Fußball als komplexer Sport

Und warum manche das nicht wahr haben wollen

Autor: Lukas Tank, footballarguments.wordpress.com

Tagtäglich liefert uns die Sportberichterstattung Antwort auf die Frage, warum Mannschaft X gegen Mannschaft Y gewonnen hat und warum jener Spieler besser oder schlechter ist als ein anderer. Bei der Ursachenforschung gehen die Meinungen auseinander. Gibt es noch die einfachen Erklärungen? Oder ist Fußball eine hochkomplexe Angelegenheit, bei der man den Spielausgang nicht mit einem schnöden „Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen“ abtun kann? Ein Debattenbeitrag.

rubik

Die deutsche Fußballöffentlichkeit teilt sich in zwei Lager: einerseits diejenigen, die verstehen, dass Fußball ein komplexer Sport ist, und andererseits diejenigen, die dies nicht verstehen (wollen). Dieses Schisma zieht sich durch alle Ebenen – Fans, Journalisten, Spieler, Trainer – und spiegelt sich in einer Vielzahl von Debatten wieder. Erinnert sei hier zum Beispiel an die von Mehmet Scholl entfachte Diskussion um die „Laptoptrainer“. Auch, als verhandelt wurde, wie die Arbeit von Pep Guardiola beim FC Bayern zu bewerten sei, kam diese Zweiteilung immer mal wieder an die Oberfläche des Fußballdiskurses. Und auch auf dieser Seite ging es schon einmal um die Frage nach der Komplexität des Fußballs, als Endreas Müller diskutierte, ob der Taktikblog Spielverlagerung.de sich einer unnötig komplizierten Sprache bediene. Ganz aktuell sprach Sami Khedira folgende Worte:

„Seit Pep Guardiola nach Deutschland gekommen ist, denkt offenbar jeder, er muss den Fußball neu erfinden, das ist ja irrsinnig. Fußball ist mehr als Taktik, es ist und bleibt ein einfaches Spiel.”

Ich vertrete die These, dass die Art, wie in Deutschland über Fußball gesprochen wird, mit der Entwicklung des Fußballs zu einer immer professionelleren und vielschichtigeren Sportart nicht mitgehalten hat. Natürlich ist damit nicht gemeint, dass die Komplexität des Fußballs von allen unterschätzt wird. Wie in meinem Eingangsstatement gesagt, kann man grob zwei Lager abgrenzen. Die, die sich der Komplexität zumindest bewusst sind und die, die sie nicht sehen oder sie ignorieren.

Wie komplex ist Fußball überhaupt?

Zunächst ein paar Worte, um klar zu machen, was ich genau meine, wenn ich sage, Fußball sei komplex: Fußball ist offenkundig kein Spiel, welches nur sehr schwer und unter großen geistigen Anstrengungen gespielt werden kann. Das kann also schon einmal nicht gemeint sein. Fußball ist insofern komplex, als dass auf dem Platz enorm komplizierte Wechselwirkungen stattfinden, die zu verstehen tatsächlich große geistige Anstrengung fordert. Fußball ist also, so meine These, vielleicht nicht allzu schwer zu spielen, aber doch enorm schwer zu verstehen.

Aber sprechen die Engländer nicht sogar von „the simple game“? Was kann an ein paar Leuten, die auf einer grünen Wiese das Runde ins Eckige befördern wollen, schon so furchtbar verworren sein? Eine ganze Menge, möchte ich meinen. Mir fällt, ehrlich gesagt, kaum eine komplexere Sportart ein. Fußball ist u.a. deshalb „the simple game“, weil es mit wenigen Regeln auskommt. In diesem Sinne ist der Fußball tatsächlich ein recht einfaches Spiel. Aber andererseits begrenzen Regeln auch Komplexität. Fußball ist u.a. deshalb so vielschichtig, weil diese Eingrenzung recht spärlich ausfällt. Um sich die Komplexität begrenzende Funktion von Regeln vor Augen zu führen, lohnt ein Blick auf ein außersportliches Beispiel: Die deutsche Straßenverkehrsordnung ist ohne Zweifel sehr kompliziert. Und auch das Gewusel auf unseren Straßen, welches sich im Großen und Ganzen diesen Regeln unterwirft, ist sehr unübersichtlich. Aber man stelle sich vor, wie undurchdringbar das Geschehen auf unseren Straßen wäre, wenn die Straßenverkehrsordnung nicht oder nur rudimentär gelten würde. Ein Betrachter, der von oben eine große Kreuzung betrachten würde, sähe nur ein heilloses Durcheinander.

