Schlagwort: Historie

Kurzrezension – Rückpässe – Fibel für Fußball-Romantiker

In “Rückpässe – Fibel für Fußball-Romantiker” wirft Hajo Steinert, Kopf der Literaturredaktion des Deutschlandfunks, auf 168 Seiten einen Blick zurück auf die Geschichte des Fußballs und auf das, woraus sich dieser Sport, so wir ihn heute kennen, entwickelt hat.

978-3-8319-0621-5Die über 60 kurzen Texte, die jeweils mit einem Schlagwort überschrieben sind, widmen sich mal den Früh- bzw. Vorformen des Fußballs in Japan oder England, ein anderes Mal dem Fußball der Nachkriegszeit im Ruhrgebiet oder den Trikots von Torhütern. Ein bunter Strauß an Themen, deren einzige Gemeinsamkeit der Blick in die mal ferne mal nicht ganz so ferne Vergangenheit ist. Die einzelnen Texte sind kurzweilig und knackig und zur Lektüre zwischendurch geeignet.

An der Kürze kranken viele der Texte jedoch auch. Denn der Autor versucht sich fast immer an einem Rundumschlag und nicht an einer Detailbetrachtung. Auf 1½ Seiten den Bogen zubekommen, z.B. vom traditionellen japanischen Kemari zu den heute in der Bundesliga spielenden Japanern – schwierig. So erscheinen die Kausalketten und die geschilderte Abfolge der Ereignisse dann manches Mal so stark vereinfacht, dass beim Leser das Gefühl bleibt, zum Kern der Sache nicht vorgedrungen und stattdessen weit über das Ziel hinaus geschossen zu sein.

Auch die Einschätzungen des Autors sind in vielen Fällen nicht ganz nachvollziehbar, z.B. wenn er über Konrad Koch schreibt:

Derselbe Koch war es auch, der die bis heute verzwicketeste aller Regeln im Fußball, das Abseits, von der “Engländerei” übernahm und ins Regelbuch schrieb.

Diese Verallgemeinerung hört sich so an, als wäre Koch ursächlich dafür verantwortlich, dass noch heute die Abseitsregel gilt. Für die Regelauslegung eines Lehrers in Braunschweig wird sich die Fußballwelt aber wohl eher wenig interessiert haben.

Über solcherlei und Ähnliches stolpert man beim Lesen immer wieder und benötigt dann für die kurzen Texte länger als gedacht, weil man innehalten muss und sich fragt, was sich der Autor wohl bei seiner Formulierung gedacht hat. Manchmal sind die Erläuterungen des Autors auch einfach faktisch falsch, wenn z.B. die kurzen Hosen der Sechziger Jahre mit Ewald Lienen in Verbindung gebracht werden, der, Jahrgang ’53, bis 1974 beim eher unbekannten VfB Schloß Holte kickte.

Das mag ein Detail sein, aber wenn der Lesefluss immer wieder durch solche Ungereimtheiten unterbrochen wird – ärgerlich. Und wie viel mag der Leser dann noch von der Beschreibung einer Vorform des Fußballs im Mittelalter auf Grönland halten?

Die einzelnen Texte wollen zu viel in ihrer Kürze erzählen und lassen meist die Liebe zum Detail vermissen. Ein bisschen fühlen sie sich an wie vom Hörensagen unüberprüft niedergeschrieben. Ein Pluspunkt sind die Abschnitte, in denen der Autor lebhaft eigene Erinnerungen aus der Vergangenheit des Fußballs beschreibt. Da fühlt sich der Leser abgeholt und kann ein bisschen eintauchen in die Vergangenheit. Das passiert leider viel zu selten, um dem eigenen Anspruch einer Fibel für Fußball-Romantiker gerecht zu werden.

Rückpässe – Fibel für Fußballromantiker
erschienen bei Ellert & Richter, 168 Seiten, ISBN: 978-3-8319-0621-5, Preis: 14.95 EUR

Der Verlag hat uns ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Fußball in Schottland – Von Kriegserklärungen und Pokalsensationen

Der schottische Fußball ist weit mehr als das Old Firm. Julian Gieseke möchte in einer Reihe von Texten bei Cavanis Friseur UK auch mal andere Teams und ihre durchaus bewegte Geschichte ins Rampenlicht stellen. Den Anfang machen die Berwick Rangers. Wobei Berwick-upon-Tweed genaugenommen zu England und nicht zu Schottland gehört. Wieso der Verein dennoch eng mit dem schottischen Fußball verwachsen ist – Julian Gieseke verrät es. 

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László Kubala, “Erbauer” des Camp Nou.

Spielverlagerung ist die deutschsprachige Anlaufstelle für alle Fußballtaktik-Begeisterten. Dort erscheinen aber auch immer wieder Porträts von Fußballern und Trainern, die tiefe Einblicke in den Werdegang herausragender Fußball-Persönlichkeiten liefern. Im Dezember 2015 ließ es sich das SV-Team nicht nehmen, täglich ein Porträt zu veröffentlichen.

Im ersten Text dieser Reihe widmet sich Constantin Eckner László Kubala. Der Ungar war die prägende Figur des FC Barcelona der 50er-Jahre. Das Porträt verrät, wie er in Katalonien landete und warum er auch als “Erbauer” des Camp Nou bezeichnet wird.   

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