-Schwerpunkt haben und nicht profitorientiert sind. Bewerbungen sind bis zum 15. August 2018 möglich. Mehr Informationen findet Ihr hier: nrch.de/grow

Vergeben werden die Stipendien in diesem Jahr auf einer Fachkonferenz zum gemeinnützigen Journalismus. „Journalismus? Nicht umsonst!“ ist eine Tagung über Nonprofitjournalismus, neue Finanzierungsideen und das Verhältnis von Journalismus und Stiftungen. Auch wenn wir in diesem Jahr nicht als Stipendien-Bewerber antreten, werden wir dort trotzdem als reguläre Konferenzteilnehmer am Start sein und freuen uns schon jetzt auf den Austausch, neue Ideen und spannende Kontakte. Vielleicht sieht man sich ja dort?

WANN? Freitag, 21. September 2018

WO? Berlin

Hier geht es zu weiteren Informationen und zur Anmeldung.

 

Im Interview: Die Ultras des 1. FC Magdeburg geben Einblicke

Im Rahmen der Recherche für seinen aktuellen Longread „Ultras und Medien: Die ewige Ambivalenz“ auf 120minuten.net hat Autor Lennart Birth den Kontakt zur Ultraszene des 1. FC Magdeburg gesucht. Diese gibt seit 2003 im alten und seit 2006 im neuen Stadion des frisch gebackenen Zweitligisten das PlanetMD heraus, in dem etwa Spielberichte und Gegnervorstellungen zu lesen sind, in welchem sich die Fanszene aber immer wieder auch zu bestimmten vereinsinternen und sportpolitischen Themen positioniert.

Im Interview äußern sich die aktiven Fans zu ihrem journalistischen und ehrenamtlichen Engagement, sowie zum Verhältnis zwischen Fangruppierungen und Medienvertretern. Es sei die Ergänzung gestattet, dass es sich hierbei nur um ein regionales Beispiel handelt, sodass es durchaus Unterschiede zu anderen Gruppierungen geben kann. Dennoch sollen die Einblicke der Ultras als Ergänzung zum eigentlichen Text exemplarisch einen Eindruck vermitteln, wie sich aktive Fanszenen und Journalisten in Deutschland heute gegenüberstehen.

Zur Entstehung: Nach einem Vorgespräch Anfang Juni 2018 im Fanprojekt Magdeburg haben die Ultras des 1. FCM in Person zweier Fanzine-Redakteure die Fragen schriftlich beantwortet. Zentrale Passagen fanden Verwendung im aktuellen Text.

Die Ultras des 1. FCM im Jahr 2008: Das PlanetMD gab es da bereits fünf Jahre
(Foto: Sven Gebhard, wikipedia commons)

Lennart Birth – Hallo, danke, dass Ihr Euch bereit erklärt habt, meine Recherche zu unterstützen. Es ist bekanntlich keine Selbstverständlichkeit, dass sich Ultras so offen äußern. Umso schöner, dass Ihr es tut. Ihr schreibt für das Ultraheft PlanetMD und gehört der Fanszene in Magdeburg an. Könnt Ihr uns erklären, wieso Ihr als aktive Fans den Kontakt zu Medienvertretern eher meidet?

Vertreter des PlanetMD – Hauptaspekt ist sicherlich: Ultras sind schlichtweg Fußballfans, die ins Stadion gehen wollen, ihren Verein anfeuern und auch den Wettbewerb auf den Rängen gestalten. Ständige Medienarbeit gehört da einfach nicht wirklich dazu, es gibt also auch keine Pressesprecher oder ähnliches. Wenn Ultras den ständigen Kontakt zu Medien meiden, dann vor allem deshalb, weil sie keinen Bock auf eine entsprechende Zusammenarbeit haben.

Und: so pauschal die Berichterstattung über Ultras ist, so pauschal ist dann entsprechend auch die Gegenreaktion in Sachen Abwehrverhalten.

Worin begründet sich die kritische Distanz der Ultras zu Medien? Folgt man einem allgemeinen Trend der Medienskepsis (Stichwort:
 Glaubwürdigkeitskrise der Medien) oder fußt das Misstrauen auf 
jahrelangen Erfahrungswerten?

Aspekte, die zur Glaubwürdigkeitskrise der Medien beitragen, kritisieren Fanorganisationen schon lange. Beispielhaft sei hier nur das unkontrollierte Übernehmen von Polizei-, Verbands- oder Vereinsmeldungen zu nennen. Hier verstärken sich Erfahrungswerte und aktuelle Trends sicherlich gegenseitig. Und immer wieder auch: Ultras wollen Fußball gucken, ihre Mannschaft und den Verein anfeuern und nicht ständig Presse- oder Öffentlichkeitsarbeit leisten. Das nervt einfach in den weitaus meisten Fällen.