Fußball zu spielen, ist einfach – Fußball zu verstehen, ist kompliziert.

Die „Straßenverkehrsordnung“ für den Fußballplatz ist im Vergleich zu den Regelwerken anderer Sportarten recht simpel. Sie lässt viele Möglichkeiten offen und zwängt den Fußball nicht in einfache Schablonen. Man vergleiche den Fußball mit Sportarten, die sozusagen nur aus einer Handvoll Standardsituationstypen bestehen wie American Football oder Baseball. Die Regelwerke dieser Sportarten sind deutlich restriktiver und begrenzen damit die Komplexität der jeweiligen Sportart. In anderen Sportarten ist es so, dass die Komplexität dadurch begrenzt wird, indem die Menge der Erfolg versprechenden Strategien und Taktiken kleiner ist. Im Handball und Basketball wird z.B. eigentlich immer nur in der Nähe der beiden Tore bzw. Körbe gespielt. Die Spielfeldmitte dient nur dem Transit. Damit verringert sich die effektive Spielfeldgröße, was wiederum, so denke ich, tendenziell mit einem Komplexitätsverlust einhergeht. Im Fußball sieht die Sache anders aus. Da wird quasi der ganze Platz zu ungefähr ähnlichen Teilen bespielt. (Es sei denn man ist Guardiolas Barcelona. Dann bespielt man nur eine Zone um den gegnerischen Strafraum.)

Und nicht nur, dass im Fußball der gesamte Platz genutzt wird, dieser Platz ist auch noch riesig groß! Das wiederum ist eng damit verbunden, dass Fußball von vergleichsweise großen Mannschaften gespielt wird. Ich fasse zusammen: Fußball ist ein Sport, in dem sich sehr viele Spieler auf einem sehr großen und als ganzem genutzten Feld ziemlich free-flowing und nur von wenigen Regeln eingezwängt bewegen. Das schreit Komplexität! Ich würde behaupten, Handball ist weniger komplex, Basketball ist weniger komplex, jede Individualsportart ist weniger komplex, American Football ist weniger komplex und auch Schach ist weniger komplex als Fußball: tote Spielfiguren, Zeit zum Nachdenken zwischen den Zügen – wie simpel! Professionelle Schachspieler haben mit Sicherheit ein größeres Verständnis für die Komplexität des Schachspiels als der durchschnittliche Fußballer in Sachen Fußball. Aber ein Spielbrett mit festgelegten Pfaden ist nun mal etwas anderes als die unendlich vielen Varianten, die der Fußball bereithält. Mit der Vielschichtigkeit des Fußballs mithalten, können höchstens Sportarten wie Rugby und Aussie Rules Football. Zusammenfassend kann man festhalten: Fußball zu spielen, ist einfach – Fußball zu verstehen, ist kompliziert.

Warum wird Fußball unterschätzt?

