Kategorie: Blog

Buchbesprechung: Philipp Winkler – Hool

Bücher, die sich fiktional mit Fußball beschäftigen sind rar, was wohl zum einen daran liegen kann, dass die Materie Fußball schwer in Worte zu fassen ist, oder zum anderen weil der Sport eher nicht als literarisch betrachtungswürdig angesehen wurde. Bisher. Wie dem auch sei, Philipp Winkler ist mit “Hool” nicht der große Fußballroman gelungen, aber dennoch ein Buch über einen jungen Menschen, der Fußball nutzt, um seine Aggressionen auszuleben und dessen Leben irgendwie ins Negative abzugleiten scheint.

Die Figuren in Winklers Roman Hool sind zum größten Teil sogenannte Millennials, die oft als Zielgruppe beschworen werden, aber selten zu Wort kommen, bzw. ernst genommen werden. Das ist ein Fehler, sind diese Leute doch die Zukunft. Dabei könnte Winklers Hauptfigur Heiko Kolbe für so etwas wie eine Versinnbildlichung von Leuten stehen, die per se nicht politisch sind, eine Meinung gegen Nazis haben, die aber durch gezielte Falschinformation dem rechten Pöbel von AfD und Pegida auf den Leim gehen. Das Vakuum ist vorhanden in der Person Kolbes.

Dabei ist Heiko Kolbe kein Einzelfall; Leute wie ihn gibt es viele in Deutschland. Oftmals besteht ihre einzige Möglichkeit der öffentlichen Kommunikation in der Kommentarfunktion bei facebook oder anderen ähnlichen Netzwerken. Und das ist, was Hool so interessant macht. Winkler gibt denen eine Stimme, die keine haben oder deren Stimme gern überhört wird. Die Stimmen sprechen dabei im Dialekt der Hannoveraner Gegend, was durchaus schlüssig ist. Würde ein Fitnessstudiobetreiber in korrektem Hochdeutsch sprechen, fehlte dem Roman ein gehöriges Stück Authentizität. Ähnlich wie Clemens Meyer, dessen “Als wir träumten” die Verunsicherung der Wendezeit sehr gut beschreibt, schafft es Winkler mit seiner Figur des Heiko Kolbe ein Bild einer Generation zu skizzieren, die alles andere als nur auf Party aus ist, die genauso verunsichert ist und darunter leidet, dass man sie nicht ernst nimmt.

Hool beginnt mit einer Kampfszene und man befürchtet, dass dem eine Aufreihung von Kämpfen, Saufgelagen und Frauengeschichten folgt. Dem ist aber nicht so. Vielmehr erliest man einen Lebensabschnitt von Heiko Kolbe, dem Protagonisten und Ich-Erzähler der Geschichte. Hier geht es um Erinnerungen an die Kindheit als die Familie intakt und das Leben einfach waren. Ganz anders als die Realität, in der Kolbe sich als Aushilfe in der Muckibude seines Onkels finanziell über Wasser hält, seine Beziehung in die Brüche gegangen ist und er darunter leidet. So sehr, dass er des Nachts sogar vor ihrem Haus im Auto sitzt, nur um zu sehen, ob und dass sie zu Hause ist. Gleichsam ist die Familie ein Problem; der Vater ist Alkoholiker und bedarf stationärer Hilfe, die Schwester dagegen ist ein Musterbeispiel der Mittelklasse: Haus, Mann und Kind. In ihrer Mittelklasseexistenz ist aber keine Zeit für den Vater und dessen liebstes Hobby: Tauben. Letztere verpflichtet sich Heiko zu versorgen als dieser in einer Entzugsklinik ist. Dies geschieht mehr schlecht als recht. Die Mutter kommt nur in Erinnerungen vor. Diese Gemengelage machen es nicht einfach für Heiko Kolbe, das Leben zuversichtlich zu sehen. Sein Halt sind die Mitstreiter der Hannover 96 Firm, deren Anführer sein Onkel Achim ist.

