Die EM und ich

oder: Über die Sucht

Autor: Alexander Schnarr, nurderfcm.de

In Teil 2 unseres EM-Rückblicks beschreibt Christoph, der in Paris lebt, seine Eindrücke von der Euro vor der Haustür – seine Euro-Notizen könnt ihr hier lesen.

Mein Name ist Alex und ich bin ein Junkie. Ein Fußballjunkie. Und: Ich habe versagt. Gründlich, vollständig und auf ganzer Linie. Ein kritisches, alternatives EM-Tagebuch wollte ich schreiben. Dokumentieren, wie es sich im Schland-Wahn lebt, wenn man versucht, sich dem UEFA-Festival der Unmöglichkeiten, das auch “Fußball-Europameisterschaft 2016” heißt, vollständig zu verweigern. Die Zeit einfach sinnvoll nutzt, anstatt jeden verdammten Abend vor dem Fernseher zu sitzen und sich so illustre Paarungen wie Island-Ungarn anzuschauen. Und nein, ich habe tatsächlich keine Ahnung, ob es diese Paarung überhaupt gab.

Also machte ich mich ans Werk, führte Tagebuch über mein Leben als EM-Verweigerer. Der letzte Eintrag stammt vom 22.06., da war die EM gerade mal 12 Tage alt und die Vorrunde just beendet. Selbstredend hatte ich inzwischen bereits mehr Spiele gesehen, als ich mir eigentlich für das ganze Turnier vorgenommen hatte. Die letzten Zeilen meines Selbstversuchs waren die folgenden:

“Natürlich verfolge ich mittlerweile aufmerksam und interessiert den Turnierverlauf. Gut, den deutschen jetzt nicht so, wenngleich ich seit einigen Tagen überlege, ob wir uns nicht auch das offizielle Waschmittel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft kaufen sollen. Nee, mehr so generell. Enttäuscht bin ich von Österreich, begeistert von Island. Ach verdammt, ich bin dann eben doch ein Süchtiger…. So, und ab jetzt wird die EM genossen. Scheißenocheins.”

Dabei hatte alles so gut angefangen. Bereits Mitte/Ende Mai begannen sich die virtuellen Tagebuchseiten zu füllen und fing ich damit an, meiner Abneigung gegen diese Kommerz-Veranstaltung Ausdruck zu verleihen. Was nun folgt, ist nicht weniger als:

Eine Chronologie des Scheiterns

18.05.2016

Morgens im Deutschlandfunk über die Nominierung des vorläufigen EM-Kaders informiert worden. Große Enttäuschung – Bundes-Jogi hatte wieder keinen Spieler des 1. FC Magdeburg berufen. Dafür aber Lukas Podolski. Der spielt noch?

19.05.2016

Erste Politiker posieren mit Deutschland-Trikots; der ballesterer hat die EURO als Titelthema. “Ihr jetzt auch?!” rufe ich anklagend in Richtung Fußballzeitschriftencover. Meine Rufe verhallen ungehört.

20.05.2016

Zugegeben, das ballesterer-EM-Special ist richtig gut. Also, gewohnt gut. Habe ich vom ballesterer ja eigentlich auch nicht anders erwartet. Die Klagerufe von gestern tun mir ein bisschen Leid, dafür lese ich jetzt aber auch doppelt so interessiert und dreimal so aufmerksam.

25.05.2016

Der Deutschlandfunk berichtet, dass die deutsche Mannschaft in irgendein Trainingslager reist und dass Löw noch Spieler aussortieren muss. Hallenhalma hätte mich dann doch noch ein wenig mehr gekickt, aber okay, man kann sich die Nachrichten nun mal nicht aussuchen.

27.05.2016

Redaktionskollege Christoph fragt wegen eines EM-Tippspiels an. Die Einschläge kommen näher.

29.05.2016

Gerade zurück von einem Familienkurztrip nach Moskau. Angenehm un-EM-ig dort. Deswegen sind wir da aber nicht hingefahren. Bei der Ankunft am Frankfurter Flughafen das Ergebnis des Testspiels gegen die Slowakei (1:3) gesehen. Den Nebenmann gefragt, ob er Wayne kennt. Tat er nicht, dafür guckte er komisch. Nun denn. Ich zuckte mit den Schultern und bestieg den Zug in Richtung Hauptbahnhof.

