Schlagwort: Gesellschaft

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Seit dem Krieg 1999 ist das Kosovo gespalten. Die albanische Mehrheit und die serbische Minderheit leben seither isoliert voneinander. Die Stadt Mitrovica ist das beste Beispiel dafür und auch vorm Fußball macht die Spaltung nicht halt. Einst spielten Serben und Kosovo-Albaner in einem Team. Es gab Zusammenhalt, Freundschaften und Erfolge, die man gemeinsam feierte. Heute gibt es zwei Vereine – einen für die Serben und einen für die Kosovo-Albaner. Mit ihrer Reportage verdeutlicht Franziska Tschinderle den tiefen Graben, der zwischen den verschiedenen Ethnien im Kosovo verläuft.

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Laufdorf – Buller gegen Bü

Amateurfußball ist weit mehr als sportlicher Wettkampf. Er kann ein gemeinsamer Nenner in einer Dorfgemeinschaft sein oder eben ihr Entzweien und Konflikte zum Ausdruck bringen. So geschehen in Laufdorf, dem Heimatort von Oliver Fritsch. Eine Gruppe von Spielern fühlt sich im Vereinsleben und gesellschaftlich ausgegrenzt und gründet kurzerhand einen eigenen zweiten Fußballverein.   

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Buchbesprechung: Ronny Blaschke – Gesellschaftsspielchen

Dass der Fußball längst ein Milliardengeschäft ist, in dem es mitunter ziemlich, naja, eigentümlich zugeht, wissen wir nicht erst seit Football Leaks, Geschichten über den nächsten aberwitzigen TV-Gelder-Deal oder Debatten um neue Anstoßzeiten, um endlich auch den enorm wichtigen Markt in Nordsüdwestost-Lampukistan gewinnbringend erschließen zu können. Die Summen, die im Profifußball bewegt werden, sind vom gesunden Menschenverstand längst nicht mehr zu greifen, die Zugzwänge, die dadurch in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung offenbar entstehen, sowieso nicht. Gleichzeitig treten Verbände, Akteure und Vereine gern auch mal als brave Samariter auf, werden Stiftungen gegründet, Charity-Events veranstaltet und klar, auch Entwicklungshilfeprojekte realisiert. “Recht so!”, würde man denken, weil es bei den Gewinnen, die der Sport augenscheinlich abwirft, eigentlich ja ein Leichtes sein sollte, der Gesellschaft wieder etwas zurückzugeben. Die Frage ist dabei allerdings auch immer so ein bisschen, wie ernst es die Protagonisten mit ihrem Engagement wirklich meinen. Steht immer der soziale Gedanke im Mittelpunkt, oder dient Projekt X, Stiftung Y oder Initiative Z nicht vielleicht doch nur, überspitzt ausgedrückt, als Feigenblatt einer hochkorrupten Funktionärs- und Privilegierten-Elite?

Dem Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Engagement im Fußball und potentiell heuchlerischen Maßnahmen, die eventuell ganz anderen Zwecken dienen, widmet sich Ronny Blaschke in seinem aktuellen Werk “Gesellschaftsspielchen”, das 2016 im Verlag Die Werkstatt aus Göttingen erschienen ist. In dem hervorragend recherchierten Buch gibt Blaschke in 18 Kapiteln, die auch gut für sich allein gelesen werden können, spannende und mitunter auch verstörende Einblicke in höchst unterschiedliche Aspekte des Themas. Liest man “Gesellschaftsspielchen” in einem Stück, fällt zunächst erst einmal die abwechslungsreiche Gestaltung auf: mal wird ein Ehrenamtlicher portraitiert, dann ein Projekt vorgestellt, ein Interview eingestreut, eine Stiftung kritisch hinterfragt oder eine Recherchereise dokumentiert. Ebenfalls auffällig: die Verknüpfung inhaltlicher Aspekte mit Hintergründen zu den Arbeiten am Buch selbst, aus denen man dann beispielsweise auch erfährt, wann Personen und Instanzen auf Interviewanfragen eben nicht reagiert haben. So erhält man nicht nur einen hintergründigen Einblick ins Thema, sondern auch in die Art und Weise, wie die “Gesellschaftsspielchen” im Profifußballgeschäft mitunter gespielt werden.

Auch wenn die einzelnen Kapitel notwendigerweise nur eine Auswahl möglicher Aspekte des Themas “gesellschaftliches Engagement im Fußball” darstellen können, wirken die Ausführungen ausgewogen. So wirft Blaschke beispielsweise einen kritischen Blick auf die widersprüchliche Gesellschaftspolitik des DFB oder die Medien als Katalysator und (Nicht-)Meinungsmacher in der Profi-Glitzerwelt, würdigt aber auch erfolgreiche Initiativen wie “Discover Football” oder “Champions ohne Grenzen”, blickt auf die gesellschaftlichen Aktivitäten von Bundesliga-Clubs wie Werder Bremen oder Mainz 05 und lässt politische (z.B. Claudia Roth), sportliche (z.B. Per Mertesacker) oder auf Funktionärsebene aktive Akteure (z.B. Reinhard Rauball) zu Wort kommen. Allgemeinplätze und glatt geschliffene 0815-Aussagen haben bei Blaschke keinen Platz, so werden Interviewpartner gern auch mal um konkrete Beispiele für allzu blumige Phrasen oder Ausführungen gebeten.

“Gesellschaftsspielchen” ist ein in allen Belangen wichtiges Buch. Es richtet sich an die über den reinen Fußballkonsum hinaus denkende, interessierte, kritische  Öffentlichkeit ebenso wie an Vereinsverantwortliche aller sportlichen Ebenen, Journalistinnen und Journalisten, ehren- oder hauptamtlich Engagierte und alle, die es vielleicht werden wollen. Darüber hinaus sei die Lektüre auch und besonders denjenigen ans Herz gelegt, die im Namen des Fußballs (sport)politische Entscheidungen treffen, sei es in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt am Main oder anderswo.

Infos zum Buch
Ronny Blaschke: Gesellschaftsspielchen. Fußball zwischen Hilfsbereitschaft und Heuchelei. Göttingen: Verlag Die Werkstatt, 2016.
ISBN: 978-3-7307-0254-3.

Das Werk ist für 16,90 Euro in jedem gut sortierten Buchhandel und direkt über den Verlag erhältlich.
NB: Der Verlag hat uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Ultras: Die Kurvenaktivisten leben gefährlich

Mehr als Fußball, Pyro und Gewalt. Ultra-Gruppierungen engagieren sich auch politisch – innerhalb und außerhalb des Stadions. Von ihrem Engagement profitiert unsere Gesellschaft auch abseits des Sports. Die Zeit hat einen Auszug aus Ronny Blaschkes aktuellem Buch “Gesellschaftsspielchen: Fußball zwischen Hilfsbereitschaft und Heuchelei” veröffentlicht. Anhand von zwei Beispielen wird geschildert, wie sich organisierte Fußballfans engagieren und welchen Ressentiments und Angriffen sie sich ausgesetzt sehen.    

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Neven Subotic „Bevor ich einer Nation angehöre, bin ich erst einmal ein Mensch.“

Neven Subotic ist ein Fußballprofi, der sich besonders engagiert – und zwar neben dem Platz. Mit seiner eigenen Stiftung kümmert er sich um eine bessere Wasserversorgung in Äthopien und seinen Urlaub verbringt der Fußballer nicht auf einer Yacht sondern in Afrika. In einem langen Interview spricht Subotic über sein Selbstverständnis und die Motive für sein Engagement. 

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