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WM 2019 – 24 Spielerinnen, die die Welt verändern – Gruppe F

Auf den ersten Blick sind die Rollen in der Gruppe F klar verteilt: Mit den USA als amtierenden Weltmeisterinnen und Schweden, die sich den Titel bei diesem Turnier selbstbewusst zutrauen, sind gleich zwei starke Gegner vertreten. Doch auch Chile möchte bei der ersten WM-Teilnahme überhaupt eine gute Rolle in dieser Gruppe spielen. Für Thailand geht es als Erstes darum, endlich einen Turniersieg zu erzielen – weitere Ziele anschließend nicht ausgeschlossen.

USA: Viel Druck für die amtierenden Weltmeisterinnen

Die Vereinigten Staaten von Amerika: „The land of the free and the home of the brave …“ – Mittlerweile steht diese Zeile aus der US-amerikanischen Nationalhymne für den Einsatz für Bürgerrechte und Demokratie. Werte, die momentan in Gefahr sind. Eine, die frei und tapfer für diese Werte einsteht, ist Megan Rapinoe. Und manchmal bedeutet, für etwas einzustehen, niederzuknien.

Dies tat Rapinoe 2016 beim Spiel der Seattle Reign gegen die Chicago Red Stars, als – wie vor jedem Spiel der National Women’s Soccer League (NWSL) – die Nationalhymne gespielt wurde. Nach dem Spiel kommentierte sie ihre Geste kurz und knapp: Es sei das Mindeste, was sie als Weiße tun könne, um den durch Quarterback Colin Kaepernick begonnenen Protest schwarzer Sportler*innen gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze zu unterstützen.

Eine, die voran geht: Megan Rapinoe. (Foto: Tom Seiss)

Die amerikanische Nationalmannschaft hat viele Superstars. Alex Morgan und Carli Lloyd sind Namen, die selbst in Deutschland einigen Menschen geläufig sind. Begnadete Offensivspielerinnen, Idole, Fußballmillionärinnen. Auch Megan Rapinoe gehört in diese Kategorie. Und doch hat sie etwas an sich, das sie abhebt.

Rapinoe liest das Spiel, verteilt die Bälle und gehört gemeinsam mit Portlands Tobin Heath und Chelseas Magdalena Eriksson zu den drei besten Eckballkünstlerinnen der Welt. Ihre größte Stärke aber ist ihre Unausrechenbarkeit. Gegenspielerinnen verzweifeln regelmäßig an Rapinoes schlitzohrigen Pässen. Sie kann aus jeder Position aufs Tor schießen oder eine Mitspielerin bedienen. Mit 33 Jahren ist Megan Rapinoe aktuell in der Form ihres Lebens.

Sportbegeistert und vielseitig war die Kalifornierin schon immer. Zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Rachael spielte sie von klein auf Fußball, vorwiegend in Mannschaften, die ihr Vater trainierte. Auch in Basketball und im Laufen brachten die Schwestern Rapinoe gute Leistungen.

Engagiert für LGBT-Rechte und Frauenfußball

Die NWSL wurde 2013 als Nachfolgerin der beiden ebenfalls professionellen Vorgängerligen WUSA (Women’s United Soccer Association, 2001-2003) und WPS (Women’s Professional Soccer, 2009-2011) ins Leben gerufen. Rapinoe spielte bis zur Schließung der WPS für drei verschiedene Franchises, wechselte 2011 für zwei Spiele zu Sydney FC und kehrte anschließend in die USA zurück, um sich auf die Olympischen Spiele 2012 vorzubereiten. Das im US-Sport gängige Draft-System, in dem Spieler*innen einem Team zugewiesen werden, brachte Rapinoe in der allerersten Saison der NWSL nach Seattle. Seitdem spielt sie für Reign FC, die bis letzte Saison noch Seattle Reign hießen.

2013 und 2014 lief sie außerdem für Olympique Lyon auf und stand unter anderem in dem Champions-League-Finale, das Lyon gegen den VfL Wolfsburg verlor. Der Spielmodus der NWSL ermöglicht es Spielerinnen, jedes Jahr für mehrere Monate ins Ausland zu wechseln. Neben der französischen und der schwedischen Liga – früher auch der Bundesliga – ist die australische W-League seit einigen Jahren das beliebteste Ziel vieler NWSL-Spielerinnen.

Megan Rapinoe gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten Seattles. Sie engagiert sich seit Jahren für LGBT-Rechte und Frauensport in Seattle. Und mit Basketballstar Sue Bird hat sie eine Lebenspartnerin, die ihr in ihren Kämpfen um Gleichberechtigung kompromisslos zur Seite steht. Der aktuellste dieser Kämpfe hat jüngst erneut weltweit Schlagzeilen gemacht: Bereits vor den Olympischen Spielen 2016 legten Megan Rapinoe, Alex Morgan, Carli Lloyd, Becky Sauerbrunn und Hope Solo (Karriere beendet) bei der Equal Employment Opportunity Commission (Bundesbehörde zur Durchsetzung von Bürgerrechtsgesetzen gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz) offiziell Beschwerde wegen Lohndiskriminierung ein. Sie verdienten oft nur die Hälfte oder weniger als die Hälfte als die Spieler der Männernationalmannschaft.

So würden das Team um Megan Rapinoe gerne wieder jubeln. (Foto: Tom Seiss)

Eine Kommission erteilte den Spielerinnen im Februar 2019 das Recht, zu klagen. Am 8. März 2019 reichten dann alle aktuellen Nationalspielerinnen der USA eine Sammelklage gegen die United States Soccer Federation, den US-amerikanischen Fußballverband, ein. Rapinoe und ihre 27 Teamkolleginnen machen den Verband für systematische Diskriminierung aufgrund des Geschlechts verantwortlich. Im Vergleich mit der in den USA weniger erfolgreichen Männerfußballnationalmannschaft hätten die Frauen erheblich schlechtere Reise- und Trainingsbedingungen. Außerdem erhielten sie geringere Prämien, obwohl sie höhere Einnahmen und Zuschauerzahlen generierten. Eine Entscheidung über die Klage steht noch aus. Sie wird vermutlich erst nach der Weltmeisterschaft in Frankreich fallen.

Das Turnier in Frankreich wird Rapinoes dritte und wahrscheinlich letzte Weltmeisterschaft sein. Als amtierende Weltmeisterinnen und Weltranglistenerste sind die Amerikanerinnen der klare Titelfavorit. Nach den französischen Fans haben sich amerikanische Fans mit Abstand die meisten WM-Tickets gesichert – das Gruppenspiel USA gegen Schweden war als eine der ersten Begegnungen ausverkauft. Viel Druck für die Frauen von Trainerin Jill Ellis. Nach einer mühelosen WM-Qualifikation, bei der bis auf Kanada kein Gegner eine ernsthafte Herausforderung war, gerieten die dreimaligen Weltmeisterinnen Anfang des Jahres bei einem Testspiel gegen Frankreich ins Straucheln.

Auch der heimische „SheBelievesCup“ – einem aus vier Nationalteams bestehenden Einladungsturnier – konnte nicht gewonnen werden. Angesichts der individuellen Stärke der Spielerinnen zeigten die USA erstaunliche Abwehrschwächen. Der Offensive fehlte häufig die gewohnte Durchschlagskraft. Megan Rapinoe ist tapfer und sie ist frei. Es steht außer Frage, dass sie dazu in der Lage ist, gleichzeitig Vorkämpferin für sozialen Wandel zu sein und den Titel zurück in die USA zu holen.


Zur Person: Ellen Hanisch schreibt als Journalistin über den nationalen und internationalen Fußball. Sie gehört zum Podcast-Kollektiv FRÜF und betreibt die Seite Fußballthesen.

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Thailand: Mit einem Sieg das Minimalziel erreichen

Thailand, das Land des Lächelns. Thailand, das Land, das zum zweiten Mal in Folge seine Frauen-Nationalmannschaft zu einer Fußball-WM schickt. Was das miteinander zu tun hat? Beides spiegelt nicht die Realität und die eigentlichen Verhältnisse wider. Nicht jede*r Thai wird einem auf den Straßen Bangkoks mit einem echten Lächeln begegnen. Und nur, weil das Team sich zweimal nacheinander für eine WM qualifizieren konnte, heißt es nicht, dass sich im Land des Asienmeisters von 1983 sportlich etwas tut.

Aufgrund der Kräfteverhältnisse im asiatischen Frauenfußball war klar, dass man es 2015 nur über ein Spiel um Platz 5 gegen den Erzrivalen aus Vietnam nach Kanada schaffen könnte. Vier Jahre später hatte Thailand viel leichteres Spiel – und Losglück. Vor den Philippinen und Jordanien sicherte man sich Platz 2 in der Vorrunde der Asienmeisterschaft und hatte sich damit schon für Frankreich qualifiziert. Wären die Thais an der Stelle Vietnams in der anderen Gruppe mit Japan, Australien und Südkorea gewesen, hätten sie diesen Sommer wohl allenfalls eine Urlaubsreise nach Europa buchen können.

International erfahrenes Team

Hoffte man nach 2015 im Zuge der erstmaligen Teilnahme an einer WM auf einen Schub im eigenen Land, so muss man konstatieren, dass dieser ausblieb. Es regiert Stillstand statt Fortschritt. Das Interesse am Frauenfußball ist fast nicht existent und der Verband tut wenig bis nichts, um dies zu ändern. Eine nationale Liga findet nur sporadisch statt und hat eher Alibicharakter, um zum Beispiel die FIFA als Geldgeber zufriedenzustellen.

Das macht sich auch am Team von Trainerin Nuengruethai Sathongwien, welches im Großen und Ganzen fast noch das gleiche ist wie in Kanada, bemerkbar. Ohnehin besteht es im Kern aus Spielerinnen, die so schon seit den frühen 2000er Jahren zusammenspielen. Entsprechend international erfahren ist die Mannschaft um Kapitänin Sunisa Srangthaisong, die mit über 100 Länderspielen hervorsticht.

Das thailändische Nationalteam im Jahr 2015. (Foto: Sven Beyrich)

Erstmals bei der WM dabei sein wird Pitsamai Sornsai. Die inzwischen 30-Jährige galt einst als eines der größten Sturmtalente und ist mit über 45 Toren die erfolgreichste Torschützin Thailands. 2013 wechselte sie nach Japan und zog sich dort gleich in einer der ersten Saisonspiele eine schwere Knieverletzung zu. Nachdem sie sich zurückgekämpft hatte, erlitt sie das gleiche Schicksal erneut, was ihre Hoffnung auf eine Teilnahme an der WM 2015 zunichtemachte. Der Australier Spencer Prior, Trainer der Nationalmannschaft von 2016 bis 2017, formte aus der einstigen Stürmerin eine Verteidigerin mit Drang für die Offensive. Unter der alten-neuen Cheftrainerin Sathongwien wird Sornsai inzwischen sowohl im Mittelfeld als auch wieder im Sturm eingesetzt. Neu im Team ist unter anderem die Thai-Amerikanerin Miranda Nild die mit ihrer großen und wuchtigen Statur eine neue physische Komponente in das Angriffsspiel der Thailänderinnen bringt.

