Tränen im Mai

Michael Ballack gilt in Deutschland als Unvollendeter. Das klingt episch, verkauft seine Karriere aber unter Wert. Dem größten Fußballer der Nation in den Nuller-Jahren haftet immer noch das Stigma des Verlierers an. Doch wie realistisch war ein internationaler Titelgewinn von 2002 bis 2008 wirklich? Der zweite Teil einer Retrospektive.

Autor: Sebastian Kahl, fussballinsachsen.de

"Michael Ballack" (via aquafisch/Flickr | CC BY-NC 2.0)

“Michael Ballack” (via aquafisch/Flickr | CC BY-NC 2.0)

Prolog

120 Minuten brachten keine Entscheidung. Es stand 1:1. Eine alte Fußballweisheit sagt, der beste Schütze muss im Elfmeterschießen zuerst ran. Erst recht, wenn er der einzige Deutsche im englischen Team ist. Der Gegner konnte vorlegen, somit wurde der Druck noch größer. Die Nummer 13 trat an. Der Keeper war ausgewiesener Elfmeterkiller, maß knapp zwei Meter – und hatte die Ecke geahnt. Doch der Schuss war humorlos, stramm: der Ausgleich. Von den nächsten sieben Schützen vergab nur einer in den Reihen des Gegners, später dreifacher Weltfußballer. 

Zum Zuschauen verdammt, versammelten sich die Mannschaften im Mittelkreis. In Moskau, Austragungsort des Champions League-Finals, war es bereits nach Mitternacht. Irgendwann im Laufe des Spiels hatte es begonnen zu regnen. Nun fehlte ein letzter Treffer – doch auch der letzte Schütze. Gegen Ende der Verlängerung hatte dieser Rot gesehen. Die Verantwortung ruhte auf den Schultern des Kapitäns. Als Innenverteidiger war der nicht für die ersten fünf Schützen vorgesehen. Nun trat er dennoch an…

„…und dann schießt er an den Pfosten. Da habe ich wirklich gedacht, vielleicht hat der da oben etwas dagegen, dass ich das Ding in den Händen halte.“

~ Ballack im 11Freunde-Interview [1]

Terry rutschte aus, der Boden war vom Regen aufgeweicht. Es ging ins Sudden Death, aber die Entscheidung schien bereits gefallen. Van der Sar entschärfte wenig später Anelkas Versuch. Chelsea unterlag Manchester United. Michael Ballack wurde erneut Zweiter.

Wechsel zum Rekordmeister

Im ersten Teil der Retrospektive verließen wir Ballack nach seiner vierfachen Vize-Saison 2001/02. Auch damals stand er im Champions League-Finale, unterlag mit seiner Leverkusener Elf den Galaktischen aus Madrid. Es war seine – zunächst – letzte Partie für Bayer. Mit 25 stand der nächste Schritt in der Karriereplanung an. Angebote aus dem Ausland lagen zahlreich vor, Barca, Chelsea, Inter. Die Wahl fiel allerdings auf Bayern.

Noch zur Kaiserslautern-Zeit hatte der Rekordmeister Interesse bekundet. Ballack war noch nicht als Bundesliga-Spieler etabliert, der Wechsel wäre zu früh gekommen. Stattdessen ging er nach Leverkusen, um im „kleineren“ Klub zu reifen. Ballack konnte sich bei Bayer weiterentwickeln. Er war dort in eine Mannschaft eingebettet, die auf ihn zugeschnitten wurde, die am Limit spielte. Und darüber hinaus. So erreichte Leverkusen drei zweite Plätze in 2002, in Meisterschaft, Pokal und Champions League. Was gern als „Vizekusen“ verspottet wurde, bleibt auch aus heutiger Betrachtung eine große sportliche Leistung.

Ballack selbst war fußballerisch in der Weltspitze angekommen, erhielt erstmals die Auszeichnung als Deutschlands Fußballer des Jahres. Darüber hinaus erkannte auch die internationale Fußballwelt seine Klasse. 2002 wurde Ballack in jede Elite-Auswahl gewählt: UEFA Club Mittelfeld des Jahres, UEFA Team des Jahres, European Sports Magazine Team des Jahres, FIFA World Cup Team, FIFA XI.

Sicherlich sind solche Auszeichnungen auch immer ein Popularitätswettbewerb. Aber zusammengenommen zeigen sie den internationalen Stellenwert eines deutschen Spielers, an den sonst nur Oliver Kahn herankam. Nun passte der Wechsel zu den Bayern. Von ausländischen Vereinen sollen finanziell höher dotierte Angebote vorgelegen haben. Aus Marketing-Sicht schien es Ballack und Berater Becker sinnvoller, dass der beste deutsche Fußballer in der Heimat blieb. Zumindest bis 2006, wenn die Weltmeisterschaft in Deutschland stattfinden würde.

