Meanwhile in Österreich

Der österreichische Fußball schreibt seine eigenen Geschichten. Titel, Spielerpersönlichkeiten mit Legendenstatus, schillernde Vereinsmäzene, Abstürze und Abstiege – das alles gibt es auch in der Alpenrepublik. Marco Stein lässt die jüngere Geschichte des österreichischen Fußballs Revue passieren. Der Start einer mehrteiligen Reihe.

Autor: Marco Stein, cavanisfriseur.de

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Cordoba. Einem jedem Österreicher ein Begriff. Der legendäre Tag als die kleinen Österreicher die großen, mächtigen Deutschen bei der Weltmeisterschaft 1978 schlugen. Jede Argumentation mit unseren deutschen Nachbarn kann scheinbar mit dem Begriff „Cordoba“ gewonnen werden. Heute erkennen viele, dass dies eher ein Armutszeugnis ist, immerhin ist dieser „Erfolg“ schon 35 Jahre her. Doch auch wenn ich in den ersten Zeilen über mein Vaterland scherze, so hatte der österreichische Fußball auch später große Zeiten.

Was in den 70er-Jahren Krankl, Prohaska und Koncilia waren, sind in den 90ern Polster, Vastic, Herzog und viele andere. Liest man sich den Kader der Weltmeisterschaft 1998 durch, so müsste jedem Österreicher warm ums Herz werden. Konsel, Wohlfahrt, Feiersinger, Pfeffer, Cerny, Herzog, Kühbauer, Pfeifenberger, Polster, Vastic, … Namen, die auch in Deutschland nicht ganz unbekannt sein dürften. In der WM-Qualifikation wurde Österreich Gruppensieger mit 25 Punkten. Einzig die Schotten machten den Rot-Weiß-Roten Probleme. Zum Auftakt gab es ein 0:0 in Österreich und Auswärts verlor man mit 2:0, die einzige Niederlage in der Quali.

In der WM-Qualifikation entschied ein Heimsieg gegen Schweden in Unterzahl über die Teilnahme der Österreicher an der WM 1998 – es sollte bis heute das letzte große Turnier, mit Ausnahme der Heim-EM, bleiben.

Solche Erfolge wollte man auch bei der Weltmeisterschaft in Frankreich feiern, aber mit Italien, Kamerun und Chile hatte man keine einfache Gruppe. Während man in den Spielen gegen Kamerun und Chile jeweils in den Schlussminuten ausgleichen konnte, verlor man gegen starke Italiener mit 2:1 und schied als Gruppendritter aus. Trotz bloß zweier Punkte ein Achtungserfolg. Es schien bergauf zu gehen mit dem österreichischen Fußball.

Die letzten WM-Fahrer

Aber mit der Jahrtausendwende fielen einige ehemalige Stars weg. Spieler wie Polster, Konsel, Pfeffer, Pfeifenberger und Mählich liefen zwar nicht mehr für die Nationalmannschaft auf, wurden jedoch durch ganz passable Kicker ersetzt. Doch je älter das Jahrtausend wurde, desto weniger Stars kamen nach. Zudem gab es scheinbar keinen Trainer auf der Bank, der die Ausfälle kompensieren konnte.

Der doppelte Ivica und ein Schuldenberg – SK Sturm Graz und der FC Tirol

Anders sah dies im Vereinsfußball aus: Ab 1998 sorgte vor allem der SK Sturm Graz für Furore, national wie international. Das magische Dreieck, bestehend aus Mario Haas, Ivica Vastic und Hannes Reinmayr sowie Trainerlegende Ivica Osim sorgten für Meistertitel, Cupsiege, sowie drei aufeinanderfolgende Champions League-Teilnahmen.

