Kategorie: Blog

Episode 7: “Bekämpft der DFB die Meinungsfreiheit?”

 

In Folge 7 des 120minuten-Podcasts diskutieren wir darüber, ob und inwiefern der Deutsche Fußball-Bund die Meinungsfreiheit im Stadion beschränkt. Und weil das Thema kein so ganz einfaches ist, besprechen wir es diesmal in größerer Runde. Mit dabei sind: 120minuten-Kollege Lennart (@slaukopp), Autor unseres aktuellen Longreads zum Thema, Ralf vom großartigen Blog “der ballreiter”, Alex aus dem 120minuten-Team sowie der Jurist Dr. Jan F. Orth. Wir reden nicht nur über die Frage, inwiefern das Pöbeln eigentlich zur Fankultur gehört, sondern denken u.a. auch über die Grenze zwischen freier Meinungsäußerung und harter Beleidigung nach. Außerdem werfen wir einen kritischen Blick auf die Sanktionen des DFB und fragen uns, wer eigentlich dafür zuständig ist, wie sich Fußballfans im Stadion zu benehmen haben. Moderiert wird die Diskussion von 120minuten-Neuzugang Oliver Leiste.

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Buchbesprechung: Marco Fenske (Hrsg.) – Diese eine Sekunde

Dieses Buch ist eine Sammlung von 50 Interviews, die allesamt den deutschen Fußball mehr oder weniger direkt betreffen. Der Begriff Sekunde wird dabei sehr weit gefasst. Vielmehr geht es um entscheidende Momente und Situationen: Triumphe, Tragögien und herbe Rückschläge. Große Spieler und Trainer werden zu ihren größten Momenten und schwersten Stunden befragt. Das ist natürlich ein leichtes Unterfangen, denn die deutsche Fußballgeschichte liefert reichlich Stoff für große Momente. So kommen beispielsweise Protagonisten aus den vier siegreichen WM-Finals zu Wort: Horst Eckel, Uwe Seeler, Andreas Brehme und Christoph Kramer. Letzterer fällt hierbei aus der Reihe als dass er sich nach seinem Knock-out beim Schiedsrichter erkundigen musste, ob er denn tatsächlich im Finale spiele. Oliver Bierhoff über sein Tor bei der EM 1996, Andreas Brehme und Paul Breitner über ihre Elfmeter in den Endspielen 1974 respektive 1990.
Bei den Trainern ist der Ansatz ein anderer, hier werden mehrere Punkte beleuchtet. Ottmar Hitzfeld spricht über die Kraftanstrengung als Trainer nach der Niederlage gegen Manchester United 1999. Ganz anders dagegen Christoph Daum, dem trotz reinen Gewissens Kokainkonsum nachgewiesen werden konnte und somit die Karriere abrupt endete.
Bei den Momenten aus Europa- und DFB-Pokal handelt es sich um Spiele, die in letzter Minute gewonnen oder verloren wurden. Die Bundesligamomente sind dann eher zusammenfassende Darstellungen einer Spielzeit, was dann wiederum gar nichts mit einer Sekunde oder einem Moment zu tun hat.
Das letzte Kapitel hat dann mit Fußball nichts mehr zu tun. Hier kommen Monika Lierhaus, Lutz Pfannenstiel, Ronald Reng und Rudi Assauer zu Wort. Das ist der interessanteste Abschnitt, denn es geht hier um sehr schwere Situationen, im Fall von Ronald Reng sogar um den Verlust seines Freundes, Robert Enke.
Ein durchaus interessantes Werk, welches unterhält und spannende Momente aus Sicht der Protagonisten festhält. Ob es dazu allerdings ein großformatiges Buch braucht, ist fraglich.

Infos zum Buch
Das Buch “Diese eine Sekunde” wurde von Marco Fenske in Zusammenarbeit mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland GmbH herausgegeben und kostet €18,90.

Episode 6: “Der letzte Leitwolf” mit Sebastian Kahl

 

In Ausgabe 6 des 120minuten-Podcasts besucht uns Sebastian Kahl. Wir sprechen mit ihm über die Karriere von Michael Ballack und seine Longread-Trilogie zum “Capitano”. Der abschließende Teil (“Der letzte Leitwolf”) erschien im März 2017 bei uns auf 120minuten.net. Sebastian twittert als @maltacalcio und ist regelmäßig im “Yesteryear Football Podcast” zu hören.