Vielleicht fehlt zu vielen Journalisten und ihren Lesern auch einfach das Verständnis für Ultras, ihre Kultur und ihr Verhalten?

Nicht mehr oder weniger als für andere Subkulturen.

Dann, wenn es doch Kontakte gibt, kann das durchaus von Vorteil sein. Profitieren aktive Fans und Journalisten voneinander, wenn
 beispielsweise über eine große Choreografie berichtet wird (mehr Aufmerksamkeit für die Fangruppe, viele Leser für den Journalisten)?

Das kann ein Effekt sein, muss es aber nicht zwangsläufig. Hier in Magdeburg hat sicherlich auch der ganze Presse-Hype rund um Aufstiege, Stimmung usw. das ganze Umfeld aktiviert und die Aufmerksamkeit ein Stück weit auch auf Fanthemen gelenkt.

Habt Ihr als Ultras denn überhaupt ein Interesse an „Öffentlichkeitsarbeit“? Wollt Ihr Eure Inhalte verbreiten, andere Fans einbeziehen, so wie das etwa bei der Ausgliederungsdebatte beim 1. FCM 2017 der Fall gewesen ist?

Die richtige Antwort auf diese Frage kann nur ganz klar lauten: Ja und nein! Ja, natürlich haben wir Interesse an Öffentlichkeitsarbeit, schließlich spielt sich der wichtigste Aspekt des Fan-Seins – und das sind wir ja – in der Öffentlichkeit, im Stadion ab und ist mit seinem performativen Charakter ja Öffentlichkeitsarbeit an sich. Der „Wettbewerb auf den Rängen“, der neben der eigentlichen Unterstützung der eigenen Mannschaft immer Teil des Fanlebens ist, kann nur über Öffentlichkeit funktionieren. Nicht umsonst diskutieren tausende Fans, nicht nur die Organisierten, Zuschauerzahlen, Auswärtszahlen, Choreographien, Stimmung usw. Deshalb wollen wir oftmals viele Menschen, in der Regel die Stadiongänger beim 1. FCM, erreichen, um uns in ganz vielfältiger Form zu unterstützen. In solchen Momenten versuchen wir die „FCM-Öffentlichkeit“ – wenn man alle nicht direkt bei uns organisierten Fans als solche bezeichnen möchte – über unsere Kanäle zu erreichen.

Und gleichzeitig auch nein, denn wir sind immer noch „nur“ Fans; unser Bezugsrahmen ist eben das Fan-Sein an und für sich. Wir haben keine Pressesprecher und wir müssen nicht jeden, der eine Meinung zu uns hat, aber sonst mit Fußball nichts am Hut, von uns und unseren Vorstellungen irgendwie überzeugen. Für uns würde das Fanleben auch ohne diese enorme öffentliche Aufmerksamkeit insbesondere von außerhalb der Fankurven gut funktionieren. Diese Öffentlichkeit ist deshalb eigentlich keine der Zielgruppen unserer Öffentlichkeitsarbeit.

Und grundsätzlich? Haben Ultras das Bedürfnis, sich einzumischen und mitzuteilen? Wollt ihr Debatten anregen und kontroverse Thematiken aufgreifen oder, um es provokant zu formulieren, euch gar profilieren? Welche Zielgruppen wollen Ultras dabei erreichen?

Wie wir eben bereits angedeutet haben: eigentlich sind das nicht die Kernanliegen von Fanszenen. Das Wort „eigentlich“ weist aber schon darauf hin, dass die Wirklichkeit oftmals eine andere ist. Mittlerweile nimmt Fußball in der öffentlichen Wahrnehmung eine solch dominante Rolle ein, dass alles, was rund um Fußball passiert, auch von öffentlichem Interesse zu sein scheint. Das verändert natürlich den Fußball und seine Vereine und damit auch das Fan-Dasein massiv. Und zwar in sehr komplexen und unterschiedlichen Dimensionen. Wenn wir uns einmischen, dann immer aus Sicht der aktiven Stadiongänger – und schon da werdet Ihr uns wohl zustimmen – dass es selbst unter denen nicht „die Sicht“ gibt. In der Regel teilen wir uns aber nur dann mit, wenn wir das Gefühl oder die berechtigte Befürchtung haben, dass auf dem Rücken der Stadiongänger Veränderungen stattfinden oder sich bestimmte Institutionen gar profilieren wollen. Hier sind wir ganz klar gezwungen, uns einzumischen. Wenn für Außenstehende das Gefühl entsteht, dass sich Ultras permanent einmischen, dann deshalb, weil sich der Fußball permanent und selten in ihrem Sinne verändert.

Seit wann schreibt Ihr eigentlich für die aktive Fanszene, wie
 strukturiert und teilt Ihr Euch die Arbeit beim Planet ein? Gibt es eine feste Kernredaktion?

