Alle Artikel von Alex Schnarr

Auf den Spuren der englischen Fußball-Memorialkultur – Impressionen aus London

London 2019. Ich war unterwegs in die englische Hauptstadt, um erste Einblicke in die dortige Memorialkultur im Fußball zu sammeln. Meine Recherche im Vorfeld hatte ergeben, dass man bei Queens Park Rangers Asche von verstorbenen Fans im Stadion begraben kann. Eine besondere Möglichkeit für Anhänger*innen, auch über den Tod hinaus ihrem Herzensverein ganz nahe zu sein. Wie genau eine Begräbniszeremonie im Stadion von QPR aussieht, wollte mir der langjährige Clubpfarrer erzählen. Gespannt machte ich mich auf den Weg nach London, wo mir nicht nur an der Loftus Road interessante Elemente der englischen Erinnerungskultur begegneten.

Das Kiyan Prince Foundation Stadium der Queens Park Rangers ( (c) Carmen Mayer)

von Carmen Mayer (trauerundfussball.de) | Oktober 2019

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Buchbesprechung: Miro

Das Gefühl, im Himmel zu stehen

von Luca Schepers (Pretty Little Movies)

Das Verhältnis eines Fußballfans zu seinem Verein und seinen Lieblingsspielern ist ein sehr diffuses und im Grunde genommen auch kaum zu erklärendes. Das macht das angemessene Schreiben über Fußball auch so schwierig, da man sich als Fan immer in einem Zwiespalt zwischen Analyse und Emotion befindet. Ronald Reng gelingt es in seinem neuen Buch „Miro“, in welchem er die Geschichte der eigentümlichen Karriere des Miroslav Klose erzählt, ein weiteres Mal, eine sprachliche Verbindung dieser beiden Pole des Fan-Daseins zu finden. Dabei begreift er das Phänomen „Miro“ als eine Mischung aus tatsächlicher fußballerischer Qualität und dem Gefühl, einen besonderen Menschen vor sich zu haben. Das wohl offensichtlichste Symbol ist der Salto, den Klose nach besonderen Toren zu vollführen pflegte und der in seiner formvollendeten und beruhigenden Schönheit bei gleichzeitiger technischen Perfektion die Stimmung, welche diese Biographie durchzieht, sehr gut abbildet.

Reng erzählt Kloses Geschichte chronologisch, von der Kindheit über den ewigen Traum, einmal auf dem Betzenberg zu spielen, bis hin zum WM-Finale 2014 und seiner heutigen Tätigkeit als Jugend-Trainer. Seine Erzählung ist klar strukturiert und sehr detailreich. Immer wieder kommen alte Weggefährten und vor allem Klose selbst zu Wort. Die vielen kleinen Geschichten, unter anderem der sehr genau beschriebene Wechsel zu Bayern München im Jahr 2007 oder auch die lang anhaltende Freundschaft mit Luca Toni, mit dem man nach der Lektüre des Buches gerne mal essen gehen würde, sind amüsant, interessant und schön erzählt.
Allerdings wird hier, ebenso wie im ebenfalls sehr tollen „Spieltage: Die andere Geschichte der Bundesliga“ (2013), nicht nur die Geschichte eines Menschen erzählt, sondern es ist vor allem eine Erzählung eines großen Umbruchs in der Fußballgeschichte, an dessen Wendepunkt Klose mit 20 Jahren aus der Bezirksliga in die Bundesliga kam. War dies Anfang der 2000er noch möglich, so ist dies heute vollkommen undenkbar. Dabei wirken sowohl Klose als auch Reng nicht wehmütig, wenngleich sie ihre Begeisterung für Olaf Marschall nicht verleugnen können, sondern eher fasziniert von dem Wandel, den der Fußball in den letzten zwei Jahrzehnten durchlaufen hat.

Das Großartige an diesem Buch ist, dass es gelingt, vom Kleinen auf das Große zu schließen, ohne das Kleine als reinen Funktionsträger zu betrachten. Man merkt Reng die Sympathie für seine Protagonisten an, dem man sich nach der Lektüre des Buches auch nur schwer entziehen kann. Miroslav Klose schaut so reflektiert und ruhig auf seiner Karriere zurück und erscheint als ein sehr höflicher und freundlicher Mensch. Dass es gelingt, seine Geschichte so analytisch klar und gleichzeitig von einer ganz eigenen Form der Poesie geprägt, zu erzählen, ist sowohl sprachlich als auch literarisch bemerkenswert.