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Buchbesprechung: Ronny Blaschke – Gesellschaftsspielchen

Dass der Fußball längst ein Milliardengeschäft ist, in dem es mitunter ziemlich, naja, eigentümlich zugeht, wissen wir nicht erst seit Football Leaks, Geschichten über den nächsten aberwitzigen TV-Gelder-Deal oder Debatten um neue Anstoßzeiten, um endlich auch den enorm wichtigen Markt in Nordsüdwestost-Lampukistan gewinnbringend erschließen zu können. Die Summen, die im Profifußball bewegt werden, sind vom gesunden Menschenverstand längst nicht mehr zu greifen, die Zugzwänge, die dadurch in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung offenbar entstehen, sowieso nicht. Gleichzeitig treten Verbände, Akteure und Vereine gern auch mal als brave Samariter auf, werden Stiftungen gegründet, Charity-Events veranstaltet und klar, auch Entwicklungshilfeprojekte realisiert. “Recht so!”, würde man denken, weil es bei den Gewinnen, die der Sport augenscheinlich abwirft, eigentlich ja ein Leichtes sein sollte, der Gesellschaft wieder etwas zurückzugeben. Die Frage ist dabei allerdings auch immer so ein bisschen, wie ernst es die Protagonisten mit ihrem Engagement wirklich meinen. Steht immer der soziale Gedanke im Mittelpunkt, oder dient Projekt X, Stiftung Y oder Initiative Z nicht vielleicht doch nur, überspitzt ausgedrückt, als Feigenblatt einer hochkorrupten Funktionärs- und Privilegierten-Elite?

Dem Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Engagement im Fußball und potentiell heuchlerischen Maßnahmen, die eventuell ganz anderen Zwecken dienen, widmet sich Ronny Blaschke in seinem aktuellen Werk “Gesellschaftsspielchen”, das 2016 im Verlag Die Werkstatt aus Göttingen erschienen ist. In dem hervorragend recherchierten Buch gibt Blaschke in 18 Kapiteln, die auch gut für sich allein gelesen werden können, spannende und mitunter auch verstörende Einblicke in höchst unterschiedliche Aspekte des Themas. Liest man “Gesellschaftsspielchen” in einem Stück, fällt zunächst erst einmal die abwechslungsreiche Gestaltung auf: mal wird ein Ehrenamtlicher portraitiert, dann ein Projekt vorgestellt, ein Interview eingestreut, eine Stiftung kritisch hinterfragt oder eine Recherchereise dokumentiert. Ebenfalls auffällig: die Verknüpfung inhaltlicher Aspekte mit Hintergründen zu den Arbeiten am Buch selbst, aus denen man dann beispielsweise auch erfährt, wann Personen und Instanzen auf Interviewanfragen eben nicht reagiert haben. So erhält man nicht nur einen hintergründigen Einblick ins Thema, sondern auch in die Art und Weise, wie die “Gesellschaftsspielchen” im Profifußballgeschäft mitunter gespielt werden.

Auch wenn die einzelnen Kapitel notwendigerweise nur eine Auswahl möglicher Aspekte des Themas “gesellschaftliches Engagement im Fußball” darstellen können, wirken die Ausführungen ausgewogen. So wirft Blaschke beispielsweise einen kritischen Blick auf die widersprüchliche Gesellschaftspolitik des DFB oder die Medien als Katalysator und (Nicht-)Meinungsmacher in der Profi-Glitzerwelt, würdigt aber auch erfolgreiche Initiativen wie “Discover Football” oder “Champions ohne Grenzen”, blickt auf die gesellschaftlichen Aktivitäten von Bundesliga-Clubs wie Werder Bremen oder Mainz 05 und lässt politische (z.B. Claudia Roth), sportliche (z.B. Per Mertesacker) oder auf Funktionärsebene aktive Akteure (z.B. Reinhard Rauball) zu Wort kommen. Allgemeinplätze und glatt geschliffene 0815-Aussagen haben bei Blaschke keinen Platz, so werden Interviewpartner gern auch mal um konkrete Beispiele für allzu blumige Phrasen oder Ausführungen gebeten.

