3 Stimmen zum Tag des Amateur-Fußballs

Der Profifußball boomt. Wir schauen hinüber in den Amateurbereich und haben mit drei Kennern gesprochen, die sich für den Amateurfußball engagieren.

Autor: Christoph Wagner, anoldinternational.co.uk, die Interviews führten Christoph Wagner und Endreas Müller

>> Interview mit James Doe, dem Initiator des Non-League Day in England

>> Die erste Lokalrunde – Interview mit Dirk Mederer

>> Auf ein Wort mit Sebastian Schwerk

In Zeiten der Weltmeisterliga und steigender Popularität der Bundesliga nicht nur in Deutschland, stellt sich die Frage, wie es denn um den Amateurfussball hierzulande steht. Die Bundesliga wird international als fair für Zuschauer gepriesen. Da ist durchaus was dran, denn im Vergleich zur Premier League bleiben die Ticketpreise für ein Bundesligaspiel noch im Rahmen des moralisch Vertretbaren. Vorausgesetzt, man verlangt keine VIP-Loge. Von außen betrachtet, mag die Bundesliga in der Tat attraktiv erscheinen. Nicht nur die Preise, auch der Fußball, der Woche für Woche geboten wird, hat sich mächtig gewandelt. Kein Wort mehr vom deutschen Rumpelfußball der Ära Ribbeck. Die deutsche Liga ist so populär, man könnte meinen, England entwickelt eine kleine Obsession mit dem Land des Bundesadlers.

Diese Erscheinung wird unterstrichen durch eine erhebliche Anzahl von Beiträgen im englischen the Guardian. Während und nach der EM 2012 schrieb das Blatt sogar, dass es ‘cool sei, Deutschland zu mögen.’ Hört, hört! Das lag wohl eher daran, dass Deutschland zwar guten Fußball zeigte, aber letztendlich doch verlor. Das Ausscheiden war wohl eher der Antrieb hinter dem Statement. In diesem Jahr ging das Blatt sogar noch einen Schritt weiter. Unter der Überschrift “Es ist schon OK, Deutschland zu mögen” schrieb Stewart Wood, dass viele Briten zu Deutschland halten würden im WM-­Finale. Aus britischer Fairness heraus gesteht Wood, dass die Briten das beste Team als Sieger sehen wollen. In diesem Falle war das wohl Deutschland, da sie laut Autor des Artikels den besten Fußball in Brasilien, aber auch gegen Brasilien gezeigt haben. Kurzum, Deutschlands Fußball gehört neben seinen Autos wahrscheinlich zu den derzeit populärsten Exportartikeln, die das Land zu bieten hat.

Lassen wir die Autos mal in der Garage und schauen uns den Fußball genauer an. Besser, den Amateurfußball. Dort gab es vor einiger Zeit einen ziemlich heftigen Streit zwischen den Hartplatzhelden und dem DFB. Dieser meinte nämlich, dass die Videorechte an den Spielen von unterklassigen, sprich Amateurmannschaften nämlich einzig und allein beim DFB lägen. Nun, der Streit landete vor Gericht und der DFB verlor. 1­-0 für den Amateurfußball? Wohl kaum. Die Lage ist nicht rosig. Im letzten Jahr versuchten Fans von Göttingen 05 mit einer Kampagne Fußballfans dazu zu bewegen, ihren Fernseher und damit die Bundesliga-Liveübertragung NICHT einzuschalten und stattdessen ins nächstliegende Stadion zu gehen, um ihren ortsansässigen Amateurklub zu unterstützen. Die Kampagne, Glotze aus, Stadion an gewann schnell an Popularität und ist inzwischen sogar in der Schweiz erfolgreich.

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Prozentuale Entwicklung der Mitgliederzahlen, gemeldeten Vereine und Ihrer Mannschaften. Als größter nationaler Sportfachverband der Welt steigert der DFB von Jahr zu Jahr die Zahl seiner Mitglieder. Die Anzahl der gemeldeten Mannschaften und der Mitgliedsvereine ist jedoch rückläufig. Quelle: DFB.de

Dabei dürfte bei genauerem Hinsehen klar sein, dass es dem Amateurfußball nicht gut geht. Nicht gut gehen kann. Zum einen brechen die Spieler weg. Die Demographie Deutschlands sieht einen Rückgang der Bevölkerung voraus. Die Auflösung der SG Traktor Brumby ist nur ein Beispiel von vielen. Es fehlten einfach die Leute, den Club am Leben zu erhalten. In ganz Ostdeutschland sind zwischen 2010 und 2013 ganze 72 Fußballclubs aus dem Vereinsregister gelöscht worden.