„Miro“ ist daher in vielerlei Hinsicht ein sehr bemerkenswertes Buch und sollte nicht unter dem Label eines „guten Fußballbuches“ abgetan werden. Viel mehr findet sich hier, wie auch im restlichen Schaffen von Reng, ein sehr vielseitiges Werk, welches von einem tiefen Verständnis für Geschichte und deren Vermittlung geprägt ist. Und am Ende ist es auch die Geschichte eines Jungen, mit dem man selbst auf der Straße gespielt haben könnte. Die Zeit dieser Geschichten dürfte im Fußball wohl größtenteils vorbei sein. Aber das Gefühl, das einen beim Lesen dieser Biographie überkommt und das nicht nur aus Wehmut besteht, zeigt doch, dass Ronald Reng sich hier dem Kern dieses schönen Spiels angenähert hat.

Infos zum Buch
Ronald Reng: Miro. 448 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, ISBN: 978-3-492-05953-4, Preis: 22,00 Euro

Das Buch ist bei Piper erschienen und über den Online-Versand zu beziehen.

Uns wurde freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Flavio Becca und die Redbullisierung der Roten Teufel?

Der luxemburgische Bauunternehmer Flavio Becca hat durch sein Engagement beim Traditionsverein 1.FC Kaiserslautern dazu beigetragen, die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit des FCK kurzfristig zu gewährleisten und damit den bundesweit bedeutenden und regional unersetzlichen Standort zu erhalten. Im Rahmen der Diskussion über das Engagement Beccas als Investor gab es viel Pro und Contra zum Einstieg eines externen Investors generell. Zudem gab es die Frage der Auswahl zwischen einer regionalen Investorengruppe auf der einen und des luxemburgischen Bauunternehmers auf der anderen Seite sowie die Nebengeräusche im Rahmen der Entscheidungsfindung. Kaum diskutiert wurde das Vereinsgeflecht, das Becca im internationalen Fußball unterstützt. Wenigen ist bekannt, wie die von ihm geförderten oder kontrollierten Vereine kooperieren. Dieser Artikel soll das „System Becca“, seine Auswirkungen auf Spielertransfers und mögliche Auswirkungen auf den FCK genauer unter die Lupe nehmen.

Thomas Hilmes / http://www.der-betze-brennt.de [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)]

von Matthias Busse | August 2019 Weiterlesen

Die 60 wichtigsten Episoden der deutschen Fußballgeschichte, Teil 1

Fußball wird seit etwa 150 Jahren in Deutschland gespielt, das heißt, in den Grenzen des damaligen Kaiserreiches. Zunächst waren es vor allem englische Händler, Studierende und Touristen, die das ihnen vertraute Spiel aus der Heimat auch hier gemeinsam spielten. Dort war die reglementierte Fassung des Spiels seit einem halben Jahrhundert bekannt. Diese Serie beschreibt die 60 wichtigsten Momente des Fußballspiels in Deutschland. Im ersten Teil geht es um die Jahre 1870 bis 1903.

von Petra Tabarelli (nachspielzeiten.de) unter Mitarbeit der 120minuten-Redaktion | August 2019 Weiterlesen

Ins Heft geschaut: ballesterer Nr. 143

“Die Bundesliga in Europa” – ballesterer, Ausgabe 143

Super Europa Champions League. Die Pläne der Fußballobrigkeiten für eine neue Super League ploppen in der Öffentlichkeit immer wieder auf. Ausgabe 143 skizziert im Themenschwerpunkt, was das für Österreichs Vereine bedeuten würde und klärt darüber hinaus über Ronaldos Präsidentschaft, Chinas Technologie und den Napoleon von Mainz auf.