Die Elf definiert sich über Kampfgeist und mannschaftliche Geschlossenheit. Vor allem, wenn es gegen überlegene Gegner geht. An guten Tagen bringen sie dann schon mal Australien an den Rand einer Niederlage, wie zuletzt im Halbfinale der Asienmeisterschaft. Gegen gleichwertige oder schwächere Gegner zeigt Thailand gerne sein spielerisches Potenzial, welches von vielen Ballstafetten und Kurzpassspiel geprägt ist, solange sie nicht dabei gestört werden. Im Mittelfeld zieht Silawan Intamee die Fäden, die ihre Stärken auch und vor allem bei Standards hat. Bei Kontern sollte man auf Kanjana Sungngoen achten. Inzwischen 32 Jahre alt, hat sie von ihrer Schnelligkeit auf dem Flügel im Vergleich zu 2015 nur wenig eingebüßt.

In Sachen Gegnerinnen kann einem die Nationalmannschaft Thailands fast ein wenig leidtun: Zwar gelang vor vier Jahren der erste historische Sieg bei einer WM, man traf aber bei der Premiere gleich auf den damaligen Weltranglistenbesten – Deutschland. Dazu gesellten sich Norwegen und die Elfenbeinküste. Ganz schön hart für einen Neuling. Dass es noch einmal eine Spur härter geht, zeigte die Auslosung zur WM 2019. Abermals ist es an Thailand, sich mit der Nummer 1 der Welt zu messen – diesmal werden es die USA sein. Und sowohl Schweden als auch Chile sind, was die Schwierigkeit angeht, erneut eine Steigerung zu 2015.

Die gute Nachricht für Thailand bei dieser WM lautet, dass man das Turnier nach den beiden harten Spielen und zu erwartenden Niederlagen gegen die USA und Schweden mit einem positiven Abschluss verlassen könnte, in dem man den letzten Gruppengegner, Chile, bezwingt. Wie schon 2015 hätte man so das Minimalziel erreicht und könnte Frankreich mit einem Lächeln verlassen. Das Traumziel Achtelfinale wird aber mindestens noch weitere vier Jahre auf sich warten müssen. Dann aber mit einer neuen Generation an Spielerinnen.



Zur Person: Sven Beyrich ist Experte in Sachen asiatischem und Frauen-Fußball und eine Hälfte des Podcasts Lottes Erbinnen.

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Chile: Heimvorteil für die Torhüterin Christiane Endler

Der chilenische Fußball fiel in der jüngeren Vergangenheit durch Überraschungssiege bei der Copa America gegen den Favoriten Argentinien auf. Blickt man etwas weiter zurück in die 1990er Jahre, kommen Erinnerungen an Ivan „der Schreckliche“ Zamorano hoch, der beim FC Sevilla, bei Real Madrid sowie Inter Mailand vor allem per Kopf für Torgefahr sorgte. Und das bei 1,78m Körpergröße.

Bei den chilenischen Frauen sucht man vergebens eine Nachfolgerin für Zamorano. Zumindest im Sturm. Im Tor steht dagegen mit Christiane Endler eine Weltklasse-Spielerin. Die chilenische Nationaltorhüterin hat eine illustre Reise hinter sich, hat sie doch bereits für Everton und Colo-Colo in ihrem Heimatland Chile gespielt, bevor sie im Dienste von Chelsea den europäischen Fußball hautnah erlebte. Nach erneut Colo-Colo, dann Valencia in Spanien, trägt sie nun seit 2017 die Nummer 16 im Tor der Frauen von Paris Saint-Germain.

Ihr Name klingt sehr deutsch: Endlers Vater ist Deutscher, ihre Mutter Chilenin. Schon früh zeigte sich ihr sportliches Talent und sie entschied sich letztlich für den Fußball. Einer ihrer früheren Trainer entschied sich, sie als Torhüterin aufzustellen. Es zahlte sich aus, denn 2008, als 17-Jährige, spielte Endler bei der U-20 WM im eigenen Land. Damals musste ihre Mannschaft mächtig Lehrgeld zahlen: Alle drei Vorrundenspiele gingen verloren. England, Neuseeland und Nigeria waren zu stark. Im Spiel gegen England stand 2008 auch eine gewisse Steph Houghton auf dem Platz, die ihre Mannschaft 2019 in Frankreich als Kapitänin aufs Feld führen wird.

Hält bei PSG und in der Nationalmannschaft den Kasten sauber: Christiane Endler. (Foto: Tom Seiss)

Die Pariser stehen währenddessen vor einem Luxusproblem, denn mit Christiane Endler und der Polin Katarzyna Kiedrzynek stehen zwei der besten Torhüterinnen im Dienste von PSG. Natürlich belebt Konkurrenz das Geschäft – und ganz unzufrieden ist Endler nicht mit der Situation, denn nur so kann sie sich weiterentwickeln. Es herrscht eine gesunde Rivalität und beide Spielerinnen arbeiten zusammen, um sich zu verbessern, so Endler. Bevor sie nach Paris zog, wurde sie in Spanien für Valencia spielend zur besten Torhüterin gewählt. Dort hatte sie die beste Gegentore-pro-Spiel-Quote während der Saison 2016/17: Nur neun Tore kassierte sie, in 23 Spielen.

Zuversicht trotz Mangels an Erfahrung

Auch in diesem Jahr wurde sie von ihren Kolleginnen und Trainern zur besten Torhüterin der Saison gewählt. Zuvor wurde sie zwischen 2008 und 2017 zur besten chilenischen Spielerin gekürt. Zudem hat Endler mehrfach die Meisterschaft in Chile gewonnen, sowie auch die Copa Libertadores mit ihrem Heimatverein Colo-Colo. Ganz in der Tradition ihrer deutschen Vorfahren wird ihr Spiel mit dem von Manuel Neuer verglichen und obendrein ist Oliver Kahn ihr Vorbild.

Für sie ist PSG einer der größten Clubs der Welt, und somit war der Wechsel nur logisch. Aber wie sieht es aus mit PSG? Im Fußball zählen nur Titel; davon hat PSG außer einem Pokalsieg 2018 wenig vorzuweisen. Auch in der abgelaufenen Spielzeit war Lyon in der Meisterschaft einfach stärker und deklassierte PSG um fünf Punkte im Titelrennen. In der Champions League war im Viertelfinale gegen Chelsea Schluss. Das Ausscheiden war besonders bitter, da Chelsea erst in der Nachspielzeit zum 1:2 verkürzen konnte und somit über die Auswärtstorregel weiterkam. Trotzdem gehört Paris Saint-Germain zu einer der Top-Adressen im Fußball, auch bei den Frauen. Weshalb es für Endler klar war, nach Frankreich zu wechseln.

Chile wird zum ersten Mal bei einer WM dabei sein und Endler ist zuversichtlich, dass die Mannschaft sich gut schlagen wird, trotz des Mangels an Erfahrung. Sie spricht in einem Interview davon, dass ihr Team sich auf das Turnier freue, fügt aber auch hinzu, dass die Gruppe mit den USA, Thailand und Schweden keine einfache sei. Endler selbst wird beim Turnier einen Heimvorteil haben, spielt sie doch in Paris und kennt demzufolge die Stadien und die Atmosphäre.

Zur Person: Christoph Wagner forscht, schreibt über Fußball und gehört zur Redaktion von 120minuten.

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Schweden: Die Welt verbessern, den Titel gewinnen

Die schwedische Frauenfußball-Nationalmannschaft möchte bei dieser Weltmeisterschaft endlich wieder zu den Top-Teams gehören. Unterlag man bei der letzten WM in Kanada 2015 im Achtelfinale mit 1:4 ausgerechnet Deutschland, so soll dieses Jahr der Titel her. Dabei wird Nilla Fischer vom Bundesligisten VfL Wolfsburg eine wichtige Rolle spielen. Die 34-Jährige ist eine, die vorangeht – auf und neben dem Platz. 2001 debütierte das gerade einmal 16 Jahre junge Talent während eines Wintertrainingslagers gegen Norwegen in der schwedischen A-Nationalmannschaft. Insgesamt kommt die Innenverteidigerin seitdem auf 175 Einsätze für die A-Nationalmannschaft. Ihren größten Erfolg mit der „Natio“ feierte sie bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro, als sie im Schweden-Dress die Silbermedaille gewann – auch damals unterlag man im Finale den Deutschen mit 1:2.

Über Verums GOIF und Vittsjö GIK gelang ihr 2000 der Wechsel zum Kristianstad DFF, bei dem sie erstmals in Schwedens höchster Frauen-Spielklasse auflief. Nur drei Jahre später schaffte sie den Sprung zu Malmö FF, jetzt bekannt als FC Rosengård. 2010 gewann sie mit dem Klub ihre erste schwedische Meisterschaft und verteidigte den Titel prompt im Jahr darauf, 2012 folgte der Wechsel zu Linköpings FC. Fischer, die sich zu einer gestandenen Innenverteidigerin entwickelte, machte mit tollen Leistungen auf sich aufmerksam und wurde zur Saison 2013/2014 vom damaligen Wolfsburg-Trainer Ralf Kellermann, der gleichzeitig als sportlicher Leiter agierte, ablösefrei in die Autostadt gelotst – für beide Seiten ein wahrer Glücksgriff. Fischer etablierte sich unmittelbar als Führungsspielerin und war jahrelang Kapitänin der „Wölfinnen“. Mit dem VfL holte sie in sechs Jahren satte zehn Titel: einmal die Champions League, viermal die Deutsche Meisterschaft und stolze fünfmal den DFB-Pokal.