Ballack war zum Zeitpunkt des Wechsels im besten Fußballer-Alter, bereits ein gestandener Spieler, gleichzeitig aber noch mit einigen guten Jahre vor sich. Doch an die spielerische Klasse des Jahres 2002 würde er nach dem Wechsel zu den Bayern nicht nahtlos anknüpfen können. Zum einen warfen ihn ständige Verletzungen aus der Bahn. Zum anderen wurde er an Maßstäben gemessen, zu deren Erreichung von Vereinsseite nicht genug beigetragen wurde. Bisweilen wurde ihm auch der Boden unter den Füßen weggezogen.

Erwartungshaltung in München

Aber der Reihe nach. Auf Seiten der Bayern war der Wechsel Teil einer größeren Einkaufspolitik. Nach dem Gewinn der Champions League kam es zu einer Zäsur. Der Fokus lag nun auf jungen deutschen Spielern, die auch bezahlbar sein sollten. Die Bayern wollten sich nicht am Wettrüsten der internationalen Schwergewichte beteiligen. Im Jahr zuvor hatte etwa Real Madrid umgerechnet 75 Millionen Euro für Zinedine Zidane bezahlt. Für Spieler wie Hernan Crespo (56,5 Mio.), Marc Overmars (40,6 Mio.), Rui Costa (49,7 Mio.) oder Gaizka Mendieta (48 Mio.) mussten Vereine Mondpreise zahlen.

Ballack wechselte hingegen ablösefrei, allein für ein kolportiertes Handgeld von 6 Millionen Euro. Trotzdem sollte der Umbruch von der großen 2001er Mannschaft gelingen. Die war über Jahre gereift, wenn auch taktisch etwas altbacken. Das reichte für drei Meistertitel in Folge und zum Abschluss auch für die europäische Krone. Auf dem Weg ins Finale wurden u.a. Manchester United und Real Madrid ausgeschaltet.

Unvergessen: Jens Jeremies' grandioser Auftritt samt Siegtor im Halbfinale gegen Madrid

Diese Mannschaft hatte sich schon etwas von den Ränkespielen des FC Hollywood emanzipiert, brachte sich nicht mehr selbst durch Leitwolfgerangel aus dem Konzept. Die 2001er Mannschaft war stimmig, kam dann einfach in die Jahre. Mit Kahn und Effenberg gab es zwei klare Tonangeber. Allein mit dem Finale gegen Valencia setzten sie sich in München ein Denkmal; Kahn dank dreier gehaltener Elfmeter, Effenberg dank einer wahnsinnigen Einzelleistung.

Unter diesem Eindruck kam also Michael Ballack ein Jahr später an die Säbener Straße. Und wurde gleich mit der neuen Kultur konfrontiert, die ihn dort erwarten würde. Effenberg wurde im Laufe seiner letzten Saison mehr oder weniger vom Hof gejagt, für zu alt, zu langsam befunden. Aber Ballack solle doch bitte auch so sein wie Effenberg, den Spiritus rector geben.

„Er muss noch viel daran arbeiten, um so weit zu kommen wie Stefan Effenberg ist.“

~ Teamkollege Robert Kovac zum Wechsel [2]

Ballack sollte das neue Herzstück der Münchner Mannschaft werden. Dafür wurde ihm Zé Roberto – sein Teamkollege aus Leverkusen – zur Seite gestellt. Mit Blick auf die deutsche Strategie kam zudem Sebastian Deisler, der zu diesem Zeitpunkt als größtes Talent der Fußballnation galt.

Deislers Karriere wäre eine eigene Retrospektive wert

Double zum Auftakt

Zum Beginn der Saison 02/03 meinte Karl-Heinz Rummenigge „Wir haben den stärksten Kader aller Zeiten“. (2) Das war damals schon hanebüchen, allein mit einem Blick auf die Größe der Ü30-Fraktion (Alter im Laufe der Saison): Oliver Kahn (34), Thomas Linke (33), Bixente Lizarazu (33), Niko Kovac (31), Mehmet Scholl (32), Michael Tarnat (33), Thorsten Fink (35), Giovane Elber (30). Außerdem waren mit 29 nah am Zenit oder bereits drüber hinweg: Robert Kovac, Jens Jeremies, Zé Roberto, Pablo Thiam, Alexander Zickler. Diese Spieler kamen allesamt auf mindestens zehn Einsätze, viele gehörten zum Stammpersonal.

In der Champions League führte das nicht all zu weit. Bereits in der ersten Gruppenphase war Schluss, die Gegner: AC Milan, Deportivo La Coruna, RC Lens. Zumindest die Rossoneri spielten auf einem ganz anderen Level, holten im Mai auch den Gesamtsieg über Juve. Die Niederlagen gegen La Coruna waren schon peinlicher, kamen aber ob der schnelleren Spielweise der Spanier nicht allzu überraschend. Zwei Unentschieden gegen Lens brachten die einzigen Punkte und somit den letzten Platz in der Gruppe. Ballack ging mitsamt der Mannschaft unter, traf lediglich in der Qualifikation gegen Partizan Belgrad.