“Gesellschaftsspielchen” ist ein in allen Belangen wichtiges Buch. Es richtet sich an die über den reinen Fußballkonsum hinaus denkende, interessierte, kritische  Öffentlichkeit ebenso wie an Vereinsverantwortliche aller sportlichen Ebenen, Journalistinnen und Journalisten, ehren- oder hauptamtlich Engagierte und alle, die es vielleicht werden wollen. Darüber hinaus sei die Lektüre auch und besonders denjenigen ans Herz gelegt, die im Namen des Fußballs (sport)politische Entscheidungen treffen, sei es in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt am Main oder anderswo.

Infos zum Buch
Ronny Blaschke: Gesellschaftsspielchen. Fußball zwischen Hilfsbereitschaft und Heuchelei. Göttingen: Verlag Die Werkstatt, 2016.
ISBN: 978-3-7307-0254-3.

Das Werk ist für 16,90 Euro in jedem gut sortierten Buchhandel und direkt über den Verlag erhältlich.
NB: Der Verlag hat uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Episode 5: “Der Fußball und das Fernsehen” mit Luca Schepers

 

Zu Gast in Ausgabe 5 des 120minuten-Podcasts ist Luca Schepers. Wir sprechen mit ihm über seinen Longread “Der Fußball und das Fernsehen”, der im Januar 2017 bei uns auf 120minuten.net erschienen ist. Ihr findet Luca auf Twitter als @ArafatsSohn und in mehr als 140 Zeichen auf seinem Blog “Pretty Little Movies” (http://prettylittlemovies.blogspot.de/)

Die im Podcast angesprochenen Leseempfehlungen findet Ihr hier:

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Klaas Reese – Mein Fußballmedienmenu XIV

 

Klaas arbeitet für die Sportredaktion des Deutschlandfunks und fasst für »11 Freunde« jeden Spieltag der Bundesliga in der Kolumne »GIF mich die Kirsche« pointiert zusammen. Dazu war er über Jahre Fußballperlentaucher für »Fokus Fussball«, ist Teil des Schiedsrichter-Podcasts »Collinas Erben« und schreibt unregelmäßig in seinem Blog »Reeses Sportkultur«.

Ihr könnt Klaas auf Twitter und Instagram folgen.

Welche Fußballmagazine/Zeitschriften liest Du regelmäßig?

Die einzige Fußballzeitschrift, die ich aktuell im Abo beziehe, ist das Zeitspiel. Ich mag die unaufgeregte Herangehensweise und die Akribie mit der die Macher sich an ihre Artikel machen – und ich bewundere auch ein wenig ihren Mut, dass sie sich getraut haben, ein eigenes Magazin mit den Themen Zeitgeschichte, Weltfußball und Fußballreisen herauszugeben.

Natürlich lese ich auch kicker und 11 Freunde regelmäßig. Dazu nutze ich allerdings meinen Zugang als Kurator bei Blendle.

Wenn ich vor Flügen oder Zugfahrten mal im Presseladen am Bahnhof lande, dann greife ich gern zu Ballesterer, zum Transparent Mag, Zwölf und in Zukunft sicher öfter mal zum noch recht frischen Socrates, das mir wie die anderen drei Magazine auch gut gefällt.

Für welchen Text, den Du in den vergangenen Wochen gelesen hast, kannst Du eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen?

Als Fan eines Zweitligavereins haben mir ein paar Texte zum Unterhaus gut gefallen: Zum Beispiel Daniel Roßbachs Text über Union Berlin unter Jens Keller bei spielverlagerung.  Und den »Klischeeabgleich« zur 2.Liga und die Zweitligahipster Elf von Niemals Allein! möchte ich empfehlen.

Fabian Held hat bei Zeit Online über den Beruf Fußballtrainer geschrieben, der Privilegien bereithält, aber auch Entbehrungen fordert und ungerecht sein kann.

»Als Sebastian Deisler die Zeit stehen ließ« von Steffen Meyer (Mia San Rot) erzählt die Geschichte des größten deutschen Talents der 00er Jahre. Leider ohne Happy End.