Starke Performance auf und neben dem Platz: Nilla Fischer. (Foto: Tom Seiss)

Während die schwedische Liga zwischen 2002 und 2008 lange zu einer der besten der Welt zählte – Umeå IK stand in der Zeit fünf Mal im Finale Women’s Cup – und Spielerinnen wie Marta ausbildete, muss sich die „Damallsvenskan“ (Dam = Frauen und Allsvenskan = Name der Herren-Liga) mittlerweile hintenanstellen. Länder wie Deutschland, England, Spanien und Frankreich haben wirtschaftlich aufgeholt und locken mit ihren attraktiven Gesamtpaketen die Top-Talente der schwedischen Liga. Infolge der Abwanderung prominenter schwedischer Spielerinnen aus der geringer budgetierten Damallsvenskan, bauen die Teams nun vermehrt auf die Ausbildung und Förderung ihrer eigenen Jung-Talente. Die Spannung in der Liga ist jedoch auch ohne prominente schwedische Weltklassespielerinnen garantiert: So schaffte es beispielsweise ein gesetzter Abstiegskandidat wie Limhamn Bunkeflo die vermeintlich „Großen“ des FC Rosengård zu Hause mit 3:2 zu schlagen. 2018 wurde mit Piteå IF eine Mannschaft Meister, deren Spielerinnen parallel zum Sport arbeiten beziehungsweise studieren.

Engagement über das Spiel hinaus

Auch wenn es sich bei Fußball um eine Berufung handelt, so gibt es Momente, in denen der Sport in den Hintergrund gerät. Und so ist Fußball nicht mehr alles im Leben der Nummer 4 des VfL Wolfsburg. Die Prioritäten der Abwehrspielerin änderten sich am 25. Dezember 2017, als Ehefrau Maria Michaela, die sie 2013 heiratete, Söhnchen Neo zur Welt brachte. „Neo rules the world“, sagte sie damals in einem Interview. Daraus resultierte auch der Entschluss, nach der laufenden Saison nach Schweden zurückzukehren. Bei den Wolfsburgerinnen lief ihr Vertrag ursprünglich regulär noch bis 2020, die Innenverteidigerin machte aber von der Ausstiegsklausel Gebrauch, die ihr eine vorzeitige Rückkehr nach Schweden zur Saison 2019/2020 ermöglichte. Sie unterschrieb einen Zwei-Jahres-Kontrakt bei Linköpings FC. „Ich habe sonst immer meine Entscheidungen als Fußballerin getroffen, dieses Mal habe ich mich aber als Mutter zu diesem Schritt entschlossen, weil es für uns wichtig ist, dass unser Sohn im familiären Umfeld aufwächst“, begründete die 34-Jährige den vorzeitigen Wechsel zurück in die Damallsvenskan.

Fischer wird nicht nur spielerisch eine große Lücke hinterlassen. Auch menschlich hat sie viel bewegt – in Wolfsburg und ganz Deutschland, in Teilen sogar auf der ganzen Welt: Seit dieser Saison laufen alle Spielführer*innen des VfL Wolfsburg mit einer Regenbogen-Kapitänsbinde auf. Der Verein will damit ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung und Homophobie und für die Vielfalt im Fußball setzen. Initiiert hat das ganze Fischer, die sich seit Jahren für die Rechte und die Anerkennung Homosexueller einsetzt. Im März 2017 trat die Fußballerin im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ an ihren Verein heran und bat darum, eine Regenbogen-Kapitänsbinde tragen zu dürfen. „Der Regenbogen symbolisiert Stolz, Vielfalt und Respekt füreinander. Im Fußball machen wir uns oft gegen Rassismus stark, was großartig ist. Aber mir ist es wichtig, das große Ganze zu betrachten, und da müssen wir auch Homophobie und Sexismus ins Blickfeld nehmen“, sagte sie damals.

„Hört niemals auf, Fußball zu spielen und hört niemals auf, für Gleichberechtigung zu kämpfen.“ (Foto: Tom Seiss)

Als sie 2018 zu Schwedens Fußballerin des Jahres und zur besten Verteidigerin Schwedens gekürt wurde, hielt sie bei der Gala des schwedischen Fußball-Verbandes eine bewegende Rede und sprach über die ungleiche Bezahlung im Männer- und Frauensport: „Ungerechtigkeit tut weh! Würde ich heute hier als Mann stehen, mit der Karriere, die ich gehabt habe, bräuchte ich mir keine ökonomischen Sorgen mehr machen, auch meine Kinder nicht. Wir spielen, weil wir den Sport lieben. Deshalb möchte ich euch Mädchen sagen: Hört niemals auf, Fußball zu spielen und hört niemals auf, für Gleichberechtigung zu kämpfen.“

Fischer hat die Ansichten einer ganzen Stadt nachhaltig verändert. Sie hat etwas bewegt. Sie hat unermüdlich gekämpft und sich eingesetzt. Sie hat eine Verbindung hergestellt, denn der Regenbogen, ein starkes Zeichen für Akzeptanz, ist aus Wolfsburg nicht mehr wegzudenken. Diese Werte verkörpert sie auch als eine der Leistungsträgerinnen der schwedischen Frauenfußball-Nationalmannschaft. Es ist davon auszugehen, dass die Innenverteidigerin auch bei der nun anstehenden Weltmeisterschaft in Frankreich, die wohl gleichzeitig ihr letztes großes Turnier sein wird, ein weiteres (Ausrufe-) Zeichen setzen wird. Sie wird alles dafür geben, mit ihrem Team in diesem Jahr endlich den lange ersehnten ersten Weltmeistertitel zu gewinnen – und ihre internationale Karriere noch ein (letztes) Mal zu krönen.


Zur Person: Jasmina Schweimler schreibt als Journalistin unter anderen für die WAZ und den Sportbuzzer über Frauenfußballer und gehört zum Podcast-Kollektiv-FRÜF.

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Hier geht’s zu den anderen Gruppen:

WM 2019 – 24 Spielerinnen, die die Welt verändern – Gruppe D

Die Favoritenrollen in Gruppe D sind klar verteilt: Japan, WM-Zweiter 2015 und England, damals Dritter werden den Gruppensieg unter sich ausspielen. Alles andere wäre eine Überraschung. Interessant wird es zu sehen, wie Argentinien sich schlagen wird, die derzeit mehr Probleme mit dem Verband als mit Gegnern haben. Und dann ist da noch Schottland, die zum ersten Mal dabei sind.

Steph Houghton – Fußball ist nicht alles

Der moderne Fußball kommt aus England, weshalb dort sehr oft davon gesprochen wird, Fußball käme nach Hause, wenn ein Turnier ansteht; entweder in Form der Trophäe. Oder das Mutterland richtet das Turnier selber aus, wie zuletzt 1996. Dieser Spruch “Football’s coming Home” bezieht sich dabei ausschließlich auf die männliche Version. Bisher war das halbwegs nachvollziehbar, waren doch die Frauen unter ferner liefen zu suchen bei den großen Turnieren. Während vor allem die USA und Deutschland, aber auch Frankreich und Japan zu den Top-Mannschaften gehören, ist die englische Nationalmannschaft erst in den letzten Jahren auf dem großen Parkett präsent. Wie die Herren hat auch der Frauenfußball in England spät den internationalen Fußball entdeckt.

Dabei fing es schon sehr früh an. Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert gab es erste lose Frauenmannschaften. Nach dem 1. Weltkrieg sorgten dann Dick, Kerr Ladies F.C. aus Preston für Furore, bzw. für das spätere Verbot des Frauenfußballs in England. So war es jenes Team, welches eine französische Auswahl vor 25000 Zuschauern mit 2-0 besiegte. Es war das erste internationale Spiel von Frauenmannschaften. Doch der Zauber war bald vorbei, denn 1921 hat die FA es den Frauen verboten, auf ihren Plätzen zu spielen; dieses Verbot sollte erst 1971 aufgehoben werden. Die Dick, Kerr Ladies existierten bis 1965 und spielten dabei 828 Partien, von denen sie 758 gewannen. Nur 24 gingen verloren.

Steph Houghton, England vs Australia, Craven Cottage am 09.10.2018. Foto: EL Loko via WikiCommons, (CC BY 4.0)

Der Fußball der Frauen wird in England zunehmend populärer; nicht erst seit dem überraschenden dritten Platz bei der WM 2015 in Kanada, als man im Spiel gegen Deutschland, den vermeintlichen Favoriten nicht einfach nur eiskalt überraschte, sondern keine Chance ließ. Die Women’s Super League erfreut sich wachsender Begeisterung und seit September 2018 besitzen alle Clubs und Teams den Vollprofi-Status.

Eine, die schon bei der WM 2015 dabei war und in diesem Jahr die Löwinnen als Favorit auf das Spielfeld führen könnte, ist Steph Houghton von Manchester City. Ursprünglich aus Durham streift sie seit 2014 das himmelblaue Trikot über und hat es für England bereits in den Club der Hunderter geschafft, was nicht vielen vorbehalten ist.

Etwas macht Houghton aber außergewöhnlich und das hat mit ihrem Ehemann, Stephen Darby, zu tun. Dieser erklärte im September 2018 sein Karriereende. Aus gutem Grund.

Er leidet an der Motoneuron-Krankheit für die es bisher keine Heilungsmöglichkeiten gibt. Was hat das nun mit Steph Houghton und der WM zu tun? Ganz einfach, für sie ist es selbstverständlich, dass sie eben NICHT in Frankreich dabei sein kann, sollte es ihrem Ehemann nicht gut gehen. Dabei hat sie die volle Unterstützung des Nationaltrainers, Phil Neville, der ihr Zeit einräumte, sich auf die Situation einzustellen:

“Fußball ist nicht so wichtig, wie die Situation, die Steph gerade durchmacht.”

Es ist aber ihr Mann, Stephen, der ihr sagt weiterzumachen, auch um mal rauszukommen. Mit so einer Situation umzugehen, dazu gehört Stärke. Die hat Houghton und sie ist dadurch noch besser geworden, konstatiert Neville: “Sie ist derzeit so stark wie nie.” In der Liga ist City Tabellenzweiter mit einem Spiel weniger und dem Tabellenführer Arsenal auf den Fersen.

Ist es vorstellbar, dass ein Thomas Müller oder Timo Werner wegen ihrer Frauen auf ein Turnier verzichten würden?

Für Houghton könnte es eine sehr erfolgreiche Saison werden; am 4. Mai steht das Pokalfinale gegen West Ham an, die Liga wird eine Woche später entschieden. Es wird zum direkten Showdown zwischen Arsenal und Man City kommen. Danach geht es zur WM und um einen möglichen dritten Titel für die Spielführerin von England.

Englands Löwinnen von 2019 sind ohne Zweifel unter den Favoriten für die WM im Juni. Erst im März hat das Team den SheBelieves Cup gewonnen, dabei Brasilien und Japan geschlagen und gegen den amtierenden Weltmeister USA ein 2-2 geholt. Der Titelgewinn würde eine erneute Welle der Euphorie für Fussball auslösen, da sind sich alle Beobachter einig. Steph Houghton wäre neben Bobby Moore ein weiterer Fixstern in Englands Fußball Olymp.



Zur Person: Christoph Wagner ist Teil der 120minuten-Redaktion und beschäftigt sich dort mit historischen Themen.