Immerhin dürfte das frühe Aus in der Champions League den Triumph in der Liga gesichert haben. Während sich der amtierende Meister aus Dortmund bis Ende März international aufrieb, konnte sich München auf die nationalen Wettbewerbe fokussieren. Spätestens in der zweiten Saisonhälfte hatte sich die Mannschaft gefunden.

Bayern abhängig von Ballacks Gesundheit

Die Saison lässt sich anhand der Verletzungen Ballacks nachzeichnen. Von Anfang Oktober bis Anfang März verloren die Bayern in der Liga nur ein Spiel. Das war Anfang November in Bremen (2:0). Ballack war nicht dabei. Im Rückspiel bei Deportivo hatte er sich einen Kapseleinriss im Sprunggelenk zugezogen. Im Februar musste er aufgrund einer Grippe für zwei Partien aussetzen, beide endeten nur Unentschieden. Beim 3:0 über Leverkusen Anfang März musste er bereits nach 22 Minuten ausgewechselt werden. Erneut war es das Sprunggelenk: Bänderriss.

Die Bayern hatten zu diesem Zeitpunkt bereits 13 Punkte Vorsprung auf Dortmund. Glücklicherweise, denn die Ausbeute aus den nächsten fünf Spielen – ohne Ballack – war mager: zwei Siege, ein Unentschieden, zwei Niederlagen, nur sieben Zähler. Insgesamt konnte keinerlei Form ohne Ballack konserviert werden. Über den gesamten Saisonverlauf holte Bayern ohne Ballack nur neun Punkte in acht Spielen (Schnitt: 1,125).

Stand Ballack auf dem Platz, gewannen die Bayern in der Regel. Aus 26 Spielen mit Ballack holte Bayern 66 Punkte (Schnitt: 2,54). Einzig auf Schalke wurde eine Ballack-Elf geschlagen; am letzten Spieltag, längst Meister und mit angezogener Handbremse im Hinblick auf das DFB-Pokalfinale eine Woche später. In Berlin erzielte Ballack dann zwei Tore beim 3:1 über Kaiserslautern; Treffer vier und fünf im Wettbewerb. In der Liga bedeuteten zehn Tore und sieben Vorlagen Platz drei in der vereinsinternen Scorer-Liste.

International wurde Bayern deklassiert, die Lücken in der Mannschaft offensichtlich. Anstelle eines echten Umbruchs standen weitere Verpflichtungen entlang der „Hauptsache jung und deutsch“-Schiene.

Diese Spieler kamen ablösefrei oder aus der eigenen Jugend:

Die Leistungsdichte im Kader wurde zur neuen Saison insgesamt nur noch dünner, Neuzugang Makaay mit 23 Treffern zur Lebensversicherung. Ein klares System war in der letzten Saison unter Hitzfeld nicht mehr erkennbar, die Aufstellung häufig Flickschusterei. Hargreaves und Salihamidzic fielen ihrer Vielseitigkeit zum Opfer, durften ständig auf neuen Positionen ran. Zé Roberto und Schweinsteiger mussten die Außenbahnen bearbeiten, wofür beiden die nötige Geschwindigkeit fehlte.

Umso entscheidender, dass sich Ballack durch die Saison schleppte. Obwohl er häufiger verletzt und durchweg angeschlagen war, machte er mehr Partien als im Vorjahr. Sein Fehlen konnte die Mannschaft da ja schon nicht kompensieren. Eine Wadenprellung hatte er sich noch im Pokalfinale gegen Lautern zugezogen, reiste dann trotzdem zur Nationalmannschaft. Im Juni wurde noch die EM-Quali ausgespielt (1:1 in Schottland). Nach der kurzen Sommerpause machte die Wade zu Saisonbeginn immer noch Probleme. Bei der nächsten Länderspielreise setzte es zunächst ein 0:0 in Island, danach gegen Schottland für Ballack einen Bluterguss. Die Verletzungen legten ihn kurzzeitig für die nächste Bundesliga-Partie in Wolfsburg lahm. Er – und weitere Angeschlagene – setzten aus. Bayern verlor.

Krise und Kritik

Nach fünf Spieltagen, Platz fünf in der Tabelle, brannte bereits der Baum an der Säbener Straße. Kahn kritisierte öffentlich: „Es wird taktisch undisziplinierter Fußball gespielt, […] ohne Sinn und Verstand.“ [3] Es bräuchte eine Rückbesinnung auf die erfolgreiche Spielweise der Vergangenheit und eine „ordnende Hand im Mittelfeld“. Namentlich zählte Kahn zudem den 22-jährigen Hargreaves an. Ballack stellte ihn intern zur Rede.

Bei seiner Rückkehr in Glasgow trieb Ballack die Mannschaft zum Sieg über Celtic (2:1). Am Wochenende verschoss er gegen Leverkusen einen Elfmeter, traf danach selbst, legte ein weiteres Tor auf, Endstand 3:3.

Günther Netzer animierte diese Schwächephase der Bayern, in die gleiche Kerbe der fehlenden Führungsqualitäten Ballacks zu schlagen. Netzer machte dies in seiner Sport Bild-Kolumne an der vorherrschenden Kultur des Kollektivs in der ehemaligen DDR fest. Ballack hätte dort gelernt, sich einzuordnen. Nun begnüge er sich mit seiner Rolle, hole nicht das Optimum aus sich heraus.