Dieses Vereinssterben hat sehr unterschiedliche Gründe, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Die Popularität der Bundesliga spielt dabei natürlich auch eine Rolle. Während immer mehr Zuschauer zu den Spielen der drei Profiligen strömen, stagniert der Amateurfußball. TV-­Gelder gehen in die Höhe aber erreichen kaum die Breiten der Amateurligen. Aber bevor dieser Beitrag eine Auflistung der Baustellen für den DFB wird, um den Breitensport Fußball am Leben zu erhalten, möchten wir uns viel lieber mit Initiativen und Initiatoren befassen, die sich die Förderung des Amateurfußballs auf die Fahnen geschrieben haben.

Eine Aktion, die den Amateurfußball mehr in den Fokus rücken soll, ist die “Lokalrunde”. Während der Länderspielpause im Oktober fand zum ersten mal dieser Tag des Amateurfußballs in Deutschland und der Schweiz statt. Es geht dabei darum, die Aufmerksamkeit auf die Amateurspiele in der eigenen Umgebung zu lenken. Fußballenthusiasten sollen zu ihrem Amateurverein finden. Vereine melden ihre Spiele, die dann von Fans auf einer interaktiven Karte gefunden werden können.

Dort wo der Fußball, so wie wir ihn heute kennen, entstand und der Sport derzeit so umfassend vermarktet wird wie nirgendwo anders, in England also, entstand auch die Idee, die die Lokalrunde aufgreift. Seit 2010 findet dort der so genannte Non-League Day (NLD) statt.

Wir sprachen mit dem Initiator des NLD, einem der Köpfe hinter der Lokalrunde und führten ein kurzes Gespräch zur Situation des Amateurfußballs mit einem Kenner des Dresdener Amateurfußballs.

Interview mit James Doe, dem Initiator des Non-League Day in England

Das Gespräch wurde von Christoph Wagner im Vorfeld der Lokalrunde geführt.

Was war ausschlaggebend für den Start eures Projekts?
2010 reiste ich nach Devon, einem Ort auf dem Land, um mir die Queens Park Rangers in einem Testspiel gegen den Amateurklub Tavistock anzusehen. Mir fiel sofort auf, wie wichtig das Spiel für den Verein und wie wertvoll die zusätzlichen Einnahmen waren. Ungefähr eine Woche darauf besuchte ich den nächstgelegenen Amateurklub Harrow Borough und bekam mit, dass sie Spenden sammelten, um neue Glühlampen für ihr Flutlicht zu beschaffen. Es hat mich schockiert, dass eine so banale Anschaffung solchen Aufwand notwendig machte.

Bei der damaligen allgemeinen Finanzlage ging ich davon aus, dass sie nicht der einzige Klub sein würden, der sich in einer solchen Situation befand. Deshalb wollte ich etwas zur Verbesserung der Lage beitragen. Durch Zufall bekam ich mit, dass eine Länderspielpause kurz bevorstand, in der keine Erst- oder Zweitligaspiele stattfinden würden. Die englische Nationalmannschaft spielte am Freitagabend und so sah ich eine gute Gelegenheit, um etwas zu tun.

Sonntagskick im Victoria Park, Leicester-03

Foto: Christoph Wagner

War es schwierig eine erste Rückmeldung von den Klubs zu bekommen. Wie hast du sie überzeugt, an der Aktion teilzunehmen?
Zunächst startete ich den Non-League Day (NLD) als eine Facebookveranstaltung unter Freunden – ich wollte einfach, dass sie rausgehen, sich ein Spiel ihres lokalen Amateurklubs anschauen und sehen was passiert. Ich hatte nicht das Ziel, direkt Klubs einzubeziehen.

Als die Medien auf die Idee aufmerksam wurden, begann das Interesse zu wachsen und Vereine sprachen mich an. Man bot mir Sonderangebote, wenn ich auf ihre Spiele hinweisen und neue Fans anziehen würde.