Unser Heft gibt es seit 2003. Wir sind ziemlich stolz darauf, dass immer noch einige Macher der ersten Stunde am Heft mitarbeiten. Diese Personen haben teilweise auch schon vorher an anderen Fanpublikationen der Magdeburger Fanszene mitgewirkt, erinnert sei hier an die Hefte der „AG Stimmung“ bzw. Blue Generation, die um die Jahrtausendwende erschienen. Das heißt, wir blicken mittlerweile schon auf gut 20 Jahre Arbeit an Fanmagazinen zurück, was natürlich immer dann von Vorteil ist, wenn man nachrückende Jungredakteure an dieser Erfahrung teilhaben lassen kann. Aktuell gibt es einen festen Kreis an Redakteuren, die sich in unterschiedlichem Ausmaß um die einzelnen Rubriken des Heftes kümmern. Zusätzlich gibt es ein Kontroll-Leseteam, welches oftmals daran scheitert, dass viele Texte erst mit Redaktionsschluss eintrudeln und gar nicht mehr Kontrolle gelesen werden können, wir arbeiten eben ehrenamtlich. Und dann haben wir derzeit verschiedene Layouter, die sich letztlich um die Zusammenstellung des Heftes und seine grafische Gestaltung kümmern.

Beinhaltet Eure Arbeit für das PlanetMD Mechanismen der 
freiwilligen Selbstkontrolle und gibt es einen V.i.S.d.P.? Im Heft macht 
Ihr dazu keine ernsthaften Angaben.

Wir haben so etwas wie eine Redaktions-Konferenz, in der regelmäßig Themen und Texte besprochen werden und natürlich wird da so ein Heft dann auch längerfristig geplant. Da werden Texte dann auch schon mal kritisch diskutiert und mitunter auch gekürzt oder gestrichen. Unsere Hauptprämisse ist, dass unsere Texte entweder ganz direkt einen Bezug zu unserem Verein und seiner Fanszene haben müssen oder zumindest indirekt die Leute über Fanaspekte informieren, die sie und damit eben die ganze Fanbewegung in Magdeburg weiter nach vorne bringen.

Für Euch ist das Planet seit einiger Zeit explizit kein 
Stadionheft mehr. Könnt Ihr den Leserinnen und Lesern, die nicht alle mit dem FCM zu tun haben, Eure Beweggründe darlegen?

Dazu müssen wir kurz etwas ausholen bzw. einen Blick in die Historie des Heftes werfen: als wir 2003 das erste Mal erschienen sind, waren wir vom Selbstverständnis her ein reines Fanclub-Heft der damals noch jungen Blue Generation, was lediglich dazu gedacht war, die eigenen Leute und das direkte Umfeld über anstehende Auswärtsspiele, Feiern usw. zu informieren – in Zeiten ohne Whatsapp oder ohne SMS-Flatrates war das seinerzeit durchaus noch plausibel. Wie Verein und Fanszene hat das Heft in den Folgejahren einige Sprünge gemacht. Wir hatten kurz nach dem Umzug ins HKS (Heinz-Krügel-Stadion als inoffizieller Name für die 2006 erbaute MDCC-Arena, Anmerkung der Reaktion) sogar eine Zeit lang ganz explizit eine „Ultras! No Fans“-Phase, die sich auch auf die Inhalte des Heftes auswirkte. Mit dem kontinuierlichen Abstieg von Verein und Fanszene in den schweren Jahren nach 2008 änderte sich der Fokus der Fanszene erneut: es galt das Zusammengehörigkeitsgefühl der letzten Getreuen zu stärken, sich auf die Traditionen des Vereins und der Fanszene sowie seine eigentlichen Stärken zu berufen. Daraus sollte einerseits Kraft für die schwere Zeit gezogen werden und andererseits wollte man durch mehr Engagement den Verein in dieser Zeit auch voranbringen. Eine Komponente des Ganzen war eben auch, ein starkes Fanmagazin unter die Leute zu bringen, das sowohl über fanrelevante Dinge als auch über Entwicklungen rund um den Verein berichtete. Als der 1. FCM sein Programmheft dann zugunsten einer damals ggf. aus Vereinssicht sogar sinnvollen Billigvariante an die Volksstimme (Magdeburger Tageszeitung, Anmerkung der Redaktion) abgab, beschlossen wir die entstehende Lücke zu nutzen und bezeichneten uns als Stadionmagazin. Das Ganze durchaus mit Erfolg, unsere Auflagenzahl stieg und wir dachten, wir wären damit auf einem guten Weg.