An dieser Stelle soll keine Kritik der Kritik von Netzer stattfinden. Dass er (oder der Kolumnen-Ghostwriter) über die Stränge schlug, war Netzer schnell bewusst. Er entschuldigte sich persönlich via Telefon bei Ballack. Viel interessanter ist die Reaktion der Vereinsbosse. Zu erwarten wäre Abteilung Attacke. Zwar gingen Hoeneß und Rummenigge Netzer in der Art und Weise der Kritik an, konnten sich im Nebensatz allerdings nicht verkneifen, ihm in der Sache Recht zu geben. So sagte etwa Rummenigge, der Vorwurf sei eine „Beleidigung aller ehemaligen DDR-Bürger“; im selben Atemzug aber „[Ballack] muss sich mehr einbringen, mehr zeigen. Wir haben ihn als Spielgestalter geholt, der die Mannschaft führt“. [2]

Insgesamt zeigt sich in der Nachbetrachtung eine gewisse Schizophrenie in der Kommunikation der Verantwortlichen seitens Ballack. Kritik von außen, die reichlich vorhanden war, wurde zwar abgewiesen. Aber nur, um häufig aus den eigenen Reihen in anderer Tonalität doch erneut geäußert zu werden. Je nach Tabellenstand wurde das lauter oder leiser, zog sich aber durch die gesamten vier Jahre in München.

In der Winterpause 2003/04 setzten sich Spieler und Führungsriege zusammen. Rummenigges Fazit: „[Wir] müssen Ballack mal in Ruhe lassen, dürfen nicht jede Woche an ihm rumnörgeln“. Keine vier Wochen später hatten sie den Vorsatz schon wieder über den Haufen geworfen. [2]

Die Bayern waren (und sind) immer dann am besten, wenn sie eine Wagenburgmentalität aufbauten, Mia san mia nicht nur als Marketing-Slogan, sondern als Abgrenzung verstehen. Uli Hoeneß verteidigte nach außen, ging regelmäßig die jeweils aktuellen Gegner an (Lemke/ Bremen, Daum/ Köln und Leverkusen, Meier/ Dortmund). Damit schlug er auch gern über die Stränge, um den Fokus von der eigenen Mannschaft zu nehmen und beim Kontrahenten für Unruhe zu sorgen.

Aber sich öffentlich gegen eigene Spieler zu äußern, damit war man in München eher sparsam; etwa Beckenbauer 2001 nach der 0:3-Niederlage in Lyon („Uwe Seeler-Traditionsmannschaft, Altherrenfußball“) [4] oder Hoeneß 2007, nachdem ein 17-jähriger Toni Kroos in Belgrad brillierte („Hört’s mir auf mit dem Hochjubeln“) [5].

Ballack wurde jedoch in jeder Schwächephase angezählt und kleingeredet; innen wie außen und selbst nach Siegen. Nun war selbst ein zweiter Platz nichts mehr wert. Nach dem Wechsel aus Leverkusen kam das für Ballack einem Kulturschock gleich. Über die Jahre betonte er mehrfach, wie wichtig der „Wohlfühlfaktor“ für seine Leistung sei. In München ähnelte die Beziehung zu den Vereinsoberen seinen Auseinandersetzungen mit Rehhagel bei Kaiserslautern. Auch von König Otto wurde er mehrfach öffentlich kritisiert; suchte dann schnell das Weite.

Ein häufiger Vorwurf in München: Ballack schone sich im Verein für die Nationalelf. Lieber solle er sich auskurieren, natürlich in der Länderspielpause. Tatsächlich bereiteten ihm immer wieder Wade und Knöchel Probleme. In keiner seiner Münchner Spielzeiten kam er auf 30 Liga-Einsätze. Tatsächlich spielte er in seiner kompletten Karriere keine Saison durch. Mit Pokal, CL und Nationalmannschaft kam er aber doch immer auf 45 bis 50 Pflichtspiele – und das über ein Jahrzehnt hinweg.

2004 wurde der Spagat zu groß; die enge Taktung der Spiele, die ständigen englischen Wochen ließen ihn auf dem Zahnfleisch gehen. Mit 27 hätte er in den Zenit seiner Leistungsfähigkeit kommen müssen, stattdessen schleppte er sich – auch aufgrund der anhaltenden Kritik – durch die Spiele. Dass die teils mäßigen Leistungen die Kritik nur noch mehr befeuerten, liegt in der Natur des Fußballgeschäfts.

Blamage in Portugal

Am Ende standen er, Verein und Nation gänzlich ohne Titel da. Die Bayern landeten sechs Punkte hinter Bremen auf Rang zwei, flogen im Pokal-Viertelfinale gegen Aachen raus. Die Nationalelf – immerhin Vize-Weltmeister – lieferte eine desolate Vorstellung bei der Europameisterschaft 2004 ab. Das hatte sich bereits angedeutet, etwa beim angesprochenen 0:0 gegen Island. Immerhin bescherte uns das Völlers legendären Auftritt im Gespräch mit Waldemar Hartmann.