Der Suizid von Robert Enke im Herbst 2009 kommt im Buch ebenso vor wie eine Diskussion über die Kommerzialisierung des Spiels. Ultras sind nur eine Facette davon, denkt sich Heiko. Für ihn ist es ein Greuel, sich im Stadion hinsetzen zu müssen; selbst stehen, ja das Spiel an sich, ist für ihn nur Nebensache. Es geht ausschließlich darum, sich mit anderen zu verabreden und zu kämpfen, ihre Stadt, ihre Farben zu vertreten und zu verteidigen. Sie sind Hooligans, haben nichts mit Nazis am Hut, Politik ist ihnen egal, sie wollen Spaß haben. Genau darauf werden sehr gern die Millennials reduziert: Spaß und sorgenfreies Leben. Was ist daran falsch fragt man sich? Gleichzeitig ist es eine groteske Fehleinschätzung, deren Folge Radikalisierung sein kann, egal in welche Richtung.

“Some guys come home from work and wash up,
And go racing in the street”*

So oder so ähnlich fühlt es sich auch für Heiko an: er wartet darauf, dass etwas geschieht, was, weiß er selber nicht. Während seine Freunde neue, sie erfüllende Aufgaben haben, tritt Kolbe irgendwie auf der Stelle. Er ist ein Bewahrer des Status Quo, dem jede Änderung zuwider scheint und doch weiß er sehr wohl, dass etwas geschehen muss. Ein letzter Kampf gegen Braunschweig und dann ist es vorbei. Als sein Vermieter, Arnim verschwindet, ist es Zeit für Heiko, die Zelte abzubrechen. Arnim hatte eine Vorliebe für seltene Tiere. Bei seinem fluchtartigen Abschied muss Heiko den Tiger erschießen, nur einer der Kampfhunde ist noch am Leben und Siegfried der Geier will trotz offenem Fenster nicht in die Freiheit. Und ist damit irgendwie auch Sinnbild für Heiko: er könnte, will aber nicht.

*Bruce Springsteen: Racing in the Street, Columbia Records, 1978

”Hool”
Philipp Winkler, Hool, Roman. Berlin: Aufbau-Verlag, 2016. ISBN: 978-3-351-03645-4. Der Roman ist in jedem gut sortierten Buchhandel und beim Aufbau-Verlag erhältlich.
NB: Der Verlag hat uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Das 120minuten-Kalenderblatt – Mitstreiter gesucht

Als kleine Adventsaktion haben wir es ins Leben gerufen: das Fußball-Kalenderblatt. Der Fußball schreibt viele Geschichten und wir möchten beim Kalenderblatt jeden Tag eine erzählen, die sich vor 3, 5, 25 oder 50 Jahren zugetragen hat. Das Ganze soll kurz, prägnant und unterhaltsam sein, garniert mit einem Link oder Video.

Wir würden aus dem Kalenderblatt sehr gern eine regelmäßige Einrichtung machen. Die Website ist aufgesetzt, ein Redaktionstool steht zur Verfügung und wir haben Pläne, was man alles mit dem Kalenderblatt machen könnte.

Was uns noch fehlt, sind 1-2 Mitstreiter, die sich an den Recherchen und beim Schreiben der Beiträge einbringen möchten.

Wenn ihr uns also als Autoren/Rechercheure unterstützen möchtet – kontaktiert uns einfach – per E-Mail, bei Facebook oder via Twitter. Wie sehr ihr euch einbringt, hängt ganz allein von euch ab. Wir möchten in den nächsten Tagen Rückmeldungen sammeln und dann Anfang kommenden Jahres mit allen Interessierten abstimmen, wie es weitergeht. Wir freuen uns auf eure Nachrichten.