Um die Komplexität einer Sache zu wissen, heißt noch nicht, dass man sie selbst vollständig durchschaut. Ich weiß zum Beispiel: Quantenphysik ist keine triviale Angelegenheit und ich habe quasi null Ahnung von Quantenphysik. Wenn man anerkennt, dass eine Sache unübersichtlich verflochten ist, sollte man daraus jedoch für sich einige Schlüsse ziehen. Zum Beispiel, dass es nicht angebracht ist, auf die Probleme der Quantenphysik zu reagieren, indem man kategorisch festhält, dass die Quantenphysiker nur die (Physiker-)Hymne fester mitsingen und allgemein mit mehr Herzblut bei der Sache sein müssten, damit sich alle Probleme dieses Teilgebiets der Physik endlich auflösen.

Warum wird die Komplexität des Fußballs von vielen unterschätzt? Hier einige Überlegungen:

Fußball als „low scoring game“ verleitet dazu, sich in der Betrachtung des Spiels auf Einzelereignisse zu beschränken und die tieferliegenden Strukturen zu ignorieren. In „high scoring games“ wie Basketball oder Handball erliegt man weniger schnell dieser Versuchung. Wenn ein Basketballspiel 110:99 ausgeht, erschließt sich jedem, dass keiner der vielen dutzend Würfe und schon gar nicht der Wurf, der zum Endergebnis führte, die ganze Story des Spiels ausmacht. „High scoring games“ verleiten zu einem strukturorientierteren Blick, welcher zumindest bessere Chancen hat, die Komplexität eines Spiels einzufangen. Man denke nur an die Allgegenwart von statistischen Analysen im Basketball und anderen US-Sportarten.

Ein weiterer Grund dafür, Fußball als relativ einfaches Spiel zu betrachten, liegt in der Tatsache begründet, dass Fußball im Vergleich zu anderen Sportarten ein extrem komplexes Spiel ist. Das mag nun erst einmal kurios klingen, aber ich denke, man kann die Logik hinter dieser Idee so plausibilisieren: Wir haben es hier mit einem Fall zu tun, in dem man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Die Komplexität im Fußball ist so erschlagend groß, dass sie eher ignoriert wird als dies in anderen, weniger komplizierten Sportarten der Fall ist.

Der Fußball realisiert heute mehr von der ihm schon immer inhärenten Komplexität. Teile der Fußballöffentlichkeit sind diese Entwicklung nicht mitgegangen.

Der Fußball entwickelt sich stetig weiter und hierin könnte eine weitere Ursache liegen, warum die Komplexität des Fußballs von so vielen unterschätzt wird. Vor 30 Jahren war der Fußball einfacher und einfache Erklärungen hatten eine größere Chance, der Wahrheit zumindest nahezukommen. Wenn beide Mannschaften z.B. konsequent manndecken, wie es früher insbesondere im deutschen Fußball üblich war, und ein Manndecker seinen Gegenspieler verliert und daraus ein Tor resultiert, dann ist die Fehlerdiagnose in der Tat nicht allzu schwer. Man zeigt einfach auf den schlafmützigen Spieler in der Nähe des Torschützen und hat mit einiger Sicherheit den Schuldigen gefunden. Der Fußball hat sich jedoch immer weiter von so einfachen taktischen Mitteln weg entwickelt. Man könnte auch sagen: Der Fußball realisiert heute mehr von der ihm schon immer inhärenten potentiellen Komplexität. Teile der Fußballöffentlichkeit sind diese Entwicklung nicht mitgegangen und verwehren sich der Idee, dass sich der Gegenstand ihres Interesses verändert hat, während sie selbst auf der Stelle treten.

Ich sprach schon an: Fußball ist in mancher Hinsicht tatsächlich „the simple game“. Er hat wenige Regeln und benötigt wenig Equipment. Fußball ist daher ein einfach zu spielendes Spiel. Und auch als Fußballschauer versteht man sehr schnell die grundsätzlichen Charakteristika des Spiels: Das Runde muss ins Eckige. All dies verleitet zu der Annahme, dass sich hinter diesen Dingen keine allzu große Komplexität verbergen kann. Aber dies ist ein Fehlschluss. Nur weil die Grundrechenarten in Nullkommanix gelernt sind, heißt das noch nicht, dass Mathematik nicht etwas unendlich Kompliziertes ist. Ungefähr so verhält es sich auch mit dem Fußball.
(Wobei ich natürlich nicht sagen will, Fußball wäre so kompliziert wie Mathe! Analogien ≠ Gleichsetzung.)