Die Tests im Frühjahr oder direkt vor dem Turnier gingen teilweise arg in die Hose. Die Namen Ionel Danciulescu oder Sandor Thorgelle mögen einigen Fans noch in den Ohren klingen. Der Rumäne Danciulescu etwa erzielte seine einzigen zwei Länderspieltore beim 5:1-Sieg über Deutschland. Thorghelles Doppelpack vermieste die deutsche Generalprobe eine Woche vor Turnierbeginn. An der Seitenlinie jubelte sein Nationaltrainer Lothar Matthäus, der damals die Ungarn betreute.

Im Quervergleich zum Turnier vier Jahre zuvor verdoppelte sich die Leistung (jeweils zwei statt ein Tor respektive Punkte), der Ertrag blieb derselbe: Vorrunden-Aus.
Die Ära Völler war nach dem 1:2 gegen eine tschechische B-Elf beendet. Der letzte Gruppengegner der Deutschen war bereits für die nächste Runde qualifiziert, wechselte durch und gewann dennoch. Auf vielen Positionen im Team stand dringend ein Umbruch an, eine Reihe von Stammspielern war nur biederer Durchschnitt (Wörns, Baumann, Ernst, Kuranyi). Internationale Klasse hatten damals nur Kahn, Hamann und Klose, vielleicht Schneider.

Immerhin sammelte ein Grundstock an jungen Spielern erste Turniererfahrung: Lahm, Schweinsteiger, Podolski (drei spätere Weltmeister). Auch Frings, Schneider, Klose und Arne Friedrich sollten bei der WM 2006 zur Rumpfelf der Nationalmannschaft gehören, dann allerdings unter der Leitung von Jürgen Klinsmann.

Weltmeisterschaft 2006: Aus im Halbfinale

Weil es an dieser Stelle passt, bereits der Vorgriff auf die WM im eigenen Land: Deutschland war als Gastgeber automatisch qualifiziert. Die knapp zwei Jahre davor waren somit eine ideale Testbühne für den neuen Teamchef. Klinsmann verpasste Mannschaft, Trainerstab und Verband eine längst überfällige Frischzellenkur, ließ nicht einmal Welttorhüter Oliver Kahn unangetastet. Ballack wurde zum neuen Kapitän ernannt. Insgesamt 55-mal würde er die deutsche Nationalmannschaft aufs Feld führen, u.a. beim Confed Cup 2005, wo die Deutschen einen guten dritten Platz belegten und – viel wichtiger – endlich kreativen, offensiven Fußball spielten.

Bis zum Eröffnungsspiel der WM steuerte Ballack in 21 Länderspielen elf Tore und sechs Vorlagen bei. Beim Eröffnungsspiel selbst saß er nur auf der Bank, die alte Kriegsverletzung an der Wade. Er musste von außen zuschauen, wie seine Mannschaft Costa Rica überrannte (4:2). Es folgten Siege über Polen (1:0), Ecuador (3:0) und Schweden (2:0). Die Mannschaft wuchs mit ihren Aufgaben, getragen von der Euphorie ringsum. Erstmals in seiner DFB-Karriere war Ballack in eine ausgewogene Elf eingebunden, die technisch anspruchsvollen Fußball spielen konnte. Im Laufe der Vorbereitung hatte Ballack eine tiefere Rolle eingenommen, gab weniger den Box-to-Box-Spieler früherer Jahre. Die Stammformation und Aufteilung nahmen die Entwicklung des heute gängigen 4-5-1 vorweg: Frings und Ballack zentral vor der Abwehr, Schneider (rechts) und Schweinsteiger (links) waren keine klassischen Flügelspieler, Podolski ließ sich zudem aus der Spitze fallen.

Auch die in den letzten Testspielen anfällige Defensive zeigte sich im Turnierverlauf verbessert. Noch im März setzte es ein 1:4 gegen Italien. Unter großem Gezeter wurde der Auftritt diskutiert, gar bis zur Absetzung des Verantwortlichen durchexerziert.

Die DFB-Auswahl belegte schließlich den dritten Platz, was wohl die wenigsten Fans ernsthaft erwartet hatten. 2002 ging es zwar ein Level weiter. Dafür war 2006 der Weg deutlich schwerer. Gegen besser besetzte Truppen aus Argentinien und Italien präsentierte sich Deutschland auf Augenhöhe. Es musste jeweils die Verlängerung her. Während gegen die Albiceleste noch via Elfmeterschießen der Halbfinal-Einzug gelang (Ballack Man of the Match), war gegen die Azzurri Schluss. Zum zweiten Mal in Folge (wie dann auch 2010) kam das Aus gegen den späteren Weltmeister.