Grüße aus der Redaktion,
Alex, Christoph und Endreas

blattBildnachweis: Calendar* von DafneCholet veröffentlicht unter CC BY 2.0

Episode 4: “Moralität des Fußballkonsums” mit Daniel Roßbach

 

Zu Gast in der vierten Ausgabe des 120minuten-Podcasts ist Daniel Roßbach. Wir sprechen mit ihm über seinen Longread “Moralität des Fußballkonsums”, der Ende Oktober 2016 bei uns auf 120minuten.net erschienen ist. Ihr findet Daniel auf Twitter als @da_rossbach und in mehr als 140 Zeichen auf seinem Blog “Pressschlag” (https://pressschlag.net/pressschlag/).

Wie immer freuen wir uns auf Euer Feedback zur aktuellen Podcast-Folge und natürlich auch über weitere Kommentare zum Thema “Moralität des Fußballkonsums” auf Facebook, Twitter oder direkt unter Daniels Beitrag auf 120minuten.net!

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Buchbesprechung: Uwe Karte – Montreal Privat. Die unglaubliche Geschichte vom Olympiasieg der DDR-Fußballer

Die Frage, die sich mir beim Lesen dieses Buches stellte, war, was man erwarten sollte vom Titel: Montreal Privat. Aussagen der Spieler der DDR, die in Montreal dabei waren? Private Fotos? Späte Bekenneraussagen, dass man doch lieber in Kanada geblieben wäre, sich aber – aus welchen Gründen auch immer – doch entschieden hat, zurückzukehren? Nichts von alledem. Vielmehr erzählt Uwe Karte uns die Vorgeschichte der DDR-Fußballnationalmannschaft auf dem Weg zu Olympia 1976 und spannt den Bogen vom Herbst 1973 bis zum Finale im Olympiastadion von Montreal bis zum Sommer 1977. Dabei begleitet ihn Hans-Jürgen ‘Dixie’ Dörner, die Ikone von Dynamo Dresden mit Erinnerungen und Anekdoten.

Eins ist festzuhalten: Der Titel ist etwas irreführend. Privat sind nur die Fotos der Spieler, die alles mögliche festhielten, sogar von der Ersatzbank aus knipsten! Der Text dagegen behandelt die Entwicklung der DDR-Fußballnationalmannschaft in der ersten Hälfte der 1970er Jahre bis 1976, bis zum Olympiasieg in Montreal gegen Polen. Dabei verfolgt Uwe Karte die Entstehung der Mannschaft, der Georg Buschner vertraute und untermalt diese mit Ausschnitten aus der Karriere einzelner Spieler. Zentrale Figur 1976 war Dixie Dörner, der Kapitän und Spielmacher dieser Elf und auch bei diesem Buch war er mit dabei und hat in kleinen Interviews seine Sicht der Dinge präsentiert. So entsteht ein unglaublich dichtes Bild des DDR-Fußballs in seiner erfolgreichsten Phase. Uwe Karte gelingt hierbei etwas, was wohl sonst nur Jonathan Wilson schafft. Stück für Stück erläutert, er wie sich die Mannschaft herauskristalliert, wie Spiel für Spiel die Bausteine besser in die Gesamtkonstruktion passten. So erscheint es schlüssig, dass der Erfolg nur möglich war durch den Umbau der Mannschaft; die Zeit des Magdeburger Blocks, der 1974 bei der WM und vorher im Europapokal noch für Furore sorgte, war vorbei. Dresden war an der Reihe. Kraftfußball wurde durch Spielfreude und Technik ersetzt. Es sind dies die besten Passagen des Buches, weil es eben diese Einsichten in die Genese dieser Mannschaft sind, die Spannung schaffen.