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Erin Cuthbert – schottisches Vorbild

“Sie ist gewieft, sie ist selbstbewusst, sie ist entschlossen – eine echte Kämpferin mit großem Siegeswillen. Das sind genau die schottischen Eigenschaften, die wir sehen wollen.”

Das sagt Schottlands Nationaltrainerin Shelley Kerr über Erin Cuthbert, die mit gerade 20 Jahren bereits als Aushängeschild im schottischen Frauenfußball gilt. Ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft gab die Spielerin der Chelsea FC Women am 7. Juni 2016 in einem EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland. Cuthbert war es auch, die bei der anschließenden Endrunde im zweiten Turnierspiel gegen Portugal das allererste Europameisterschaftstor der Schottinnen erzielte, als sie nach 68 Minuten zum zwischenzeitlichen Ausgleich netzen konnte. Verloren ging die Partie dennoch mit 1:2, auch das 1:0 im abschließenden Gruppenspiel (Cuthberts erstem über 90 Minuten im Dress der Nationalmannschaft) gegen Spanien reichte nicht zum Weiterkommen.

Erin Cuthbert Foto: Pandagrenade via WikiCommons, (CC BY-SA 4.0)

Dementsprechend sind die Erinnerungen an die Europameisterschaft der Frauen 2017 für Erin Cuthbert auch mit gemischten Gefühlen verbunden. Klar, sie hatte ein historisches Tor erzielt, dennoch lief für das Team insgesamt nicht alles nach Plan. Bei der Weltmeisterschaft in Frankreich soll sich das nun ändern:

“Die EURO ging nun gar nicht nach unserem Geschmack los. Aber es waren damals auch zahlreiche Umstände gegen uns. Einige wichtige Spielerinnen fehlten verletzt und es gab noch weitere Probleme”, so Cuthbert.

“Seitdem haben wir uns als Team aber enorm weiter entwickelt. Wir wissen, dass es schwer wird, aber ich bin zuversichtlich, dass wir eine gute Visitenkarte abgeben werden.” (FIFA.com).

Diese Zuversicht ist alles andere als unbegründet, löste die erstmalige Qualifikation der Schottinnen für eine Weltmeisterschaft doch eine gute Portion Euphorie in Glasgow, Edinburgh, Dundee und umzu aus:

“Ich kann mich nicht erinnern, dass in Schottland jemals so viel über Frauenfussball gesprochen wurde. Dabei schwingen aufrichtiger Respekt und jede Menge Freude mit. Den Menschen wird klar, dass wir alle sehr stolz auf diese Frauen sein dürfen. Die Leute zählen schon jetzt die Tage bis zum ersten Spiel, das ist einfach grandios.”(Singer-Songwriterin Amy Macdonald im Interview mit FIFA.com)

Der schottische Nationalstolz, der inzwischen auch durch die Fußballfrauen transportiert wird und den Erin Cuthbert so eindrucksvoll vorlebt, ist für Trainerin Shelley Kerr einer von vier Faktoren für den derzeitigen Erfolg. Darüber hinaus musste das Team auf dem Weg nach Frankreich immer wieder Rückschläge wegstecken, an denen die Mannschaft wachsen und ihren Charakter unter Beweis stellen konnte. Vier der sieben Siege in der Qualifikation konnte das Team nach einem Rückstand einfahren; mentale Stärke und Belastbarkeit sind also ein weiterer Faktor, der für die Schottinnen spricht. Darüber hinaus profitiert der Frauenfußball im Land von dem Umstand, dass der weit überwiegende Teil der nominierten Spielerinnen inzwischen unter professionellen Bedingungen trainiert und spielt. Ein großer Teil des Kaders steht bei englischen Teams unter Vertrag, Kapitänin Rachel Corsie schnürt gar für den Utah Royals FC aus der amerikanischen National Women’s Soccer League die Fußballschuhe. Schließlich gilt auch die offensive Spielweise, die Shelley Kerr ihrer Mannschaft verpasst hat, als einer der Schlüssel zum schottischen Fußballerfolg.

Ob diese vier Faktoren ausreichen werden, um den großen Rivalen aus England im Auftaktspiel der Gruppe D am 9. Juni zu bezwingen und damit möglicherweise den Grundstein für ein erfolgreiches Turnier zu legen, wird sich allerdings noch zeigen müssen. Die Bilanz spricht hier eindeutig für die englischen Kolleginnen: 25 Mal gab es die Paarung Schottland – England im Frauenfußball bisher, zweimal konnten die Schottinnen gewinnen, einmal ein Unentschieden erkämpfen, 22 Mal ging die Mannschaft als Verlierer vom Platz.

Fakt ist auf jeden Fall, dass die schottische Nationalmannschaft die Reise nach Frankreich nicht als touristischen Ausflug versteht, sondern durchaus Ambitionen hat, dort eine gute Rolle zu spielen.

“Es gibt nichts Größeres als eine Weltmeisterschaft. Wir sind sehr stolz und hoffen, dass wir nicht nur Mädchen verstärkt für den Fussball begeistern können. Wir wollen das Land hinter uns bringen. Es soll Spaß machen, diese Mannschaft zu unterstützen.”(Mittelfeldspielerin Caroline Weir bei FIFA.com)

Und auch Erin Cuthbert kündigt an, dass die Mannschaft in Frankreich nicht nur das Teilnehmerinnenfeld komplettiert:

“Wir werden kämpfen. Keine Mannschaft wird es gegen uns leicht haben.”

Zur Person: Alex Schnarr ist Teil der 120minuten-Redaktion und beschäftigt sich dort mit den gesellschaftlichen Zusammenhängen in und um den Fußball.

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Argentinien – Macarena Sánchez siegt abseits des Platzes

Unabhängig, wie die Spiele der argentinischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2019 in Frankreich verlaufen werden: Die Fußballerinnen aus Südamerika haben bereits gewonnen – außerhalb des Platzes. Für diesen Erfolg ist eine Frau verantwortlich, die beim Turnier in Frankreich gar nicht Teil des Nationalteams ist: Macarena Sánchez.

Die 27-jährige Fußballerin Macarena Sánchez hat ein bewegtes Halbjahr hinter sich. Anfang 2019 wurde sie von ihrem damaligen Verein Deportivo UAI Urquiza aus der Hauptstadt Buenos Aires suspendiert – aus sportlichen Gründen so die offizielle Verlautbarung. In der argentinischen Liga, in der die meisten Frauen kein Gehalt erhalten und ihre Reisekosten zu Auswärtsspielen teilweise selbst tragen müssen, kein gänzlich ungewöhnlicher Vorgang.
Allerdings scheint es so, als ob ein anderer Grund den Ausschlag für die Trennung gab. Denn Sánchez ist gewillt, die Zustände im argentinischen Frauenfußball zu ändern: Weg vom amateurhaften Sport, hin zum professionellen, zum gleichberechtigen Fußball. In einem Land, in dem der Fußball so stark mit dem gesellschaftlichen Leben verwoben ist, dass sich durch den Sport dieselben patriarchischen Strukturen ziehen, wie im politischen und gesellschaftlichen Leben.

Macarena Sanchez Foto: TitiNicola via Wiki Commons, (CC BY-SA 4.0)

Anzeichen für die These des Rauswurfs aufgrund nichtsportlicher Gründe ist die Tatsache, dass Sánchez in der Öffentlichkeit über die Missstände als fußballspielende Frau anprangerte und eine Klage gegen ihren ehemaligen Klub Deportivo UAI Urquiza ankündigte. Ein Verein, der zu diesem Zeitpunkt den in der dritten Liga spielenden Männern feste Gehälter bezahlte, während den in der Copa Liberatores spielenden Frauen gerade mal die Reisekosten bezuschusst wurden – bei Sánchez mit 400 Pesos monatlich, umgerechnet knapp 10 Euro. Wie dies mit den FIFA Regularien einher gehen soll, in denen die Gleichberechtigung der Geschlechter verankert sind, fragte sich nicht nur Sánchez und richtete sich in ihrem Statement auch gegen den argentinischen Verband.

Professionalität ist gleichbedeutend mit Gleichberechtigung

Sánchez wollte ihren Auftritt nicht missverstanden wissen als Forderung nach Heroisierung und dem Verdienst von Millionen, wie bei den Männern üblich. Vielmehr wollte sie den Weg zum professionellen Fußball für Frauen in Argentinien ebnen. Ihre beinahe trivial klingenden Forderungen: Bereitstellung von Trainingsplätzen zu humanen Zeiten, Übernahme der Kosten für die Ausrüstung, der Versicherung im Krankheitsfall und auch der Reisekosten zu Auswärtsspielen. Bei Männern eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit. 2017 streikten sogar die besten Spielerinnen des Landes, die Nationalspielerinnen, da sie auf ihr Stipendium in Höhe von umgerechnet 7 Euro warten mussten.

Natürlich sollte professioneller Sport auch professionell bezahlt werden. Daraus macht Sánchez kein Geheimnis. Durch mehr Bezahlung könnten die Frauen ihren Lebensunterhalt verdienen, sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren und so wiederum ausreichend trainieren um sich zu verbessern und wiederum mehr Erfolge zu feiern. Freilich eine diskutable Argumentationskette, aktuell vor allem aber nur Wunschdenken.

3 kleine Schritte zum großen Ziel

Unterstützung bekam Sánchez in den Monaten nach ihrem öffentlichen Auftritt von Anwältinnen und Frauenrechtsbewegungen wie „La Nuestra“, die sie in ihrem Handeln bestärkten und auch für das entsprechende Echo im Land sorgten. Der Umstand, dass Sánchez – mitten in der Saison entlassen – nicht mehr innerhalb der Liga wechseln durfte, half ihr sicherlich den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen. Denn sie, die Frieda Kahlo auf ihrem Arm tätowiert hat, musste auf keine Interessen mehr achten. Dieser Schritt war von Erfolg gekrönt.