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Thomas Tuchel – Ein Meister ohne Titel

Nicht Bayern München, sondern Paris St. Germain. So lautete Thomas Tuchels Entscheidung im Frühjahr 2018. Nach dem Aus bei Borussia Dortmund im Sommer 2017 gönnte sich der gebürtige Krumbacher zunächst ein Jahr Auszeit vom Profifußball, um dann den Sprung ins Ausland zu wagen, der ihm zu seiner aktiven Zeit als Spieler verwehrt blieb. In Paris soll er nun den langersehnten Champions-League-Titel gewinnen und PSG an die Spitze des europäischen Fußballes führen. Doch nicht nur sportlich wird Tuchel mit seinem Team an Grenzen stoßen, sondern auch mit der Gruppendynamik sowie menschlichen und teaminternen Problemen. Paris ist ein Zusammenschluss unterschiedlicher, teils exzentrischer Stars, die Tuchel in puncto Team- und Menschenführung alles abverlangen werden. Wir werfen einen detaillierten Blick auf sein erstes Jahr bei PSG und analysieren den Verlauf der Saison. Vorhang auf!

“PSG NANCY” von Philippe Agnifili via Flickr | Lizenz: CC BY-ND 2.0)

von Olaf (@footballyse) | Juli 2019

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Der VfB Stuttgart zwischen 2009 und 2019: Vom Fast-Meister zur Fahrstuhlmannschaft?

Zehn Jahre VfB-Geschichte: Keine gerade Linie

Gemeinhin geht die Geschichte vom Niedergang des VfB Stuttgart so: 2007 wurde der Verein für Bewegungsspiele zum fünften Mal in seiner Geschichte Meister – danach ging es bergab, bis hinab in die zweite Liga. Aber Geschichte ist nun mal keine gerade Linie und Fußballgeschichte schon gar nicht. Im Gegenteil: Am 23. Mai 2009 hatte der VfB im Auswärtsspiel beim FC Bayern München zum letzten Mal eine reelle Chance auf den Meistertitel. Alles, was es dafür gebraucht hätte, war ein Auswärtssieg in München und eine Niederlage des VfL Wolfsburg im Heimspiel gegen Werder Bremen. Es kam anders: Wolfsburg gewann sein Heimspiel mit 5:1 und die Bayern holten sich durch ein Eigentor von Boulahrouz und einen Treffer von van Bommel die Vizemeisterschaft. Am 23. Mai 2019 steht der VfB zum wiederholten Male mit einem Bein in der Zweitklassigkeit, denn er muss in der Relegation gegen Union Berlin antreten. Wie wurde aus einem Verein, der in den 2000ern ein Dauergast im Europapokal war, 2007 Deutscher Meister wurde und 2009 die Schale zumindest in Sichtweite hatte, in den letzten zehn Jahren ein Verein, der Saison für Saison tiefer im Chaos zu versinken scheint, und dies mit mit der schlechtesten Spielzeit seiner Bundesliga-Geschichte in der Saison 2018/2019 krönt?

(c) vfb-bilder.de

von Lennart Sauerwald, rundumdenbrustring.de | Mai 2019 Weiterlesen

Ins Heft geschaut: ballesterer Nr. 141

“Gönner, Geld und Glitzer – Die wilden 90er” – ballesterer, Ausgabe 141

Die neunziger Jahre waren eine wilde Zeit – in Deutschland genauso wie in Österreich. Dort veränderte eine Generation von Managern den Fußball für immer. Die Folgen sind bis heute spürbar, berichtet der ballesterer in seiner aktuellen Ausgabe.

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Wenn Fußball und Trauer aufeinandertreffen

Ein Querpass durch die Trauerkultur im Fußball

Als im Januar 2019 das Flugzeug mit dem argentinischen Spieler Emiliano Sala auf dem Weg zu seinem neuen Verein Cardiff City als vermisst gemeldet wurde, löste dies eine Welle großer Anteilnahme der Fans und der Akteur*innen rund um den Fußball aus. Das konnte man auch Ende Oktober des vorherigen Jahres beobachten, nachdem der Besitzer von Leicester City, Vichai Srivaddhanaprabha, verunglückte. Gerade im Fußball sind Trauer und Tod so sichtbar und präsent wie sonst fast nirgends. Der folgende Text beschreibt das Verhältnis des Fußballs und seiner Akteur*innen zu diesen Themen und zum Umgang mit ihnen.

(c) 2018 Martin Widdra, alle Rechte vorbehalten / all rights reserved

von Carmen Mayer, trauerundfussball.de | Februar 2019

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