Olympiasieger bist Du ein Leben lang (S.152)

Ein Erinnerungsbuch würde in den meisten Fällen die unschönen Momente auslassen oder nur sehr kurz streifen. Der Autor dagegen schließt die Berichte der Presse mit ein und diese ließ wahrhaftig kein gutes Wort an den Spielern und ihren gezeigten Leistungen. Der Leistungseinbruch nach der WM war selbst für den Trainer Buschner überraschend gekommen, was er selber gegenüber den Parteigenossen unumwunden zugab; die Presse zerriss die Mannschaft förmlich. Die fuwo war dabei wohl noch am sachlichsten, wenn sie nach einer 3:1-Schlappe gegen die CSSR schrieb: ‘Was dabei enttäuschte, war das WIE dieses 1:3.’ (S.31) Dafür sind kritische Worte, sachlich und offen, scharf und helfend, durchaus angebracht.’ (S.33) Selbst während des olympischen Turniers waren die Schreiberlinge nicht zufrieden. ‘Endlich mal Tore’ (S.133), maulte etwa die fuwo nachdem Frankreich mit 4-0 geschlagen wurde. Immerhin spielte ein gewisser Michel Platini mit, der 1984 seine Mannschaft zur Europameisterschaft führen sollte.

Nicht unerwähnt lässt Karte ebenso die unschöne politische Situation im Hintergrund. Der DTSB (Deutscher Turn- und Sportbund) und der DFV der DDR (Deutscher Fußballverband) lagen im Dauerstreit, die Gründe waren vielfältig. Der Erfolg von 1974 hatte auf beiden Seiten Begehrlichkeiten geweckt. Der DTSB sah im Fußball die Möglichkeit, doch Medaillen zu gewinnen, der DFV wollte mehr Unabhängigkeit. Dass dies logischerweise zu Konflikten führen musste, war klar. Eins der prominentesten Opfer war kein geringerer als Heinz Krügel, der den 1. FCM zwischen 1966 und 1976 zu 3 Meisterschaften, 2 Pokalsiegen sowie zum Europapokalsieg 1974 führte. Vorgeworfen wurde ihm eine mangelhafte Vorbereitung der Olympiakader; der wahre Grund waren sein Erfolg und seine politische Unangepasstheit.

Einen Schnitzer leistet sich Karte, indem er die erste Weltmeisterschaft 1930 von Uruguay nach Argentinien verlegt. Dem folgt ein kurzer Abriss über die Geschichte des Fußballs während der olympischen Spiele; leider kommt dieser mittendrin und unterbricht den Erzählstrang. Überhaupt würden dem Buch Zwischenüberschriften sehr gut tun. Dies würde dem Lesefluss helfen. Ohne jede Unterteilung geht es flott voran und man wechselt sehr häufig Szenario und Personal ohne Vorwarnung. So geht es von der Entlassung mit anschließendem Berufsverbot für Heinz Krügel im Frühsommer 1976 direkt ins vorolympische Trainingslager nach Kienbaum. Leider kommen diese Szenenwechsel ein wenig zu oft und unerwartet; eine Trennung würde hier gut tun. Nichtsdestotrotz ist Uwe Karte mit diesem Buch ein großartiger Wurf gelungen von einem Turnier und einem Olympiasieg, der heute gern vergessen und belächelt wird. Es ist kein Buch, welches in einen Ostalgieton verfällt oder in die Kategorie “Sicher gibt es bessere Zeiten, aber diese war die unsere” einzuordnen wäre.

Bei 120minuten haben wir uns dem Olympiasieg der DDR-Fußballer ebenfalls gewidmet – Autor Fedor Freytag lässt das olympische Fußballturnier Revue passieren:

Der vergessene Triumph

Bei den olympischen Sommerspielen 1976 konnte die Fußballnationalmannschaft der DDR ihren ersten und einzigen Titelgewinn feiern, der heute etwas in Vergessenheit geraten ist.

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Episode 3: “Von der Fußlümmelei zum Massenphänomen”

 

In Folge 3 des 120minuten-Podcasts gibt es diesmal einen unserer Longreads als Audio-Fassung. Die Kolleginnen und Kollegen vom CampusRadio Dresden haben für uns den Text “Von der Fußlümmelei zum Massenphänomen” unseres Autors Benjamin Brumm eingesprochen. Hört mal rein – wir sind gespannt auf Euer Feedback!