Mit dem NLD listen und bewerben wir alle Spiele bis zu einem bestimmten Level unabhängig davon, ob die Vereine uns aktiv unterstützen oder nicht. Das entspricht dem Ursprungsgedanken in erster Linie den Amateurfußball und nicht bestimmte Vereine zu unterstützen. Wir möchten nicht, dass ein Fan ein Spiel verpasst nur weil uns sein örtlicher Amateurklub nicht unterstützt.

Das heißt nicht, dass wir nicht versuchen so viele Vereine wie möglich von unserer Sache zu überzeugen. Wir schreiben E-Mails und kontaktieren viele Klubs über die sozialen Netzwerke. Einige wollen nicht mitmachen während andere Vereine noch gar nicht vom NLD wissen, obwohl das von Jahr zu Jahr weniger werden.

Wie viele Vereine machen mit?
Auf unserer Übersichtskarte listen wir Spiele von mehreren hundert Vereinen an diesem einen Tag – alle spielen in den sechs höchsten Amateurligen. Wir führen auch Ansetzungen aus Ligen darunter, wenn uns die Klubs ansprechen.

Welche Rückmeldungen erhaltet ihr von den Vereinen? Sind sie durchgehend positiv?
Viele der Rückmeldungen sind sehr positiv. Wenn wir diesen Zuspruch nicht bekommen würden, würde es den NLD nicht mehr geben, da er uns viel Zeit und Aufwand kostet. Einige Vereine stellen Zuschauerrekorde auf oder liegen deutlich über ihrem Besucherschnitt. Wir hören auch oft von Fans, denen es Spaß gemacht hat und manchmal krempeln wir sie komplett um!

Negatives hören wir meist nur von Fans, deren Klubs keine Spiele am NLD austragen können. Wir werden gefragt, warum es den NLD nur zweimal jährlich gibt und warum wir dieses oder jenes Datum gewählt haben.

Es gibt auch ein paar Fans von Amateurklubs, die den NLD als herablassend empfinden und es nicht mögen, wenn Fremde ihre Spiele besuchen, obwohl sich das finanziell sehr für die Vereine lohnen kann. Es gibt auch Beschwerden, dass die Vereine die “neuen” Fans besser behandeln würden als ihre angestammten, da es am NLD Sonderangebote von Seiten der Vereine gibt – darauf haben wir keinen Einfluss und ermutigen die Vereine, diese Angebote frei zugänglich zu machen. Wir denken “Pay What You Want”-Modelle sind meist am erfolgreichsten, wobei viele Besucher dennoch den regulären Preis zahlen.

Sind die Zuschauerzahlen nur an diesem einen Tag höher oder seht ihre eine generelle Verbesserung?
Es gibt definitiv eine Steigerung am NLD wegen der höheren Publicity. Wenn sich die Medien dann wieder anderen Themen zuwenden, schwindet auch das Zuschauerinteresse. Die Fans der Profiteams, die zum NLD kommen, schauen sich in der Woche darauf meist wieder die Spiele ihres Vereins an. Natürlich hören wir auch von einzelenen Fans, die wiederkommen und regelmäßig bei den Spielen sind – zwei meiner Freunde besuchen z.B. inzwischen regelmäßig die Spiele ihres Amateurklubs, ohne dass sie der NLD daran erinnern müsste.

Es ist interessant zu sehen, wie viele Leute dieses Wochenende kommen. Ich bekomme derzeit nicht so viele Diskussionen mit, aber ein zwei Klubs werden versuchen, die Gelegenheit zu nutzen.

Ist der NLD nachhaltig? Gibt es irgendeine Form der Unterstützung durch Premier League, FA, Football League oder Conference?
Schwer zu sagen, aber wenn wir den NLD aufgeben würden, würde das Interesse am Amateurfußball auf jeden Fall etwas nachlassen. So lange wir weitermachen, werden immer neue Organisationen und Menschen mit einbezogen. Obwohl es keine offizielle Unterstützung gibt, erhalten wir aktive Unterstützung von einigen Profiklubs.

Sie unterstützen gern ihre lokalen Amateurvereine und den NLD mit Texten auf ihren Websites, in ihren Stadionheften oder in sozialen Netzwerken. Arsenal leiht sogar seinen luxuriösen Mannschaftsbus an Boreham United aus, um das Team zu Auswärtsspielen zu chauffieren. Solche Aktionen sind essentiell für den Erfolg des Tages und in dem wir zeigen, dass der NLD vielmehr ein Grund zum Feiern denn ein Protest ist, ist es einfacher, Profiklubs und Organisationen ins Boot zu holen.