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Ivica Osim 1999, By Radiofabrik Community Media Association Salzburg, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Ivica Osim, der mit Jugoslawien ins Viertelfinale der WM 1990 einzog, kam bereits zur Saison 94/95 nach Graz und veränderte den Verein nachhaltig. Bei seiner Ankunft war die Mannschaft als Kämpfertruppe verschrien. Er baute ein effizientes Team aus jungen Spielern auf und kultivierte das Kurzpassspiel. Hätte es in seiner ersten Saison bereits die 3-Punkte-Regel gegeben – er wäre auf Anhieb Meister geworden. Sein Auftreten gegenüber den Medien mit tiefgründigen Kommentaren, brachte ihm den Spitznamen “Philosoph” ein. Zeitgleich mit Osim kam Ivica Vastic vom MSV Duisburg in die Steiermark. Er spielte eine um die andere starke Saison, war der Schlüsselspieler des Trainers und hielt dem Verein viele Jahre die Treue. Bereits 1996 nahm er die österreichische Staatsbürgerschaft an, was auch durch die starke Konkurrenz im Kader Kroatiens bedingt war.

Vor allem die letzte Champions League-Teilnahme von Sturm Graz im Jahr 2000/01 ging in die Geschichtsbücher des österreichischen Vereinsfußballs ein. In einer Gruppe mit Galatasaray, dem AS Monaco und den Rangers wurde man mit zehn Punkten Gruppensieger. In der zweiten Gruppenphase wurde man Gruppendritter, hinter Valencia und Manchester United, doch vor Panathinaikos Athen. In der Liga landete man jedoch nur auf Platz Vier, womit man erstmals keinen internationalen Platz erreichte. Der Verein setzte ein letztes Glanzlicht in Europa – national spielten sich andere Teams in den Vordergrund.

RTL widmet Sturm Graz in der Saison 2000/01 einen Einspieler.

National machte ein Verein aus dem Westen Österreichs von sich reden:

Um das Jahr 2000 wurde der FC Tirol eine Großmacht im österreichischen Fußball. In der Saison 1998/99 übernahm Kurt Jara das Traineramt beim damals abstiegsbedrohten Team. Schon in der Folgesaison führte er die Innsbrucker zur Meisterschaft. Zwei weitere sollten folgen. Der letzte Meistertitel übrigens unter Jogi Löw, der das erfolgreiche Jara-Team nach dessen Wechsel zum HSV übernahm. Der Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld war Markus Anfang, der nie wieder so erfolgreich spielen sollte. In der Bundesliga blieb ihm der Durchbruch verwehrt. Nach eigener Aussage bekam er in Österreich nur die Hälfte des Gehalts, das er zuvor in Deutschland verdiente. Nach der 3. Meisterschaft des FC Tirol 2002 folgte jedoch der Lizenzentzug aufgrund eines Schuldenberges in Millionenhöhe. Über die Jahre hatten dem Verein unzählige Gläubiger Geld geliehen und die Ausgaben für Spielergehälter stiegen ins Astronomische, die Spieler, u.a. auch Anfang, sollen nach damaligen Verhältnissen fürstlich verdient haben.

Entlassung als Glücksfall
Die 1. Frage, die Jogi Löw nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft zu hören bekam: “War der Rauswurf bei der Austria die größte Ungerechtigkeit, die Ihnen je widerfahren ist?”

Die Austria war Löws 2. Station in Österreich. Zuvor hatte er 2001 den amtierenden Meister FC Tirol von Kurt Jara übernommen und zum 3. Titel in Folge geführt. Trotz Spielern, die ein halbes Jahr keine Gehälter bekamen. Am Ende der Saison stand der Meistertitel, der Konkurs und Löw ohne Verein da.

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2006 wurde Löw Cheftrainer beim DFB, Hansi Flick der neue Co-Trainer, by Tomukas – Thomas Holbach, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

2003 nahm ihn Austria Wien unter Vertrag, wo er und Frank Strohnach sich aneinander abarbeiteten. Der Vereinsmäzen saß am längeren Hebel und entließ Löw nach einer Niederlage beim Tabellenletzten. Sein Team stand zu diesem Zeitpunkt dennoch auf Platz 1 in der Meisterschaft. Am Ende der Saison sollte es für die Austria ohne Trainer Löw nur zur Vizemeisterschaft reichen.