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Episode 2: “Die Angst pfeift immer mit?” mit Alex Feuerherdt

 

In der zweiten Folge des 120minuten-Podcasts geht es um das Thema “Schiedsrichter”, Grundlage ist der Longread von Adrian Sigel und Endreas Müller mit dem Titel “Die Angst pfeift immer mit?” auf 120minuten.net. Zu Gast in einer Gesprächsrunde mit der kompletten 120minuten-Redaktion ist Alex Feuerherdt von Collinas Erben (@CollinasErben auf Twitter), Deutschlands einzigem Schiedsrichter-Podcast. Alex findet Ihr auf Twitter als @LizasWelt.

Wir freuen uns auf Euer Feedback zur zweiten Sendung und selbstverständlich auch über weitere Kommentare zum Thema “Schiedsrichter” auf Facebook, Twitter oder direkt unter dem entsprechenden Text auf 120minuten.net!

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Die Akademie für Fussballkultur

oder: Preise für Fußballblogger

Zur Mitte des Jahres bekamen wir die Mitteilung, dass die Deutsche Akademie für Fußballkultur uns, 120minuten, in der Kategorie ‘Fußballblog des Jahres’ nominiert hat. Gemeinsam mit 23 anderen Blogs waren wir in der Auswahl. Das hat uns gefreut, wir haben uns allerdings keine Chancen ausgerechnet, außer der Nominierung selbst etwas zu gewinnen.

Die Akademie wurde 2004 ins Leben gerufen mit dem Ziel, den “Zwischenraum zwischen Fußball und dem Feuilleton zu besetzen”. Ihre Existenz ist Ausdruck eines wachsenden Bewusstseins, dass Fußball ein nicht ganz unwichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens ist. Jahr für Jahr beraten die Mitglieder der Akademie über das beste Fußballbuch des Jahres. Bisherige Gewinner waren beispielsweise Christoph Biermann, Jorge Valdano, Ronny Blaschke sowie Péter Esterhazy. Nürnberg ist die Stadt des Sportmagazins ‘Kicker’, welches auf Walther Bensemann zurückgeht. So wundert es wenig, dass ebenso ein Walther-Bensemann-Preis vergeben wird an eine Persönlichkeit, die “im Sinne der Völkerverständigung Besonderes im Fussball geleistet hat.” Im Wechsel werden eine nationale und eine internationale Persönlichkeit geehrt; in der Vergangenheit wurde diese Auszeichnung unter anderem bereits Franz Beckenbauer, Bert Trautmann, Bobby Charlton, Marcelo Lippi oder Alfredo di Stefano zuteil.

Eine besondere Sparte ist der Fan-Preis, der jährlich in einer wechselnden Kategorie vergeben wird. Mal sind es die besten Fangesänge, Fanzines oder Videos oder die beste Choreographie. In diesem Jahr sind es die Blogs, die gekürt werden. Hier zeigt sich, welche Rolle Blogs inzwischen in der fußballbezogenen Medienlandschaft spielen. Sie bieten eine Ergänzung, zu dem was Tageszeitungen, Radio und TV zum Fußball anbieten und konzentrieren sich dabei auf das Wesentliche: das Spiel. So schön die Anerkennung auch ist, spiegelt dieser Sonderpreis auch die Distanz zwischen etablierten Medienmarken und den Autoren bekannter und weniger bekannter Blogs wider. Es herrscht gesundes Misstrauen bzw., etwas wohlwollender ausgedrückt: ein Verhältnis irgendwo zwischen Argwohn und friedlicher Koexistenz.