Eine simple Gegenüberstellung, das Alter aller Starter im Halbfinale:
• Deutschland: 36, 27, 21, 25, 22, 32, 29, 26, 26, 28, 21
• Italien: 28, 29, 32, 32, 28, 29, 28, 27, 28, 29, 29

Italien war eine gut geölte Maschine, zusammengesetzt aus Spielern, die alle im besten Fußballer-Alter, im Zenit standen. Die Achse bestand aus vier Spielern des Meisters Juve. Mindestens Buffon, Pirlo und Totti trugen das Prädikat Weltklasse; Cannavaro und Gattuso waren nah dran. Italien kassierte lediglich zwei Gegentore in sieben Spielen: ein Eigentor und einen Elfmeter; im Halbfinale über 120 Minuten keines. Dafür trafen Grosso und Del Piero kurz vor Schluss. Und beendeten ungeahnt Ballacks Weltmeisterschaftskarriere. Im folgenden Spiel um Platz 3 wechselte Klinsmann durch.

Zusammen mit Jens Lehmann, Philipp Lahm und Miroslav Klose wurde er ins 23-köpfige All Star Team gewählt. Ein kleines Zeichen, dass es voran ging: Bei der EM 2004 war Ballack noch der einzige deutsche Vertreter.

Regimewechsel in München

Apropos 2004: Die trophäenlose Saison forderte mit Ottmar Hitzfeld ihr Opfer. Nach sechs Jahren war Schluss für den „General“. Zu Buche standen vier Meistertitel, zwei DFB- und ein CL-Pokal und bereits lange vor Saisonende die Zeichen auf Abschied. Felix Magath stellte das bayrische Gleichgewicht wieder her, holte in seinen ersten beiden Spielzeiten an der Isar zweimal das nationale Double. Magath zählte erneut zur Kategorie „Scouting vor der Haustür“. Mit einer jungen Stuttgarter Truppe holte er 2003 einen überraschenden zweiten, 2004 einen guten vierten Platz. Seine Schleifer-Methoden eigneten sich, binnen kurzer Zeit alles Athletische aus einer Mannschaft herauszuholen. Taktische Raffinesse auf höchstem Niveau durfte an der Säbener Straße niemand erwarten.

Heuer sind die Bayern eine von nur vier, fünf Mannschaften, die eine realistische Chance auf den Gesamtsieg in der Champions League haben. Das war nicht immer so. Mitte der Nuller-Jahre dominierte der FCB zwar den nationalen Fußball, dafür liefen sie international der Musik hinterher. Sie brachten sich selbst nie in eine Position, aus der eine realistische Chance bestand, die Champions League zu gewinnen. Zumindest nicht in der Ballack-Ära.

Die Einkaufspolitik und nationale Performance unter Magath sind schnell abgehandelt:

Unter der Ägide von Magath gab es einige Anlaufschwierigkeiten. Die fest eingeplante Tabellenspitze übernahmen sie erst am 14. Spieltag, besaßen dann aber den langen Atem. Die letzten neun Ligaspielen wurden allesamt gewonnen, die Meisterschaft mit 14 Punkten Vorsprung (auf Schalke) gesichert, der DFB-Pokal eingeheimst (ebenfalls gegen Schalke). Auch das erneute frühe internationale Ausscheiden dürfte für den guten Saisonendspurt mitverantwortlich gewesen sein. Ballack steuerte in 27 Liga-Einsätzen 13 Tore und fünf Vorlagen bei. Die frühere Diskrepanz mit/ohne Ballack war nicht mehr gegeben: Bei allen fünf Saisonniederlagen stand er jeweils in der Startelf.

Die Zugänge im Sommer 2005 mögen wenig inspirierend gewesen sein, Valerien Ismael (8,5 Mio), Julio Dos Santos (2,7 Mio), Ali Karimi. Die Vorstellung war dafür national noch dominanter: 05/06 gingen nur drei Spiele verloren (Ballack immer dabei), die beste Serie umfasste 16 ungeschlagene Spiele in Folge. Ballack war mit 14 Toren und vier Vorlagen zweitbester Scorer im Team. Am Ende reichte es naturgemäß zum nationalen Double aus Meisterschaft (vor Bremen) und Pokal (über Frankfurt).

Chancenlos in der Champions League

Der heilige Gral war aber die Europäische Krone.

„Ich bin der Meinung, dass der FC Bayern damals nicht die Mannschaft hatte, um die Champions League zu gewinnen. National haben wir zwar in vier Jahren drei Doubles gewonnen, doch international sind wir nicht mal in die Nähe des Halbfinals oder Finals gekommen. Das kann kein Pech, kein Zufall gewesen sein.“

~ Ballack im Interview 2011 [6]

War es auch nicht, was allein ein Blick auf den jeweils letzten Gegner zeigt:

2004, Achtelfinale gegen Real Madrid (1:1 und 0:1)
2005, Viertelfinale gegen Chelsea FC (2:4 und 3:2)
2006, Achtelfinale gegen AC Milan (1:1 und 1:4)

Deutschland durchlebte insgesamt zwischen 2003 und 2006 eine der schwächsten internationalen Phasen. Die Liga war nicht wettbewerbsfähig: Bayerns Viertelfinal-Einzug 04/05 war das beste Ergebnis in der CL. Auch Leverkusen, Dortmund, Stuttgart und Bremen versuchten sich in diesem Zeitraum. Spätestens im Achtelfinale war Endstation. Wenig besser lief es im UEFA Cup. Einzig Schalke erreichte 05/06 das Halbfinale. In den zwei vorigen Jahren waren insgesamt sechs Teams schon in der Vorrunde ausgeschieden. Bisweilen rutschte die Bundesliga auf den fünften Platz in der Fünfjahreswertung ab, musste damit einen CL-Startplatz abgeben.