Kurz nach der Entlassung in Wien wurde Löw Co-Trainer von Jürgen Klinsmann – von daher fiel seine Antwort auf der Weltmeister-PK relativ versöhnlich aus: “Nachbetrachtet war es nicht die größte Ungerechtigkeit, sondern das größte Glück.”

Doch könnte Sturm Graz nun wieder in die Fußstapfen der Tiroler steigen? Leider nicht. Mit Platz Vier und somit keiner Teilnahme an einem Europacup, mussten nach der Saison 2000/01  viele Stars abgegeben und durch Jugendspieler ersetzt werden. Der Umbruch im Team gelang 2001/02 mit der Vizemeisterschaft, doch sowohl Osim als auch Vastic verließen Graz 2002. Beide genießen bei Sturm noch heute Legendenstatus und zählen zu den prägenden Figuren des Vereins. Ihr Abgang markierte auch das Ende einer Ära. Es folgte eine sportliche wie wirtschaftliche Talfahrt. Der Vorzeigeverein wurde zu Mittelmaß, zudem plagten die Grazer finanzielle Probleme. Innerhalb kürzester Zeit verschwanden zwei Großmächte aus der Spitze des österreichischen Fußballs.

Austria Wien – nachhaltiger Erfolg dank Magna-Millionen

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Frank Stronach (2008), Steindy, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons

Anders sah das bei der Wiener Austria aus. Während die Violetten in den 90ern viele ihrer Stars abgeben mussten, kam zur Jahrtausendwende mit Frank Stronach einer der ersten modernen Mäzene in den österreichischen Fußball. Frank Stronach, geboren als Franz Strohsack, ist ein austro-kanadischer Industrieller und Besitzer der Firma Magna. Er soll im Alter von 20 Jahren mit nur 200 Dollar in der Tasche nach Kanada ausgewandert sein und dort erste Erfolge als Autozulieferer gefeiert haben. So große Erfolge, dass er sich heute Milliardär nennen darf. Der Austro-Kanadier setzte es sich zum Ziel, die Austria international groß aufspielen zu lassen, so investierte Stronach sein Geld in Stadion, Jugendakademie, Kader und verschiedenste Trainer. Rund 100 Mio. Euro soll er über die Jahre in den österreichischen Fußball und insbesondere in die Austria investiert haben.

Und tatsächlich, mit dem Einstieg von Magna folgten einige gute Spielereinkäufe. Aber Stronach war ein Unruhestifter, immer wieder kam es zu Problemen mit Spielern oder Vorstand. Dennoch konnte in der Saison 2002/03 unter Christoph Daum der erste Meistertitel seit zehn Jahren gefeiert werden. Der Meistertrainer ging zu Fenerbahce Istanbul und wurde von einem anderen Deutschen ersetzt: Jogi Löw, der wiederum nach nur acht Monaten entlassen wurde. Stronach unterstellte ihm, er sei einfach kein Siegertyp. Die Veilchen wurden in der gleichen Saison übrigens mit nur einem Punkt Rückstand Vizemeister. Meister wurde ein Grazer Verein, jedoch nicht Sturm Graz, aber dazu später mehr.

Der womöglich größte Erfolg der Wiener Austria war in der Saison 2004/05. Im UEFA-Cup bekam man Real Saragossa, den FC Brügge, den FC Utrecht und Dnipro Dnipropetrowsk zugelost. Mit zwei Siegen und einem Unentschieden landete man auf Platz 3 und qualifizierte sich somit für das Sechzehntelfinale. Dort schlug man Athletic Bilbao mit einem Gesamtscore von 2:1 und auch im Achtelfinale wusste man den nächsten spanischen Gegner auszuschalten. Die Austria feierte einen 3:3-Erfolg gegen Real Saragossa und erreichte aufgrund der Auswärtstorregel das Viertelfinale des UEFA-Cups. Erst dort war für die Wiener Schluss. Mit einem 1:1 zu Hause und einem 0:0 auswärts scheitere man knapp an der Auswärtstorregel gegen Parma. Auch in den nächsten Jahren zählte die Austria zu den großen Mannschaften der Liga, man bestach vor allem durch eine gute Mischung aus Stars und Eigenbauspielern, aber im Herbst 2005 gab Stronach seinen schrittweisen Ausstieg als Mäzen bekannt. Sein Unternehmen Magna zog sich als Hauptsponsor im Jahr 2008 zurück.