Nicht nur haben wir es auf die Liste der besten 24 Blogs geschafft, nein, wir landeten am Ende sogar in der TOP 11, sprich der Startelf der besten deutschsprachigen Fußball-Blogs. Das freut uns sehr, ist es doch Bestätigung für unsere bisher geleistete Arbeit. Und hat uns doch, wenn wir ehrlich sind, (überaus positiv) überrascht. Gleichzeitig ist es auch ein Ansporn, an 120minuten weiterzuarbeiten und zu feilen. Wir haben Ideen und Pläne, die wir in den nächsten Monaten umsetzen wollen.

Zunächst gilt es aber erst einmal, die Smokings zu entstauben, den Bart zu richten, die Sneakers gegen die guten Schuhe zu tauschen und am 21.10.2016 bei der jährlichen Preisverleihung der Deutschen Akademie für Fußballkultur in Nürnberg dabei zu sein. Wir freuen uns, sind sehr gespannt und: wir werden berichten!

Call for Papers

120minuten lebt von der Vielfalt. Wir möchten unseren Lesern Abwechslung und neue Perspektiven auf den Fußball bieten. Und hier kommst du ins Spiel. Du hast ein interessantes Thema, einen Text in der Schublade, eine Idee im Hinterkopf? Dann lass’ es uns wissen. Wir möchten aufstrebenden Sportjournalisten und Bloggern eine Plattform bieten, auf der sie unkompliziert publizieren können.
Wir sind offen für Reportagen, Debattenbeiträge, Historisches, Texte zur Fankultur und alles mit Relevanz für den Fußball.

Welche Bedingungen muss mein Text/meine Idee erfüllen?
120minuten ist kein Medium für tagesaktuelle Berichterstattung. Ist dein Beitrag auch noch in 6 Monaten von Relevanz? Dann ist er für 120minuten geeignet. Da wir uns auf lange Texte spezialisiert haben, beträgt die Mindestlänge für einen Beitrag bei uns 1.500 Wörter, wobei wir eine Länge ab 2.000 Wörtern aufwärts bevorzugen.

Was tut 120minuten für mich?
Die 120minuten-Redaktion unterstützt dich in jeder Phase der Texterstellung und -veröffentlichung. Wir geben Input zu deiner Idee, diskutieren mit dir deinen Entwurf, beschaffen Bildmaterial, kontaktieren Experten, lesen Korrektur und bereiten deinen Text ansprechend für die Veröffentlichung auf. Alle Texte werden außerdem als eBook zugänglich gemacht und ausgewählte Stücke von Sprechern vertont.

Nach der Veröffentlichung verteilen wir deinen Beitrag über unsere Social-Media-Kanäle und sorgen dafür, dass du und dein Text die entsprechende Aufmerksamkeit erhalten. Wir moderieren aufkommende Diskussionen und bieten mit unserem Podcast-Format die Möglichkeit, Themen weiterzuspinnen.

Welche Rechte trete ich an 120minuten ab?
Keine. Alle Rechte bleiben bei dir. Wir wünschen uns lediglich, dass der Text für ein Weilchen exklusiv bei 120minuten zu finden ist. Du kannst tun und lassen mit dem Text, was du willst – übersetzen, anderswo veröffentlichen – alles ist möglich. Und bei Interesse setzen wir gern einen kleinen Autorenvertrag auf, um alles zu fixieren.

Werde ich bezahlt?
120minuten ist ein kostenloses, werbefreies Angebot. Deshalb können wir keine Honorare zahlen. Selbstverständlich ist es aber möglich, deine Zählmarke der VG Wort einzupflegen oder zu deinem Paypal-Account, deiner Amazon-Wunschliste und weiteren Unterstützungsmöglichkeiten zu verlinken.

Planst du ein Crowdfunding für eine Reportage? Du kannst uns gern ins Boot holen und wir helfen dir beim Rühren der Werbetrommel.