31.05.2016

Jogi Löw gibt seinen endgültigen Kader bekannt, Marco Reus fährt nicht mit. Ich empfinde nichts.

07.06.2016

Es wird so langsam schwieriger, der Europameisterschaft im Alltag zu entfliehen. Bei “Sport Aktuell” ist die EM dauernd Top-Thema und im Supermarkt gibt es schwarz-rot-goldene LED-Herzen und Toffifee in ebenjener Farbkombi im Jumbopack. Außerdem beschleicht mich das Gefühl, dass ich alles, was man über die EM wissen muss, tatsächlich aus der EM-Ausgabe des ballesterer erfahren kann. Die spannende Frage ist lediglich, ob ich das Heft bis zum Turnierauftakt auch ausgelesen haben werde.

Außerdem pusht mir mein Telefon folgende Eilmeldung (!!!!111!): “EM-Aus für Antonio Rüdiger”. Aha.

08.06.2016

“Die Schottische Furche” fasste gestern meinen Gemütszustand via Facebook hervorragend zusammen.

UNSPORTLICHER SPORT

09.06.2016

Jetzt ist die Europameisterschaft also auch im Job angekommen: In der Mittagspause im Büro unterhalten sich die Kolleginnen über EM- und WM-Guck-Gewohnheiten, Autodeko und die Chancen verschiedener Mannschaften. Damit nicht genug, klärt mich zuhause die Angetraute darüber auf, dass es bereits eine schwere Verletzung in der deutschen Mannschaft gab und sie glaubt, dass die Nivea-Boys es nicht über die Vorrunde hinaus schaffen.

Gleichzeitig stelle ich ja doch eine gewissen Vorfreude fest (hey, 4 Wochen lang fast jeden Tag ein Spiel!) und frage mich, ob es okay ist, den ganzen Kommerz-Wahnsinn abzulehnen und sich trotzdem auf das Sportliche zu freuen. Problematisch zudem: Am Eröffnungstag bin ich Strohwitwer und finde wenig Gründe, nicht doch mal zum Auftaktspiel den Fernseher einzuschalten.

10.06.2016

Dann habe ich das Eröffnungsspiel doch geschaut… wobei “schauen” nicht ganz stimmt – die Partie lief halt nebenbei, während ich noch etliche Dinge erledigte. Erst am nächsten Morgen hörte ich im Podcast meines Vertrauens, dass es wohl keine so tolle Vorstellung der französischen Mannschaft gewesen sein soll, so viel zu meiner Konzentration auf das Fernsehbild.

Überhaupt, Podcasts: Während in Sachen Nationalmannschaft leider offenbar auch der Deutschlandfunk schlandisiert wurde, gibt es inzwischen glücklicherweise noch den Rasenfunk Kurzpass, in dem vor allem das Sportliche im Mittelpunkt steht und außerdem alle Mannschaften bzw. Paarungen besprochen werden. Und nicht, ob Mats Hummels Einzeltraining macht, Bastian Schweinsteiger mit nach Lille fliegt und dass der Flug von Evian am Genfer See bis zum ersten Spielort von Le Mannschaft anderthalb Stunden dauert. Gibt es wirklich Menschen, die sowas interessiert?

Formate wie der ‘Kurzpass’ hingegen erinnern mich daran, dass auf der Hochsicherheits-Marketingveranstaltung ja tatsächlich auch noch gegen den Ball getreten wird. Könnte aus der Perspektive vielleicht doch noch was werden mit der Europameisterschaft und mir. Und dann ist da noch der Fußball-Podcast des Guardian, seit über einem Jahr hochgeschätzt und aus meinem Podcatcher nicht mehr wegzudenken. Heute stehen bei mir 90 Minuten Lauftraining auf dem Programm, da werde ich doch da gleich mal reinhören.

Was mich dann auch zum nächsten Gedanken bringt: Gibt es eigentlich auch in anderen Ländern “Fußball-Schläfer”, also solche, die dem Sport sonst so gar nichts abgewinnen können wollen, bei Großereignissen dann aber plötzlich ihren Nationalstolz entdecken, ihre Außenspiegel mit, sagen wir mal dem Union Jack überziehen, sich vor Leinwänden in irgendwelchen Pubs versammeln und mit dem sonst so wenig wohl gelittenen Fußballvolk bei Toren der eigenen Nationalmannschaft in den Armen liegen? Klingt ja irgendwie nach einem spannenden Rechercheauftrag…

11.06.2016

Die Affen sind los. Jedenfalls in England. 