Leider zeigte sich aber spätestens mit dem Aufstieg (gemeint ist der Aufstieg in die 3. Liga 2015, Anmerkung der Redaktion), dass es auch Schattenseiten des Booms gibt. Immer öfter blieben unsere Hefte, die wir immer noch kostenlos bzw. gegen Spende verteilten, nach dem Spiel achtlos auf den Plätzen liegen. Die weitaus größte Zahl dabei auf den Plätzen, von denen die im Vergleich geringsten Spenden kamen. Hier merkte man schon irgendwo eine Nichtachtung der Arbeit, die wir lange Zeit aber zugunsten einer von uns irgendwie imaginierten Informationspflicht ignorierten. Als im Zuge der Ausgliederung 2017 dann aber klar wurde, dass unsere Inhalte viele Leute gar nicht erreichen, unser Heft also in bestimmten Stadionbereichen wirklich maximal Lückenfüller zwischen Bier und Knoblauchbrot ist, entschieden wir uns nach einer kurzen Pause zum Ende der Spielzeit 2016/17 dazu, unser Profil wieder zu schärfen und uns ganz klar als Ultramagazin für Block U zu positionieren. Das Ganze läuft nun seit einem Jahr und funktioniert mal mehr, mal weniger gut. Aber wir sind mit diesem Einschnitt, der sich für Außenstehende insbesondere durch eine deutlich geringere Auflagenzahl äußert, bisher zufrieden.

Was muss ein Fan, der nicht in einer Fanszene aktiv ist, aus Eurer Sicht tun, um 
seine vermeintliche Medienblase zu verlassen und um Ultra-Standpunkte in Erfahrung zu
 bringen? Inwieweit spielt dabei das Internet eine Rolle?

Am einfachsten wäre es, ins Stadion zu gehen, sich in die Fankurve zu stellen, auswärts zu fahren. Geht das nicht, können Internetseiten der Fangruppen oder Fan-Foren sicherlich eine ganz interessante erste Anlaufstelle sein.

Und welche Rolle spielt das Internet bei Eurer Arbeit? Mein Eindruck ist, dass immer mehr Fanszenen eine eigene Webseite betreiben und dort direkt relevante Informationen verbreiten.

Natürlich haben viele Fans das Internet für sich entdeckt und nutzen es. Aber genauso gibt es viele Fanszenen, die sich dem Internet teils oder völlig verschließen, sei es aus „Stilgründen“, mangels entsprechender Kompetenz oder aus anderen Gründen.

Wie beurteilt Ihr in diesem Zusammenhang die Arbeit von Portalen 
wie turus oder Faszination Fankurve?

Wir wollen es uns nicht anmaßen, die Arbeit an solchen Portalen zu bewerten. Was man definitiv sagen kann, ist, dass sie auch die Medienarbeit von Fangruppen verändern. Positiv, wenn man ihre Reichweite für sich zu nutzen weiß. Negativ, wenn man die Kontrolle über die eigene Information zu verlieren glaubt.

Verlassen wir mal wieder die virtuellen Welten und kehren zum Ultraalltag zurück. Es ist nicht unüblich, dass es im Stadion auch mal kracht oder dass Dinge auf die Spitze getrieben werden. Greifen Fanszenen bewusst zu martialischen Mitteln, um in das
 Blickfeld der Aufmerksamkeit zu gelangen? Falls dem so ist: Liegt dies 
möglicherweise darin begründet, dass andere Wege der Generierung von
 notwendiger Aufmerksamkeit fehlen?

Das ist schwer pauschal zu beantworten, da muss man immer auf den konkreten Anlass gucken. Manchmal ist sicher einfach nur der Skandal gewollt, man nutzt die zu erwartende Aufmerksamkeit also bewusst aus.

Noch ein anderes Thema finde ich im Kontext der medialen Darstellung von Ultras und anderen Fans sehr interessant: Haben sich mit den Fanhilfen im ganzen Land in gewisser Weise 
Lobbyverbände für aktive Fans und Ultras entwickelt?

Es ist schwierig für uns als Fanzine-Macher, an dieser Stelle die Arbeit von Fanhilfen und deren Ausrichtung zu bewerten. Was man sicherlich auch aus relativer Distanz betrachtet sagen kann, ist, dass Fanhilfen sich in eigentlich allen Fällen vordergründig wegen konkreter Nachfrage an Rechtshilfe in den jeweiligen Szenen gegründet haben, da der Repressionsdruck gegen Fußballfans in den letzten Jahren doch merklich zugenommen hat und sich Staat und auch Verbände bzw. Vereine immer neue Maßnahmen einfallen lassen, mit denen Fans reglementiert werden sollen. Lobby- oder Öffentlichkeitsarbeit ergibt sich dann in der Regel aus der Organisationsstruktur der Fanhilfen, oftmals als Verein, die wie andere Vereine Öffentlichkeitsarbeit machen, um Mitglieder zu gewinnen oder die Vereinsziele zu erreichen.