Hört sich interessant an? Dann sprich uns an: per E-Mail, Kontaktformular oder kontaktiere die Redaktion direkt bei Twitter: Christoph, Alex, Endreas

testFoto: pencil von Tim Taylor via flickr.com, licensed under CC BY 2.0

Oliver Wurm – Mein Fußballmedienmenu XIII

oliverwurm

Immer wenn ein großes Turnier ansteht, trumpft auch Oliver Wurm groß auf. Der Journalist und Medienunternehmer aus Hamburg legte beinahe im Alleingang, ohne einen Verlag im Rücken, im Vorfeld der WM 2014 ein Magazin zu den deutschen WM-Triumphen auf. Mit aufwändigen Fotostrecken und hochkarätigen Interviews. Und mit Erfolg. Seitdem erschien eine ganze Reihe von Magazinen – zu finden auf seiner Website Fußballgold, zuletzt die Ausgabe “72809616” pünktlich zur EM. Wir freuen uns, das Interview mit Bernard Dietz aus dem EM-Magazin hier veröffentlichen zu dürfen.

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Welche Fußballmagazine/Zeitschriften liest Du regelmäßig?

Regelmäßig tatsächlich keine. Ich bin ein Spontan-Käufer. Mich fängt man am Büdchen über den Titel und die angerissenen Themen. So komme ich im Jahr auf fünf bis sieben Ausgaben von 11Freunde, zwei Dutzend Sportbild, einige Kicker-Ausgaben und – wenn auch selten – ein paar Ausgaben internationaler Magazine. Dazu gibt’s noch mal ein ähnliches Bouquet an Tageszeitungen und Magazin-Klassikern von Spiegel und Stern bis GQ, wenn diese mit Fußball-Geschichten oder längeren Interviews punkten.

Für welchen Text, den Du in den vergangenen Wochen gelesen hast, kannst Du eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen?

Ein toller Text aus der jüngsten Vergangenheit ist der von Philipp Köster über seine Berufung zum Aushilfstrainer bei der E-Jugend seines Sohnes.

Und ich würde es nicht machen, wenn ich nicht wirklich total überzeugt davon wäre: Aber das Gespräch, dass der Kollege Hermann Kewitz für mein EM-Heft 72809616 mit dem 1980er-EM-Kapitän Bernard Dietz in dessen Fußballkeller in Bockum-Hövel geführt hat, hat in mir schon beim ersten Lesen eine längst verloren geglaubte Fußballstimmung geweckt. So authentisch, so klar in den Aussagen und so wunderbar emotional – wer vor diesem Interview noch kein Dietz’-Fan war, ist es spätestens danach:

Mit freundlicher Genehmigung von Oliver Wurm. Hier gibt’s alle fünf bislang erschienenen Fußballgold-Magazine in der Print- und auch in einer PDF Version: www.fussballgold.de

Wo und wie stößt Du auf lesenswerte Texte?

Ich beziehe den kostenpflichtigen Newsletter „Fußball500“. Jeden Morgen um Punkt 9 Uhr liefern die Kollegen eine tagesaktuelle Auswahl an Links zu den besten und wichtigsten Fußball-Texten. Ein super Link-Mix aus Lesegeschichten, nachrichtlichen Texten und spannendem Stoff aus den diversen Fußball-Geschäftsfeldern. Dazu habe ich über die Jahre eine fein austarierte Kollegen-Schar, denen ich bei Twitter folge und mit denen ich bei Facebook diskutiere. Über diesen Weg verpasst man gefühlt kein wichtiges Fußball-Thema mehr. Leider spült es einem natürlich auch viele unwichtige Themen in die Timeline. Und, jaja: Ich spüle den anderen mindestens ebenso viel Quatsch auf ihre Seiten. Aber das ist ja ein Teil der Social-Media-Welt, kein Problem. Man ist da inzwischen ja durchaus trainiert und kann gut und schnell filtern.