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Heftige Ausschreitungen auf jeden Fall in Marseille, was wohl vor allem an ziemlich motivierten russischen Hooligans liegt und daran, dass der gemeine Engländer sich offenbar für einen zünftigen Faustkampf auch nicht zu schade ist. Angesichts der Bilder, die da so durch die sozialen Medien flattern, darf man sich schon fragen, was genau die französischen Behörden mit “Sicherheitskonzept” eigentlich meinen. Fraglich allerdings auch, ob solche Szenen wie in Marseille überhaupt verhindert werden können.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Duktus, mit dem über die Ereignisse berichtet wird: Im “heute journal” während der Halbzeitpause im Spiel England-Russland irgendwas zwischen Entsetzen, Empörung und Angewidertsein (der Korrespondent spricht z.B. davon, dass der Alkoholkonsum vor Ort nicht mehr menschlich, sondern tierisch sei), beim Guardian dagegen ehrliche Bewunderung eines Reporters vor Ort für einen Landsmann, weil jener einen Russen mit einem technisch einwandfreien Dropkick aus dem Sprint heraus von seinem fahrenden (!) Motorrad beförderte… Beiderseits allerdings auch die berechtigte Feststellung, dass es eigentlich eine Schande sei, Polizei vor Ort durch solche Wald-und-Wiesen-Auseinandersetzungen zu binden, da die (Stichwort “Terror-Abwehr”) sicher andernorts besser eingesetzt werden könnte.

Ansonsten war gestern irgendwie Podcast-Großkampftag und wusste ich dank der verschiedenen, bereits erwähnten Formate, worauf ich abends bei England-Russland achten sollte. Auffällig war dann aber vor allem die Bandenwerbung: Eine amerikanische Fastfood-Kette, die auf Russisch wirbt, ein chinesischer TV-Hersteller, der die Bühne EM nutzt, um seine Produkte anzupreisen und Energie aus Aserbaidschan… Das versteht man dann wohl unter “The Global Game”.

Was die anderen Partien angeht, fasziniert mich eigentlich im Nachhinein nur, wie viel Zeit man gewinnt, wenn man sich den Nachmittag nicht durch Albanien-Schweiz und Wales-whatever vorstrukturieren lässt.

Heute Abend dann der erste Auftritt von Le Mánnschàft und ich habe ein wenig Angst vor hupenden Vollhonks, nachdem Mario Gomez den Ball in der 97. Minute mit der linken Pobacke über die Linie bugsiert. Und vielleicht ist das Team ja auch bereits nach 1 h 28 Minuten in Lille angekommen? Man weiß es nicht. Einigen Medien wäre so etwas sicher einen Brennpunkt wert.

12.06.2016

Auf dem Weg zu einer Frühstückseinladung und auf dem Weg zurück stolpert man hier und da über Menschen in Deutschland-Trikots; die Gespräche mit Freunden drehen sich aber eher um die Hooligan-Ausschreitungen in Marseille und Nizza. Was man zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte: später würden auch in Lille Kategorie-C-Menschen auftreten, andere Menschen verprügeln und Reichskriegsflagge sowie Hitlergruß zeigen. Wirkt im Moment alles so ein bisschen wie Mixed Martial Arts mit ein wenig Fußball nebenbei. Schlimm.

Nach einem längeren Lauf aus Versehen in den Vorbericht zu Deutschland-Ukraine geschaltet. Darum weiß ich jetzt auch, dass Mario Gomez vor dem Spiel immer das linke Pissoir benutzt. Außer, es ist belegt, dann nimmt er auch mal das rechte. Wow. Einfach nur wow. Tja, das sind halt die Geschichten, die nur der Fußball schreiben kann.

Plötzlich verspüre ich außerdem große Lust, den Stromanbieter zu wechseln, einen neuen Fernseher aus chinesischer Produktion zu kaufen und endlich mal wieder im Gasthaus zur Güldenen Möwe zu speisen.

13.06.2016

Umfangreichste EM-Beschallung bisher mit anderthalb Spielen (Irland – Schweden und 50% von Belgien – Italien); so langsam hat man sich dann doch eintakten lassen in den EM-Modus… Thema – auch in der 120minuten-Redaktion – sind immer noch schwerpunktmäßig die Ausschreitungen in Nizza, Lille und Marseille.