Schlussendlich noch eine kulturelle Erklärung: Fußball hat in Deutschland immer noch (wenn auch nicht mehr so wie früher) das Image, der Sport des kleinen Mannes und der Arbeiterschicht zu sein. Dies wird leider oft verbunden mit einer großen Skepsis gegenüber allem, was nach Intellektualisierung klingt. Ich verstehe durchaus den Reiz, Fußball als ganz und gar nicht elitären Sport zu verstehen. Aber der Fußball ist, wie er ist. Man kann es sich nicht aussuchen. Er ist heutzutage zu einem sehr vielschichtigen Spiel geworden und dies zu ignorieren heißt, ihn zu verkennen.

sartre

Fußball ist komplex – so what?

So viel zur Diagnose. Ich habe versucht, zu zeigen, dass Fußball ein sehr komplexes Spiel ist und nach Gründen gesucht, warum dies von vielen nicht erkannt wird. Was nun? Will ich etwa behaupten, dass man nur noch wissenschaftlich-intellektuell über Fußball reden und schreiben darf? Muss jeder Sportteil zu einer Printausgabe von Spielverlagerung.de werden und muss am Stammtisch ab jetzt die Taktiktafel stehen? Nein, nichts von dem, was ich gesagt habe, sollte dies implizieren. Es gibt tausende Wege, über Fußball zu denken, zu reden und zu schreiben. Viele davon haben ihre Berechtigung.

Drei Folgerungen, so glaube ich, ergeben sich aber doch aus dem Gesagten: Die erste hat mit denjenigen Menschen zu tun, die versuchen, Fußball in all seiner Vielschichtigkeit zu verstehen. Es gibt keinen Grund, ihren Bemühungen grundsätzlich skeptisch gegenüberzustehen. Das heißt natürlich nicht, dass man Stil und Inhalt detaillierter statistischer Auswertungen oder auch von Taktikanalysen nicht hinterfragen soll – ganz im Gegenteil! Tut man dies mit guten Argumenten, so trägt man umso mehr dazu bei, den Fußball als komplexen Sport ernst zu nehmen. Man muss die Tatsache, dass Fußball ein komplexes Spiel ist, auch nicht mögen, aber das ändert nichts am Fakt, dass es so ist. Also: Don’t shoot the messenger.

Die zweite Folgerung hat mit den Menschen zu tun, die die Komplexität des Fußballs gerade nicht vollends oder auch nur zu relativ großen Teilen durchschauen – eine Gruppe, zu der ich mich selbst zählen würde. Wir sollten mit unseren Werturteilen vorsichtig sein. Wenn man von etwas nur beschränkt Ahnung hat, dann sollte man den eigenen wertenden Meinungen auch nur beschränkt trauen. Es besteht schließlich immer die Möglichkeit, dass die Dinge komplizierter sind als man denkt. Das heißt natürlich nicht, dass man nicht seine Meinung sagen sollte! Aber man sollte sich zumindest kritikfähig zeigen und die Möglichkeit ernsthaft in Betracht ziehen, dass das Gegenüber mehr von der Materie versteht als man selbst.