Habt Ihr im Umgang mit der Presse Wünsche für die Zukunft? Wie
 kann der Kontakt zueinander besser gestaltet werden?

Der beste Kontakt wäre es, wenn kein Kontakt nötig wäre, sondern einfach objektiv berichtet würde. Berechtigte Kritik halten die meisten Fangruppen sicherlich aus.

Vielen Dank!

Der 120minuten-Newsletter im neuen Gewand

“Nichts ist so beständig wie der Wandel”, wusste man schon im antiken Griechenland. Nun ist 120minuten noch nicht ganz so alt, dennoch lässt sich die Aussage des guten Heraklit auch ganz hervorragend auf unsere Arbeit beziehen. Hinter den Kulissen (und manchmal auch davor) sind wir kontinuierlich dabei, unser kleines Projekt jeden Tag ein Stückchen besser zu machen, was manchmal eben auch bedeutet, Dinge anders zu machen als bisher.

Eine dieser Veränderungen betrifft den 120minuten-Newsletter. War das bis dato eher eine automatisierte Benachrichtung über neue Texte und Blogposts, wollen wir den Newsletter ab sofort stärker dazu nutzen, Euch über neue Entwicklungen bei 120minuten zu informieren, einen Überblick über die letzten Aktivitäten zu geben und Euch auch am Innenleben der Redaktion teilhaben zu lassen. Deshalb haben wir uns folgendes überlegt:

Der neue 120minuten-Newsletter erreicht Euch ab sofort einmal monatlich und wird immer abwechselnd von einem Redaktionsmitglied gestaltet. Wir blicken noch mal zurück, was im jeweiligen Monat bei 120minuten so los war (Longreads, Podcast, Neues aus der Redaktion) und empfehlen außerdem je ein Lesestück pro Redaktionsmitglied, das uns in den vergangenen Wochen besonders beschäftigt hat. Dazu gibt es einen Ausblick auf die kommenden Longreads bei uns sowie auf weitere spannende Veranstaltungen und Ereignisse, auf die wir uns in der 120minuten-Redaktion besonders freuen.

Diejenigen unter Euch, die den Newsletter bereits abonniert haben, müssen nichts weiter tun. Wer bisher noch nicht im Verteiler ist, aber gern aufgenommen werden möchte, kann sich über den Link hier auf der Seite in den neuen 120minuten-Newsletter eintragen. Und, ach ja, auch bei den verschiedenen Anmeldeoptionen haben wir einmal feucht durchgewischt – wie gesagt, nichts ist so beständig wie der Wandel.

Wir wünschen auf jeden Fall viel Spaß und angeregte Lektüre und freuen uns auf Eure Rückmeldungen, Anregungen und Kommentare. Herzliche Grüße aus Redaktion, bleibt sportlich!

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Fazit zur Demokratie-WM: Demokratien spielen besser Fußball

Zu den vielen Ritualen einer Fußballweltmeisterschaft gehört es, nach dem Turnier umfassend Bilanz zu ziehen. Zeit also, auch unsere Demokratie-WM noch einmal Revue passieren zu lassen und unsere Tipps auszuwerten. Lagen wir mit unserer These richtig, dass es einen Zusammenhang zwischen der Demokratiequalität eines Landes und den Leistungen seiner Fußballnationalmannschaft gibt?

Ein Gastbeitrag des BTI-Projekts der Bertelsmann Stiftung

Historisch lässt sich die Frage relativ eindeutig beantworten: in den 18 Weltmeisterschaften seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben demokratisch regierte Länder 16 Mal den Titel geholt. Für den aktuellen Test haben wir die 32 teilnehmenden Nationen auf der Basis der unabhängigen Bewertungen der beiden Demokratie-Indizes der Bertelsmann Stiftung – des Transformationsindex (BTI) und der Sustainable Governance Indicators (SGI) – in fünf zentralen Demokratie-Feldern bewertet. Die wichtigsten Informationen dazu haben wir in Länderporträts zusammengefasst. Aus dem direkten Vergleich der beiden Kontrahenten entlang der fünf Kategorien leiteten sich unsere Spieltipps ab. Wer in Sachen freie Wahlen, Meinungsfreiheit, Schutz der Bürgerrechte, soziale Inklusion und Korruptionsbekämpfung die Nase vorn hatte, so unsere Annahme, wird sich auch sportlich durchsetzen.

Das Ergebnis: in 30 der 64 Begegnungen haben wir mit diesem System auf den tatsächlichen Gewinner der Partie getippt. Mit einer Trefferquote von 48 Prozent schlagen wir zwar die meisten tierischen Orakel-Gegner, die regelmäßig während Weltmeisterschaften auftauchen, und können gleichziehen mit vielen der auf rein sportlichen Daten basierenden Prognoseinstrumente. Aber für den Erfolg versprechenden Wettbüroeinsatz des Ersparten entlang unserer Vorausschau wären wir insgesamt nicht präzise genug gewesen.