Nimmst du dir für den NLD etwas Besonderes vor?
Zuletzt habe ich mir das Spiel Dulwich Hamlet gegen Hampton & Richmond Borough angesehen. Der Verein aus Südlondon setzte auf ein “Pay What You Want”-Modell, veranstaltete Einiges am NLD und machte gute Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld. Mit 3.000 Besuchern stellte man einen Zuschauerrekord auf (normalerweise kommen 600-700 Zuschauer). Ein Erfolg auf ganzer Linie.

Dieses Wochenende bin ich in Berlin bei der Lokalrunde, die erste Veranstaltung bei der wir Pate stehen und die in Deutschland und der Schweiz stattfindet. Ich wünsche den Veranstaltern viel Erfolg.

Das Original-Interview auf Englisch kann hier nachgelesen werden:

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Die erste Lokalrunde – Interview mit Dirk Mederer

Dirk ist einer der Köpfe, die hinter der Initiative GLOTZE AUS, STADION AN! (GASA) stecken und zeichnet auch für die Lokalrunde verantwortlich. Wir sprachen mit ihm über sein Fazit nach der ersten Lokalrunde in Deutschland und der Schweiz.

Wie viele Vereine haben sich an der ersten Lokalrunde beteiligt?
Es haben knapp 80 Vereine aus Deutschland und der Schweiz an der ersten LOKALRUNDE teilgenommen. Eine Zahl, die uns sehr freut, denn wir gehen, obwohl wir eine Partnerveranstaltung des englischen NLD sind, in einem wichtigen Detail anders vor als unsere GesinnungsgenossInnen von der Insel: Wir tragen nicht alle Spiele der Amateurfußballtage (in der Schweiz wurde an zwei Tagen LOKALRUNDE durchgeführt) eigenständig in den sogenannten Matchfinder, also die Karte der Veranstaltung, ein, sondern tun dies nur, wenn ein Mensch aus dem Vereinsumfeld uns mit einer Mail dazu auffordert.

Das hat zwei Gründe:
Erstens wollten wir vermeiden, dass die eingetragenen Amateurclubs überhaupt nicht wissen, dass sie bei LOKALRUNDE mitmachen und so der „Tag des Amateurfußballs“ gänzlich spurlos an ihnen vorüber geht.

Zweitens ist LOKALRUNDE für uns Veranstalter von GLOTZE AUS, STADION AN! auch eine sportpolitische Angelegenheit. Wir wollen nicht nur den Amateurfußball feiern, sondern auch auf die Probleme aufmerksam machen. Das gebietet schon die Mentalität der GASA-Initiative. Wir sind kritische Amateurfans. Deshalb ist für uns die aktive Auseinandersetzung der Vereine mit LOKALRUNDE und dem Thema „Amateurfußball in der Krise“ per se unabdingbar.

Zieht ihr ein positives Fazit nach dem ersten Durchgang?
In jedem Fall. Wir haben bereits in den letzten Wochen gemerkt, dass in der medialen Wahrnehmung LOKALRUNDE einen Sprung von der fixen Idee hin zur seriösen Veranstaltung getätigt hat. Vereinzelt sind lokale Zeitungen sogar regelrecht auf den Tag des Amateurfußballs aufgesprungen und haben regional dabei mitgeholfen, die Sache publik zu machen. Das spiegelt sich auch im Zuspruch der Clubs wieder.

Gerade der Einstieg in die Veranstaltung war mühsam und erforderte viel Aufmerksamkeit. Das Thema „deutschsprachiger NLD“ hat zahlreiche Leute angesprochen, aber für uns ging es auch um eine Identitätsfindung. Wir sind glücklich, dass LOKALRUNDE jetzt so aufgestellt ist, wie sie sich am 11. und 12. Oktober präsentiert hat. Als unabhängiges Projekt einer Amateurfaninitiative (GASA), die von vielen wohlwollenden Partnern unterstützt wird. Der Tag des Amateurfußballs emanzipiert sich damit von Befindlichkeiten, die eine enge Bindung an Verbände oder Einzelmedien mit sich gebracht hätte.

Für unser Team war die erste Veranstaltung auch ein Nagelprobe, was unsere eigene Kooperationsfähigkeit anbelangt. Natürlich sind wir alle leidenschaftliche FreundInnen des Amateurfußballs, aber wir kommen aus ganz unterschiedlichen Ecken und mussten uns über die Initiative und die Veranstaltung erst einmal kennen lernen. Ich bin heute wirklich begeistert davon, wie eng und selbstverständlich wir zusammengearbeitet haben. Das macht Mut fürs nächste Jahr.