Das andere Graz – die nächste Pleite

Aber wer wurde nun Meister in der Saison 2003/04? Der GAK, Grazer Athletiksport Klub. Wird wohl wenigen bekannt sein, spielte jedoch im Schatten des Rivalen Sturm Graz und des FC Tirols immer eine erfolgreiche Rolle. Den meisten Lesern sagt der Vereinsname wenig, aber eventuell erinnert man sich noch an einen ganz speziellen litauischen Trainer, der quasi über Nacht das Traineramt beim GAK übernahm – Hape Kerkeling eroberte die Herzen der österreichischen Profis im Sturm.

Die Grazer feierten 2004 ihren ersten Meistertitel und bildeten zusammen mit der Wiener Austria die neuen Topmannschaften des Landes. Auch international wusste man zu überraschen. Ab 1996/97 war man fast zehn Jahre in Folge für den Europapokal bzw. dessen Qualirunden qualifiziert. In der Champions League-Qualifikation 2004/05 traf man auf Liverpool. Kaum einer hätte sich gedacht, dass der GAK an der Anfield Road mit 0:1 gewinnt, Schade nur, dass man im Hinspiel zuvor mit 0:2 verloren hatte. Dennoch ein großer Achtungserfolg für die Grazer, besiegte man immerhin den späteren Champions League-Sieger, die einzige internationale Heimniederlage der Reds der Saison übrigens. Dies entging auch nicht den Engländern. Emanuel Pogatetz, Leihgabe von Bayer Leverkusen, spielte gegen die Reds groß auf und spielte sich somit auf den Notizzettel einiger Scouts. Am Ende der Saison landete Mad Dog für rund 2,7 Millionen Euro schließlich bei Middlesbrough.

Doch von da an ging es auch für den nächsten Grazer Verein bergab. Im März 2007 meldete der GAK Konkurs an, die Gesamtschulden beliefen sich auf mehr als 15 Millionen Euro. Es folgten Punktabzüge (darunter ein rekordverdächtiger Abzug von 28 Zählern) und Abstiege bis in die Drittklassigkeit. Das erste Jahr in der Regionalliga Mitte beendete man mit Jugend- und Amateurspielern auf Platz Drei, trotz sportlichen Erfolges musste man jedoch erneut Konkurs anmelden. Im Jahr 2012 folgte der vierte Konkursantrag und man musste den Spielbetrieb einstellen. Fans kauften sich auf einer eigens eingestellten Homepage noch einmal alle letzten GAK-Gegenstände die es gab, seien es Trikots, Bälle, Trinkflaschen oder gar Kühlschränke. Zwei Monate später kam es zu einem Neuanfang, als ehemalige GAK-Mitglieder entschieden, einen neuen Verein namens GAC zu gründen. Dieser wurde später in FC Gratkorn, dann GAK², dann wieder FC Gratkorn, GAC/GAK und schließlich in GAK 1902 umbenannt. Im Frühling 2014 feierten die Grazer den Meistertitel in der 1. Klasse Mitte A, der achthöchsten Liga Österreich.