„If you can’t beat them, join them.“

~ Alte Volksweise

Ballack betonte mehrfach in Interviews, dass er in München mittelfristig keine Chance sah, die CL zu gewinnen. Andersherum hätte er es sich noch weitere vier, fünf Jahre in München gemütlich machen können, dabei sicher auch nicht schlecht verdient. Zum Sommer 2006 lief sein Vertrag bei den Bayern aus.

Bereits 2004 war das Tischtuch wohl schon zerschnitten, sodass keine Verlängerung angestrebt wurde. Gerüchte über einen Wechsel häuften sich immer rund um Verletzungspausen, bei zunehmender Kritik von Vereinsseite. Interesse von Real, Juve, Milan, Inter, Manchester United ist verbrieft. Jede große Mannschaft Europas wollte den Jungen aus Chemnitz in ihren Reihen wissen. Inwieweit das Ausspielen der Optionen im Ausland zur Verbesserung der Stellung im Heimischen genutzt wurde? Das wiederholt offensichtliche Timing legt den Schluss nahe. Neu wäre die Methode nicht.

Zum Abschied gab es noch einmal aus beiden Richtungen Spitzen. Ballack hielt die Vereinsführung in der letzten Saison knapp ein halbes Jahr hin, ließ ein gut dotiertes Arbeitspapier unbeantwortet, erbat sich Bedenkzeit. Eine Retourkutsche? Nach der Verkündung des Wechsels beschwerte er sich über „populistische Aussagen, besonders [von] Rummenigge“. [7] Fans seien gegen ihn aufgewiegelt worden. Tatsächlich kassierte Ballack in den letzten Wochen auch Pfiffe im eigenen Stadion. Das eh unterkühlte Verhältnis zwischen Ballack und den Bayern-Fans war auf dem Tiefpunkt angekommen.

Die Bayern gingen bereits im Frühjahr 2006 öffentlich auf Nachfolger-Suche, betonten, dass taugliche Kandidaten endlich wieder Führungsqualitäten haben müssen. „Dort haben wir ein Vakuum“, so Rummenigge im April. [8] Mit Blick auf die heutigen Topmannschaften, den CL-Siegern aus München, Barcelona und Madrid oder den Weltmeisterteams aus Spanien und Deutschland mutet diese Vorstellung des einen Feldgenerals altbacken an.

Wie bescheiden Bayerns Mannschaft zusammengestellt war, wurde in der Saison nach Ballacks Abgang erkennbar. Auch mit dem Aggressive Leader Mark van Bommel, der ja endlich die wichtigen Führungsqualitäten mitbrachte, wurde München nur Vierter. Für Bayern das schlechteste Ergebnis seit Menschengedenken, mussten sie doch damit in den Loser Cup. Im anschließenden Transferfenster gaben sie ebenso viel Geld für Neuzugänge aus (88,2 Mio.), wie in den vier Ballack-Jahren zusammen (88,45 Mio.). [9]

Ballack suchte derweil eine neue Herausforderung, und fand sie in London.

„Die Bayern haben mir damals ein neues Angebot über vier Jahre gemacht, aber ich habe gedacht: Wenn du die Champions League gewinnen willst, musst du dich noch mal verändern. Der andere Grund war, dass ich unbedingt im Ausland spielen wollte. Ich war 28 Jahre alt, als ich die Entscheidung traf, und das war für mich die letzte Chance, noch mal zu einem großen internationalen Verein zu gehen.“

~ Ballack im Interview 2011 [6]

Titel sammelte er gleich in der ersten Saison, allerdings nur nationale, FA- und League Cup. Chelsea war mittlerweile auch in die Falle getappt, eher nach Namen zu kaufen, denn nach Talent und Passform fürs System. Auch Abramovich wollte nach zwei Meistertiteln in Folge endlich die CL gewinnen.

Um Ballack und Lampard samt Essien, Makelele, Mikel und/oder Diarra in ein Team zu packen, wählte Mourinho die Raute, was keinem so richtig zu Pass kam. Am wenigsten Ballack, der meist in der Spitze spielen sollte. Schon in Leverkusen war er besser, wenn er aus der Tiefe kam. Auch Shevchenko – ebenfalls neu im Team – wirkte im Zwei-Mann-Sturm neben Drogba wie ein Fremdkörper.

Manchester United spielte 06/07 flüssiger, vielleicht den schönsten Fußball in der Ferguson-Ära, wurde mit sechs Punkten Vorsprung Meister.