Schlussendlich ein Punkt, der insbesondere Sportjournalisten betrifft. Journalistenschelte in einer Zeit, wo so etwas ein unseliger Teil des Zeitgeistes ist, bereitet mir zwar Bauchschmerzen, aber ich denke Folgendes lässt sich doch sagen: Wie über Fußball geschrieben wird, entbehrt zu oft einem Verständnis der Komplexität des Spiels. Und was schlimmer ist: dies wird sogar noch positiv konnotiert. Ich erinnere nur an die exzessive Guardiola-Kritik, die immer wieder mit anti-intellektualistischen Untertönen daherkam: Der katalanische Fußballprofessor soll nicht unseren einfachen Fußball kaputtmachen! Man stelle sich zum Vergleich Auto- oder Computerjournalisten vor, die strukturell ähnliche Thesen vertreten: Das neue MacBook macht uns unseren einfachen Computer kaputt! Absurde Vorstellung. Komplexität sollte der Freund des Fußballjournalisten sein. Nur weil der Sport, über den sie berichten, nicht einfach zu durchdringen ist, bedarf es ihrer Expertise, um ihn verständlicher zu machen. Fußballfans können machen, was sie wollen, aber Fachjournalisten sollten sich ein gewisses Maß an Fachkenntnis aneignen.

Fußball wird gespielt, um Ergebnisse zu erzielen, aber Ergebnisse sind nicht der einzige und oft auch nicht der beste Maßstab in der Bewertung.

Nun besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass die allermeisten Journalisten eigentlich eine hervorragende Kenntnis der Materie haben, diese aber in ihrer Berichterstattung nicht zeigen. Mir persönlich drängt sich dieser Eindruck häufiger in Gesprächen mit Fußballjournalisten auf Twitter auf.  Ich denke, hierzu lässt sich Folgendes sagen: Es gibt tatsächlich keinen Grund, die Komplexität des Fußballs stets mit in die Berichterstattung einfließen zu lassen. Wenn man über Fans, Spielerfrauen oder die neuesten Frisuren schreibt, dann tut es schlicht nichts zur Sache, dass Fußball eine komplizierte Angelegenheit ist. So viel sei zugegeben. Problematisch wird es jedoch, wenn man über das Spiel an sich schreibt. Und noch problematischer wird, wenn man wertend über das Spiel an sich, z.B. über Mannschaften, Einzelspieler oder Trainer, schreibt und gleichzeitig ausblendet, wie komplex der Fußball ist. Das wird dann schnell unfair gegenüber den Beteiligten. Ein Beispiel: der allgegenwärtige Ergebnis-Fokus in der Berichterstattung. Fußball wird gespielt, um Ergebnisse zu erzielen, aber Ergebnisse sind nicht der einzige und oft auch nicht der beste Maßstab in der Bewertung. Ein Trainer, der nicht das Triple gewonnen hat, kann hervorragend gearbeitet haben. Ein Stürmer, der getroffen hat, kann schlecht gespielt haben. Ein Spieler der Verlierermannschaft kann brilliert haben. Der Plan eines Trainers kann scheitern, aber die richtige Idee gewesen sein. Ein Schuss kann treffen und trotzdem eine schlechte Idee gewesen sein. Wer diese und ähnliche Komplexität des Fußballs ignoriert und trotzdem wertet, der handelt unfair und verkauft sich unter Wert. Besonders Letzteres gilt insbesondere für Fußballjournalisten.

Um Fußball zu verstehen und ihn zu erklären, sind tiefgreifende Analysen und Differenzierung notwendig. Wer nur Schwarz und Weiß kennt, wird selten zum Kern dessen vordringen, was auf dem Platz passiert. Kurz und prägnant zu schreiben und dabei die Vielschichtigkeit und die Zusammenhänge nicht aus den Augen zu verlieren – das ist der Balanceakt, der gelungene Fußballberichterstattung ausmacht. Fußball ist zu kompliziert für einfache Erklärungen. Oder nicht?

pablo

 

Weiterhören – der Podcast mit Autor Lukas Tank

Episode 1: “Fußball als komplexer Sport” mit Lukas Tank

In unserer allerersten Folge des 120minuten-Podcasts (keine Angst, er geht nur ungefähr eine handelsübliche Halbzeit) sprechen wir mit Lukas Tank über seinen Text “Fußball als komplexer Sport”. Lukas findet Ihr auf Twitter als @SergiXaviniesta, sein Blog “football arguments” erreicht Ihr unter https://footballarguments.wordpress.com/.