Das lag in erster Linie daran, dass wir bei Begegnungen zwischen Demokratien untereinander häufiger danebenlagen. Je enger unsere Bewertungen für die Demokratiequalitäten zusammenlagen, umso geringer unsere Prognosefähigkeit. Ginge es allein nach Demokratiequalität, dann wären Schweden, Dänemark oder Island viel länger im Turnier geblieben. Auch Deutschland wäre nicht in der Vorrunde ausgeschieden.

Am zuverlässigsten waren unsere Prognosen bei Partien von Gegnern auf niedrigem oder sehr unterschiedlichen Demokratieniveau. Sobald mindestens eine der 5 qualifizierten Autokratien mitspielte, stimmte unser Modell in 69 Prozent der Fälle mit dem Spielausgang überein; 9 Sieger der insgesamt 13 Partien haben wir richtig vorausgesagt. In sämtlichen Spielen der Gruppe A mit der Demokratie Uruguay und den Autokratien Ägypten, Russland und Saudi-Arabien hat das Abschneiden im direkten Demokratie-Vergleich jeweils auch zum Gewinner der Begegnung gepasst. Mit solch einer Quote landet man in jeder Tipprunde weit vorne.

Auch der Gesamtverlauf der WM 2018 einschließlich der Qualifikationsphase zeigt, dass Demokratie und Fußball mehr miteinander zu tun haben könnten, als allgemein angenommen: Das Verhältnis zwischen in der FIFA organisierten Fußballverbänden aus demokratischen und autokratischen Staaten ist 2:1. Für die Weltmeisterschaft 2018 qualifiziert haben sich schon mehr als fünfmal so viele Demokratien wie Autokratien. Nach der Gruppenphase betrug das Verhältnis 15:1 – Gastgeber Russland war die einzig im Turnier verbliebene Autokratie.

Gibt es Erklärungen dafür, dass im Vergleich mit Autokratien demokratisch regierte Fußballnationen besser abschneiden, die über Zufälligkeiten hinausgehen? Das britische Magazin Economist hat sich ebenfalls im Vorfeld der WM an einem Modell versucht, Einflussgrößen neben dem Fußballplatz zu definieren. Ergebnis: Wohlstand, Landesgröße und die Fußballbegeisterung der Bevölkerung können bis zu 50 Prozent das Abschneiden der Nationalmannschaften im internationalen Vergleich erklären. Der Rest, werde zumindest zum Teil davon bestimmt, wie stark Länder bei der Ausbildung ihres Nachwuchses auf Kreativität und individuelle Entscheidungskompetenz setzen oder wie offen sie sind für internationale Einflüsse – sowohl bei der Benennung ihres eigenen Kaders als auch beim Einsatz ihrer Spieler in den besten Ligen dieser Welt.

Freiheit, Offenheit und Wettbewerb, so scheint auch hier zu gelten, haben Anteil am Erfolg. Vielleicht gelingt die Übersetzung in die Welt des Fußballs ja Demokratien besser, weil sie diese Werte eher als autoritäre Staaten auch in Politik und Gesellschaft berücksichtigen – sei es bei der Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung, dem pluralistischen Wettbewerb politischer Einstellungen, der Toleranz von Opposition oder dem Schutz vor allzu übermächtigem Eingreifen des Staates in individuelle Freiheiten. China hat den Gewinn eines Weltmeistertitels bis zum Jahr 2050 zum Staatsziel erklärt, bis 2030 will man dominant in Asien sein, bis 2025 sollen im ganzen Land 50.000 Fußballschulen entstehen, Milliardenbeträge sollen in diesen Ausbau und den Einkauf internationalen Know-Hows gesteckt werden. Noch hat die staatlich verordnete Fußball-Offensive keine große sportliche Wirkung entfaltet – bisher zumindest zeigt die Empirie, dass eine Liberalisierung der Gesellschaft einen großen Beitrag zum Erreichen des Ziels leisten könnte.

Fußball, so wird in vielen der allerorts gezogenen Bilanzen deutlich, dient immer auch als Projektionsfläche für alle möglichen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. Ist Deutschlands Vorrunden-Aus ein Spiegelbild des mangelnden Teamspirits der Regierungskoalition oder gar des bröckelnden sozialen Zusammenhalts der deutschen Gesellschaft? Wird Frankreichs Titelgewinn Präsident Macrons unterirdische Zustimmungswerte ähnlich nach oben katapultieren wie im Jahr 1998? Sollte Europa nicht auch politisch Zuversicht schöpfen aus der Tatsache, dass zum fünften Mal in der WM-Geschichte die Halbfinale ausschließlich unter Mannschaften des Alten Kontinents ausgefochten wurden? Und hat das Fußballfest in Russland letztlich nur zur Legitimierung des autoritären Regierungsstils Putins beigetragen oder auch dabei geholfen, bei Gastgebern wie Besuchern alte Stereotype und Feindbilder aufzubrechen, was die russische Politik zwar nicht von heute auf morgen verändert, aber vielleicht die Akzeptanz autoritärer Strukturen bei der Bevölkerung?