Fällt dir auf Anhieb ein Verein ein, der besonders von der Lokalrunde profitiert hat?
Derzeit flattern nach und nach die Ergebnisse von LOKALRUNDE herein und natürlich ist das ein buntes Potpourrie von Erfolgsgeschichten und unerfüllten Erwartungen. Insbesondere die Amateurvereine, die den Tag genutzt haben, um etwas Besonderes zu gestalten, waren wohl Nutznießer. Ein paar Clubs haben gleich eigenständig das Charitykonzept aufgenommen, welches der NLD seit Jahren übergreifend einbindet, und welches wir im ersten Jahr außen vor gelassen haben.

Da kam ordentlich Geld für unterschiedliche Sozialprojekte rein. So haben zum Beispiel der SV Eichede 1.500 Euro für das vereinseigene Handicap­-Team und der TSV Waake­ Bösinghausen 200 Euro für die Kinderhospiz gesammelt.

Für viele Clubs bedeutete LOKALRUNDE, dass sich endlich einmal Zeitungen und Radiosender für ihre Arbeit interessierten, die sonst nur beiläufig oder gar nicht über sie geschrieben haben. Das sind dann die mittelfristigen Effekte, die sich auf die Zuschauerzahlen auswirken können und die natürlich auch dem Amateurfußball einer ganzen Region nutzen.

Wie und wer kann die Lokalrunde unterstützen?
Es gibt mehrere Wege LOKALRUNDE zu fördern. Der direkteste Weg ist, sich als Amateurclub für die Veranstaltung im Jahr 2015 zu melden, sobald nach dem Staffeltag klar ist, dass der eigene Club ein Heimspiel am Veranstaltungs­wochenende hat. Damit unterstützt man gleichzeitig die Sache des Amateurfußballs und den eigenen Verein. Der Aufwand ist minimal und es gibt keine weiteren Verpflichtungen, die daraus erwachsen.

Menschen, die nicht für einen Amateurverein arbeiten, können LOKALRUNDE unterstützen, indem sie darüber reden und die Spiele besuchen. Vor allem aber auch, indem sie ihren Clubs vor Ort treu bleiben und beim nächsten Heimspiel wieder vorbei schauen. Denn auch an langfristig besseren Zuschauerzahlen misst sich der Erfolg der Veranstaltung.

Und natürlich können Medien LOKALRUNDE unterstützen, indem sie die den Tag des Amateurfußballs bewerben und die Veranstaltung zum Anlass nehmen, die schwierige Situation des Amateurfußballs zu hinterfragen. Die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich oder für kleines Geld in den Clubs engagieren, ziehen aus der öffentlichen Unterstützung neue Energie und die Verbände werden vielleicht stärker in die Verantwortung genommen.

Auf ein Wort mit Sebastian Schwerk

Sebastian hat als Aktiver von der 4. Liga bis zur bunten Liga alles erlebt und ist derzeit für Kommunikation und Koordination beim Nachwuchs des SC Borea Dresden ehrenamtlich engagiert. Der Verein ist für seine hervorragende Nachwuchsarbeit bekannt. Wir haben Sebastian einige Fragen zu aktuellen Entwicklungen im Amateurfußball gestellt.

Kennst du den Tag des Amateurfußballs bzw. das Konzept dahinter? Falls ja, wie gefällt es dir? Falls nicht, welche Baustellen sollten deiner Meinung nach an einem solchen Tag thematisiert werden?
Ich kannte das ehrlich gesagt nicht, aber die Idee gefällt mir. Ein schönes Thema wären zum Beispiel Best Practice-Beispiele für die Zusammenarbeit von Profi- und Amateursportvereinen. In den meisten Fällen passiert dort nämlich das meiste nur auf dem Papier. Aber natürlich kann man auch mal sehr provokant die Frage stellen, ob die Nachwuchsarbeit bis zum zehnten  Lebensjahr wirklich immer noch unbedingt Vereinsaufgabe ist oder ob hier nicht die Schulen eine größere Rolle spielen könnten. Aber allgemein mag ich den Begriff “Amateurfußball” gar nicht so gerne. Er gilt schließlich für die Regionalliga genauso wie für die Kreisliga und dazwischen liegen sportlich und wirtschaftlich Welten. Es wäre interessant über ein Siegel
“Freizeitfußball” nachzudenken für den Bereich, wo wirklich kein Spieler auch nur einen Cent Aufwandsentschädigung bekommt. Dieser Bereich hat ganz andere Bedürfnisse als ein ambitionierter Landesligist.