Dank der EM weiß ich jetzt auch, wo in meiner Nachbarschaft Italiener*innen wohnen – und es ist total super, das durch unkontrollierte Grölerei rauszufinden, wenn man am nächsten morgen sehr früh aufstehen muss und daher auch zeitiger ins Bett ging. Mimimi. Überlege außerdem jetzt, einen Hyundai zu kaufen, um dann damit einen ganz bestimmten Drive-In einer ganz bestimmten Burgerkette unsicher zu machen.

14.06.2016

Gestern bis 20 Uhr gearbeitet, danach noch laufen gewesen – von der EM also so gut wie nichts mitbekommen, wenngleich der Guardian Daily und der Rasenfunk die Laufrunde begleiteten. Als ich nach hause kam, lief der Fernseher, weil meine Frau von sich aus (!) Portugal – Island schaute (!!) und mir sogleich berichtete, wie die erste Halbzeit lief (!!!). Pünktlich zum 1:1-Ausgleich der Isländer setzte ich mich mit einem isotonischen Kaltgetränk dazu.

15.06.2016

Keine besonderen Vorkommnisse – die EM und ich haben uns offenbar inzwischen aneinander gewöhnt bzw. ist man dann letztlich wohl doch abgestumpft. Und: Auch die Frankreich-Sympathisanten in der Nachbarschaft haben sich geoutet.

16.06.2016

Le Mannschaft, Schlandisierung, Allez zusammen, Teil 2 oder: Der zweite Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Polen. Natürlich habe ich mir das Spiel angeschaut, emotional hat es mich aber ungefähr so tangiert wie die Begegnung Ukraine – Nordirland. Die ich nicht gesehen habe. Faszinierend, wie es die DFB-Marketingmaschine, vermutlich powered by willkürlichen Vereinsstrafen, innerhalb von nur 2 Großereignissen geschafft hat, bei mir jegliches gesteigertes Interesse am eigenen Nationalteam sauber abzubinden. So läuft dann im Fernsehen eben das Spiel, während man sich nebenbei mit der Frau über den Tag, den nächsten Urlaub und sonstige Dinge unterhält, die wesentlich wichtiger sind. Plötzlich schwenkt die Kamera auf die Menge und zeigt deutsche Fans mit falschen Schnurrbärten in Schwarz-Rot-Gold. Meine Fresse.

17.06.2016

Dienstreise ist, wenn Du von der EM mal so überhaupt gar nichts mitbekommst. Und was ist eigentlich mit den Kroaten los? Die EM als Bühne für Streitigkeiten mit dem Verband bzw. bestimmten Personen zu nutzen, ist ja schon eher uncool. Genau wie die offensichtliche Anweisung der UEFA, die Mannschaften nicht in die Kabine zu schicken, während auf dem Spielfeld noch Fackeln und Böller entsorgt werden. In meinem Hinterkopf singt irgendwer ziemlich schief “The Show Must Go On”, während sich in der Magengegend ein wenig Übelkeit breit macht.  

18.06.2016

Mit der Partie Portugal gegen Österreich gibt es das erste Spiel der EM, das mit tatsächlich interessiert und emotional tangiert. Einerseits wegen Cristiano Ronaldo, den ich zwar als Fußballer wahnsinnig interessant finde, der mir aber aufgrund seines arroganten Auftretens häufig auch die Hasskappe aufs Haupt zaubert. Andererseits wegen des österreichischen Nationalteams, für das ich durch den ballesterer tatsächlich einige Sympathien hege. Ja, für Österreich. Wo es noch ein kindliches Staunen über den Erfolg der eigenen Mannschaft gibt. Man sich freut, bei der EM dabei zu sein. Es offenbar (soweit das zu beurteilen ist) ein Team gibt mit Ecken und Kanten, interessanten Charakteren und Spielerbiographien. Und keinen glattgeschleckten Einheitsbrei, der von der großen Maschine derart jeglicher Emotionalität beraubt wurde, dass es eigentlich ein Lehrstück in jedem Marketing-Handbuch sein müsste.

