Buchbesprechung: Werner Skrentny – Es war einmal ein Stadion – Verschwundene Kultstätten des Fußballs

“Es war einmal…” – so beginnen ja in aller Regel Märchen. Als bekennender Stadionnostalgiker, der gern auch mal eine Stadtliga-Partie verfolgt, nur weil die Anlage, auf der sie stattfindet, schon etliche Fußball-Jahrzehnte auf dem Buckel hat, würde ich auch das von Werner Skrentny vorgelegte Werk durchaus als Märchenbuch bezeichnen. Es bezeugt – wie bereits der Untertitel verrät – ehemalige Spielstätten, auf denen Fußballgeschichte(n) geschrieben wurde(n), und das auf eine Art und Weise, die die geneigte Leserschaft eintauchen lässt in das Berlin der 30er oder das Essen und Neubrandenburg der 50er Jahre. Auch Arenen, die erst vor relativ kurzer Zeit neuen Wohnungen (Bökelberg-Stadion/Mönchengladbach) weichen mussten und/oder zugunsten eines Stadionneubaus anderswo aufgegeben wurden (Jahnstadion/Regensburg), sind im Buch zu finden; neben allerlei Detailinformationen zur Stadiongeschichte sind die einzelnen Beiträge stets garniert mit zeitgeschichtlichen Einordnungen, sporthistorischen Anekdoten und: jeder Menge Bildmaterial.

Das Buch kommt dabei auch optisch eindrucksvoll daher: Hardcover, A4-Format, bunter Einband, 176 Seiten, dreispaltiger Text. Jener zeugt von viel Herzblut, akribischer Recherchearbeit und einer großen Leidenschaft für die ehemaligen Anlagen. Ein besonderer Mehrwert des Bandes besteht darin, dass sich in den nach Städten sortierten Beiträgen nicht nur bekannte Spielstätten wie das Berliner “Stadion der Weltjugend” wiederfinden, sondern (vorher zumindest mir) unbekannte Orte wie der VfR-Platz an der Hammer Landstraße in Neuss oder der Sportplatz am Gaskessel in Stuttgart. “Es war einmal ein Stadion” leistet damit einen ganz wichtigen Beitrag zum Erhalt der Fußballkultur, die bekanntermaßen ja nicht in der Bewahrung der Asche, sondern der Weitergabe des Feuers besteht. So schreibt Skrentny denn auch im Vorwort: “Doch war dieses Buchprojekt auch Anlass, anderswo nachzusehen, wo weniger bekannte Spielstätten identitätsstiftende Wirkung hatten und geografische Landmarken darstellten.”

Das Werk besteht insgesamt aus zwei Teilen, wobei sich der Anhang noch einmal in vier eigene Abschnitte untergliedert: Neben verschwundenen Spielstätten von Aachen bis Zwickau auf den ersten 135 Seiten findet man im besagten Anhang weitere Arenen, die heute verschwunden sind und solche, bei denen am selben Ort neue Spielstätten entstanden. Noch einmal deutlich höher schlägt das Stadionnostalgiker-Herz zum Ende des Buches, wenn man nach reichlich Fußball-Geschichte bei den “legendären Holztribünen” angekommen ist, die in ‘noch vorhanden’ und ‘inzwischen verschwunden’ eingeteilt werden.

Doch, “Es war einmal ein Stadion” ist ein Buch, in dem man sich verlieren kann. Fußballhistoriker*innen ist es ebenso zu empfehlen wie dem ganz normalen Fan, der sich für die Wurzeln des Fußballsports seiner Heimatstadt bzw. die ehemalige(n) Spielstätte(n) seines Herzensvereins interessiert oder der Anhängerin der guten, alten Fußballkultur, deren Blick über Multifunktionsarenen und Baukastenstadien hinausgeht und für die ein Kaltgetränk und eine Bratwurst im Leipziger Fortuna-Sportpark oder im Nobiskrug zu Rendsburg ebenso zu einem gelungenen Fußballnachmittag gehören können wie der Besuch in der hypermodernen <Hier Sponsorennamen einfügen>-Arena in München, Hamburg oder Dortmund. Kurzum: “Es war einmal ein Stadion” ist ein hervorragendes Werk, was in keinem fußball-affinen Bücherregal fehlen sollte.

Autor: Alexander Schnarr

Werner Skrentny: Es war einmal ein Stadion. Verschwundene Kultstätten des Fußballs.
176 Seiten, Format A4, gebunden
ISBN 978-3-7307-0192-8
Preis: 24,90 Euro
Erschienen im Verlag Die Werkstatt

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