Der FC Tirol, Sturm Graz und der Grazer AK waren die spektakulärsten Pleiten im österreichischen Fußball. Immer wieder scheiterten in Österreich risikofreudige Klubchefs an ihrer Großmannssucht. Die europäische Königsklasse im Blick wurde ein ums andere Mal ein viel zu teurer Kader zusammengestellt, der im Hintergrund einen Schuldenberg wachsen ließ. Schillernde Persönlichkeiten wie der nie kleckernd immer klotzende Sturm Graz-Boss Hannes Kartnig wurden hofiert – auch von den deutschen Medien – der Spiegel widmete dem “Sonnenkönig” 2000 ein Porträt. Die Details der Machenschaften in den Bundesliga-Hinterzimmern kamen im Lauf der Jahre zutage – für die Bezahlung der Kicker wurden alle Möglichkeiten – legale und illegale – ausgeschöpft und in Erinnerung bleibt auch die Posse um die Verantwortlichen beim FC Tirol, die in ihrer Verzweiflung auf ein dubioses Angebot hereinfielen: in Erwartung eines Kredits überwiesen sie 750.000 € nach Übersee. Sie sollten ihr Geld nie wiedersehen. Die Schweizer Tageswoche fasst die Kapriolen lesenswert zusammen.

Umzug mit Hindernissen

Während viele Vereine Anfang des neuen Jahrtausends schwankten, machte ein Team aus Oberösterreich in der Zwischenzeit alles richtig. Mit der Hilfe des Sponsors Superfund, ein Investment-Unternehmen, wurde aus dem Dorfverein einer der bestgeführten Klubs Österreichs. Der FC Superfund Pasching verbrachte fünf Jahre in der Bundesliga und hätte womöglich noch so einige Jahre dort verbringen können, wenn da nicht…

So manchem Werder Bremen-Fan könnte der Verein aus der 7.000-Einwohner-Gemeinde noch in Erinnerung geblieben sein, denn die Paschinger schlugen Werder in der Saison 2003/04 im UI-Cup mit 4:0 – und scheiterte leider später an Schalke 04. Die Saison wurde zudem auf Platz Drei beendet, was die Mannschaft zur Teilnahme an der UEFA-Cup-Qualifikation berechtigte. Jedoch schied man bereits in der 2. Runde gegen Zenit St. Petersburg aufgrund der Auswärtstorregel aus. Die folgende Saison beendeten die Oberösterreicher auf Platz Vier. Das Spiel wiederholte sich: erneut 2. Runde, erneut Zenit, erneut die blöde Auswärtstorregel. 2005/06 war keine gute Saison für österreichische Vereine. In der 1. Runde – der Runde vor der Gruppenphase – schieden Austria Wien (2:2 (a) gegen Viking Stavanger) und GAK (0:7 gegen Racing Straßburg) aus.

 

In Pasching ließ man sich davon nicht aus der Ruhe bringen und erreichte Platz Drei in der Saison. Endlich hatte es geklappt: Fixplatz UEFA-Cup. Während es die Austria 2006/07 in die Gruppenphase schaffte (und dort mit null Punkten ausschied) scheiterte Pasching an Livorno mit einem Gesamtscore von 3:0. Die Saison beendeten die Paschinger auf Platz Fünf…und in einem anderen Bundesland.

Richtig verstanden. Die Oberösterreicher entschieden bei einer Generalversammlung den Umzug vom nördlichen Oberösterreich in den Süden nach Klagenfurt, Kärnten, wo kurz zuvor der FC Kärnten gestrauchelt war. Ganz nach amerikanischer Art sollte der Verein das Aushängeschild des Kärntner Fußballs werden und zudem das Spielzeug des Politikers Jörg Haider. Der SK Austria Kärnten wurde geboren. Wie kam es dazu? Ganz einfach: Jörg Haider, Politiker und Ex-Präsident des bereits aufgelösten FC Kärnten traf sich zu Verhandlungen mit Pasching-Präsident und –Geldgeber Franz Grad, nach kurzer – und völlig dubioser – Generalversammlung wurde beschlossen den FC Pasching nach Kärnten zu lotsen und komplett umzukrempeln.