Nun, einige Monate später hat sich einiges verändert. Im März 2019 kündigte der Verband an, dass zur kommenden Liga-Spielzeit ab Juni jedes Team mindestens acht Spielerinnen mit professionellen Verträgen ausgestattet haben muss. Welche Punkte dieser Vertrag beinhalten muss, bleibt allerdings offen. Der Verband in Person von Präsident Claudio Tapia sicherte zu, dass (zunächst) in Buenos Aires ein Trainingszentrum gebaut wird. So sollen Spielerinnen und Vereine, die keine eigene Trainingsstätte besitzen, die Voraussetzungen für ein professionelles Training bekommen. Zudem durfte am 9. März 2019 erstmals die Frauenmannschaft der Boca Juniors in La Bombonera spielen – im Vorfeld eines Ligaspiels der Männer gegen San Lorenzo. Die Partie, live im nationalen Fernsehen übertragen, gegen Lanus gewannen sie überlegen mit 5:0.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Selbstredend reicht ein Livespiel im Fernsehen oder der Bau eines Trainingskomplexes in der Hauptstadt nicht, um den Frauenfußball in Argentinien zu professionalisieren. Auch die Mindestzahl von acht Profiverträgen scheint im ersten Moment wie ein Schlag ins Gesicht. Wer es vergessen haben mag: Auch eine Frauenfußballmannschaft besteht aus mindestens elf Spielerinnen. Und noch vor einem Jahr, 2018, gab der Verband ein Russland-Handbuch für die argentinischen Fans im Vorfeld der Weltmeisterschaft heraus, indem sich explizite Flirttipps zu russischen Frauen befanden.

Doch in diesem patriarchisch strukturierten Land, in dem bislang nur der Männerfußball zählte, hat der Frauenfußball seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Sei es durch ein Livespiel im Fernsehen, sei es durch die rebellierende Macarena Sánchez, die mittlerweile bei San Lorenzo unter Vertrag steht. Offensichtlich kam Sánchez mit ihren Überzeugungen und ihrem Willen zur Veränderung zur rechten Zeit. Ein Beleg? Sánchez‘ neuer Boss Matias Lammens, der Präsident von San Lorenzo, einst nicht unbedingt als Verfechter des Frauenfußballs in Erscheinung getreten, zieht mit einer fortschrittlichen Frauenrechtsagenda in den Bürgermeisterwahlkampf von Buenos Aires (die Wahl ist im Oktober). Da scheint die Einstellung der Frauenfußballrechtlerin Sánchez im eigenen Verein sicherlich keine falsche Entscheidung, um die Wählerschicht für sich zu gewinnen.

Auch wenn teilweise politische Motive für die Einstellung Sánchez‘ nicht unwahrscheinlich erscheinen, so lässt sich davon unabhängig konstatieren: Frauenfußball und die die Frage der Gleichberechtigung ist ein Faktor im öffentlichen Diskurs Argentiniens geworden. Und davon kann der argentinische Frauenfußball profitieren. Denn erst so lassen sich die drängenden Fragen nachhaltig thematisieren.

Gewonnen haben die Spielerinnen (teilweise) schon

Unbestritten ist dies aber nur der erste Schritt in die richtige Richtung. Die März-Ankündigungen muss der Verband nun umsetzen und zeigen, dass es ihm mit dem Aufbau einer professionellen Frauenfußballliga ernst ist. Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft, der ersten nach zwölf Jahren, zeigt, dass die Weltspitze für die argentinischen Fußballerinnen nicht allzu weit entfernt ist. In einer Gruppe mit dem Vizeweltmeister Japan und dem WM-Dritten von 2015, England sowie Schottland wird der Einzug in die KO-Runde zwar nicht einfach.
Doch unabhängig vom Resultat haben die argentinischen Fußballerinnen schon vor dem Turnier gewonnen – und zwar an Anerkennung, auch dank Macarena Sánchez. Sicherlich hätte sie auch nichts gegen ein Weiterkommen ihrer Kolleginnen, genauso wie der Großteil der knapp 45 Millionen anderen fußballverrückten Argentinier und Argentinierinnen. Dann dürfte auch der Prozess der Professionalisierung des argentinischen Frauenfußballs zügiger vorangehen.



Zur Person: Jerome Grad ist Teil der 120minuten-Redaktion.

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Ein Mix aus Routine und Neulingen soll Dauerteilnehmer Japan Erfolg bringen

Der Tag, an dem der Kader für ein anstehendes Turnier bekanntgegeben wird, birgt für einige Spieler*innen Bestätigung oder positive Überraschungen – für andere wiederum grenzenlose Enttäuschung. Das war auch am 10. Mai bei der Veröffentlichung des japanischen Kaders für die WM in Frankreich nicht anders. Eine, die sich bis zuletzt Hoffnungen darauf gemacht hatte, diesmal beim Turnier für ihr Land auflaufen zu dürfen, ist Hikaru Naomoto, die in der zu Ende gegangenen Saison in der Allianz Frauen-Bundesliga für den SC Freiburg aufgelaufen ist.

Zwar schaffte es die Mittelfeldspielerin auch 2015 nicht in den Kader des einzigen asiatischen Landes, das bisher an allen Weltmeisterschaften teilgenommen hat, sie war aber bei den Asienmeisterschaft 2014 und 2018 ebenso im Team wie beim Tournament of Nations 2017. Bei diesem Turnier landete „Nadeshiko Japan“ allerdings auf dem letzten Platz – bei der WM 2015 hatte es die Mannschaft noch ins Finale geschafft.

Im abschließenden Freundschaftsspiel der Vorbereitung für die WM in Frankreich, das Japan am 9. April gegen Deutschland bestritt (2:2), wurde Naomoto in der 83. Minute eingewechselt. Für die Weltmeisterschaft nun verzichtet Trainerin Asako Takakura auf die 25-jährige Spielerin, die mit uns im Interview über ihre Karriere ebenso wie den Stellenwert von Frauenfußball in ihrer Heimat spricht.

Hikaru Naomoto beim Spiel gegen SGS Essen am 27. April 2019. (Foto: SC Freiburg)

Ihre erste Saison in Freiburg ist gerade zu Ende. Was war in der Bundesliga so, wie Sie es sich vorgestellt haben? Wovon wurden Sie vielleicht auch überrascht?
Wie ich erwartet habe, wird in Deutschland mit mehr Geschwindigkeit und mehr Kraft gespielt. Und ich war sehr erstaunt, dass auch in der AFBL sehr viele Spielerinnen mit einer guten Technik spielen und jede Mannschaft auch im Passspiel sehr sicher ist.

Wie wird die AFBL in Japan wahrgenommen? Welche anderen Ligen stehen im Fokus?
Die AFBL hat im Allgemeinen mehr Tempo und es wird mit mehr Power gespielt. Das wird sowohl von den Fans, als auch von anderen Spielern so gesehen. Außerdem werden unter anderem die amerikanische Liga und spanische Liga verfolgt, da dort auch Japanerinnen spielen.

Sie kamen in 19 Ligaspielen und drei DFB-Pokal-Begegnungen zum Einsatz. Wie wohl fühlen Sie sich im Team?
Im Team fühle ich mich sehr wohl. Das Level ist sehr hoch und es ist nicht einfach, in die Startformation zu kommen. Aber auch der Kampf um die Stammplätze macht sehr viel Spaß!

Was sind, bezogen auf Ihr eigenes Spiel bzw. Ihre Rolle im Team, Unterschiede zwischen der Liga-Mannschaft und der Nationalmannschaft?
Ich denke, meine Aufgabe ist es, gute Pässe zu spielen, schnelle und richtige Entscheidungen zu treffen und in bestimmten Situationen Ruhe ins Spiel zu bringen. In der Nationalmannschaft kann ich es nicht genau sagen …

Sie haben bei der U-17-Weltmeisterschaft 2010 in Trinidad und Tobago das Finale erreicht. Wie sehr hat dieses Turnier Sie als junge Spielerin beeindruckt?
Dass wir es bis in das Finale schaffen würden, hätten wir nie gedacht. Und ich bin sehr daran gewachsen. Anfangs waren wir zwar zufrieden, eine Medaille gewonnen zu haben, aber direkt nach dem Spiel haben wir gedacht, dass es nur etwas zählt, wenn wir die Goldmedaille holen.

In der abgelaufenen Saison kam Naomoto auf 19 Einsätze, 13 davon in der Startelf. (Foto: SC Freiburg)

Bei der U-20-Weltmeisterschaft 2012 in Japan wurden Sie mit Ihrem Team Dritter. Wie groß war die Begeisterung für das Turnier im eigenen Land?
Alle waren sehr begeistert und mit einem Mal waren wir für eine zeitlang berühmt. Die Zahl der Fans hat ungemein zugenommen und ich hatte sogar manchmal Angst, alleine auf die Straße zu gehen …

Welchen Stellenwert genießt der Frauenfußball aktuell in Japan, auch verglichen mit dem in Deutschland? Wo könnten die beiden Länder voneinander lernen?
Ich denke, dass der Frauenfußball unter den Frauen-Sportarten sehr beliebt ist. Die Deutschen können von den Japanern vielleicht die Schnelligkeit dabei abschauen, Entscheidungen zu treffen. Und die Japaner können noch lernen, wie man Zweikämpfe führt – und natürlich den Zug zum Tor!

Ärgert es Sie persönlich, dass der Stellenwert des Frauenfußballs oftmals immer noch hinter dem des Männerfußballs zurücksteht?
Ich finde es schon sehr ärgerlich, dass – vor allem in Japan, wo die Frauen seit Jahren gute Ergebnisse erzielen – der Unterschied beim Stellenwert so groß ist. Schließlich sind wir 2011 auch Weltmeister geworden!

Wer ist aus Ihrer Sicht Favorit auf den Titel?
Frankreich und Deutschland.

Vielen Dank für das Gespräch.



Zur Person: Mara Pfeiffer schreibt unter anderem für die Allgemeine Zeitung, den Freitag und den ballesterer. Sie gehört zur Redaktion von 120minuten und dem FRÜF-Kollektiv.

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WM 2019 – 24 Spielerinnen, die die Welt verändern – Gruppe B

Auch wenn die letzten Turniere nicht wirklich erfolgreich gestaltet werden konnten – Deutschland ist Favorit in Gruppe B. China und Spanien könnten das zweite Ticket für das Viertelfinale unter sich ausmachen während Südafrika als Außenseiter mit einigen erfahrenen Spielerinnen in seinen Reihen auf eine Überraschung hofft.

Deutschland – ein Neuanfang

„Deutschland ist eine Turniermannschaft“, heißt es immer wieder – doch ist das wirklich so? Zwar können die Spielerinnen der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft unter anderem stolz auf insgesamt sieben Teilnahmen an Weltmeisterschaften zurückblicken, jedoch dürfen hierbei weder der wenig souveräne Auftritt bei der Heim-WM 2011, noch die mehr als unrühmliche Teilnahme an der letzten EM im Jahr 2017 in den Niederlanden ausgeblendet werden.

Während die deutschen Frauen von 1995 bis zum Jahr 2013 erfolgreich den Europameister-Titel verteidigten, schied man 2017 unter der Leitung der 111-fachen A-Nationalspielerin Steffi Jones nach teils desolater Leistung in der Vorrunde im Viertelfinale verdient gegen den späteren Vize-Europameister Dänemark mit 1:2 aus. Der Aufschrei war groß, die Kritik – insbesondere an der Bundestrainerin – harsch. Das „Projekt Steffi Jones“ war gescheitert.