Fußball bleibt die schönste Nebensache der Welt und wir sollten ihn nicht überfrachten mit allzu vielen Projektionen und vermeintlich sicheren Prognosen. Unser Anliegen war es, bei aller Freude am Spiel den Blick auch hin und wieder auf die Zustände neben dem Spielfeld zu lenken. Uns jedenfalls hat das Experiment Spaß gemacht. Es hat uns neue Denkanstöße für unsere eigene Arbeit gegeben. Zwar haben wir uns mit dem Austragungsort und -zeit der Winter-WM 2022 und der Jahreszeit noch nicht so richtig angefreundet, aber wir sind bereit, in vier Jahren den nächsten Test zu starten. Gerne wieder mit so exzellenten Partnern wie dem Blog 120minuten und dem argentinischen Think Tank CADAL.

Es gibt keine letzte Gewissheit darüber, welche sportlichen oder außersportlichen Faktoren wie zusammentreffen müssen, damit es mit dem Titel klappt. Zum Glück hat auch diese Weltmeisterschaft wieder unter Beweis gestellt, wie herrlich unvorhersehbar manche Spielausgänge sind. Sportlich wird Jogi Löw das frühe Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft hoffentlich erfolgreich analysieren können. Ein Fazit unserer etwas anderen WM jedoch ist – bisher zumindest – noch nicht widerlegt: Demokratien spielen einfach besser Fußball!

Episode 15: “Zwischen Professionalisierung und Sportplatzflair” mit Matthias Busse

 

In Ausgabe 15 des 120minuten-Podcasts sprechen Oliver Leiste und Endreas Müller aus der Redaktion mit Matthias Busse über den Fußball in Luxemburg. Grundlage ist Matthias’ Longread “Zwischen Professionalisierung und Sportplatzflair”, der im Juli 2018 auf 120minuten.net erschienen ist. Zunächst geht es generell um den Status Quo in Luxemburg und die Entwicklung der verschiedenen Vereine, die durchaus auch auf europäischer Bühne schon für Furore gesorgt haben. Dann beleuchtet die Gesprächsrunde die luxemburgische Nationalmannschaft und deren Perspektiven, auch mit Blick auf Nations League, bevor eine Außenperspektive auf den luxemburgischen Fußball geworfen wird. Ein Ausblick und die Frage, wann wir wohl ein luxemburgisches Team in der Europa-League-Gruppenphase sehen werden, runden die Folge ab.

Kapitelmarken:

00:00:00 Intro, Sendungsthemen, Vorstellungsrunde
00:04:39 Status Quo und Entwicklungen im luxemburgischen Fußball
00:33:28 Das luxemburgische Nationalteam
00:43:04 Der Blick von außen auf den luxemburgischen Fußball
00:54:14 Ausblick auf und Perspektiven für den luxemburgischen Fußball

Die von Oliver angesprochenen Artikel:

“Luxemburg darf nicht Düdelingen werden” (Der Standard)
“Traum vom Europacup: Warum immer mehr Deutsche in Luxemburg kicken” (Spiegel Online)
“Moneyball: Der luxemburgische Fußball und die Finanzen” (Luxemburger Tageblatt)

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WM-Tipp des Tages: Frankreich gegen Kroatien

Was wäre, wenn die Fußball-Weltmeisterschaft nicht nach sportlichen, sondern nach demokratischen Kriterien entschieden werden würde? Diese Frage stellte sich das BTI-Projekt der Bertelsmann-Stiftung und bewertete alle Mannschaften entlang der Kategorien “Freie Wahlen”, “Meinungsfreiheit”, “Schutz der Bürgerrechte”, “Soziale Inklusion” und “Korruptionsbekämpfung”. Im Duell um den Weltmeistertitel zwischen Frankreich und Kroatien lautet der “Tipp des Tages”:

Finalpremiere für Kroatien, die Überraschungsmannschaft dieser WM. Leider ist die Qualität der kroatischen Demokratie in den letzten Jahren hinter den Erwartungen der Bürger zurückgeblieben. Insbesondere Pressefreiheit ist unter Druck geraten. Es gibt gelegentlich Versuche der Einflussnahme auf die Medien, und die Leitung des kroatischen Rundfunks ist von den politischen Parteien abhängig. Hinzu kommt mangelnde Kontinuität: Nicht nur die Nationalmannschaft hat in den vergangenen drei Jahren zweimal den Trainer ausgetauscht, auch der Ministerpräsident wurde seit 2015 zweimal ausgewechselt.
Die französische Demokratie hat ihre ganz eigenen Herausforderungen, die der Wahlkampf im vergangenen Jahr schonungslos offengelegt hat. Dennoch behält die Equipe Tricolore aufgrund einer stärkeren Fankultur (Meinungsfreiheit) und eines größeren Teamgeists (soziale Inklusion) in diesem Finale die Oberhand.