In der aktuellen 11 Freunde sind ein paar Texte, die mir sehr gut gefallen haben. Vor allem die Titelstory »Märtyrer aus der Kurve« (Blendle-Link) von Christoph Biermann, der über die Geschichte der Ultras während des Arabischen Frühlings in Ägypten schreibt, und der Selbstversuch von Ilja Behnisch, der mit Poncho im weißen T beim Heimspiel der Bayern saß (Blendle-Link), sind ganz hervorragend geschrieben.

Wo und wie stößt Du auf lesenswerte Texte?

Mittlerweile sind das viele verschiedene Wege. Zum Einen habe ich einen proppevollen RSS-Reader, der mir das Neuste aus den Blogs liefert. Leider wurde das in den letzten Monaten immer weniger, aber ich bin ganz zuversichtlich, dass wir 2017 eine Renaissance der Blogs erleben. Dann werden hoffentlich wieder mehr Leute einfach über ihren Lieblingssport schreiben, ohne dabei irgendwelche Monetarisierungsstrategien zu verfolgen.

Dazu nutze ich gern Twitter. Das heißt, ich lasse, wenn ich am Rechner sitze eigentlich immer Tweetdeck nebenher laufen und da werden dann durch meine Timeline oder durch verschiedene Listen, die ich mir zusammengestellt habe, die interessantesten Texte reingespült. Dazu nutze ich Nuzzel und Refind, die dabei helfen, gute Texte zu finden mit Hilfe der eigenen Social Media Kontakte.

Ab und zu kommt natürlich auch beim lauteren Nachbarn von Twitter, Facebook, ein guter Link zum Vorschein, aber ich muss sagen, dass das eher selten ist. Da werde ich deutlich öfter beim Stöbern in SZ, FAZ, Tagesspiegel, Zeit, Spiegel und Co. auf Blendle fündig.

Wie liest Du – am Tablet/Smartphone, am großen Bildschirm oder bist Du ein Internetausdrucker und Printliebhaber?

Mittlerweile findet der alltägliche Medienkonsum fast nur noch am Bildschirm statt. Aber wenn ich die Wahl habe zwischen gedruckter SZ und Zeit oder dem Lesen am Bildschirm, dann lieber auf Papier. Ich lese auch Bücher bisher zu 100% in gedruckter Form. Ist schließlich augenschonend und man braucht nicht immer die Akkuladeanzeige im Blick zu haben.

Welches Fußballbuch kannst Du besonders empfehlen?

»Es war einmal ein Stadion – Verschwundene Kultstätten des Fußballs« von Werner Skrentny find ich toll. Der Autor widmet sich unter anderem längst vergessenen Stadien wie der Glück-Auf-Kampfbahn in Herne oder dem Zerzabelshof in Nürnberg. Mit Fotos und Anekdoten wird hier das Vergessen verhindert.

Und wer sich selbst und/oder seinen fußballverrückten Kids eine Freude machen möchte, der sollte sich »Das goldene Buch des deutschen Fußballs« von Hardy Grüne und Dietrich Schulze-Marmeling gönnen.

Welche Fußball-Podcasts verfolgst du regelmäßig?

Ich höre jede Folge vom Textilvergehen und vom Millernton. Auch wenn ich die meisten Union- oder St.Pauli-Spiele gar nicht schaue, mag ich die Menschen, die sich da über Fußball und das Drumherum bei ihrem Lieblingsverein unterhalten so gern (hören), dass ich keine Folge verpasse.

Ähnliches gilt unter anderem für den Eintracht Frankfurt Podcast, drei90 und den Bockcast – allerdings schaffe ich es da leider zeitlich nicht, jede Episode zu hören. Ebenfalls empfehlen möchte ich den Gut Sport Podcast, der – abseits eines aus meiner Sicht etwas langweiligen Tippspiels – sehr hörenswert über Sport im Allgemeinen und Fußball im Speziellen sprechen.

Auch die Rasenfunk-Schlusskonferenz höre ich sehr regelmäßig – auch wenn es da etwas von den Gästen abhängt, ob ich die ganze Sendung höre oder nur den Part, in dem sich der Gast zu dem Verein äußert, den sie oder er am Besten kennt.

Dazu sollte man natürlich die Podcasts von Deutschlandfunk Sport und Football Weekly abonnieren. Klar.