Begonnen hatte die Zusammenarbeit Jones’ mit dem DFB nach den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro, bei denen sich die DFB-Elf mit einer Goldmedaille von der scheidenden Bundestrainerin Silvia Neid verabschiedet hatte. Auf die zweifache Fifa-Welttrainerin Neid sollte nach Wunsch des DFB die im Trainerbereich völlig unerfahrene Steffi Jones folgen. Die ehemalige Abwehrspielerin hatte deshalb von August 2015 bis zu den Olympischen Spielen im Sommer 2016 als Co-Trainerin von Neid gearbeitet, um Erfahrung zu sammeln.

Die damaligen Fifa-Weltranglisten-Ersten zeigten statt Weltklasse-Fußball nur noch Weltklasse-Unsicherheit und die Nationalmannschaft war ein Schatten ihrer selbst: Dynamik wich Statik, die Kreativität der Einfallslosigkeit. Dennoch hielt der DFB an Steffi Jones fest. Nach eingehender Analyse der Europameisterschaft sprach ihr der Verband sein Vertrauen aus und verlängerte ihren Vertrag vorzeitig.

Doch auch diese zweite Chance des DFB konnte Steffi Jones nicht nutzen. Im Gegenteil: Die Talfahrt der deutschen Frauen hielt an. Den absoluten Tiefpunkt sollte dabei der „SheBelieves-Cup“ im März 2018 in den USA bilden: Die DFB-Frauen belegten dort den letzten Platz und Steffi Jones war nicht mehr im Amt zu halten. Der DFB entband die 46-Jährige mit sofortiger Wirkung von allen ihren Aufgaben.

543 Tage nach Jones’ Amtsantritt übernahm mit Horst Hrubesch ein alter Bekannter des DFB interimsweise das Amt des Bundestrainers. Während unter Jones sogar die Qualifikation für die Weltmeisterschaft auf der Kippe stand und Deutschland in der Fifa- Weltrangliste auf Platz 2 hinter die USA abrutschte, gewann das Team mit Hrubesch alle ausstehenden Qualifikationsspiele – und das noch dazu ohne Gegentor. Dass Horst Hrubesch jedoch keine Dauerlösung auf der Trainerposition sein sollte, war von Anfang an klar. Martina Voss-Tecklenburg, die zu dem Zeitpunkt noch die Schweizer Frauenfußball-Nationalmannschaft coachte, sollte den Erfolgskurs von Horst Hrubesch fortsetzen.

Auch Voss-Tecklenburg ist in Deutschland keine Unbekannte. Die ehemalige Nationalspielerin stand von 1984 bis 2000 im Dienste der deutschen Nationalmannschaft und wurde in dieser Zeit allein vier Mal Europameisterin. 2008 begann ihre Trainerkarriere beim FCR 2001 Duisburg, jetzt bekannt als MSV Duisburg. Nachdem sie dort im Februar 2011 beurlaubt wurde, folgte ein kurzes Engagement beim FF USV Jena. Ihren Einjahresvertrag löste sie im Januar 2012 auf, um im Monat darauf bei der A-Nationalmannschaft der Schweizerinnen anzuheuern.

Unter ihr gewannen die Schweizerinnen unter anderem 2017 den Zypern-Cup und kletterten in der Fifa-Weltrangliste von Platz 26 auf Platz 17. Im April 2018 gab der DFB die Verpflichtung der Deutschen bekannt, die aber erst noch die WM-Qualifikation mit der Schweiz zu Ende spielen wollte. Am Ende scheiterte man nur knapp im Finale der Playoffs gegen die Niederlande.

Eine Spielerin, die Voss-Tecklenburg schon sehr gut kennt, ist Alexandra Popp. Die 28-Jährige, die inzwischen beim VfL Wolfsburg unter Vertrag steht, gab am 7. September 2008 unter Voss-Tecklenburg ihr Bundesligadebüt gegen den Herforder SV. Es war eine prägende Zeit: In Duisburg gewann das Duo gemeinsam den UEFA Women’s Cup und zweimal den DFB-Pokal. Popp lobt vor allem die Kommunikation der Bundestrainerin, man wisse bei ihr immer, „woran man ist.“ Die Loyalität beruht auf Gegenseitigkeit: Im Februar dieses Jahres wurde Popp zur neuen Spielführerin der deutschen Nationalmannschaft ernannt. Sie folgte auf Dzsenifer Marozsán, die unter Steffi Jones die Kapitänsbinde erhalten hatte und damit nie wirklich glücklich schien. Es war daher Marozsáns eigener Wunsch, das Amt zur Verfügung zu stellen.

Popp, die schon seit 2012 in Wolfsburg spielt, kann ein Team mitreißen und motivieren, geht auf dem Platz gerne mutig voran. Mit dem VfL gewann sie auf Vereinsebene schon alles, was es zu gewinnen gibt: zwei Mal die Königsklasse, fünf Mal die Meisterschaft und sechs Mal den DFB-Pokal. Die 28-Jährige ist vielseitig einsetzbar und sich für keine Position zu schade – genau das macht die Deutsche so wertvoll. Während sie in dieser Saison zunächst überwiegend einen Teil der Wolfsburger-Offensivreihe bildete, agierte sie zum Ende hin auch auf der Sechser-Position und sicherte die Defensivreihe ab. Auch in der Innenverteidigung kam sie in der abgelaufenen Spielzeit zum Einsatz. Mit ihrer robusten Spielweise und ihrem körperbetonten Spiel ist es für gegnerische Spielerinnen immer eine Herausforderung, an ihr vorbeizukommen. Doch Popp verfügt nicht nur über physische Präsenz, sondern auch über ein enorm starkes Kopfballspiel und einen extrem strammen Schuss.

Alexandra Popp ist die neue Kapitänin und soll die DFB-Auswahl in Frankreich zum Erfolg führen (Foto: Tom Seiss)

Darüber hinaus verfügt die gelernte Tierpflegerin auch über eine starke Meinung und ein hohes Maß an Selbstreflexion. Über die Zeit rund um die verpatzte Europameisterschaft sagte sie im Gespräch mit WAZ-Journalistin Jasmina Schweimler: „Es hat uns grundsätzlich dieser Faden gefehlt, wo wir hinwollen und was wir genau wollen.“ Es mangelte an normalen Dingen, „wie gefühlt wer zu laufen hat. Teilweise waren es die Basics, die gefehlt haben. Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht.“ Horst Hrubesch brachte dann wieder mehr Struktur in die Mannschaft. „Wir haben gefühlt wieder bei null angefangen. Wir haben uns in einem Spielsystem ohne Ball auf den Platz gestellt und sind dann einfach von links nach rechts gelaufen, um mal wieder ein Gefühl dafür zu bekommen, wie man zu laufen hat. Da kam plötzlich wieder der Spaß, die Spielfreude. Vorher hatte sich jeder vergraben und Angst, Fehler zu machen.“

Einen schwarzen Peter solle man aber niemandem zuschieben, denn „wir als Spielerinnen müssen auf dem Platz versuchen, das Beste zu geben.“ Und das soll in Frankreich endlich wieder der Fall sein. Dass sie die Nationalmannschaft als Kapitänin aufs Feld führen darf, ist „keine Selbstverständlichkeit. Ich hoffe, dass ich das Team gut durchs Turnier führen kann und am Ende ein gutes bis sehr gutes Ergebnis bei rauskommt.“ Ein Traumfinale gibt es nicht, solange Deutschland am Ende als Sieger hervorgeht. Besonderen Druck aufgrund der guten Beziehung zu Voss-Tecklenburg spürt sie nicht. „Das spielt keine Rolle. Ich versuche, mir grundsätzlich selber keinen Druck zu machen. Für mich hat sich im Grunde nicht viel geändert, da ich zuvor auch schon Führungsspielerin war und ein relativ großes Sprachrohr.“

Für die Weltmeisterschaft bleibt nun aber vor allem zu hoffen, dass die DFB-Frauen ihre guten Leistungen für sich sprechen lassen und die Fans nach der verpatzten EM 2017 und dem SheBelieves Cup wieder begeistern können.

Zur Person: Jasmina Schweimler schreibt als Journalistin unter anderen für die Wolfsburger Allgemeine Zeitung und den Sportbuzzer über Frauenfußball und gehört zum Podcast-Kollektiv-FRÜF.

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China – die (Ex-)Top-Nation

Die Autoren Simon Super und Stefan Szymanski argumentieren in ihrem Buch „Soccernomics“ dass in der Zukunft nur noch Nationen wie die USA oder Iran die WM gewinnen werden, einfach weil diese Länder groß genug sind, viele talentierte Spieler hervorzubringen. Diese Theorie ist durchaus fragwürdig, denn dann müsste ja auch China immer weit vorn sein. Dem ist nicht so, zumindest bei den Herren. Bei den Herren ist die Bilanz verheerend: eine einzige WM-Teilnahme steht bisher zu Buche: 2002.

Bei den asiatischen Kontinentalmeisterschaften gab es lediglich zwei dritte Plätze. Die chinesische Liga dominiert die Schlagzeilen durch Mega-Transfers wie Carlos Tevez, nicht durch ihre spielerische Qualität.

Bei den Frauen sieht es anders, weil besser aus. Die Frauennationalmannschaft ist bei jedem Turnier im erweiterten Favoritenkreis zu finden. In den 1990ern belegte die Auswahl zweimal den zweiten Platz: 1996 bei Olympia und 1999 bei der WM. Zwischen 1986 und 2006 gewann man achtmal den AFC Women’s Asian Cup und drei Mal die Asian Games. Außer 2011 war China immer bei WM-Turnieren dabei und immer mindestens im Viertelfinale. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis wieder eine chinesische Spielerin den Weg nach Europa findet.

Im Sommer 2018 war es soweit: Wang Shuang unterschrieb einen Vertrag für zwei Jahre bei PSG und wurde damit eine der wenigen Chinesinnen, die außerhalb ihres Heimatlandes Fußball spielt. Für sie ist PSG eine der drei besten Mannschaften der Welt. Die Popularität des Vereins wird dabei sicher auch von Neymar und Mbappè gesteigert, denn die Herren spielen regelmäßig die Champions Trophäe (Equivalent zum deutschen Supercup) in China aus. Ganz unschuldig sind Neymar & Co. nicht, wie sie sagt: „Neymar und Mbappé waren einer der Gründe, für Paris zu unterschreiben.“

Wang Shuang hat den Schritt nach Europa zu PSG gewagt. (Foto: Tom Seiss)

Obwohl sie erst 24 Jahre zählt, ist Wang eine der erfahrensten im Team; sie hat bereits mehr als 90 Länderspiele absolviert und dabei 25 Tore erzielt. Ihr Talent wurde schon früh sichtbar: mit zwölf Jahren spielte sie in der U-17 Auswahl ihres Heimatlandes. Bei der WM 2015 in Kanada war sie schon dabei, wenn auch nur als Reservistin. In diesem Jahr will sie eine Hauptrolle auf dem Rasen spielen.