Dass sich Spieler vom Kaliber und ähnlicher Spielweise wie Makelele, Essien, Lampard und Ballack unter einen Hut bringen lassen, zeigte ein halbes Jahr später Avram Grant. Mourinho hatte sich im Herbst mit Abramovich überworfen und wurde entlassen. Ballack war zu dem Zeitpunkt verletzt. Im April musste er sich am ewig-lädierten Knöchel operieren lassen. Dass die OP in München stattfand, wurde in London zum Politikum.

Im Dezember kehrte er zurück, wurde sofort wieder Stammspieler, das nächste halbe Jahr seine beste Zeit bei Chelsea. In Grants 4-3-3 (mit Essien oder Makelele (defensiv) und Lampard) war er bestens aufgehoben, besaß mehr Freiheiten und Bewegungsraum, harmonierte hervorragend mit dem Vize-Kapitän. Im Vorjahr zwar fast komplett dabei, schoss er nur vier Tore. Nun waren es sieben in 18 Spielen. Wurde er zu Beginn noch für teils lethargische Spielweise gescholten, avancierte er in diesem Zeitraum zum Antreiber und Taktgeber.

Seine Sternstunde kam spät im Meisterrennen: Am 36. Spieltag ging es daheim gegen Man United, Chelsea siegte dank zweier Ballack-Tore mit 2:1, zog gleichauf. Doch United gewann seine verbleibenden zwei Spiele, Chelsea nur eines.

Noch im Mai sollte es zum Wiedersehen mit United kommen.

Die letzte Chance

Der Meister aus Manchester hatte wohl den schwereren Weg ins CL-Finale, schaltete in der K.O.-Phase Lyon, Roma und Barcelona aus; Chelsea kam gegen Olympiakos, Fenerbahce und Liverpool weiter. In Moskau standen sich die zwei absoluten Schwergewichte im englischen Fußball gegenüber; the irresistible force vs. the immovable object.

Wer im Zusammenhang mit Michael Ballack über unvollendet redet, kann nur dieses Spiel meinen. 2002 war allein der Finaleinzug von Leverkusen eine Sensation, in München nie in Reichweite. Sechs Jahre nach Glasgow standen die Sterne für Ballack scheinbar in der richtigen Konstellation. Seine gesamte Rückrunde war das letzte Hurra, seine Form so gut wie zuletzt 2006. Nie würde er sie danach wieder erreichen.

Über 90, dann 120, Minuten hatte Chelsea die Nase knapp vorn, zahlreiche Chancen, das Spiel zu entscheiden. Im Mittelfeld hatten sie durch ein 4-1-4-1 (Makelele hinter Ballack und Lampard) zahlenmäßige Vorteile. Essien verteidigte hinten rechts in der Viererkette. United trat im zentralen Mittelfeld mit Scholes und Carrick an.

Chelsea suchte mit langen Bällen Drogba. Der machte die Anspiele fest oder ließ auf die nachrückenden Lampard oder Ballack abtropfen. In der Anfangsphase arbeitete Ballack gut gegen den Ball, war jedoch noch nicht so sehr ins Offensivspiel eingebunden. Insgesamt dominierte zunächst United, besonders über links mit Evra und Ronaldo. Ronaldo traf per Kopfball zum 1:0, stand dabei förmlich in der Luft.

Die Reaktion zum Rückstand? Hatte Ballack seine Aufgaben die erste halbe Stunde nach Vorgabe erfüllt, drehte er nun auf. Im ersten Gegenzug setzte er einen Fernschuss neben das Tor; erzwang mit einem Kopfball eine Ecke; setzte einen Freistoß knapp drüber; zog nochmals in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit aus der Distanz ab.

Der Ausgleich fiel eher aus dem Nichts: ein Fernschuss von Essien, zweimal abgeprallt, Van der Sar rutschte weg, Lampard staubte ab.

Ballack in der Folge nicht mit vielen Spielanteilen, wenn, dann aber sicher. Nur Joe Cole sammelte mehr Kilometer. Die Mannschaft wurde insgesamt besser, dominierte die zweite Halbzeit und die Verlängerung. Chelsea gab insgesamt doppelt so viele Torschüsse ab, nur Drogba mehr als Ballack (6 zu 5). Drogba traf zudem den Pfosten, Lampard nach Vorlage Ballacks die Latte.

Zwei Minuten vor Schluss sah Drogba Rot. Und John Terry musste im Elfmeterschießen ran.

Fortsetzung folgt. Bis erschienen in dieser Reihe:

Ballack Begins

Michael Ballacks aktive Karriere ist mittlerweile Stoff für die Fußballgeschichtsbücher. Im Sommer 2012 hängte er seine Stiefel an den Nagel. Zwei Jahre später gewann die Deutsche Nationalmannschaft in Brasilien den… Weiterlesen

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Referenzen

Beitragsbild: Wir bedanken uns bei aquafisch für das Foto zu diesem Beitrag. Mehr von aquafisch gibt es bei flickr. Lizenz CC BY-NC 2.0

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