Wer noch mehr Empfehlungen haben möchte, dem sei ein Tribünengespräch ans Herz gelegt, bei dem Max, Maik und ich gut drei Stunden nur über Fußballpodcasts gesprochen haben.

Schaust du noch die Sportschau, um dich über den Spieltag zu informieren?

Das ist ziemlich unterschiedlich. Ich habe kein Wochenendritual mehr, in dem der Fußball im Mittelpunkt steht, sondern versuche mich da weniger abhängig vom Fußballterminkalender zu machen. Deshalb gucke ich schon manches Mal die »Sportschau« und versuche dann als Anhänger der »Sportschau Ultra«-Bewegung keine Informationen zu den Spielen oder den Ergebnissen zu bekommen, damit ich dann eine Art Sportschau-Erlebnis der 80er und 90er habe. Ist auf jeden Fall eine gute Möglichkeit sich den frühen Samstagabend etwas spannender zu machen. Hinterher dann Badewanne und dann im Bademantel auf YouTube alte »Wetten, dass…?« Folgen gucken…

Welche Website, welchen Podcast, welches Magazin kannst du abseits des Fußballs empfehlen?

Ich möchte gern den Newsletter Correct!v empfehlen. Das »gemeinnützige Recherchezentrum« weist regelmäßig auf wirklich beachtenswerte Stücke hin. Zum Beispiel auf eine Recherche zu den Menschen, die an den Fluchtbewegungen in Niger, Italien, Türkei und Deutschland verdienen (“The 21st Century Goldrush”, Huffington Post) oder auf eine Serie zu den Medien der Neuen Rechten (“Futter für AfD-Wähler”, Correct!v).

Der Deutschlandfunk hatte Ende letzten, Anfang diesen Jahres eine starke Serie in seiner ohnehin fast immer sehr empfehlenswerten Reihe »Hintergrund«. Unter dem Überbegriff »Die verunsicherte Gesellschaft« untersuchten mehrere Autoren wichtige Aspekte öffentlicher Debatten des letzten Jahres. Der 1.Teil  zeigt die medialen Probleme bei der Terrorberichterstattung, Teil 2 beleuchtet das Phänomen Populismus und Teil 3 berichtet über die Angst vieler Menschen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Der 4. Teil behandelt die europäische Krise, Teil 5 die Kölner Silvesternacht und Teil 6 erklärt den Erfolg von Autokraten wie Putin und Erdogan.

Richtig gut haben mir dann noch zwei Produktionen bei 4000 Hertz gefallen: Hannah Kessler stellt in ihrer Serie »Einschnitte« für 4000 Hertz Leonie und Kathrin vor. Leonie erklärt, warum sie sich ein Leben ohne Rollstuhl nicht mehr vorstellen kann und Kathrin hat eine 30 Zentimeter lange Narbe auf dem Bauch, die sie jeden Tag an ein paar schlimme Tage in Italien erinnert. Beide Geschichten haben mich mit meinen eigenen Vorurteilen konfrontiert und sind dazu wirklich toll erzählt.

Und die beste Audioserie des letzten Jahres, »Der Anhalter«, sollten alle hören. Fünf Teile. Krasse Geschichte. Spannend erzählt. 


In der Kategorie “Mein Fußball-Medien-Menü” fragen wir Fußballer und Fußballbegeisterte, Sportjournalisten und -autoren nach ihren persönlichen Lese-, Seh- und Hörgewohnheiten zum Thema Fußball. Die Idee dazu entstand unübersehbar in Anlehnung an Christoph Kochs Medien-Menü, das inzwischen bei den Krautreportern zu finden ist.


Weiterlesen – unsere aktuellen Longreads:

Zur weiteren Entwicklung des Fußballs – 95 Thesen

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Teaserbild: B O O K by RkRao via flickr – CC BY 2.0

Alles neu

Wer sich dieser Tage hier umschaut, wird feststellen: es hat sich optisch Einiges getan. Wir haben 120minuten einen neuen Anstrich verpasst. Vor allem die Startseite soll nun besser repräsentieren, was wir alles machen: Zusätzlich zu unseren Longreads veröffentlichen wir inzwischen Medienmenüs, Rezensionen, Leseempfehlungen und haben im vergangenen Jahr unseren Podcast gestartet.