Der WM-Titel spült neben den Millionen-Beträgen aus dem Sponsoring zusätzliche Einnahmen in die DFB-Kasse. Spürt man als Verein mit großem Jugendbereich und Männermannschaft in der Bezirksliga direkt etwas davon oder ist eher das Gefühl da, dass man sich in Frankfurt auf Aushängeschilder wie die Nationalmannschaft oder das Museumsprojekt konzentriert?
Nein, davon spürt man nichts. Aber das hat auch sicher keiner erwartet. Umgerechnet auf alle Vereine käme da ja wahrscheinlich keine dreistellige Summe pro Club zusammen. Als Verein hat man mit dem DFB ja außerdem sehr wenig zu tun sondern fast ausschließlich mit den Landes- und Kreisverbänden. Wenn diese besser ausgestattet sind, vor allem personell, dann werden auch die Vereine davon profitieren. Aber das zeigt sich natürlich nicht innerhalb weniger Monate. Nötig wär´s! Wichtiger jedenfalls als teure TV-Kampagnen.

Ich kann mich heutzutage im Fernstudium zum staatlich anerkannten Betriebswirt ausbilden lassen, aber für eine C-Lizenz Leistungssport müssen ehrenamtliche Trainer noch ihren halben Jahresurlaub opfern für Präsenzkurse. Das kann´s ja nicht sein!

Der Zwang zu Tickern, ist nur eine von den Pflichten, die DFB und Landesverbände den Amateurvereinen auferlegen (wollen). Wird zu viel gefordert und zu wenig gefördert bzw. unterstützt?
Bei uns in Sachsen gibt es die Pflicht (noch) nicht. Ich halte von dieser Pflicht auch gar nichts. Im Ernst, wie viele Leute lesen denn bitte den Ticker eines Kreisligisten und wie soll das dazu führen, dass mehr Menschen auf dem Fußballplatz gehen? Der Relaunch von fussball.de wurde sowieso einzig und allein so gestaltet, dass auf der Website mehr Traffic herrscht, um diesen zu monetarisieren. Die Vereine haben da nichts gewonnen. Im Gegenteil: Nach wie vor kann man den kompletten Vereinsspielplan nicht direkt verlinken oder in die eigene Seite integrieren. Dabei würde uns das viel Arbeit ersparen. Bei den Tabellen ist das zwar möglich, aber dort prangt große Werbung des Sponsors Deutsche Post. Es wäre für uns natürlich ein großer Gewinn, wenn wir die Präsentation der Tabellen auf unserer Seite selber vermarkten könnten an die Sponsoren der betreffenden Teams.

Wie empfindest du die Einstellung des DFB gegenüber kommerziellen bzw. privaten Portalen wie FuPa und den Neustart von Fußball.de?
Ich kann da jetzt nichts Genaues zu sagen, da ich die Einstellung nur vom Hörensagen kenne, aber ich habe schon von Anfang an meine Probleme mit der Ausrichtung von fussball.de, Daten zu Geld zu machen. Die Berichterstattung über lokalen Fußball sollte Hoheitsgebiet lokaler Medien sein, ob kleines Portal oder regionale Tageszeitung. Und die sollten frei entscheiden können, ob und mit welchem Portal sie zusammenarbeiten. Offene Schnittstellen zu den Ergebnissen und Tabellen wären eindeutig der bessere Weg. Zumal der DFB eben kein Online-Experte ist. Sonst sähe vieles anders aus. Ein Beispiel: Ich kann mich heutzutage im Fernstudium zum staatlich anerkannten Betriebswirt ausbilden lassen, aber für eine C-Lizenz Leistungssport müssen ehrenamtliche Trainer noch ihren halben Jahresurlaub opfern für Präsenzkurse. Das kann´s ja nicht sein!

 

Wir bedanken uns bei unseren Gesprächspartnern James Doe, Dirk Mederer und Sebastian Schwerk sowie beim SV Eichede für die Bereitstellung von Bildmaterial.

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