Wir freuen uns auf Euer Feedback zur Premierenfolge und selbstverständlich auch über weitere Kommentare zum Thema “Fußball und Komplexität” auf Facebook, Twitter oder direkt unter Lukas’ Beitrag auf 120minuten.net!

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Beitragsbild: Wir bedanken uns bei Hernán Piñera für das Foto “Rubik” zu diesem Beitrag. Mehr von Hernán Piñera gibt es bei flickr. Lizenz CC BY-SA 2.0

By cchana from London, UK – Bill Shankly, CC BY 2.0

16 Kommentare

  1. Bernhard

    Sehr gut geschriebener Artikel, der die Problematik im Fußballdiskurs gut zusammenfasst.

  2. Fußballfreund

    Danke! Ein sehr informativ und verständlich geschriebener Artikel, der mich persönlich zum Nachdenken angeregt hat

  3. Den Kernpunkt, dass Fußball komplexer ist, als er wahrgenommen wird oder auch von Medien dargestellt un analysiert wird, teile ich. Allerdings behandelt dieser Artikel so gut wie keine Argumente und hat keine logische Linie in der Erläuterung dessen – was insbersondere den ersten Teil auch zäh zu lesen macht. Der wiederholte Verweise auf weniger Regeln erscheint mir hier zu kurz gegriffen, denn Komplexität kan durchaus innerhalb eines größeren Regelwerks oder z.T. gerade dadurch entstehen. Basketball ist hier ein sehr gutes Beispiel, bei dem die Regeln für Auszeiten, Einwürfe, Fouls mit und ohne Bonus etc. von cleveren Spielern und Trainern als taktische Mittel eingesetzt werden. Beim Football entsteht die Komplexität auf eine vökllig andere Weise – durch die Begrenzung der Spielsitutationen durch das Regelwerk ist eine vile exaktere Ausführung von Spielzügen notwending. Diese Komplexität kennt der Fußball wegen der höheren Zahl der Freiheitsgrade nicht.
    So sehr ich mir auch eine komplexere Fußball-Analyse zu den Spielen wünschen würde, so sehr bleibt dieser Artikel eine echte Argumentation dafür schuldig.

    • vangaalsnase

      @ HAERI: Ich glaube, hier besteht eine abweichende Ansicht über den Begriff der Komplexität. Der Autor definiert Komplexität über die Anzahl von Handlungsmöglichkeiten. Und im Rahmen von Spielsportarten (hier: Invasionssportarten) ist dieser Definition auch zu folgen.

      Natürlich ist American Football (AF) komplex. Aber aufgrund des recht restriktiven Regelwerks gibt es deutlich weniger Möglichkeiten der Spielentwicklung. Würde man bspw. pro Spielzug mehr als nur einen Pass nach vorne erlauben, gäbe es allein aufgrund dieser simplen Regellockerung eine ungleich höhere Anzahl an potenziellen Spielentwicklungsmöglichkeiten. Es gäbe in der Folge nicht nur den Quarterback, der für das Passspiel verantwortlich ist. Nun bräuchte man weitere Spieler, die den Ball sowohl fangen, als auch konstruktiv weitergeben können. Für die Offense heißt das, es gibt mehr potenzielle Spielzüge; für die gegnerische Defense bringt das auf der anderen Seite eine viel schwierige Verteidigungssituation mit sich. Eben weil AF solch restriktive Regeln hat, kann man Spielzüge bis ins kleinste Detail planen. Jeder Spieler hat einen eng abgesteckten Aufgabenbereich. Im Fußball, wo jeder Feldspieler quasi alles darf, braucht es vielseitige Akteure. Und diese sich gegenseitig beeinflussenden Umstände führen zwangsläufig dazu, Fußball gegenüber dem AF als (deutlich) komplexer anzusehen.