Alle diese Formate wollen wir beibehalten. Das neue Layout ist der Versuch, euch als Leser diese Inhalte näherzubringen und dennoch nicht mit visuellem Schnickschnack zu überfrachten. Wir finden, das ist uns ganz gut gelungen, sind aber natürlich dankbar für jede Anregung und auch für die eine oder andere helfende Hand, die sich bereit erklärt, bei Fragen zur technischen Umsetzung behilflich zu sein.

So viel zu den sichtbaren Veränderungen. Hinter den Kulissen hat sich noch mehr getan. Das Team hat sich vergrößert. Für unser im Dezember gestartetes Kalenderblatt haben wir Interessierte gefunden, die mitschreiben. Es wird also auch auf kalenderblatt.120minuten.net regelmäßig Beiträge geben und wir können Lennart und Ralle im 120minuten-Team willkommen heißen.

Und auch formal, haben wir 120minuten auf ein neues Fundament gestellt, damit aus einem reinen Hobbyprojekt in Zukunft mehr werden kann. Denn wir möchten mehr lesens- und hörenswerte Inhalte liefern. Wir planen neue Formate, und können schon jetzt vielfältige Themen und Texte von neuen Autoren versprechen. Wir sprühen vor Ideen. Seid gespannt.

Grüße aus der Redaktion von
Christoph, Alex und Endreas

 

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Sonderausgabe: Drittliga-Hinrunden-Rückblick 2016/2017

 

Es ist Winterpause und damit natürlich Zeit, in den jeweiligen Ligen auf die Hinrunde der aktuellen Spielzeit zurückzublicken. Während sich der Rasenfunk in seinem “Rasenfunk Royal” traditionell der Bundesliga widmet und erstmals auch die 2. Liga im Gepäck hat, hat sich das 120minuten-Team mit den Podcasterinnen und Podcastern der 3. Liga zusammengetan, um die ersten 19 Partien in Deutschlands dritthöchster Spielklasse Revue passieren zu lassen. Herausgekommen sind knapp dreieinhalb Stunden Sonderausgabe, für die wir uns bei diesen Gästen ganz herzlich bedanken:

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Buchbesprechung: Philipp Winkler – Hool

Bücher, die sich fiktional mit Fußball beschäftigen sind rar, was wohl zum einen daran liegen kann, dass die Materie Fußball schwer in Worte zu fassen ist, oder zum anderen weil der Sport eher nicht als literarisch betrachtungswürdig angesehen wurde. Bisher. Wie dem auch sei, Philipp Winkler ist mit “Hool” nicht der große Fußballroman gelungen, aber dennoch ein Buch über einen jungen Menschen, der Fußball nutzt, um seine Aggressionen auszuleben und dessen Leben irgendwie ins Negative abzugleiten scheint.

Die Figuren in Winklers Roman Hool sind zum größten Teil sogenannte Millennials, die oft als Zielgruppe beschworen werden, aber selten zu Wort kommen, bzw. ernst genommen werden. Das ist ein Fehler, sind diese Leute doch die Zukunft. Dabei könnte Winklers Hauptfigur Heiko Kolbe für so etwas wie eine Versinnbildlichung von Leuten stehen, die per se nicht politisch sind, eine Meinung gegen Nazis haben, die aber durch gezielte Falschinformation dem rechten Pöbel von AfD und Pegida auf den Leim gehen. Das Vakuum ist vorhanden in der Person Kolbes.

Dabei ist Heiko Kolbe kein Einzelfall; Leute wie ihn gibt es viele in Deutschland. Oftmals besteht ihre einzige Möglichkeit der öffentlichen Kommunikation in der Kommentarfunktion bei facebook oder anderen ähnlichen Netzwerken. Und das ist, was Hool so interessant macht. Winkler gibt denen eine Stimme, die keine haben oder deren Stimme gern überhört wird. Die Stimmen sprechen dabei im Dialekt der Hannoveraner Gegend, was durchaus schlüssig ist. Würde ein Fitnessstudiobetreiber in korrektem Hochdeutsch sprechen, fehlte dem Roman ein gehöriges Stück Authentizität. Ähnlich wie Clemens Meyer, dessen “Als wir träumten” die Verunsicherung der Wendezeit sehr gut beschreibt, schafft es Winkler mit seiner Figur des Heiko Kolbe ein Bild einer Generation zu skizzieren, die alles andere als nur auf Party aus ist, die genauso verunsichert ist und darunter leidet, dass man sie nicht ernst nimmt.