Dass PSG sie nicht verpflichtet hat, um den chinesischen Markt zu erschließen, sagt sie selbstbewusst: „Ich bin eine von elf Spielerinnen und wegen meiner Fähigkeiten hier, nicht fürs Marketing.“ Der Verein hat dennoch eine dreiteilige YouTube-Serie über sie produziert, in der sie von ihren Erfahrungen erzählt, wie zum Beispiel dem chinesischen Neujahr, welches sie mit ihren Teamkolleginnen begangen hat mit traditionell-chinesischen Ravioli.

Bei ihrer Ankunft stellte sie bescheiden fest, dass sie sowohl physisch als auch von der Spielgeschwindigkeit her, noch zulegen könne. Ihre technische Finesse stellte sie gleich zu
Beginn der Saison eindrucksvoll unter Beweis als sie im September im Pariser Derby gegen den Paris FC in der 39. Minute einen sehenswerten Treffer aus 20m erzielte.

Im Rückspiel traf sie ebenfalls und war an allen drei Toren für ihre Mannschaft beteiligt. Im Oktober 2018 erzielte sie als erste Chinesin ein Tor in der Champions League im Spiel gegen Linköping. Dies unterstreicht noch einmal ihre Entwicklung in den letzten Monaten zu einer Stammspielerin. In ihrer ersten Saison in Paris stehen sieben Tore in achtzehn Spielen zu Buche.

Bei der WM in Frankreich geht es unter anderem gegen den zweimaligen Weltmeister Deutschland, Spanien und Südafrika. Eine schwierige Gruppe? Nicht für Shuang Wang; für sie ist jedes Spiel schwer bei einer WM, immerhin ist es das wichtigste Turnier bei dem die besten Mannschaften aufeinandertreffen. Für sie gilt die alte Fußballerweisheit, sich auf das eigene Spiel zu konzentrieren und das Beste zu geben. Ihr persönlicher Wunsch für die Weltmeisterschaft: möglichst viele Tore erzielen und dabei helfen, dass die Mannschaft ihre Ziele erreicht.

Zur Person: Autor Christoph Wagner ist Teil der 120minuten-Redaktion.

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Ein Halbfinale mit spanischer Beteiligung?

Im spanischen Fußball ist der FC Barcelona das Maß aller Dinge. Bei den Herren sowieso und bei den Frauen geht die Meisterschaft nicht ohne, dass die Katalanen ein Wörtchen mitzureden hätten. Im Schatten von Messi und Co. sind die Frauen in den letzten Jahren zu einem Spitzenteam gewachsen.

Anders sieht es in der Nationalmannschaft aus. Erst 2015 konnte sich Spanien erstmals für eine WM qualifizieren. Die heutige Kapitänin von Barcelona, Vicky Losada war es, die das erste Tor für Spanien erzielte im ersten Gruppenspiel gegen Costa Rica. Es sollte der einzige Punkt für Spanien bleiben, die anderen Spiele gegen Brasilien und Südkorea gingen mit 1:0 respektive 2:1 verloren. Bei den Europameisterschaften sieht es nicht viel besser aus: 1997 steht ein Halbfinale zu Buche, 2013 und 2017 jeweils das Viertelfinale.

Vicky Losada könnte bei ihrer 2. WM-Teilnahme Spanien zum ersten Halbfinaleinzug seit 1997 verhelfen. (Foto: Tom Seiss)

Im Frauenfußball ist Frankreich die Top-Nation. Olympique Lyon hat die letzten vier Jahre die Champions League gewonnen. In England und Deutschland wird ebenfalls gut gearbeitet; mit Wolfsburg und dem FC Bayern standen immerhin zwei deutsche Mannschaften im Halbfinale in diesem Jahr. Spanien dagegen kommt über die herausragende Ausbildung der Spielerinnen im technischen und taktischen Bereich. Was aber Spanien von den anderen abhebt, sind die Zuschauerzahlen. Während man in England und Deutschland in den Top-Ligen auf knapp 1.000 Zuschauer im Durchschnitt kommt, liegt der Zuschauerschnitt in der Primera Division Feminin bei mehr als 2.000.

Beispielhaft für den Aufstieg ist eben jene Vicky Losada, die alle Jugendmannschaften durchlief, zwar auch in England und in New York spielte, letztendlich aber doch wieder die Farben des FC Barcelona trägt. Das Champions League Finale 2019 war der Höhepunkt einer Entwicklung, die 2006 begann. Damals begann Xavi Llorens als Trainer und blieb bis 2017. Er baute die Mannschaft auf. Als erster Trainer von Lionel Messi weiß er, wie man junge Spieler*innen entwickelt.

Die Karriere von Vicky Losada verlief in den Anfangsjahren sehr steil: mit 14 debütierte sie in der zweiten Mannschaft von Barcelona, ein Jahr später in der Ersten. Es folgte ein kometenhafter Aufstieg: zwei Pokalsiege, 2012 das Double, 2013 sogar ein Tripel aus Pokal, Meisterschaft und Copa de Catalunya. Von 2011 bis 2017 hat sie in jedem Jahr mindestens einen Titel geholt.

Was sagen Mitspielerinnen, ehemalige wie aktuelle, über sie? Ihre ehemalige Teamkollegin bei Arsenal, Natalia Pablos sagt, „es ist ein Traum, sie in der Mannschaft zu haben und ein Albtraum, gegen sie spielen zu müssen. Auf und neben dem Platz ist sie eine Führungsspielerin.“ Ganz ähnlich spricht auch Laura del Rio über sie. „Vicky kann ein Spiel wahnsinnig gut lesen und ist beidfüßig, wodurch sie immer für eine Überraschung im Spiel gut ist. Ihre Freistöße sorgen immer wieder für Gefahr. Sie ist eine Superspielerin.“

Bei der WM 2019 wird es für Spanien darum gehen, gegen die Gruppenfavoriten aus Deutschland und China zu bestehen und dabei guten Fußball zu zeigen. Als eine der Schlüsselspielerinnen in der spanischen Auswahl ist Vicky Losada ein wichtiger Baustein für ein gutes Abschneiden.

Zur Person: Autor Christoph Wagner ist Teil der 120minuten-Redaktion.

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Südafrika – der Außenseiter in Gruppe B

Südafrika geht als 49. der Weltrangliste als Außenseiter in das Turnier. Beim letzten Afrika-Cup gelang der Finaleinzug, beim Zypern-Cup reichte ein Unentschieden aus vier Spielen nur für Platz 10. Im Kader stehen vor allem Spielerinnen aus der südafrikanischen SAFA Sasol Women’s League, einige Spielerinnen sind aber auch in Europa, Asien und Nordamerika aktiv. Autorin Nozibusiso Sibiya hat vor dem Turnier Stimmen aus dem Team und von Expertinnen eingefangen:

Die südafrikanische Frauenfußballmannschaft, die auch Banyana Banyana genannt wird, wird im Juni zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft antreten. Das Team wird sich in Gruppe B mit Deutschland, China und Spanien messen.

Trainerin Desiree Ellis ist im Vorfeld des bevorstehenden Turniers zuversichtlich, dass ihre Spielerinnen nicht enttäuschen werden, da sie in der Qualifikation gut abgeschnitten haben.
“Wir haben großartige Führungspersönlichkeiten im Team und das ist wichtig, weil wir uns gegenseitig ermutigen und leiten, sowohl auf als auch neben dem Platz”, sagt Ellis.

Sie erwähnt auch, dass sie sehr dankbar ist, Banyana Banyana zu einer Zeit zu trainieren, in der das Team viele Kapitäne hat, die in ihren jeweiligen Teams eine wichtige Rolle spielen.
“Wenn man sich unsere aktuelle Auswahl ansieht, haben wir Janine [van Wyk] als Kapitänin, aber wir haben auch Spielerinnen wie Refiloe Jane, die in ihrem Verein Captain ist. Auch während meiner Karriere war ich Kapitänin, und wir hatten Führungspersönlichkeiten wie Sibongile Khumalo – solche Spielerinnen helfen einem auf dem Feld, auch wenn am Ende des Tages nur eine die Kapitänsbinde trägt.”

Janine van Wyk (Carlos Figueroa Rojas [CC BY-SA 4.0])


Janine van Wyk

Sie bestritt ihr erstes Länderspiel 2005 und ist mit über 150 Einsätzen für die südafrikanische Auswahl Rekordnationalspielerin. Die Verteidigerin errang mehrere Meistertitel in Südafrika und gründete 2013 einen eigenen Frauenfußballverein, den JVW FC, für den sie bis 2016 spielte. Seit 2017 spielt sie für Houston Dash in der National Women’s Soccer League.


Simphiwe Dludlu hat bis 2015 63 Mal für die Banyana Banyana gespielt und trainiert aktuell die U17-Auswahl. Für sie sind die Schlüsselspielerinnen Refiloe Jane, Janine Van Wyk, Themba Kgatlana, Linda Matlhalo und die junge Karabo Dhlamini, die aus der U17 zum Kader stieß.

“Die Spielerinnen haben Erfahrung und haben bis zur Weltmeisterschaft sehr gut in der Qualifikation gespielt. Sie alle haben Erfahrung im Ausland gesammelt und werden Banyana Banyana weiterhelfen. Rhoda Mulaudzi hat in Australien wirklich gut gespielt – sie wird ihre Torgefahr einbringen.” sagte Dludlu.

Dludlu denkt, dass sich Dhlamini, trotz ihrer Jugend, bei der WM durchsetzen kann.
“Sie hat bei der U17-Weltmeisterschaft Charakter gezeigt und bewiesen, dass sie sich mit jedem Spiel weiterentwickelte und das Spiel bereicherte.”

Die ehemalige Nationalspielerin lobte auch Desiree Ellis für ihre Leistungen mit dem aktuellen Team und glaubt, dass Ellis’ Erfolgsgeheimnis die harte Arbeit sowohl auf als auch neben dem Platz ist. “Ich kann dem Team mitgeben, dass eine gute Vorbereitung keinen Erfolg garantiert, aber die Chancen auf ein erfolgreiches Turnier verbessert”, schloss sie.

Zur Person: Nozibusiso Sibiya stammt aus Johannesburg und beschäftigt sich als freie Journalistin mit den Themen Fußball und Gesundheit.