      Im Basketball hat jedes Team nur 24 Sekunden Zeit, einen Abschluss zu kreieren. Dafür kann man bestimmte Strategien entwickeln (Triangle Offense, run and gun etc.). Solche Strategien kann man aber auch auf den Fußball übertragen. Da es im Fußball zudem keine Beschränkung hinsichtlich der Ballbesitzzeit gibt, kann man den eigenen Ballbesitz dazu nutzen, den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. Im Basketball geht das nicht. Wählt man im Fußball eine solche Herangehensweise, ergeben sich wiederum endlose Varianten der Umsetzung: Wie besetzen wir den Raum, um einerseits den Ball zu sichern und ihn zirkulieren zu lassen; und wie besetzen wir den Raum, um nicht sofort ausgekontert zu werden, wenn wir den Ball verlieren?

      Die Regeln im Basketball oder AF führen zwar zu besonderen Problemen, deren Lösungen einen hohen Schwierigkeitsgrad mit sich bringen, aber das macht diese Sportarten nicht komplexer. Komplexität, wie sie vom Autor definiert wird, ist nicht gleichbedeutend mit „schwierig“. Der wiederholte Verweis auf das Regelwerk ist demnach eben nicht zu kurz gegriffen, sondern ein wesentlicher Grund dafür, dass Fußball gegenüber dem AF oder dem Basketball komplexer ist.

      • Lukas Tank

        @HAERI @VANGAALSNASE
        Ich kann das, was VANGAALSNASE geschrieben hat, so unterschreiben. Ich würde schon sagen, dass ich Argumente dafür gebracht habe, warum Fußball eine komplexe Sportart ist. Was ich jedoch nicht getan habe, ist für diese These einen Beweis oder so etwas in der Art zu liefern. Den Anspruch stelle ich nicht. Insofern stimmt es auch, dass zusätzliche Regeln in manchen Fällen Komplexität steigern können. Der Verweis auf das dünne Fußballregelwerk ist daher kein Komplexitätsbeweis. Zusammen mit meinen und VANGAALSNASEs Ausführungen liefere ich aber eine Begründung für meine These. Es ist keine ultimative Begründung, der jeder Leser zwingend zustimmen muss und vielleicht ist es für Sie auch keine überzeugende Begründung, aber eine Begründung it is.

  4. Bernd Bandekow

    Die (scheinbare) Komplexität des Fussballs, gerade als “low-scoring Game” lässt sich eigentlich auf ein Wort reduzieren: Zufall. Wenn 22 Spieler über 90+ Minuten gegen- und miteinander agieren und das häufigste Ergebnis ein 1:0 ist, dann ist das zu einem grossen Teil zufallsbestimmt. Der Fuss trifft den Ball genau so und nicht 3mm weiter unten, das Bein des Abwehrspielers kommt zu spät oder nicht. Eine Täuschung führt dazu, dass der Gegner in die falsche Richtung läuft oder sie schlägt fehl. An einem guten Tag kann das schwächste Team gegen das stärkste gewinnen obwohl sie keine Chance haben, einfach weil alle gegnerischen Stürmer den Ball nicht treffen. Wenn man diese Zufälle mit Komplexität umschreibt, dann ist der Artikel völlig zutreffend. Allerdings macht gerade das den Reiz des Spieles aus und hält eine ganze Branche (teilweise sinnloser) Kommentatoren und Journalisten am Leben.
    Es gab mal eine Studie, die sich dem Zufall im Fussball gewidmet hat und die zum Ergebnis kam, dass die Bayern als die Mannschaft die immer (irgendwie) oben steht, einen immensen sportlichen Vorsprung haben muss um diesem Zufall über so lange Zeit entgegenzuwirken.