Das erste Spiel also, für das ich mir wirklich Zeit nahm und das ich mit Interesse schaute. Und dann das: Vollkommen indisponierte Österreicher (wie konnte man die im Vorfeld eigentlich derart stark schreiben?) und ein Cristiano Ronaldo, der beim Elfmeter den Pfosten trifft und anschließend ein Selfie mit einem Flitzer schießt. Ja mei.

19.06.2016

Drittes Spiel in Folge geschaut, drittes 0:0. Die Slowakei und England tun mir jetzt schon Leid. Was ich mich übrigens auch frage: Gibt es in anderen Ländern eigentlich auch so einen (dann natürlich länderspezifischen) Schland-Kommerz-Nervfaktor, der dazu führt, dass man eher andere interessante Teams verfolgt als die eigene Auswahl?

20.06.2016

Man muss auch mal die Größe haben, ein Spiel NICHT bis zum Ende zu schauen, in diesem Fall das äußerst, ähm, spannende 0:0 zwischen England und der Slowakei.

22.06.2016

Ich gestehe mein Scheitern ein und schreibe die eingangs bereits zitierten letzten Zeilen des Tagebuchs. Es bringt ja nichts, sich etwas vorzumachen. Dann gucke ich halt die EM.

Was sonst noch geschah

Tja, irgendwann wurde es dann doch Routine, bis spätestens 21:00 Uhr alle wichtigen Dinge erledigt zu haben und den Tag mit irgendeinem Fußballspiel ausklingen zu lassen. Meine anfängliche Anti-Haltung war zwar noch nicht ganz verschwunden, aber irgendwas hatte sich verändert. Gibt es bei solchen Turnieren so etwas wie einen Gewöhnungseffekt? Waren zunächst die Spiele selbst ein Problem, weil ich schon jedes Mal mit mir gerungen habe, ob ich mir den Mist nun jetzt angucken oder doch zu meiner Überzeugung stehen soll, waren es ab einem bestimmten Punkt die spielfreien Tage, die mir zu schaffen machten. Letztlich ist es ja schon interessant, was für ein Gewohnheitstier der Mensch doch ist.

Und es war ja auch nicht alles schlecht, immerhin gab es Island. Und ein EM-Halbfinale Frankreich – Deutschland, das ich reisenderweis’ im österreichischen Fernsehen verfolgen konnte, wo der Moderator einen lustigen Dialekt sprach und nicht Tom Bartels, Béla Réthy oder Steffen Simon hieß. Auch das Ausscheiden der DFB-Auswahl gegen die französischen Gastgeber ließ das Turnier für mich versöhnlich enden. Nicht, weil mich die Niederlage großartig gefreut hätte, dafür ist mir der DFB-Tross viel zu egal, sondern weil damit schließlich ein stundenlanger Autokorso durch meinen Wohnort so gut wie ausgeschlossen war.

Ein paar Portugiesen schafften es nach dem Finale natürlich trotzdem, mich hupenderweis’ noch ein wenig wachzuhalten, aber hey, es sei ihnen gegönnt. Derweil berauschten sich ein paar hundert Kilometer weiter westlich Ronaldo, Nani und Co. hoffentlich ausgiebig an diesem eigentlich ja doch ziemlich unwahrscheinlichen, dafür aber umso großartigeren Triumph, während die deutschen Nationalspieler vermutlich längst vorbildlich ins Land der (geplatzten) Träume entschlummert waren. Schließlich geht er ja bald schon wieder weiter, der große Zirkus, der mit seinen Attraktionen auf zwei Beinen vielleicht demnächst ja auch in Deiner Stadt Halt macht.

Und 2018, wenn dann vermutlich 64 oder so Mannschaften in Russland um die fußballerische Weltherrschaft ringen, ziehe ich ihn durch, den Fußballgroßereignisboykott. Ganz sicher. Doch, ganz bestimmt.

Weiterlesen – Teil 2 unseres EM-Rückblicks

Pariser Euro-Notizen

Ein Turnier vor der Haustür Autor: Christoph Wagner, anoldinternational.co.uk Teil 1 unseres EM-Rückblicks von Alex, der sich an Fußball-Entzug versuchte, lest ihr hier. Es ist Europameisterschaft und sie findet unmittelbar… Weiterlesen

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Beitragsbild: Wir bedanken uns bei Seth Werkheiser für das Foto zu diesem Beitrag. Mehr von Seth Werkheiser gibt es bei flickr. Lizenz CC BY-SA 2.0

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