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Hier geht’s zu den anderen Gruppen:

Ins Heft geschaut: ballesterer Nr. 142

“Afrika Cup” – ballesterer, Ausgabe 142

Der Afrika Cup erscheint 2019 in neuem Gewand: nicht mehr während der laufenden Saison, sondern im Juni wird nun gespielt. Zudem spielen statt 16 nun 24 Teams um den Afrikatitel. Ein Blick auf die Frauen-WM und die Copa America runden die Ausgabe 142 ab.

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Ins Heft geschaut: ballesterer Nr. 140

“Manchester United” – ballesterer, Ausgabe 140

Ende Februar sorgte Manchester United wieder einmal für Staunen, als der Verein aus dem Nordwesten Englands den Favoriten Paris Saint-Germain mit einem späten Tor aus der Champions League warf. Was es mit United auf sich hat, das hat Nino Duit in der Titelgeschichte zur aktuellen ballesterer-Ausgabe aufgeschrieben.

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Ins Heft geschaut: ballesterer Nr. 139

“Groundhopping: In 365 Tagen um die Welt” – ballesterer, Ausgabe 139

Es ist schon wieder eine Weile her, seit die letzte Ausgabe des ballesterer-Magazins erschienen ist, um genau zu sein, fast zwei Monate. Die Wartezeit hat nun ein Ende, denn Ausgabe 139 ist ab sofort erhältlich und ist – wie immer – pickepackevoll mit guten Geschichten und Themen. Was drin steht, erfahrt ihr im folgenden Text.

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Ins Heft geschaut: ballesterer Nr. 138

“Matthias Sindelar: Der Fußballer & die Legende” – ballesterer, Ausgabe 138

Kurz vor Weihnachten, alle Welt ist im Stress: die letzten Einkäufe müssen getätigt werden, bevor wir uns am 24. Dezember für eine Woche verwöhnen und verwöhnen lassen. Auf ein Geschenk könnt ihr euch jetzt schon freuen: Ausgabe 138 des ballesterer. Was drinsteht erfahrt Ihr im folgenden Text.

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Der Letzte Flug von Zulu Uniform

Über das Unglück von Manchester United im Februar 1958 auf dem Flughafen München Riem. Eine Zeitreise in die 1950er Jahre, in die Anfangszeit des Europapokals und das Ende der Nachkriegszeit. Ein Text anlässlich des 60. Jahrestages der Tragödie

von Christoph Wagner
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Buchbesprechung: Moritz Küpper – Es war einmal ein Spiel

“Es war einmal”, was klingt wie ein Märchen ist eine Bestandsaufnahme, die der Untertitel dieses Buches näher erläutert: Wie der Fußball unsere Gesellschaft beherrscht. Dabei ist es wichtig hervorzuheben, dass Küpper, der selbst einmal Sportjournalist war, kein Klagelied anstimmt, à la “Früher war alles besser”, sondern nüchtern analysiert, wie Fußball sehr viele Bereiche unserer Gesellschaft beeinflusst, bzw. diese bereits beherrscht. Dabei ist klar, dass Fußball die Sportmedien dominiert. Küpper zitiert aus der Welt des Sports, die da lamentiert:

“Die Leute bestimmen ja selbst, dass sie gerne Fußball schauen, es zwingt sie niemand. Also kann ich dem Fußball gar keinen Vorwurf machen. Trotzdem ist es so, dass der Fußball andere Sportarten erdrückt.” (Thomas Weickert, Chef des Internationalen Tischtennisverbandes), S.124.

Helmut Digl, der ehemalige Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes sprach sogar von einer “Diktatur des Fußballs.” (S.125) In der Tat ist diese Unwucht frappierend und wird durch Umsatzzahlen deutlich. Die 1. Bundesliga verbuchte in der Saison 2014/15 €2,6 Milliarden Umsatz, Liga 2 €504 Millionen und die 3. Liga kam noch auf €142,9 Millionen Umsatz. Erst danach kamen andere Sportarten wie Eishockey, Basketball und Handball. Das zieht natürlich die Sponsoren an und sorgt für die freiwillige Bereitstellung von Sendezeit für den Fußball zum Nachteil anderer Sportarten. So beschwerte sich Volleyball-Bundestrainer Vitali Heynen nach der Bronzemedaille durch die Männer 2014, “dass kein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender unsere Weltmeisterschaft überträgt. Dabei sollte es eine Pflicht für das gebührenfinanzierte Fernsehen sein.” (S.126)

“Fußball läuft immer” (S.126) so Thomas Horky, Sportjournalistik-Professor an der Macromedia-Hochschule in Hamburg. Dem kann man so zustimmen, denn es ist egal in welchem Bereich, der Fußball scheint einen Freifahrtschein zu besitzen. Dabei geht es hier nicht um das Spiel selber, sondern eher um das Drumherum. Es geht um Aufmerksamkeit und die bekommt der Fußball und davon nicht zu wenig. Die Schnittmengen, die Küppers im Blick hat, sind Politik, Kultur und Gesellschaft. Es ist schon witzig, dass der Tagesablauf des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer am 4. Juli 1954 das WM-Endspiel in Bern mit keiner Silbe erwähnt. Undenkbar fünfzig Jahre später als Angela Merkel UND Joachim Gauck nach Rio de Janeiro flogen, um dem Endspiel der WM beizuwohnen. Der Bann wurde 1990 gebrochen als Helmut Kohl nach dem Sieg im Finale von Rom, ebenfalls gegen Argentinien, die Mannschaft von Teamchef Franz Beckenbauer in der Kabine besuchte. Die Beziehung zwischen Fußball und Politik nimmt aber noch eine ganz andere Dimension ein, eine die den Fußball durchaus in ein fragwürdiges Licht rückt: nahezu alle Bundesligisten haben einen Berufspolitiker in Vereins-Gremien sitzen, zeigt Küpper anhand einer Grafik (S.33). Dadurch entstehen Möglichkeiten der Einflussnahme, die der Fußball zu nutzen weiß. Da sind zum einen die Großveranstaltungen für die der DFB ohne Zögern nach Steuerbefreiungen etc. fragt, ohne sich zu schämen. So geschehen bei einem Wahlhearing des DOSB vor der Bundestagswahl 2013. Die leise Antwort eines Anwesenden: “Ich müsste mich nur mal trauen, für meine WM nach so etwas zu fragen”, so zitiert Küpper einen Präsidenten eines kleineren Verbandes. Offen sagt er es nicht, die Angst vor dem Fußball ist zu groß (S. 61). Der Fußball darf alles und alle anderen schauen zu.

Etwas ambivalenter wird es wenn es um Stadionneubauen geht und die Zuschusspolitik von Kommunen. Die Stadt Magdeburg drücken €200m Schulden, beteiligt sich aber trotzdem mit €31m am Stadionbau. Hier ist eine andere Frage interessant: Muss in Zeiten klammer Kassen auf den Neubau eines Stadions verzichtet werden, wenn dringender Handlungsbedarf besteht? Immerhin sind €31m nicht viel im Vergleich zu den Milliarden und Billionen, die 2008 den Banken in den Rachen geworfen wurden, um diese vor dem sicheren Untergang zu bewahren. Dies ist umso obszöner, bedenkt man, dass die Finanzwirtschaft sich ähnlich heiß läuft wie 2007/08 und der nächste Crash sicher kommt und noch gravierender werden wird. Hier stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Küpper ist sich dessen bewusst: “Natürlich muss auch der Fußball unterstützt werden” (S. 67), insbesondere der Amateurfußball, denn hier gehen langsam die Lichter aus. Ein anderer Punkt: Das DFB-Museum in Dortmund. Dabei war die Stadt gar nicht erste Wahl, sondern Köln. Letztere weigerte sich ein Grundstück in bester Lage, nahe dem Dom kostenlos dem DFB zu überlassen. Für die Stadt Köln nicht vermittelbar. Nun steht das Museum in Dortmund, wo der DFB für 99 Jahre exakt null Cent Pacht bezahlt. Dortmund hat im Gegensatz zu Magdeburg “Schulden in Milliardenhöhe” (S. 68) und das Land NRW hat sich auch am Bau beteiligt, trotzdem geht man davon aus, dass das Museum für die Stadt sich auf die Dauer nicht rechnen wird, denn der DFB nur €250000 pro Jahr, alles was darüber hinaus anfällt an Miesen, zahlt die Stadt Dortmund. Das Museum benötigt also mehr als eine halbe Million Besucher pro Jahr um halbwegs rentabel zu sein. Es ist diese Selbstverständlichkeit, die verstört und Fragen aufwirft. Fragen nach Verhältnismäßigkeit und warum der Fußball durchgewunken wird.

Küppers untersucht ebenfalls Bereiche, die weit weniger suspekt erscheinen und doch vom Fußball eingenommen wurden, z.B. die Sprache. So wollen Unternehmen sich besser aufstellen und in der Champions League mitmischen. Verbales Foulspiel wird mit einer gelben oder roten Karte geahndet. Carolin Emcke nutzt den Begriff des Gegenpressings, um den nationalistisch-revanchistischen Bewegungen den Ball abzujagen (S. 200-201). Fußballsprache und -bilder findet – wer genau schaut und liest – häufig in der Alltagssprache wieder, wohl auch wegen ihrer Bildhaftigkeit und Verständlichkeit.

“Nur ein Spiel?” fragt Küppers und schreibt, dass dieser Spruch weit daneben liegt, denn Fußball ist mehr als das: Fußball ist eine Milliardenmaschine, die sehr viele Bereiche des täglichen Lebens ausfüllt, bzw dominiert. So sehr, dass einige Kommentatoren fürchten, dass der Fußball andere Sportarten verdrängt. Dieses Argument kann jeder selbst untermauern bei einer kurzen Recherche zu Sendezeiten sowohl in den öffentlich-rechtlichen wie auch privaten Sendern von Sportarten wie Volleyball oder Tischtennis. Das Ergebnis ist eindeutig: Fußball und dann lange Zeit nichts bevor sich am hinteren Ende andere Sportarten um den Krümel am Rand des vollen Fußballbanketts prügeln. Es war einmal ein Spiel ist keine Kampfschrift, sondern vielmehr enthält das Buch viele Beispiele, die zum Nachdenken und vielleicht gar ein Umdenken anregen könnten.

Infos zum Buch
Moritz Küpper: Es war einmal ein Spiel. Wie der Fußball unsere Gesellschaft beherrscht. Göttingen: Verlag Die Werkstatt, 2017.
ISBN: 978-3-7307-0320-5

Das Werk ist für €16,90 in jedem gut sortierten Buchhandel und direkt über den Verlag erhältlich.
NB: Der Verlag hat uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.