Zum Länderportrait Frankreich (PDF)
Zum Länderportrait Kroatien (PDF)

Mehr Informationen zur “Demokratie-WM” der Bertelsmann-Stiftung erhaltet Ihr direkt auf der Projekt-Homepage.

In Podcast-Episode 13 sprach Alex Schnarr aus der 120minuten-Redaktion mit Hauke Hartmann vom BTI-Projekt über die Hintergründe der “Demokratie-WM”.

Auch wir haben uns im Rahmen unserer #WMGeschichten mit beiden Ländern beschäftigt. Julien Duez schrieb über Frankreich, Anthony Zoric über Kroatien.

Die Redaktion empfiehlt:

Das dicke Ende kommt erst noch. Das gilt sowohl für die WM in Russland als auch den Prozess gegen hochrangige FIFA-Offizielle, der in den USA läuft. Im Tribünengespräch beim Rasenfunk sprach Max-Jacob Ost mit Jürgen Kalwa ausführlich über den Prozess und die Strukturen im Fußballweltverband. Beim Hören wechseln sich Erstaunen, Schock und Scham regelmäßig ab.
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Hinweis: Dieser Beitrag ist Bestandteil einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Bertelsmann-Stiftung und der 120minuten Lerche, Schnarr & Wagner GbR.

WM-Tipp des Tages: Belgien gegen England

Was wäre, wenn die Fußball-Weltmeisterschaft nicht nach sportlichen, sondern nach demokratischen Kriterien entschieden werden würde? Diese Frage stellte sich das BTI-Projekt der Bertelsmann-Stiftung und bewertete alle Mannschaften entlang der Kategorien “Freie Wahlen”, “Meinungsfreiheit”, “Schutz der Bürgerrechte”, “Soziale Inklusion” und “Korruptionsbekämpfung”. Im Duell um Platz 3 zwischen Belgien und England lautet der “Tipp des Tages”:

Belgien und England haben eine ganz starke WM gespielt, mit ihnen ist in den nächsten Jahren zu rechnen. Diesmal hat es dennoch nicht ganz für den Titel gereicht. Gleiches gilt für unsere Demokratie-WM: Beide Länder sind in allen wesentlichen Indikatoren solide, aber nicht weltmeisterlich. Vergleichsweise große Defizite offenbaren die beiden Kontrahenten in der demokratischen Defensive: dem Schutz der Bürgerrechte. Beide Regierungen haben im Zuge der Terrorabwehr Gesetze erlassen, die Grundrechte von Verdächtigen infrage stellen. Dass England im Spiel um Platz 3 einen knappen Sieg einfahren wird, ist der Wiederbelebung des lange vermissten Teamgeists auf der Insel zu verdanken. Die Bildungsmobilität ist viel besser geworden und Kinderarmut stark zurückgegangen. Fazit: Achtungserfolg im „kleinen Finale“ für das neue England.

Zum Länderportrait Belgien (PDF)
Zum Länderportrait England (PDF)

Mehr Informationen zur “Demokratie-WM” der Bertelsmann-Stiftung erhaltet Ihr direkt auf der Projekt-Homepage.

In Podcast-Episode 13 sprach Alex Schnarr aus der 120minuten-Redaktion mit Hauke Hartmann vom BTI-Projekt über die Hintergründe der “Demokratie-WM”.

Auch wir haben uns im Rahmen unserer #WMGeschichten mit beiden Ländern beschäftigt. Christoph Wagner schrieb über Belgien, Chris Lee über England.

Die Redaktion empfiehlt:

Wir sind auf der Zielgeraden. Die letzten zwei Spiele des WM-Turniers stehen bevor. Rückblickend fragt man sich, wie alles kam, wie es eben kam. Bei der Beantwortung dieser Frage hilft ein Blick auf die Eckdaten der Spiele. Den Weg von Kroatien und Frankreich bis ins Finale zeichnet FiveThirtyEight ansehnlich und leicht konsumierbar nach. Wer sich einen Überblick über alle Spiele verschaffen will, dem seien die “Datenposter” zu jeder einzelnen Partie von Zeh Fernandes empfohlen.
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Hinweis: Dieser Beitrag ist Bestandteil einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Bertelsmann-Stiftung und der 120minuten Lerche, Schnarr & Wagner GbR.