Ich folge 1220 Twitter-Accounts, nehme aber gefühlt nur drei Dutzend in meiner Timeline wirklich wahr. Das aber ist ein toller Mix aus Newsfeed, Meinung und klassischer Twitter-Nöhlerei. Wenn ich lange nicht mehr geschmunzelt habe, gehe ich auf die Seite des Kollegen @Peter_Ahrens. Das ist Florett. @BurningBush78 ebenso. Ab und an gönne ich mir aber auch das kompromisslose Fallbeil-Urteil von @sparschaeler.

Wenn ich denke, es läuft doch alles super im Sport und bei den Funktionären, gucke ich bei @JensWeinreich vorbei und bin wieder auf dem Boden der Realität. Ich folge auffallend vielen Frauen, die zu Fußball-Themen twittern, fällt mir immer wieder auf. Und das sehr gerne.

@santapauli1980 und @rune4 sind die ersten beiden Accounts, denen ich nach meinem Start bei Twitter gefolgt bin. Von @shadiego_tv über @honigstein bis @MickyBeisenherz und @OliFritsch lese ich natürlich sehr viel von Leuten, die ich auch im echten Leben treffe.. Aber es gibt darüber hinaus auch viele Liebgewonnene, die könnten im Taxi neben mir sitzen, und ich würde sie erst erkennen, wenn sie zum Beispiel sagen: „Hallo, ich übrigens der @petersauge.“ Aber das ist ja super!

Wie liest Du – am Tablet/Smartphone, am großen Bildschirm oder bist Du ein Internetausdrucker und Printliebhaber?

Nach wie vor lese ich am liebsten auf haptisch tollem Papier. Aber nirgends konsumiere ich mehr Lesestoff als auf dem Smartphone.

Welches Fußballbuch kannst Du besonders empfehlen?

Auch wenn die Antwort hier sicher langweilt, aber: Alles von Ronnie Reng. Dazu: „Der vierte Stern“ von Raphael Honigstein. Und die Gerd-Müller-Biographie von Patrick Strasser und Udo Muras.

Welche Netzformate (Podcasts, Hangouts etc.) verfolgst du regelmäßig?

Ich bin eher der klassische YouTube-Junkie. Wenn ich dort – wie zuletzt geschehen – aus Recherchegründen zum Beispiel einen Tor-Kommentar von Rolf Kramer suche, bleibe ich hängen und klicke mich über Stunden durch die WM 1986. Ich habe dort einmal „ZDF-Torwand“ eingegeben. Nie wieder. Ich habe sicher 50 Filmchen gesehen. Von Beckenbauers Weißbierglas-Treffer bis Pelé, von Netzers Fünferpack bis Ribérys Gewaltschuss. Großartig!

Schaust du noch die Sportschau, um dich über den Spieltag zu informieren?

Nein. Ich bin zu den Heimspielen im Volksparkstadion. Da schaue ich dann im Presseraum zwischen Abpfiff und PK die Zusammenfassungen auf Sky. Das reicht mir. Ich bin auch allgemein kein Fan von Zusammenfassungen. Auch nicht von der Konferenz auf Sky. „Ein Spiel dauert 90 Minuten“ – das gilt bei mir auch im Fernsehsessel. Egal ob Bundesliga oder Champions League.

Welche Website, welchen Podcast, welches Magazin kannst du abseits des Fußballs empfehlen?

Die amerikanische Esquire. Die Kollegen sind wahre Meister im Erzählen von Geschichten.


In der Kategorie “Mein Fußball-Medien-Menü” fragen wir Fußballer und Fußballbegeisterte, Sportjournalisten und -autoren nach ihren persönlichen Lese-, Seh- und Hörgewohnheiten zum Thema Fußball. Die Idee dazu entstand unübersehbar in Anlehnung an Christoph Kochs Medien-Menü, das inzwischen bei den Krautreportern zu finden ist.


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Teaserbild: B O O K by RkRao via flickr – CC BY 2.0