    • Lukas Tank

      Was es heißt, dass Komplexität sich auf Zufall reduzieren lässt, verstehe ich nicht richtig. Ich würde die Verbindung zwischen den beiden Begriffen eher so verstehen: Sehr hohe Komplexität geht oft mit einem großen Einfluss des Zufalls auf das Ergebnis einher, da sich in sehr komplexen Spielen der Zufall nur in geringem Maße unter Kontrolle bringen lässt. Komplexität und Zufall sind trotzdem zwei unterschiedliche Dinge, was man allein schon daran sieht, dass es einfache Spiele gibt, die stark zufallsabhängig sind. Man denke an einfache Glücksspiele.

  5. xperte84

    Die Komplexität des Fußballs nicht nur von einfachen Regeln ab udn ist v.a. auch kein Alleinstellungsmerkmal dse Fußballs.
    Wie ein User hier schon schrieb liegt es auch an der Anzahl der teilnehmenden Spieler, kombiniert mit der Dauer des Spiels. Und im Gegensatz zum Handball oder Basketball lässt sich der Ball mit dem Fuß weniger gut kontrollieren. Auch dieses Argument lässt der Autor außen vor.

    Nun zur Berichterstattung:
    Leider wird sie qualitativ immer mehr den Mainstreamkenntnissen der Fans angepasst.
    Gerade nach der WM 2006 hat die Zahl der Fußballinteressierten zugenommen, die Fußball lediglich konsumieren aber nicht verstehen (wollen/können). Ich glaube ein großer Teil der Journalisten hat mehr Ahnung von Fußball als man denkt, abe rsie zeigen es zu selten. Vielleicht auch deswegen ,weil man es dem Mainstreampublikum nicht zumuten kann, zu tief in die Analyse zu gehen. Deswegen immer mehr Show, immer mehr drumherum, immer mehr Fokus auf irgendwelche Geschichten statt auf das Spiel an sich.
    99% dessen, was in einem Live-Spiel oder einer Zusammenfassung eines Spiels gesagt wird, ist oberflächlicher Schwachsinn bzw. schlichtweg falsch.
    Ein gutes Beispiel für diesen Umstand ist die Phrase “verdient”; verdienter Sieg, verdientes Tor, verdiente Gelbe Karte, sogar verdiente Niederlagen.
    Als ginge es um Gerechtigkeit

    • Lukas Tank

      Wäre Fußball weniger komplex (in dem Sinne, den ich meine), wenn die Feldspieler den Ball mit der Hand spielen dürften? Genuine Frage, bin mir selbst unsicher.

      • Wie darf der Ball denn geworfen werden? Wie man möchte oder nur auf ca. Brusthöhe? Wenn ersteres, dann wäre er auf jeden Fall weniger komplex in meinen Augen.

  6. Ein zum Nachdenken anregender Artikel von großer Ausführlichkeit. Persönlich finde ich ihn leider aber auch oft arg repetitiv. Um zu schreiben, was man (eigentlich) meint und was man nicht impliziert, ist es nicht nötig, zig rhetorische Fragen vorwegzuschicken. 😉 Trotzdem: Wird gerne geteilt und wurde mit großer Freude gelesen!

  7. Ich glaube, der Autor hat in seinem Leben noch nie ein Handball oder Basketballspiel gesehen, geschweige denn gespielt. Die Kompelxität dieser Sportarten im vergleich zu Fussball ist so ähnlich wie das Verhältnis von Schach zu Halma. Wie sagt man in USA so schön: Fussball ist kein Sport, sondern eine Freizeitbeschäftigung (für Weicheier (meine persönliche Ergönzung))

  8. Hmm ich wuerde zwar dem Grundtenor des Artikels zustimmen das speziell die Analyse im Fussball sehr komplex ist, halte aber die Aussagen ueber Handball und Basketball fuer sehr fragwuerdig, und vor allem beim Schach fuer geradezu laecherlich(japanisches Go oder Shogi moegen zwar noch ein bisschen komplexer sein, aber trotz aller unterschaetzten Komplexitaet Fussball eher nicht).

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