Hool beginnt mit einer Kampfszene und man befürchtet, dass dem eine Aufreihung von Kämpfen, Saufgelagen und Frauengeschichten folgt. Dem ist aber nicht so. Vielmehr erliest man einen Lebensabschnitt von Heiko Kolbe, dem Protagonisten und Ich-Erzähler der Geschichte. Hier geht es um Erinnerungen an die Kindheit als die Familie intakt und das Leben einfach waren. Ganz anders als die Realität, in der Kolbe sich als Aushilfe in der Muckibude seines Onkels finanziell über Wasser hält, seine Beziehung in die Brüche gegangen ist und er darunter leidet. So sehr, dass er des Nachts sogar vor ihrem Haus im Auto sitzt, nur um zu sehen, ob und dass sie zu Hause ist. Gleichsam ist die Familie ein Problem; der Vater ist Alkoholiker und bedarf stationärer Hilfe, die Schwester dagegen ist ein Musterbeispiel der Mittelklasse: Haus, Mann und Kind. In ihrer Mittelklasseexistenz ist aber keine Zeit für den Vater und dessen liebstes Hobby: Tauben. Letztere verpflichtet sich Heiko zu versorgen als dieser in einer Entzugsklinik ist. Dies geschieht mehr schlecht als recht. Die Mutter kommt nur in Erinnerungen vor. Diese Gemengelage machen es nicht einfach für Heiko Kolbe, das Leben zuversichtlich zu sehen. Sein Halt sind die Mitstreiter der Hannover 96 Firm, deren Anführer sein Onkel Achim ist.

Der Suizid von Robert Enke im Herbst 2009 kommt im Buch ebenso vor wie eine Diskussion über die Kommerzialisierung des Spiels. Ultras sind nur eine Facette davon, denkt sich Heiko. Für ihn ist es ein Greuel, sich im Stadion hinsetzen zu müssen; selbst stehen, ja das Spiel an sich, ist für ihn nur Nebensache. Es geht ausschließlich darum, sich mit anderen zu verabreden und zu kämpfen, ihre Stadt, ihre Farben zu vertreten und zu verteidigen. Sie sind Hooligans, haben nichts mit Nazis am Hut, Politik ist ihnen egal, sie wollen Spaß haben. Genau darauf werden sehr gern die Millennials reduziert: Spaß und sorgenfreies Leben. Was ist daran falsch fragt man sich? Gleichzeitig ist es eine groteske Fehleinschätzung, deren Folge Radikalisierung sein kann, egal in welche Richtung.

“Some guys come home from work and wash up,
And go racing in the street”*

So oder so ähnlich fühlt es sich auch für Heiko an: er wartet darauf, dass etwas geschieht, was, weiß er selber nicht. Während seine Freunde neue, sie erfüllende Aufgaben haben, tritt Kolbe irgendwie auf der Stelle. Er ist ein Bewahrer des Status Quo, dem jede Änderung zuwider scheint und doch weiß er sehr wohl, dass etwas geschehen muss. Ein letzter Kampf gegen Braunschweig und dann ist es vorbei. Als sein Vermieter, Arnim verschwindet, ist es Zeit für Heiko, die Zelte abzubrechen. Arnim hatte eine Vorliebe für seltene Tiere. Bei seinem fluchtartigen Abschied muss Heiko den Tiger erschießen, nur einer der Kampfhunde ist noch am Leben und Siegfried der Geier will trotz offenem Fenster nicht in die Freiheit. Und ist damit irgendwie auch Sinnbild für Heiko: er könnte, will aber nicht.

*Bruce Springsteen: Racing in the Street, Columbia Records, 1978

”Hool”
Philipp Winkler, Hool, Roman. Berlin: Aufbau-Verlag, 2016. ISBN: 978-3-351-03645-4. Der Roman ist in jedem gut sortierten Buchhandel und beim Aufbau-Verlag erhältlich.
NB: Der Verlag hat uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.