Neues Logo, neue Vereinsfarben, neuer Name, neuer Sponsor, neues Stadion, neuer Vorstand. Geführt wurde der Verein von vielen Kollegen Haiders. Spendabel wurde ein neues, modernes Stadion gebaut. Dank der Bild-Zeitung kennen viele das Stadion womöglich als „Klagenfurz“ von der EM 2008. Das Wörthersee Stadion kostete 92 Millionen Euro, bietet für 32.000 Besucher Platz und wurde rechtzeitig mit dem Umzug der Paschinger fertig. Doch sportlich fand der Verein nie in die Spur, um das Stadion auch nur annähernd füllen zu können. Geplagt von vielen Trainerwechseln und finanziellen Problemen, folgte nach dem sportlichen Abstieg 2010 auch wenig später der finanzielle. Der Verein hatte mit Jörg Haiders Tod im Oktober 2008 sein Zugpferd verloren. Das Land war nicht bereit, für die Schulden des Vereins zu haften und so musste Austria Kärnten Insolvenz anmelden und fand sich in der Regionalliga Mitte wieder. Von da an stand das Stadion leer und fing zu bröckeln an. Vor wenigen Monaten wurde ein Vertrag ausgehandelt der das Stadion zumindest zum Austragungsort für die nächsten ÖFB-Cup-Finals macht.

Dieser Text markiert den Start einer kleinen Serie – Fortsetzung folgt…

Saison Meister Vize Torjäger Größter Transfer
97/98 Sturm Graz Rapid Wien Geir Frigård (23) Alex Manninger zu Arsenal (1,5 Mio.)
98/99 Sturm Graz Rapid Wien Edi Glieder (22) Vidar Riseth zu Celtic (2,5 Mio.)
99/00 FC Tirol Innsbruck Sturm Graz Ivica Vastic (32) Mario Haas zu Straßburg (3,1 Mio.)
00/01 FC Tirol Innsbruck Rapid Wien Radoslaw Gilewicz (22) Charles Amoah zu Sturm Graz (3,9 Mio.)
01/02 FC Tirol Innsbruck Sturm Graz Ronald Brunmayr (27) Francisco Rojas zu Sturm Graz (2,7 Mio.)
02/03 FK Austria Wien Grazer AK Axel Lawaree (21) Sigurd Rushfeldt zu Austria Wien (1,8 Mio.)
03/04 Grazer AK FK Austria Wien Roland Kollmann (27) Peter Kabat zu FC Kärnten (0,7 Mio.)
Kategorie q 120minuten

Endreas Müller heißt in Wirklichkeit ganz anders und beschäftigt sich schon länger mit Fußball im Allgemeinen und dem Bloggen im Besonderen. Vor einiger Zeit stellte er sich gemeinsam mit Christoph Wagner die Frage, warum es eigentlich in der deutschen Blogosphäre noch keine Plattform für lange Fußballtexte gibt – die Idee von ‚120minuten’ war geboren.

2 Kommentare

  1. Pingback: Texte | Marco Stein

  2. zwei drei kleine anmerkungen zum grundsätzlich hervorragend text marcos:

    der fc gratkorn war ein eigener verein aus dem gleichnamigen grazer vorort, der sieben jahre zweitliga gespielt hatte und zu dem zeitpunkt gerade in liga 3 ähnliche geldprobleme wie der gak hatte. gak² (gak/GrAtKorn) war ein hirngespinst des fc gratkorn und einzelner gak funktionäre, beide vereine zu bündeln. da waren aber auf gak-seite alle (zurecht) dagegen.

    das verhältnis fc kärnten/austria kärnten ist auch etwas komplexer. der fc kärnten war mitnichten aufgelöst (und ist es bis heute nicht, da noch immer rechtsansprüche bestehen), sondern hatte sich erdreistet in liga 2 abzusteigen, woraufhin der erfolgshungrige jörg haider den pasching-plan ausheckte und es somit zwei fast gleichnamige vereine in den beiden obersten ligen gab (der fc kärnten zog sich zwei jahre später nach einem weiteren abstieg und einem konkursverfahren gänzlich vom spielbetrieb zurück)

    aber ja, sehr schöner text, guter überblick über diese jahre im ö-fußball!

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